5tont Shephard war aus dem Häuschen. Der Ning kam zurück. Gott sei Dank! Aber wie unvorsichtig eigeiiiiich von der Polizei, den Ring einfach dem Billy Thomas zu überlassen. Wenn dieser ihn nun gar nicht brächt«, sondern damit durchginge?

Als Shephard noch so dachte, wurde Billy Thomas gemeldet.

Hier ist der Ring," sagte .Thomas beim Eintreten.Bitte, sehen Sie nach, ob es der richtige ist."

Frank Shephard 'war fast in?rroirrt und griff zitternd nach dem Ring.

Tatsächlich, es ist mein Ring. Wie haben Sie das denn fertig­gebracht?" ' *

Oh, mein Freund Till Gian ist ein ausgezeichneter Detektiv, und ich bin auch nicht bange. Darauf können Sie sich verlassen. Uebrigens unter­stützten uns Policemen mit Polizeihunden. Doch jetzt dürfen mir wohl sofort zu Ihrer Tochter Helen gehen, denn ich nehme an, daß sie ein Ehrenmann^ sind und Ihr Versprechen halten."

Frank Lchephard wandte sich ab und schwieg. Da fuhr Billy Thomas fort:

Bitte, Herr Shephard, Helen und ich lieben uns aufrichtig. Ich ver­spreche Zchnen, daß ich alle mein« Kräfte dafür einsetzen weide, Ihre Tochter glücklich zu machen."

Frank Shephard wandte sich ihm zu.

, Wir wollen $n meiner Tochter gehen."

Frank Shephard hielt sein Versprechen. Glücklich sanken sich die beiden Liebenden in die Arme. Da freute sich auch Frank Shephard. Und als sein Töchterlein auch ihm dankbar um den Hals fiel, da traten zwei Tränen in seine Augen.

Spät abends, als Billy Thomas in seiner Wohnung angelangt war, ging er an seinen Schreibtisch, zog eine Lade auf und sah hinein. Darin lagen eine schwarze Maske und ein Revolver.

Ja, verzeihen Sie, lieber Herr Schwiegervater," sprach er dann leise vor sich hin.Verzeihen Sie, daß ich Ihnen in jener Nacht einen Schrecken einjagte, als ich Ihnen den Ring abnahm. Verzeihen Sie, baß ich selbst Till Gian war, der Sie nnrief. Verzeihen Sie ebenfalls, daß ich auch die Police-Station West 57 war und ebenso die Policemen samt Polizeihund darstellte. Aber ich wußte kein anderes Mittel, um Ihre Tochter zu bekommen. Es war ein gewagtes Spiel, das mir leicht teuer zu stehen kommen konnte.

Doch ich weiß, Sie werden mir sicherlich gern verzeihen, denn ich tat das alles ja nur aus Liebe zu Ihrer Tochter und ich verspreche Amen, daß ich sie glücklich machen werde."

Dann schob Billy Thomas die Lade wieder zu, legte sich ins Bett, dachte noch eine Weile an Helen Shephard und schlief dann beruhigt ein.

Ms im übrigen Frank Shephard die Neuyorker Polizei benachrichtigt hatte, daß der Ring wieder da sei, stellte dies« jede weitere Nachforschung ein. Erst lange, lange Zeit später, als Helen Shephard längst die Frau von Billy Thomas geworden war, hat dieser ihr erzählt, wie er es fertig­gestellt hat, sie zur Frau zu bekommen.

Schlafwandel.

Von Gottfried Keller.

Im afrikanischen Felsental marschiert ein Bataillon, sich selber fremd, eine braune Schar der Fremdenlegion.

Lang' ist ihr wildes Lied verhallt in Sprachen mancherlei;

stumm glüht der römische Schutt am Weg, schlafend ziehn sie vorbei.

Unter der Trommel vorgebeugt, der schlafekde Tambour geht, es nickt der Kommandant zu Roß, von webender Glut umweht;

es schläft die Truppe, Haupt für Haupt unter der Sonne gesenkt, von der Gewohnheit Eisenfaust in Schritt und Tritt gelenkt.

Und was sonst in der dunklen Nacht das Zelt nur sehen mag, tritt unierm offnen Himmelsblau im Wüstenlicht zutag.

Es spielt das schmerzliche Mienenspiel unglücklichen Mann's, der träumt; von Gram und Leid und Bitterkeit ist jeglicher Mund umsäumt.

Es zuckt die Lippe, zuckt das Äug', auf dürre Wangen quillt die unbemeifterte Träne hin, vom Sonnenbrand gestillt.

Sie schau'n ein reizend Spiegelbild vom kühlen Heimatstrand, das grüne Kleefeld, rot beb Kirnt, den Vater, der einst den Sohn gerühmt verlor'nes Iugendland!

Ein Schuß da flattert's weiß heran, und schon steht das Karree schlagfertig und munter, und keiner sah des andern Reu' und Weh; nur zorniger ist jeder Mann, willkommen ihm der Streit;

doch wie er kam, zerstiebt der Feind, wie Traum und Reu' so weit!

Die Welser kn Venezuela.

Eine deutsche fiotonialfragäbie vor vierhundert Iahren.

Von Franz Stüber.

Nur wenig« Jahrzehnte Lebensdauer sind der Kommunalpolitik des neuen Deutschen Reiches beschieden gewesen. Heute ist Deutschland von jeder Betätigung in lieb erste ausgeschlossen, und erst in letzter Zeit scheint sich hier eine grundsätzliche Aendernng anzubahnen. Die Frage, ob Deutsch­land eine koloniale Zukunft habe, wird durch bemerkenswerte Aeutzerungen nicht unmaßgeblicher Politiker des Auslandes neu belebt.

Gerade dieses Jahr erinnert an ein denkwürdiges Ereignis der Kolonialgeschichte. Denn nicht erst seit Carl Peters haben di« Deutschen in fremden Ländern mit dem ausgesprochenen Zweck, Kolonien zu- gründen, festen Fuß gefaßt. So tief und fest hat der deutsch« Michel denn doch nicht geschlafen, als jene große Zeitwende über Europa hereinbrach, und die Abgeschlossenheit der mittelalterlichen Welt von der weltgeschicht­lich so bedeutsamen Epoche der großen Entdeckungen abgelöst wurde. Wenn es dem Deutschen Reich damals auch an politischer Macht gebrach, es den anderen großen Nationen gleichzutun und Schiff« auf die Welt- meere und an die Küsten der neuentdeckten Länder hinauszusenden, so fehlten doch Deutsche nicht als Teilnehmer so mancher erfolgreichen Ent- deckerfahrt. Es war ein Verhängnis, daß in jener entscheidenden Stund«, in der sich das Angesicht der Welt neu und vielleicht endgültig für alle Zukunft gestaltet«, ein Kaiser die deutsche Kron« trug, dessen Herz säst nur für den spanischen Teil seines Reiches schlug, in dem di« Sonne nicht unter­ging. So kam es, daß die Deutschen leer ausgingen, während sich Spanier und Portugiesen den Erdball in zwei Hälften teilten. Die einzigen, die in Deutschland die nie mehr wiederkehrenden Chancen dieser Stunde be» griffen, waren die Augsburger Welser, die Dynastie erfolgreicher Handelsherren, die finanziellen Herrscher ihrer Zeit, die reich genug waren, Königen und Kaisern hilfreich unter die Arme zu greifen, und deren Blick, an einem weitläufigen Handelsverkehr geschult und geschärft, über das Weichbild ihrer Stadt in die Weite der Weltmeere ragte.

Di« Welser hatten fick' vor allem KarlV. zum Schuldner gemacht. !Wegen seiner besonderen Verdienste", so schrieb ein Augsburger Chronist i von dem Geschlecht der Welser,hat es von den römischen, Kaisern viele herrliche Freiheiten erhalten nämlich, daß sie all« Privilegien der Ritter und Adelspersonen in Fran.-.n. und Schwaben zu genießen fähig seien, ohne Erkrubnis der Reichskammer ihnen von keinem Kurfürsten und Stand des Reiches etwas Beschwerliches aufgeladen werde und sie von fremden Gerichten befreit fein sollen. Diese Freiheiten hat Kaiser KarlV. bestätigt, mit dem Zusatz, daß ihre große Handlung an den ritterlichen Hebungen keinen Nachteil bringen solle." Die Verdienste der Welser um die römischen Kaiser, besonders um Karl V. rechtfertigten in der Tat eine solch« Aus­zeichnung. Wie Maximilian von den Fuggern, so erhielt Karl von den Weisern tatkräftige finanzielle Hilfe; dl« Augsburger, Handels- Herren waren überhaupt die Bankiers der Könige und Großen ihrer «,-eit. So erhielt der König von Frankreich von ihnen zwölf Tonnen Goldes, nicht weniger lieh sich der Kaiser. Zum Dank für diese Unterstützung wurden die Welser in ihren Freiheiten bestätigt, und der Ches des Hauses, Barthelmä Welser, wurde kaiserlicher Rat und mit Venezuela belehnt. Dies« Auszeichnung führt« zur Gründung der erften deutschen Kolonie in Hebersee. Denn mit der Rückzahlung des gewährten Darlehens rechneten die Welser nicht, statt dessen nahmen sie ein Land, von dem sie sich reichen Gewinn versprachen, als Gegenleistung an. Cs war di« Zeit, da die phan- tastischsten Vorstellungen vom Goldreichtum der neuentdeckten Lander Europa verwirrten. Kein Wunder, daß sich die Augsburger Kaufleute, von der allgemeinen Psychose ergriffen, von der Neuerwerbung an der Küste Südamerikas einen Zuwachs nicht nur an Prestige, sondern auch an Reichtum versprachen.

Es war im Jahre 1527, also vor nunmehr 400 Jahren, als m Madrid die Bevollmächtigten der Welser, Ambrosius Dal sing er, und Hrerony- MUS Sayller, mit KarlV. «in Abkommen trafen, demzufolge die Welser vier Schisse ausrüften sollten, um die Besiedlung Venezuelas in Angriff zu nehmen. Die Besatzung dieser Flotte sollte 3000'Mann(be­tragen, deren Verpflegung die Welser ebenfalls auf « n Jah r zu über- nehmen hatten. Zweck des Hntemehmens war, die Landstrecke zwischen dem Cabo de la Vela und dem Cabo de Maracapana zu unterwerfen, dort und auf den gegenüberliegenden Inseln Ansiedlungen zu gnmoea und in einer bestimmten Frist fünfzig deutsche Bergleute uni> 4000 Neger­sklaven zu stellen. Der König von Spanien ernennt den Statthalter, den (Beneralfapitän und den Lieutenant und besoldet sie. Dafür erhalten die Welfer für ewige Zeiten die Würde des Oberrichters und des Lieutenants der drei Festungen, beziehen vier Prozent von jedem Gewinn, genießen Zollfreiheit, erhalten zwölf Meilen eroberten Landes als Eigentum und genießen neben anderen Privilegien auch das Vorrecht, alle Eingeborenen, die sich nicht auf die erste Aufforderung hin unterwerfen wollen, zu Sklaven zu machen. Die Aussichten für die Kolonisation waren bei solchen Bedingungen die allerbesten, und man fühlt sich wieder einmal versucht bei diesem Kapitel der Geschichte die berühmte Frage zu stellen, was wohl geschehen wäre, wenn die Deutschen bei der Ausführung des Unter« nehmens nicht auch jene verhängnisvollen Fehler gemacht hatten, wie die Spanier, die bei allen ihren Zügen derverwünschte Hunger nach Gold" trieb!

Von vornherein vergriffen sich die Welser, die di« neue Unternehmung von Augsburg aus leiten wollten, in der Auswahl der für Südamerika bestimmten Personen. Stott tüchtig« Soldaten u. wirklich befähigte Koloni­satoren zu senden, blieb es, zum Schaden der Kolonie, nur bei den Soldaten. Dalfinger mit seinen vierhundert Landsknechten, selbst aus­schließlich Abenteurer und Soldat, war nicht der richttge Mann für diest Aufgabe. Auch er war, von Goldgier besessen, ins Land gekommen; sein« Schar verachtete di« Indianer, die sich nicht wehrlos unterjochen lallen wollten und sich gegen die Eroberer erhoben. Blutige, auf beiden Setten ohne Schonung' geführten Kämpfe waren die Folge. Hinzu kamen «« Schwierigkeiten, die den Deutschen von den eifersüchtig gewordenen Spaniern erwuchsen. Dalfinger, der Venezuela und Maracaibo gegrunw