kamen
in der
untergestört
kleine
worden?"
„Nein, gar nicht, alles ist heute so wunderschön", sagte die Lehrerin.
Zwei Reiter, die forschend um das Gebäude geritten waren,
jetzt zurück. "
„Er ist wieder zu Pferd," riesen sie, „die Spur führt deutlich Richtung nach Bars Farm. Es ist eine ganz klare Hufspur."
„Gut, Jungens," sagte der große Mann, „dann wollen wir gleich
„®r spricht ja wahrhaftig wie andere Menschen auch."
„Unb wie ulkig er ist! Mir tut alles von» Lachen weh.'
„Und wie nett und einfach er mit allen spricht, er ist wirklich ein «etter Mensch", sagte die kleine, rotbäckige Schullehrerin, „ach, ich hatte solche Angst, daß er wieder so furchtbar steif und ungelenk fein würde und mit seinen feinen Ausdrücken alles verderben würde. Aber seht mal, er ist doch geradezu süß zu den Kindern. Ach, ich könnte ihm einen Kuß geben."
In diesem Augenblick hatte Sankt Nikolaus gerade die kleine Alice Nesbit aufgehoben und hielt sie hoch über seinen Kopf. Dort strampelte sie, lachte und sah dem Onkel Weihnachtsmann mutig in die Augen.
„Wie heißt du denn, kleiner Schmetterling?"
„Alice, Alice Nesbit", quietschte sie.
„Was du nicht sagst! Gib mir einen Kuß!"
Alice gab ihm tapfer einen Kuß auf die Nase, den einzigen Teil des Gesichtes, der nicht von weißem Haar überflutet war.
„Uebrigens," sagte er, die Kleine noch in den Armen haltend, „bist du nicht verwandt mit dem großen dicken Sheriff? Gott segne ihn!"
„Das ist mein Papa", kreischte die Kleine.
„So dann sollst du auch hier ein Geschenk für deinen Papa haben!"
Von dem großen Weihnachtsbaum, an dem alle Geschenke hingen, nahm er di« slachshaarig« Puppe, nach der die Kleine schon den ganzen Abend gestarrt hatte, und als sie beglückt das Geschenk gegen ihre Brust drückte, gab er in die andere kleine dicke Patsche eine Kinderpistole mit einem Korken an der Strippe.
„So, und das gibst du deinem Papa und bestellst ihm: die Pistole hier wäre viel besser als seine und viel weniger gefährlich!" —
Draußen vor der Tür klang ein Ruf. Die Lehrerin öffnete die Tür, und das Helle Licht aus dem Zimmer ließ im Widerschein auf dem Schnee einen Trupp berittener und bewaffneter Männer erkennen. Alles drängte sich zur Tür, um zu sehen, sogar Sankt Nikolaus.
Aus der Gruppe der bewaffneten Reiter, deren Pferde unruhig durcheinander stampften, lenkte der Führer, ein großer Mann, mit gewaltigem Körperumfang, fein Pferd bis an die Stufen bes Schulhauses.
„Halloh, Miß Darnton!" rief er, „geht alles gut?"
„Ach ja, wundervoll", rief di« Meine Lehrerin zurück.
„Das ist recht, amüsieren Sie sich nur ordentlich; wir sind gerade wegs, um eine Kleinigkeit zu erledigen. Sie sind doch nicht
Nikolaus hin.
„Gute Nacht, Herr Nikolaus!" rief er, während der Trupp sich in Bewegung setzte. „Hoffentlich sind Sie nächstes Jahr auch wieder da.
„Bestimmt bin ich nächstes Jahr wieder da," rief der Weihnachtsmann jurütf, „und guten Ritt und viel Vergnügen auf 11— 1=1—
Die Weihnachtsgesellschast stand noch einen
Zugräuberelen aufsteckt und sich irgendwo niederlassen will, und daß er ein ebenso Meines, niedliches, dickes Mädel haben will, wie du bist. Das sagst du ihm, hörst du?"
„Das isi zu lang," quietschte die Stimme, „das kann ich nicht behattenl" „Gut, Miß Darnton, dann sind Sie so freundlich und sagen ihm das. Richten Sie aus, Larry O'Toole gibt das Spiel auf und wird sich irgendwo friedlich niederlassen und eine kleine Frau nehmen, und die wird Ihnen so ähnlich sehen wie ein Ei dem andern, Miß Darnton — Sie lieber, Meiner Kerl!"
Und während die tiefe Röte noch auf den Wangen der kleinen Lehrerin flackerte, ritt Sankt O'Toole in vollem Galopp nach Süden. Der Sheriff war mit seinem Trupp nach Norden getrabt.
(Uebertragen von Martin Proskauer.)
Menschen und Bücher.
Von Dr. Fritz Adolf Hünich.
In die Anfänge der Schrift verliert sich unser Blick, da die Menschen, aus welchem Bedürfnis der Mitteilung auch immer, die einander verständigenden Zeichen auf Stein, Elfenbein, Metall, Birkenrinde, Leder, gegerbte Tierhaut, Wachs, Holz, Bambus, Palmen entnommene oder aus dem Mark der Papyrusstengel gewonnene Blätter durch Ritzen, Hämmern oder Schreiben übertrugen. Wie von den Indern Palmblattbücher, so werden von den Griechen und Römern Buchrollen zu Bibliotheken vereinigt. Gewaltige Umwälzungen, die den Bestand und das Gesicht der Völker Europas verändern, bereiten eine neue Zett, zu deren Führung der Germane sich erhebt. Im umgewühlten, blutgedüngten Boden geht die Saat der Kirche aus. Klöster werden di« Zentren der mittelalterlichen Bildung, in den Händen der Klosterbrüder liegt die Pflege von Buch und Schrift. An die Stelle der Buchrolle tritt der Kodex, der Band aus Pergamentblättern, die in der Mitte gebrochen und znsammen- geklappt sind. Früh schon in China heimisch, verbreitet sich die Papier- sabrikation ins Abendland.
Damit ist der erste große Schritt zum Buch im heutigen Sinne getan. Aus ihrer Starrheit wird die Technik des Druckes durch Gutenberg erlöst, der die beweglichen Lettern und den Schriftguß erfindet. Run erst können Humanismus und Renaissance sich die Welt erobern An dem Wissen um die großen und glanzvollen Schriftsteller des alten Rom und Griechenland nehmen jetzt nicht mehr nur die teil, die sich ihre Kenntnisse aus fremden, oder wie etwa Petrarca, aus eigenen Handschriftensammlungen, oft michselig zu erwerben gezwungen gewesen waren. Mit besonderem Nachdruck wird hier der Name dieses ersten großen Huma- nisten genannt, denn ihm konnte nachgerühmt werden, in seinen Codices die erst« moderne Bibliothek besessen zu haben. Bücher, hatte er gesagt, seien seine unersättliche Begierde, sie würden ihm wie ein lebendiger Umgang, wie sprechende Freunde.
Von aleichem Hochgefühl zeugen die Worte Boccaccios, ine er an Zanobi da Strada schrieb und worin er das Vergnügen, das ihm feine Bücher bereiten, über dasjenige stellt, das Könige über ihr Diadem empfinden können. Zwar findet das gedruckte Buch noch Gegner m Lieb- Habern und Besitzern kostbarer Handschriften, Federigo von Ur- bino so lesen wir bei Jakob Burckhardt, hätte sich geschämt, em gedrucktes Buch zu besitzen. Wer bald ergreift der Zauber der Vision, die sich aus den Pergamenten erhebt, immer weitere Kreise, Drucker mit der Witterung für ein blühendes Geschäft, nehmen die Gelegenheit wahr und rufen die zahlreichen Druckausgaben antiker Schriftsteller hervor, zu denen sich die der Lebenden gesellen. Mit wachsender Verbreitung wird das gedruckte Buch mehr und mehr der Freund des Menschen. WennMa chi a - v e l l i, nachdem er in einer Schenke vor San Casziano mit Fleischern, Bäckern und zwei Ziegelbrennern Tricktrack gespielt hat, am Abend nach Hause zurückgekehrt ist, so begibt er sich, wie er in dem berühmten Briefe mit der Schilderung seines Tagewerkes berichtet, in sein Studierzimmer. Auf der Schwelle streife ich den Bauernkittel ab, der ganz bedeckt ist nwt Schmutz und Dreck, kleide mich in prunkende Hofgewänder, und also würdig angetan, betrete ich die ehrfurchtgebietenden Palaste der Alten. Gütig ausgenommen, nähre ich mich dort von jener Speife, die allem die meimge ist, für die ich geboren ward. Ich scheue mich nicht, sie anzureden, nach den Gründen ihrer Handlungsweise zu forschen, und freundlich geben sie mir Bescheid. Vier Stunden lang empfinde ich keine Langeweile, ver- geffe allen Kummer, fürchte keine Armut, und der Tod sogar erschreckt mich nicht, so gänzlich bin ich im Banne der Alten."
Wohl heißt es, weil selbsterfahrene Weisheit über alles Buchwissen geht, im Sprichwort treffend: „Buch macht nicht klug", aber das Volk hat auch den Wert der Bücher richtig erkannt, indem es sagt: „Dicke Bücher und reiche Freunde trösten oft am meisten" oder „Wer ein gutes Buch verliert, verliert einen Schatz". Wenn Lichtenberg behauptet, ein Louisdor in der Tasche sei besser als zehn auf dem Bücherbrett, jo denkt er nur an die, von denen der Volksmund meint, ein Steckenpferd fräße mehr als zehn Ackergäule. Ein Mann nach unserem Herzen ist der lchlesische Dichter Friedrich von Logau mit folgendem um 1640 WP faßten Sinngedicht:
Bücher.
Es ist mir meine Lust, bei Toten stets zu leben, mit denen um und um, die nicht sein, sein gegeben, zu {ragen, die sind taub, zu hören, die nichts sagen, und die, die haben nichts, sehr viel hingegen tragen, zu halten lieb und wert. Ich bin auf die beflissen, die mir viel Gutes tun und doch von mir nichts wissen; ich hätte dies« hoch, di« mich nur an nicht sehen;
die manchmal mich mit Ernst verhöhnen, schelten, schmähen, sind meine beste Freund. Und sollt ich die begeben, eh geb ich alle WM, eh geb ich auch das Leben.
Im Verkehr mit Büchern sühlte Montaigne sein Atter und feen« Einsamkeit getröstet, sich von der Last müßiger Langeweile befreit, vor unangenehmer Gesellschaft geschützt und den Stachel der Leiden «M* stumpft. „Um quälenden Einbildungen zu entgehen, sagte er, „vra no
ch dem Weg, Herr Sheriff!"
___v____,_____. Augenblick in der Tür und sah den Reitern nach, die in raschem Trabe der Spur durch den Schnee in hellem Mondlicht folgten. Dann gingen alle wieder in den Schulsaal zurück, und die Tür wurde zugemacht.
Aber als man sich umsah, war Sankt Nikolaus nicht mehr da. Es ver- singen zehn Minuten, bis er wieder zurückkam — ober besser, bis Seine Ehrwürden, Herr Doktor Paul Whitaker, aus dem Ankleidezimmer kamen. Gegen den Sturm von Glückwünschen setzte er eine außerordentlich verkniffene Miene auf. Endlich gelang es ihm, die kleine Lehrerin in eine Ecke zu führen. , ~ „ , . , , ,
„Sie sind von einem Irrtum besangen, liebes Fraulem, sagte er, „ich war überhaupt nicht hier. Ich habe die ganze Zett drinnen im Heu- fchuppen gelegen. Im Heu, gobunden rmd gefesselt."
Di« Meine Lehrerin konnte zuerst nichts sagen, so wild schlug chr bas Herz. .
„Aber wer?" preßte sie schließlich hervor. „Wer war es denn?...
„Der war's wahrscheinlich", sagte der Geistliche trocken, zum Fester zeigend, und wieder drängte alles zur Tür.
Denn draußen im Schnee hielt ein Reiter; er fegte tde Hand an den Mund und rief: . .. .
,Zch wollte euch allen nur bauten — für die nette Stunde, die wir zusammen hattmr. Ist di« kleine Alice Nesbit da?"
„Hier bin ich!" schrillte die gellend« Kindersttmme.
„Paß auf, Meine Alice. Wenn du deinen Papa siehst, — er kommt morgen früh zurück —, dann sag' ihm, daß O'Toole den Unftnn mit den
hinterher."
Er wandte sich zur Tür zurück.
„Alice ist doch auch hier? Sie wollte mit Wilsons Kindern herüber- ksmmen."
„Hier bin ich, hier bin ich, Pappa!" rief eine schrille Kinderstimme. ,^>lb' was geschenkt gekriegt für dich, Pappa."
Alice Nesbit trab beite eifrig die Stufen hinunter, stampfte in den Schnee und hielt ihrem Vater die Spielzeugpistole mit dem Korken an der Stripp« hoch.
„Sankt Nikolaus hat mir das gegeben, Pappa; er hat gesagt, es schttßt besser als deins."
„Danke schön, Kleinchen", sagte der Sheriff und beugte sich herüber, um dem Kind den Kopf zu streicheln. Hierbei kam er dicht an die Lehrerin, die den Kindern gefolgt war.
„Wer macht denn den Nikolaus?" fragte er leise.
„Herr Pastor Whitaker," flüsterte sie zurück, „aber sagen Sie es nicht, damit bie Kinder nicht enttäuscht sind."
Der Sheriff verstand und winkte mit der Hand höflich zu Sankt


