’ Stuhl, aus dem der Kater liegt, nimmt setzt sich auf das Fußend« des Bettes.)
Aase: In der letzten Nacht, da tat er
So seltsam: — bedeutet's den Tod? ,
PeerGynt (ausweichend): Was gibt es Neues im Städtchen? Aase (lächelnd): Auss Gebirg soll zuweilen gehn Zum fernen Schatz ein Mädchen —
Peer Gynt (schnell): Hast du Mats Moen gesehn?
Aase (sortfahrend): Man sagt, sie lass' sich nicht stören Aus ihrem heimlichem Psad.
Du solltest nach doch hören, Du weißt vielleicht 'nen Rat.
Peer Gynt: Kannst du vom Schmied nur erzählen ?
Aase: Schweig von dem unsauberen Geist! — Du brauchst dich nicht lange zu quälen, Du weißt, wie die Dirne heißt.
Peer Gynt: Nein, lass' uns ohne Zaudern Erwägen, was sich schickt, lind recht gemütlich plaudern, Vergessend, was uns drückt. — Hast du Durst — ich will dich erquicken. Streck dich aus — das Bett ist nicht lang. Und nun steht es vor meinen Blicken: Jst's nicht meine eigens Bank? — Weißt, wie du am Abend mich strecktest Und setztest dich aus die Kant', Mich mit dem Schasfell bedecktest Und sangst von der Kuh und dem Fant?
Aase: Ja, freilich, wir spielten Schlitten, Wenn Vater von Hause fort: Auch stiegen wir ob und schritten Aus Schneeschuh'» über den Fjord.
Peer Gynt: Doch, Mutter, das Mlerbängste, Wie rieselt's durch Mark und Bein, War doch die Fahrt mit dem Hengste!
Aase: Ja, meinst du, mir fällt s nicht ein? —■ Das war ja der Kater, der festlich Auf hohem Stuhle thront': —
Peer Gynt: Zum Schloß von der Sonne westlich, Zum Schlosse östlich vom Mond, Zum Soria-Moria-Palaste, Das war das ersehnte Ziel.
Ich nahm einen Stock, der paßte Uns grade zum Peitschenstiel.
A a s e: Ich saß aus dem Kutscherbock — du!
Beer Gynt: Der Kater bekam an das Ohr: Doch knöpftest auch du mir den Rock zu, Und fragtest mich, ob ich fror Gott segne dich, gute Alte, Und dein kindlich-frommes Gefühl; — Doch du stöhnst -
Aase: Mich drückt 'ne Falte In dem ausgelegten Pfühl.
P e e r G y n t: Richt' dich auf, ich will dich stutzen. Sieh — so; nun liegst du weich.
Aase (unruhig): Nein, Peer, es kann nichts nützen, Ich reise — am besten gleich.
Peer Gynt: O Unsinn! — Leg unter das Fell dich, Ich setze mich auf die Kant', Und begleite als treuer Gesell dich, Und sing' von der Kuh und dem Fant.
Aase: Hol' lieber die Hauspostille, Mir ist so traurig zumut' — , r ,,,
Peer Gynt: Ei, Mutter, ne bloße Grille, Es wird noch alles gut!
Im Soria-Moria-Palaste Ist Hochzeit bei König und Prinz.
Aase: Doch Peer, sind wir auch zu Gaste
Geladen^
Peer Gynt: Ei freilich, wir sinds. (Er wirft eine Schnur um den ‘! einen Stock in die Hand und s _ . . Rapp', spute dich, keine Flausen! Die Mutter, die ist mit; — Ja, ja, man merkt's am Sausen, Du hast einen guten Schritt.
Aase: Doch, Peer, da lacht und klingt es — P e e r G y n t: 's ist die Schelle am Pferdeohr, A a fe : Und jetzt, da kracht und singt es — Peer Gynt: Wir fahren über ein Moor.
Aase: Halt an! Um die drohenden Gipfel Seufzt es so seltsam schrill?
Peer Gynt: Der Sturm durchbraust dre Wipfel Der Heide — sitz nur still!
Aase: Es funkelt von tausend Fenstern, Was ist das für ein Glanz?
Peer Gynt: Das Schloß ist voll von Gespenstern, — Hörst du--?
Aase: Den Ringeltanz? „
Peer Gynt: Doch draußen steht Sankt Peter Und ladet dich freundlich ein.
Aase: Grüßt er mich?
Peer Gynt: Lächelnd steht er Und schenkt vom süßesten Wein.
Aase: Wie, Wein? — Hat er auch Kuchen?
Peer Gynt: Ja, freilich, so viel man nur backt.
Dich kommt die Propstin suchen, Beut Kaffee dir und Konfekt.
Aase: So treffen wir dort zusammen?
P e e r G y n t : So ost es dir gefällt.
Aase: O Peer, mit dir zusammen
Fahr' gern ich aus der Welt.--
Peer Gynt (knallt mit der Peitsche):
Rapp', spute dich, laß dich bitten!
Aase: D Peer, fährst du auch recht?
Peer Gynt (knallt wieder):
Auf dem Hauptweg fährt der Schlitten —
Aase: Nein, Peer, es gebt uns schleckt.
Peer Gynt: Schon seh ich das Schloß sich erheben.
Da nimmt die Fahrt ein End'.
Aase: O Peer, ich will nicht beben, —
Zum guten alles wend'!--
P e e r G y n t: Mein Pferd, bald gibt es Futteri —
Am Tor ist's Gewiminel groß; —
Peer Gynt kommt mit der Mutter;
Sie fitzt auf seinem Schoß.
Nun, was sagst du, heiliger Peter,
Läßt du die Mutter ein?
Mach auf, du Schwerenöter,
Laß die frommen Seelen schrei'»!
Mich mögen sie weiter versliichen,
Ich hab' sie selten erbaut; —
Doch kannst du lange suchen
Rach solch einer ehrlichen Haut.
Ich will nicht die Frommen erbosen,
Ich kehr' an der Türe um;
Hab' sie oft vor den Kops gestoßen.
Das nahmen sie wahrlich krumm. —
Doch sie sollt ihr ehren und achten.
Und mache» ihr alles zum Dank.
Denn wenn wir's recht betrachten,
's ist mancher Gesunde krank.--
Doch wie, da ist ja Gottvater!
Sankt Peter, hüte dich fein!
(Mit tiefer Stimme.) „Hör' aus nut deinem Geprater!
Mutter Aase kommt frei herein!"
(Er lacht laut auf und wendet sich nach feiner Mutter.)
Ja, das wollt' ich auch aus mir bitten,
Sonst säug' ich ein andres Sieb! —
(Aenaftlick.) Was sitzt du fo steif aus dein Schlitten,
O Mutter, und rührst kein Glied? (Er geht zum Kopfende des Bettes.)
Du sollst nicht so liegen und starren! —
Sprich. Mutter — es ist dein Peer! , ,
(Er befühlt ihre Stirne und Hände, bann wirst er die Schnur auf den Stuhl und spricht mit dumpser Stimme):
Meichsani^um Rappen): Kannst ruhen und harren!
Wir fahren nicht länger mehr.
(Er drückt ihr die Augen zu und beugt sich über sie.)
Hab' Dank für alles, fürs Zanken,
Sür Schläge, für Scherz und Kutz! — och mutzt du nun auch mir danken _ .
Mr die Fahrt--(Er drückt feine Wange an ihren Mund.)
Das ist der Schluß. —
Kari (kommt): Was — Peer? — So ist überwunden
Die schwerste Sorg' und Not! —
Wie schläft sie so gesunden
Schlaf! — Oder —?.....
sft e e v Gynt: Stitt, fic tft tot ,
(Kari weint an der Leiche; Peer Gynt geht lange in der vtube
auf und ab; endlich steht er am Bett still.)
Nun der Mutter die letzte Ehre,
Dann hinaus über Berg und Joch.
Kari: Gehst du weit?
Peer Gynt: Bis hin zum Meere.
Kari: So weit?
Peer Gynt: Und weiter lisch. (Er geht.)
Der Zwerg Nase.
Von Wilhelm Hauff.
(Fortsetzung.)
In jener Stadt gibt es, wie überall, wenige mitleidige Seelen, die einem Unglücklichen, der zugleich etwas Lächerliches an sich tragt, unterstützten. Daher kam es, daß der unglückliche Zwerg den ganzen ^aq ohne Speife und Trank blieb und abends die Treppen einer Kircke fo hart und kalt sie waren, zum Nachtlager wählen mutzte.
Als ihn aber am nächste» Tage die ersten Strahlen der Sonne erweckten da dachte er ernstlich darüber nach, wie er fein Leben fristen könne, 'da ihn Vater und Mutter verstoßen. Er fühlte sich »» stolz, um als Aushängeschild eines Barbiers zu dienen, er wollte nicht zu einem Possenreißer sich verdingen und sich um Geld sehen lassen. Wo, sollte er anfangen? Da fiel ihm mit ememmal bei, daß er als Eichhörnchen große Fortschritte in der Kochkunst gemacht habe; er glaubte
nicht mit Unrecht, hoffen zu dürfen, daß er es mit manchem Koch
anfnelimen könne; er befchloß, seine Kunst zu benutzen «
Sobald es daher lebhafter wurde auf de» «trotzen und der Mor
gen ganz heraufgekommen war, trat er zuerst in die Kirche und verrichtete sein Gebet. Dann trat er seinen Weg an. Der Herzog, der Herr des Landes, o Herr! war ein Mannter Schlemmer und Lecker d^ eine gute Tafel liebte und seine Köche in allen Weltteilen aufsuchte. Zu einem Palast begab sich der Kleine. Als er an die äußerste Pforte kam, ragten die Türhüter nach seinem Begehr und hatten ihren Spott mit hm; er aber verlangte nach dem Oberküchenmeister. Sie lachten und führten ihn durch die Vorhöfe, und wo er hinkam, blieben die Diener


