zeitig in Betrieb zu setzen. Würde man in der durchschnittliches Personenautomobil wirken zu
Die rote Rose.
Von Per Hallström.
(Schluß.)
Bald waren Magnetiseur und Medium an ihrem Ende des Saales, wo eine kleine Bühne arrangiert war. Die Vorstellung begann. 3«^ brachte sie eine Desillusion, denn keiner von den beiden glich auch nur im geringsten feinem Porträt, mit Ausnahme des Stumpfen in M^ames Gesicht, das zu offenbar war, um sich verlieren zu können. Sie wachten den Eindruck der reinen Misere — es mußten überaus befcheidene Lokale, ja geradezu die Straßen in Paris gewesen sein, wo sie ihre SSancen abzuhalten pflegten. Sie hatten eine kränkliche Gesichtsfarbe, gepudert, blaß fett bei der Frau, fahl, gedunsen bei dem Mann, schlaftrunkene Augen und Kleider, die nicht mir „passe" waren, sondern von mehr Äs einem getragen sein mußten, um so welk geworden zu sein. Madame sah über- baupt nicht lebend aus, sie war nur eine Sache, die her«ngefuhrt und aufgestellt und auf einen Stuhl gesetzt wurde. Es konnte nicht schwer s-ün sie in Berührung mit fernen Dingen zu bringen — Abwesenheit war ihre Statur —, nur überhaupt etwas von dem, was man Seele nennt, feinen
Berühmte Forschungsreisende suchten die Quelle des Nils. Es trieb sie, zu erfahren, von wo diese Stromkraft ihren Ausgang nimmt. Das Gefühl, das einen hierher führt, hat ein klein wenig Aehnlichkeit damit. Uebevall steht man die Wirkungen der Energiemengen, die von Zentralen ausgehend, die phvfische Existenz der gegenwärtigen Menschheit durchpulsen Wo entsteht die Kraft, welche die Nacht besiegt und Millionen von Rädern zu unablässiger Arbeit bewegt, Überall spürbar ist, und der menschlichen Geschichte ein neues Signum ausgeprägt hat?
Während ich vor dem Gebäude stehe, indem dieses Etwas erzeugt wird, dessen Wirkungen man studiert hat, dessen Substanz man aber gar Nicht kennt: Kraft, Kraft an sich in ihrer noch immer geheimnisvollen Urform, her elektrischen Energie, überlege ich, wie viele Zehntausende von Jahren es gedauert hat, bis der Mensch sich diese anonyme und gigan- ttsch mächtige Hilfe ersann. . .
Was ist ein Großkraftwerk? Das weiß doch ein ,eder. Hier werden soundsoviele Kilowatt erzeugt, es geschehen Verwandlungen der «röste von der Kohle ober dem Wasserfall zum elektrischen Strom, und was man im kleinen gewohnt ist, geschieht hier in größtem Maßstabe. Dies hier das neue Großkraftwerk, arbeitet mit einer Reihe technischer Steuerungen und steht in mancher Beziehung in Europa einzig da. Und seine Leistung ist mit einer kargen Zahl ausgedrückt, die dürr und genau ist, wie mein Mathematiklehrer, den ich niemals leiden konnte Jeder «nzelne der Turbogeneratoren produziert seine siebzigtausend Kilowatt. Kfocr was besagt das? , ,, . _ , ..
Was sind fiebzigtausend Kilowatt, umgesetzt m Zahlenwerte, die uns vertraut sind, umgesetzt in Anschauung und Vorstellung? Wenn man bie e ungeheure Energiemenge in Kraft umrechnet, so erfahrt man, baß sie genügt, um nicht weniger als vierundsechzig O-Znge mit der normalen Zahl von Wagen, gleichzeitig in Betrieb zu sitzen. Wurde man in der Sage sein, sie auf ein durchschnittliches Personenautomobil wirken zu lassen, so würde dieses dadurch eine derartig große Geschwindigkeit erhalten, daß es in einer Stunde etwa siebenmal um die Erde am Aequa- tor fahren könnte. , , , .___ . „
Solche Energie entströmt jedem der beiden Turbogeneratoren des Großkraftwerks, denen sich ein dritter gleicher Leistung m kurzem ge- 'dl® cTn'g' durch das Werk. Wenn man durch die steinerne Um- kssungs,nauer eintritt, sieht man zur Rechten ganze Hügelketten und «eine Gebirgsmassioe von schwarzer Materie, darüber einen riesigm «ran, der gerade ein großes metallisches Gefährden Greifer, hinuntersendet, das sich in die Masse einwühlt, sich selbst füllt und sodann empor« gehoben wird, um seinen Inhalt an eine andere Stelle zu transportieren.
Dies sind die Kohlenlager des Werkes. Nirgends sieht man Kohle hi Stücken, überall nur diesen schwarzen Sund, den Kohlenstaub.
Daß er ausschließlich zur Feuerung verwendet wird, ist eine der hervorragendsten Neuerungen, die hier eingeführt sind. Dieser Braunkoylen- ftimb ist nämlich ganz beträchtlich billiger als jede andere Kohlenart. Er wird in den nahegelegenen großen Braunkohlenlagern der Lausitz in verhältnismäßig einfacher Weise gewonnen. Seiner Verwendung m großem Matzstabe stellten sich bisher beträchtliche technische Schwierigketten cntocdcn. ,
Der Fahrstuhl führt rasch bis zu dem oberen Stockwerk des Gebäudes. Hier find die Bunker, denen der Kohlenstaub zugeführt wird, große steinerne trichterförmige Gebilde. Warum beginnt die Kohle ihren Weg in der Höhe und nicht unten? Weil zum Transport nicht neue Energien aufgewendet werden, sondern die Kohle sich durch ihr eigenes Schwergewicht weiter befördern soll. Ein Stockwerk tiefer sind die^einzigen Räume in dem ganzen Werke, in denen ein beträchtlicher Lärm herrscht. Oben unter der Decke drehen sich mächtige, eiserne Rohre, und von nebenan schallt etwas wie ein Stampfen^ Hier wird der Kohlenstaub getrocknet und dann fein zermahlen und kann nun den KesMi zugeführt werden, wo er ein ausgezeichnetes Feuerungsmaterial ergibt, das nach einer Mischung mit vorgewärmter Lust mit einem Minimum von Rückständen verbrennt.
Sagenhaft geworden ist ja in allen modernen Werken die psigur des Heizers, der unablässig halbnackt die Kohlen in den glühenden Rachen des Kessels schaufeln muß. In diesem Kesselhaus sind nur ganz wenige Menschen beschäftigt, sie haben teure körperlich schwere Arbeit zu leisten, sondern nur Hebel und regulierende Apparate zu betätigen, ganz im Gegensatz etwa zu jenem Film, der einen Arbeiter her Zukunft an eine grauenhafte, nur mit höchster Anstrengung zu betätigende Hebelmaschtnenc ^ffiiHteigen in diesem Kesselhaus herum, viele Stockwerke herauf oder herunter! Man bewegt sich dort in Schluchten, in Kaniinen m den FÄten eines für den ersten Blick unübersehbaren maschinellen Geblrgsmassivs, steht dann wieder auf einem Plateau von durchsichtigem Drahtgeflecht, das einen fünf Stockwerke hinunterblicken läßt; fleht überall mächtige Systeme von Röhrenleitungen, durch ihre Farbe m 'hrer Funktion gekennzeichnet, sich hindurchwinden; sieht einen Augenblick durch eine Deffnung in eine Glut, der Kenner die Hitze von 1400 Grad sofort anfehen; und erfährt die geistreiche und raffinierte Weise, wie dort brtnnen das Wasser zur höchsten Kraftentfaltung gereizt wird; durch ein «ystmi schmaler Röhren, in denen man Dampf von ganz besonderer Wildheit erzeugt, nicht den gewöhnlichen Dampf, der aus "inem Teekessel kommt, sondern überhitzten Dampf, der eine Temperatur von 400 Grad hat und einen enormen Druck entfaltet. ■ „
Und setzt stehen wir bei den riesigen Turbogeneratoren, den mtt Dynamomaschinen zusammengekoppelten Dampfturbinen, m denen Me mächtige elektrische Energie erzeugt wird. Eine große Helle Halle, der Platz des dritten Riesen ist noch frei, dort wird gearbeitet, und ein Brausen unmittelbar neben den Maschinen, als ltande man dicht an einem ungeheuren Wasserfall. Kein Lärm, nur em BekmÜen der Uv- kraft, die wir, dieses Eindrucks ungewohnt, fast als erhebend emp- fi!,tUnb' an den Wänden sieht man hier wie in allen anderen Räum«! Meßapparate, Skalen, auf- und abgleitende Zeiger, Kurven, die selbst- tätig aufgezeichnet werden, rote und grüne Zeichen und das ganze System einer Geheimschrift, die hier weiter durchgebildet worden ist, als lemals bisher. Diese Menschen sind nicht nur stark, sie sind auch klug; sie sag«, den Ingenieuren und Arbeitern über alles Wissensnotwendige Bescheid; und ihre Nachrichten werden konzentriert und zusammengefaßtzin einem nahegelegenen Raume, von dessen Anblick eine schwer erklärliche, durch- aus faszinierende Wirkung ausgeht. Es ist die sog. ,^)auptwarte , die Zentrale in der in jedem Augenblick alle wichtigen Erscheinungen in dem Betrieb durch Meßapparate sichtbar gemacht werden, und von dem aus die Arbeit des Werkes in allen Einzelheiten geregelt werden kann.
Bekanntlich kann man Ströme von der Starke, rote fie m einem Kraftwerk erzeugt werden, nicht einfach anknipsen, wie etwa beim elektrischen Lichtz sondern es sind dazu komplizierte Schaltungen erforderlich bei denen die Hebel in einem Medium von Del bewegt werden. Diese Schalter sind hier in einem besonderen Gebäude untergebracht.
Während man hindurchgeht, fällt einem plötzlich ein, rote men scheu- leer diese Räume sind. In dem ganzen Werk sind ubechaupt etwa breU hundert Personen beschäftigt. Hunderttausende von Menschen haben an den Pyramiden gebaut; und hier lassen ganz wenige Kräfte wirken, welche die Pyramiden von ihrem Platz bewegen konnten. Ungeheuer ist die Wirkungskraft des Menschen gesteigert; und dieserössnet bett Ausblick auf eine Zukunft, in der die Technik das Leben für alle leichter macht.
hatte, starb schon im Jahre 1532. Auch sein Nachfolger, Johann der Deutsche, stand nicht lange seinem Posten vor und starb nach kurzem Aufenthalt im Land. Ihm folgte Georg von Speier, dem wiederum Me Auffindung der Goldschätze wichtiger war als eine planmäßige Ausdeutung und Kolonisation; er unternahm einen verlustreichen Zug ins ßmtere, an den Maranon, muhte unterwegs umkehren und kehrte nach schweren Opfern erfolglos heim. An leuchtende Beispiele edler Charaktere ist die Geschichte der Entdeckungen nicht sehr reich; Verräter, die em Doppel- spiel trieben, hat es auch zmn Schaden der deutschen Sache in Venezuela gegeben. Der Unterstatthalter Federmann trieb hinter dem Rucken Georg von Speiers seine Politik und zog auf eigne Faust nach dem Gold- i-md an den Maranon. Die Verwirrung der inneren Verhältnisse war »um Schluß derart, daß Sari V. an den Welfern zu zweifeln begann. Zu spät traf ein Vertreter der Familie selbst mit dem tüchtigen und aufrechten Philipp von Hutten in Venezuela ein, um Versäumtes nachzuholen imfc die Interessen des Hauses Welser wahrzunehmen. Aber die beiden tarnen gegen die Jntriguen der mißgünstigen Spanier und ihrer eigenmi verräterischen Landsleute nicht auf. Als die Wirren ihren Höhepunkt erreicht hatten, ernannte die Audiencia in San Domingo den Spanier Carvajal jum Statthalter, der, wider alles Recht und seine Betug- fttffe, Hutten und Welser verhaften und hinrichten lieh, ein Verbrechen, bas er allerdings selbst mit schimpflichem Tode büßen mußte.
So ward den Welfern, die sich ihren Kolonialplan viel Geld hatten kosten lassen, ihr eigner Besitz verleidet, und es hätte nicht des Umstandes bedurft, daß die spanische Krone ihnen ihr Lehen wieder entzog — in bem Prozeß freilich wurden die Welser wieder rehabilitiert — doch sie hatten die Lust verloren und zogen sich aus Südamerika zurück. Dreißig Jahre lang hat das Abenteuer gedauert, bis die Reste der deutschen Ansiedlung in die Heimat zurückkehrten. Die Spanier ernteten, was die Deutschen gesät hatten. Von Kolonisation aber war fortan in Deutschland keine Rede mehr ...
Wunder der Krnflerzeugung.
Lin Besuch im Großkraftwerk Rummelsburg.
Von Frank Warschauer.
Rummelsburg ist ein Jndustrievorort von Berlin. Man kommt vorbei an Gebäuden, die es noch nicht wagen, sich zu ihrer Fabrikexistenz zu bekennen und durchaus mit angeklebten gotischen Zierarten eine beschauliche Villenexistenz vortäuschen möchten. Run tauchen Gebäude aus einer anderen Epoche auf, der die neue Sachlichkeit eine Selbstverständlichkeit ist Von ibvem Zweck erfährt außer dem Auge noch ein anderes Organ; und merkwürdige Gerüche künden, daß hier eine chemische Fabrik ist. Was wird dort'hergestellt? Ein Passant erklärt es: diese Düfte, in denen ich Schwefelwasserstoff und Karbol unterscheide, kommen aus der Geburts- ftätte der Kunstseide. Jetzt sieht man die acht schwarzen, metallischen Schornsteine des neuen Werks. .
Es ist vor wenigen Monaten nach sehr geringer Bauzeit m Betrieb genommen worden. Sein Name wurde der breiten Oefsentlichkeit erst in unerfreulichem Zusammenhang bekannt, es ereigneten sich bei dem Bau eine Reihe von Unglücksfällen. Jetzt steht es da, ein Komplex von Gebäuden, deren klare Gliederung und einfache Großzügigkeit wohltuend wirkt. Es ist, als ob man in die Nähe eines Menschen kommt, der weiß,


