d. 18t Noombr.
Ew. Exzellenz
wir ihn doch?
*
;oöttin zu, daß es genug Stirn«, und tröstet mich
gehorsamster Heinrich von Kleist.
Erscheinungen, sie stherrckar unbedeulei wir es nur wahrzunei, icheinnngen wahrzunehmen zu lernen. Frag« bei jeder En Has hin? und dann wird die Lehre bereichern; oder frage wenigstens, wenn
der Welt diesem Bühnenipiel gleich
«rungen, die jenseits des Tages doch seines Wesens »nnerstes Angebmd ^r, Novalis sank in den Tod, Hölderlin floh zu den Gnechen, mdeflen Lösche, der Leuchtturm in mächtiger Brandung^ über den Zeiten baftanb.
Me sahen den Stern auf ihren mühsamen Wegen; dem er am fernsten «and, und der sich selber als Pfand dem Schicksal einsetzte, ihm wurde ^n®o°bere^in3 vo^Hombür^den Tag des Kurfürsten E Branden- hura zur Ewigkeit machte, da wurde im deutschen Geist Preugen, da wurde in Preußen Deutschland wiedergeboren.
Kleist in feinen Briefen.
Die nahezu 200 Briefe von Kleists Hand, di« den stattlichen Schluß- fcmb der kritischen Gesamtausgabe füllen, gehören ohne Awscsel^zm-l Merkivürdiasten, was überhaupt in der Geschichte des deust chrn Bri efes M finden tit Immer bleibt, auch bei einem Künstte/l der Brief Ims per- rLnlichsts Dokument feines Wesens, der beste Schlussel zu [«nein Jnnem. Wer bei keinem anderen sind die Briefe eine so unentbehrliche ®rgan3tHi0 tU dem Bilde, das man aus den Werken gewinnt, rote gerade bei Kleist. Wr haben fünf Briefe ausgewählt, welche uns geeignet erscheinen, die XrUmriss« von Kleists Leben und Wirken zu vertiefen. P ÄZ November 1800, ist an Kleists Braut Wilhelmme von Ken«e aernistei — man mutz ausdrücklich betonen, daß es em Braut- ist _ tmb gibt Zeugnis von dem fanatischen Bildungshunger des ^^0 Kleist, den er mit unerschütterllchem ErnK Mich ans mckere M rtragen bemüht war. Das folgende, an dieUlrike ge richtete Schreiben, Gens 1803, ist wohl der b«ruhtnieste Kle,stbn«f, den mir kennen, und bedarf keines Wortes der Erläuterung, drei Wochen »päter schrieb Kleist abermals an Ulrike von St Omer: man steht, rote KcJv er schon damals daran war, ein Ende zu machen. Es folgt das Be- jlettschrecb«! zur lleberrsichung der „Penthesilea an G aet he, Dresden 1808- Goethe antwortete kühl, ablehnend und ohne Verstandms für die Dichtung Dm Schluß bildet der letzte Brief von Kleists Hand, November 1811, in dem er von Ulrike Abschied nimmt.
will denke ich, die Kunst in diesem nördlichen Hmimelstrich noch nicht reifen lassen. Thörigt wäre es wenigstens, wenn ich meine Kraft« langer an ein Werk setzen wollte, das, wie ich mich endlich überzeugen mutz, für mich zu schwer ist. Sch trete vor Einem zurück, der noch mcht dach, und beuge mich, em Jahrtausend im Voraus, vor {einem ©elfte. Demi in der Reihe der menschlichen Erfindungen ist diei-nise, bte ich gedscht habe, unfehlbar ein Glied, und es wächst irgendwo schon em totem Mr den, der sie einst ausspricht. . .
Und so soll ich denn niemals zu Euch, meine theuersten MenschM, zurückkehren? O niemalsl Red« mir nicht zu. Wenn Du es chust. so kennst Du das gefährliche Ding nicht, das man Ehrgeiz Eist. Sch kE jetzt darüber lachen, wenn ich rmr einen Prätendenten wti Ansprüchen unter einem Hausen von Menschen denk«, die sein Geburtsrecht zur Kemre nicht anerkennen; aber die Folgen für ein empfindliches Gemuch, fie find, ich schwöre es Dir, nicht zu berechnen. Mich entsetzt Dorstsllung.
1 Ist es aber nicht unwürdig, wenn sich das Schicksal herablätzt, ein fo HWfloses Ding, wie der Mensch ist, bei der Nase herumzuführen? Und soll!« man «s nicht fast so nennen, wenn e-uns alAchsE Ku^ aus Goldminen giebt, die, wenn wir nachgraben, überall kein achtes Metall enthalten? Die Hölle gab mir meine halben Talente, der Himmel schenkt dem Menschen ein ganzes, oder gar teins.
Ich kann Dir nicht sagen, wie groß mein lst.^ch wuÄe von
Herzen gern hingehen, wo ewig kein Mensch hinkommt. Es hat sicheme gewisse ungerecht Erbitterung meiner gegen si« b«meistert, ich kmnme mir fast vor wie Minette*), wenn fie in einem Streite recht hat, und sich "" Ich'bin jetzt auf dem Wege nach Paris fest ^Massen, ohr« gw^ Wabl xum greifen wo sich etwas finden wird. Getzner ) hat mich S bÄt Ä unfertige Stimmung hat mir viel Geck gekostet Md wenn du mich noch einmal unterstützen willst, so kann es mir nur ^h-lfen, wenn es bald geschieht. Kann sein, auch wenn es gar nicht geschieht.
Lebe wohl, grüße Alles — ich kann nicht mehr.
Hsmnch.
Gens, d. 5t Dcfober, 1803. *
Meine cheure Ulrike I Was ich Dir schreiben werde, kann Dir vielleiK das Leben kosten; aber ich mutz, ich mutz, ich mutz es öoffimngen. Ich habe in Paris mein Werk, so weit es fertig war, dur-iMlefenvrrworten und Derbrannt: und nun ist es aus Der Himmel »«^nurdenN^i, das größte der Güter der Erde; ich werfe chm, w-ie ein «'genfim'i?es Kind, alle Übrigen hin. Ich kann mich Deiner FrMndschast mcht wuroig zeigen, ich kann ohne diese Freundschaft doch mcht l e den mich in den Tod. Sei ruhig, du Eichabene, ich werde den schö-te« der Schlachten sterben. Ich Hobe die Hauptstadt diesesLmdesveilosstn, ich bin an seine Nordküste Lewi-ndertich werde ^anzüfisiheKrey.Äimste nehmen, das Heer wird bald nach England bmuberricbero, unjer aller Verderben lauert über den Meeren, ich frohlocke b« der Aussicht auf das unendlich-prächtige Grab. O du Geliebt«, du wirst mein letzter @e»
Dretzden, d. 24t Jan. 1808.
Pirnsche Vorstadt, Rammsche Gaffe, N. 123. *
«irf. kann nicht sterben, ohne mich, zufrieden mid heiter, wie ich bin, mit der wwen Welt, und somtt auch, vor allen Anderen, meine theuerste lllrite mit dir versöhnt zu haben. Latz sie mich, die strenge Ä^utzerung, di« ch'd^m Brieft an die Kleisten*") enthalten ist, laß fte mich zuruck- nehmen; wirklich, du hast an mir gethan, ich sdntcht, was kn Kräften einer Schwester, sondern in Kräften eines Menschen stand, um mich zu ^i tö« Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war Und mm lebe wohl; möge dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit, dem meinigen ßlecch: ist de
herzlichst« und innigste Wunsch, den ich für dich aufzubringen weiß.
Dein Heinrich.
Stimmlngs bei Potsdam d. — am Morgen meines Todes.
©obn bes Jdyllendichters Salomon Getzner.
"*) Marie von Kleist, geb. v. Gualtieri, Kleists Coufme.
Es war im fünfunddreitzigsten Jahr seines Lebens als Heinrich von Kleist sich mit der Schicksalsgenossin am Wannsee erschoß; die gute Ge- i'llfchast schwieg peinlich betreten, daß es die Frau eines Kleinbürgers war der sich der Junker im Tode verband. - , .
Sebn Jahre lang blieb sein Gedächtnis vergessen, dann hoben Freunde fern Nachlaß und tauben den Schatz, den ein Dichter dem Preußentum schenkte, als ihm (ein eigenes Leben in Preußen vergällt war.
W Den Prinzen von Homburg hieß er sein Testament, und ob ste es lange mit blödem Gesicht lasen, einmal mutzte sein Geist auferstehen, und rinmal mutzten die kargen Berliner und Preutzen erkennen, daß nichts v» her Welt diesem Bühnenspiel gleich war.
Klopstock und Herder, Lessing und Schiller hatten um eme Dichtung
Bemühe Dich also von jetzt an, recht aufmerksam zu se-m, auf all« icheinungen, di« Dich umgeben. Keine ist unwichtig, jede, auch die ~ mdste enthält doch etwas, das merkwürdig ist, wenn nehmen wissen. Aber bestrebe Dich, nicht bloß di« Er- sondern auch etwas von ihnen Frag« bei jeder Erscheinung entweder: woraus deutet md bann wird di« Antwort Dich mit irgendeiner nützlichen ,ct;il ___________I das nicht geht: womit
tat das eine Aehnlichkeit? und dann wird das Auffinden s Gleichnisses wenigstens Deinen Verstand schärfen.
Ich will Dir auch dieses durch einige anleitende Beispiele erläutern. Dafe Du nicht, wie das Tier, den Kopf zur Erd« neigst, sondern «ufrecht gebaut bist und in den Himmel sehen kannst — worauf deutet -das hin? — beantworte mir einmal ‘bas.
Du hast zroei Ohren und doch nur einen Mund. Mit ben Dljren Öt Du h ören, mit dem Mund sollst Du r ed en. — Da^ hältst Du g tor etwas sehr Gleichgültiges? Urtb doch laßt sich daraus -ine höchst »ichtige Lehre ziehen. Frag« Dick einmal selbst, worauf das hmdeuiet, bcfe Du W'cbr Ohren haft q(s ^Jliinber? ,
Du allein fingst nur einen Ton, ich allein singe mich nur einen Ton; wenn wir einen Accord Höven wollen, so müssen rmr beide «ulammen singen. — Worauf deutet das hm?
Der Sturm reifet ben Baum um, aber nickt das Veilchen, der testest« Lbendwind bewegt das Veilchen, aber nicht den Saum. — Womit Hst das eine vortreffliche Aehnlichkeit? .
Solche und ähnliche Fragen wirf Dir, mein ^^«sMiiichenseckst Md)t oft auf und suche sie bann zu beantworten. An Stoff zu solchen fragen kann es Dir niemals fehlen, wenn Du nur recht auf» merflnrn bitt auf Alles, was Dich umgiebt. Kannst Du bte Frage nicht gleich beantworten, so'glaube nicht, daß di« Antwort un- Mögtich sei; aber setze die Beantwortung aus, denn unangenehm darfst Du Dir diese Beschäftigung nicht machen, bte unserm ganzen Leben grofeen Reiz geben, die Wichtigkeit aller uns umgebenden Dmge erhöhen und eben dadurch für uns höchst angenehm werden kann Das helfet reckt eigentlich unfern Verstand gebrauchen — und dazu haben
danke sein!
St. Omer, d. 26t October, 1803.
Heinrich von Kleist.
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Hochwohlgeb ohrner Herr, Hochzuverehrender Herr Gchemirath,
Ew. Exzellenz hab« ich die Ehr«, in ^Anlage gehorsamst das lt Heft des Phöbus zu überschicken. Es ist auf den Jtmeen meines fctytns daß ich damit vor Ihnen erschein«; mögie das Gefühl, das meine Hande unnerotfe macht, den Werth dessen ersetzen, was ste barbrtngen.
war M furchtsam, das Trauerspiel, von welchem Ew. Exzellenz hier ein Fragment finden werden, dem Publicum im Ganzen vorzulegen. So wie es hier steht, wird man vielleicht die Pramissenate möglich, ^g'eben müssen, und nachher nicht erschrecken, wenn ble Folgerung ge-
^st übrigens ebenso wenig für die Bühne geschrieben als jenes früher« Drama: der Zerbrochene Krug, und ich kamt es nur Ew. Exzellenz Stern Willen zuschrecken, mich aufzumuntern, wenn dies lchtere gleichwohl in Weimar gegeben wird. Unsre übrigen Bühnen sind weder vor Mch hinter dem Vorhang so beschaffen, daß ich auf diese Auszeichnung rechnen dürfte, und fo ich auch sonst in jedem Sinne gsrn dem Augenblick angehörte, so mutz ich doch in diesem Fall cmf die Zukunft hinaus- sehen weil die Rücksichten gar zu ni«derschlagend waren......
Der ich mich mit der innigsten Verehrung und Liebe nenne
Der Himmel weiß, meine theuerste Ulrike, (und ich will umkommen, wenn es nicht wörtlich wahr ist) wie gern ich «men Bbtts ropfen aus Meinem Herzen für jeden Buchstaben eines Br e,«s gäbe, der so ansangm könnte: „mein Gedicht ist fertig". Aber du weifet, wer rwch ktem W toort mehr thut, als er tonn. Ich hab« nun ein Hacktausend hmter einander folgender Tage, die Nächte der meisten mit einSerechnei, an den »ersuch gesetzt, zu so vielen Kränzen noch einen auf unsere Familie herabjuringen: jetzt ruft mir untere heilige Schutzgoto"
M. Sie füfet mir gerührt den Schweife von der Stirn«, und, tröstet^ntich „wenn Jeder ihrer lieben Söhne nur eben fo tuet thäte, o wurde unserm Atomen ein Platz in den Sternen nicht fehlen. Und l" sei es Iterug. Das Schicksal, das den Völkern jeden Zuschutz zu ihrer Bildung zmmtzt,


