Jahrgang 1927
Samstag, -en iv. Vezemser
Nummer 98
ba kann er
was wert. Ob er alles heil mitgekriegt
dabei
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3an ist vergnügt, weil er alles jo jchön besorgt hat. Manche sagen wohl, daß er ein wenig drömelig ist — seine Frau sagte es auch und wollte selbst gehn •'t— =■"—-- ™ ■ -
Zeit aus dem
. . ..... der Prin
ter heute geht's marsch ins
nicht ein, die Schecken stieben dahin, daß der'Schnee nur kleine Kerl steht aufrecht im Wagen, seine lange Nas " '
Geheimnis.
Bon Leo Sternberg.
Und immer springt aus Winternebel auf von Schollenfeldern ein bereiftes Stück ... Straße mit ihrer Bäume graüem Lauf hängt mit dem Ende noch ins Grau zurück. Ach, Nebelleiber heben unsichtbar nur ihre Häupter in den Vordergrund — Wen kennen wir? Wer kennt uns ganz und gar? Mit Schaudern küssen wir her Liebe Mund.
g drömelig ist — seine Frau sagte es auch und m, aber sie fürchtete, Ian würde das Brot nicht zur rechten , ^ackofen ziehen, dann hätten sie die ganzen Festtage über nur sqwarze Krusten gehabt. So schrieb sie alles auf einen Zettel und schickte ihren Ian.
Sie kann wirklich zufrieden sein. Der Hampelmann, dessen Arme und Beine bei ,edem Schritt vor'Ians Bauch so lustig schlenkern, ist aus Holz, nicht aus billiger Pappe; der Leiterwagen ist mit zwei schönen Schecken bespannt — Ian hätte lieber Braune gehabt, die sind zuverlässiger, Schecken haben meist ihre Rücken — aber braun sind wohl nur die richtigen Pferde, die hölzernen sind immer Schecken. Und d-e Puppe in seiner linken Rocktasche sieht wie eine Prinzessin aus, sie hat ein niedliches blaues Kleid, rosige Porzellanbäckchen und Haare — ach du Ucber Gott — Haare wie pures Gold. In der rechten Tasche hat er das Pfund Rosinen verstaut; das schönste aber — und davon weiß Geesche Nichts — das schönste ist das rote Umschlagtuch, das sie selber bekommt. Sie hat keine Ahnung, daß der Torf teurer geworden ist, und daß Ian ihr neulich von dem Geld für die beiden Fuder einen ganzen Taler sti- vltzt hat.
Ist ihm auch recht, er sitzt da ganz weich und behäbig, p nltm!"inn,en‘9 schnaufen. Die Lichtung ist glatt und leer, eben wie em Tanzjaal und die Baume herum stehen wenigstens fest, das ist schon m?iS^er-,Pb heil mitgekriegt hat? Er breitet das Tuch vorsichtig auf den Schnee, setzt den Wagen mit den Schecken daraus, legt Rübennase daneben und holt die Prinzessin heraus. Ihr blaues Kleid ist böse ver- knullt, er streicht es fern glatt und setzt sie in den Wagen. So, da ist alles beisammen. Jetzt noch bte Rosinen, aber die Tüte sitzt festgepramt in der Tasche, mag sie dableiben. Liebevoll besieht er all seine Schätze — ja er ift schon ein guter Weihnachtsmann, Geesche und die Kinder werden sich freuen. ' J
Ian im Walde.
Eine Weihnachtsgeschichte von August Hinrichs.
— ha —- brr" schnaubt Jan, wenn die zurückschnellenden Zweige »E oen Schnee in den Nacken werfen, wo er rasch taut und zu einem kühlen Tropflein zerschmilzt. Jan ist aber keineswegs böse darüber, von ZU Zeit bleibt er sogar stehn und gluckert lustig aus, wenn das kitzelnde Naß ihm den Rücken herunterrieselt. Dann biegt er sich hin und her, um ihm die Fahrt zu erleichtern, macht noch einmal: „Puh — ha — brr —" und setzt vergnügt seinen Weg fort.
, . geschneit, und Jan sieht wie ein Weihnachtsmann aus —
lewe Mutze aus Hajenfell, sein gestrickter Schal, seine wollene Jacke, sogar sein roter Bart und die Augenbrauen, alles ist mit Schnee bestäubt. Ja, er sieht ganz und gar wie der richtige Weihnachtsmann aus, denn an feinem obersten Jackenknopf baumelt ein großer Hampelmann, untenn Bni'a ttagt er einen kleinen Leiterwagen, und alle seine Taschen stehen
■ ®ie 3ta" "ufblickt, steht ihm der Mund vor Verwunderung offen — S LA."ng„sitzt mas und sieht ihn anl Ein kleines graues
altes Weiblein, nicht großer als anderthalb Schuh, eine weiße Schürze ftehnUnH ^l> Kopf, dessen beide Zipfel senkrecht in die Höhe
stehn. O weh, denkt Jan, das verwünschte Zwergenvolk — da komme ich schon an. Lauernd aus halbgeschlosfenen Augen pliert er hinüber — was 'n“9 «■Jö°'Uen? J?oppl,S*' b« macht die Alte einen Satz und verschwindet, ordentlich einen Purzelbaum hat sie geschlagen.
Paß auf, denkt Jan, jetzt holt sie ihre Leute. Richtig, da kommt schon ein!"V! emer "»gestiefelt. langer weißer Bartz goldene Krone und eine Nase — Jan muß laut lachen — genau so eine lange rote Nase wie der Hampelmann. Der Kleine stolziert böse gerade auf Jan los, der ge- waltig große Augen macht, faßt mir nichts dir nichts das Tuch und wirft elZVerm die Schultern. Der Wagen rutscht herunter,
dfe Schecken schlagen wild aus, und die Prinzessin muß sich krampfhaft mH^h»en‘9fSer ^"'pAmann ist rasch auf die Beine gesprungen, schlenkert mit den Armen und schimpft. Aber der Kleine kehrt sich an nichts, er flreitt den Schecken in die Zügel, schwingt sich auf den Wagen, und hui geht- im Galopp davon, mitsamt der Prinzefsin. „Stopp!" schreit Jan bam T,U "hd) ten' "der er greift nur in den Schnee und sieht verdutzt zu, rote der Wagen davonjagt.
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Was der kleine Kerl für ein Gesicht macht, — ein Auge halb zuge- rmsfen, und die Nase so lang und rot wie eine Pferberübe. „He, Rüben- ?cje' locht Jan, „kannst bu tanzen?" Ja, Rübennase kann tanzen, er hat schwarze Lackstiefel an, die wirbelt er lustig hoch unb schlägt 1 ' ' die Hände über dem Kopf zusammen. „Morgen sollst bu mit der
ton$en," sogt Jan wohlwollenb, „aber heute geht's marf< Bett. Weiter!" Unb er stapft vorwärts.
Merkwürdig — er kennt den Busch doch wie seine Tasche, es ist ein ganz gewöhnlicher Busch, aber das ist doch wunderlich, daß die Tannen M> in der Runde drehn. Davon wird einem ja ganz wirbelig im Kopf, dachte — sachte, brummt er, mich kriegt ihr nicht mit herum. Er steigt über den kleinen Crdwall auf die Lichtung, da hat ihm wohl eine am •Koif gezogen, denn plumps sitzt er im Schnee.
i Jedesmal, wenn sie an Jan vorüberkommen, macht er vrr — ja *??ren' hätten sofort gestanden, aber Schecken hoben ihre Rucken, er wußte es ja. Sie jagen nur um so toller, baß der arme Hampelmann ganz zurückbleibt. Immer schlapper werden seine Sprunge, endlich macht er noch einen letzten verzweifelten Satz, knickt in allen Gelenken ein und fallt um — er kann nicht mehr, er ist ganz bin ^0/aßt der Kleine die Zugel fahren, die Schecken bleiben stehn, und er h'lst h«r Prinzessin vom Wagen herunter. Dann klatscht er in die Hände, da trippelt s von allen Seiten heran, ein ganzes Gefolge, lauter kleine Männlein und Weiblem, gelbe und grüne, blaue und rote, und alle haben sie Rubennafen. Auch die graue Alte ist wieder da mit dem Kopftuch, dessen Zipfel nach oben stehn.
Der König nimmt die Prinzessin bei der Hand, macht eine Verbeugung haar^heirate!^' ',3>U luo[j! nirf,fs dagegen, daß ich Prinzessin Gold- ,.^,"^0 .—" sagt Jan und weiß nicht recht, was er machen soll, „eigent- sich gehört sie ja mir." 8
Ä fak9t der Kleine scharf „ich denke, du hast schon eine Frau,' Erschrocken denkt Jan an Geesche unb stottert: „Das wohl — ja —." „Dann ist alles in Ordnung", sagt der Kleine und gibt der Prinzessin gleich einen Kuß. Aber das ist nicht so einfach, er muß erst mit einer Hand seine rote Nase beiseite biegen, sonst geht's nicht. ”
„Du darfst mitfeiem," sagt er bann, und Jan sieht verwundert, wie winzige Stuhle herangeschleppt werden und Tische mit dampfenden Schift, (ein Da verspürt er einen mordsmäßigen Hunger. „Was gibt's denn?" fragt er und sucht gleich nach seinem Taschenmesser.
„Schneckenbraten", sagt der König, unb die Prinzessin klatscht vor Freude in die Hande unb gibt ihm noch einen Kuß.
Wein, Schneckenbraten mag Jan nicht, ob sie nichts anderes hätten? Schneckenbraten unb Birkenwein!
Birkenwein? Ob sie keinen Grog hätten.
„Pfui!" sagte die Alte mit dem Kopftuch unb funkelt ihn böfe an. Dann will er gar nichts, bann ißt er lieber Rosinen, unb er holt gleich ein paar aus der Tasche. Nun wollen sie alle Rosinen haben, und er
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Rübennase, der Hampelmann, springt hinterher. Er macht gewaltige Hopser, es sieht spaßig aus, rote er die Beine wirft — die Kni« weit auseinander gespreizt daß die Lackstiefel hoch in die Luft fliegen, unb bet jedem Hopfer hebt er wütend die Arme. Aber er holt den Wagen enm! T Schecken stieben dahin, daß der Schnee nur so stäubt. Der kleine Kerl steht aufrecht im Wagen, [eine lange Rase sticht geradeaus in a ber rote Mantel flattert wie eine Fahne im Wind. Mit der rechten Hand halt er die Zügel, den linken Arm hat er um die Prin- ■ s-ffl o-ieJd) un^n ä'eht sie an seine Brust. So jagen sie rund um ! b>e Lichtung: die Schecken, der König, die Prinzessin unb der Hampelmann, immer rundum.
San ist es wunderbar zumute — so warm unb behaglich. Der Grog lvar gut — vielleicht hat er ein wenig zu lange dabei gesessen, dafür geht j er jetzt den Richtroeg durch den Busch, da wird Geesche nichts merken. Breit roie ein Bär stapft er unter den Bäumen dahin und macht: „Puh —
Die Sonne hing eben noch wie ein dicker roter Ball hinter den Zweigen, jetzt ist sie ganz platt gequetscht, und jetzt rutscht sie der Erde i ganj den Buckel hinunter. „Hupp —" sagt Jan, wie sie verschwindet. Jetzt wird s bald dämmerig. Die Tannen strecken ihre schneebeladenen Zweige weit von sich und wollen ihm den Weg versperren, er gibt ihnen eins aus die Finger, patsch. Da greift eine nach dem Bindfaden des Hampelmanns der schreit mit Armen und Beinen um Hilfe, und eine lanat gar in seine Rocktasche unb zupft die Prinzessin an ihrem Goldhaar. Das geht Jan zu weit, er schubst die Prinzessin zurück und nimmt den Hampelmann in


