Iahrg
bist ein wortbrüchiger
armer Teufel!"
VI.
mals hoch'" „Ich bitt' schön, Edi! Wir haben am Tag im Gefchaft IF*ä,“L
Rach dieser glänzenden oratovischen Leistung proklamierte der Repetent Kreuz. Red' daheim von was anderem. Wan wird sonst ganz rawai
ein donnerndes „Initium fidelitatis!“
„Und wenn will keinen
Vater Bestes
wäre, haben es «r-
ich's
Teil
Indes die Hochzeitsgesellschaft in einem Meer von Fröhlichkeit schwamm und bis in dis späte Nacht hinein zechte und jubilierte, stand Herr Mar- tinius, den Kopf vornübergebeugt, an seinem Arbeitspult und hielt in
„Du hast Dich von deinem wilden Blut in di« Aufregung treiben lassen. Du wirst's bereuen. Deinem Vater gegenüber eine solche Sprache gebraucht zu haben. Nimm Vernunft an und komme zurück." Wenn Dir's ein Dorn im Auge ist, dem Stevens irni) seiner Frau hier zu begegnen, will ich ihnen kündigen. Das ist mein gutes Recht. Du weiht, wie ich den Klatsch der Leute scheue. Was wir miteinander haben, braucht nicht an die Oeffentlichkeit zu kommen. Versündige Dich nicht an Deinem Vater, dem nur Dein Glück am Herzen liegt. Ich bitte Dich, kehre zurück.
Erst als er den Brief besorgt hatte, ward er ruhiger. Um Mitternacht suchte er todmatt sein Lager auf. .
Tage, Wochen vergingen, Paul schwieg. Herr Martimus lieh dem ersten Brief einen zweiten, dem zweiten einen dritten folgen. Keine Antwort. Er wandte sich an die Herren Herbst Brothers. Diese lehnten eine Vermittlung mit der Begründung ab, Mr. Paul sei Herr seiner Entschlüsse, und sie erachteten es nicht für angemessen, in eine Sache einzugreifen, d», wie es den Anschein habe, einen durchaus privaten Charakter trage. Mr. Paul erfülle bei ihnen im vollsten Maße seine Pflicht, und es freue sie, seins Kraft ihrem Geschäft erhalten zu wissen. Herr Ma.rtinms brach zu- sammen. Seine Zukunftspläne waren zertrümmert, er hatte ein Leben lang umsonst geschafft, sein Sohn war ihm verloren. Und em tödlicher Haß erfüllte ihn gegen die Buchhalterin. Sie war im Grunde genommen an allem Unglück schuld. Am liebsten hätte er sie auf und davon gejagt. Jin Geschäft behielt er zwar die Disposition, allein er griff nicht mehr selbst zu, und die ganz« Arbeitslast ruhte auf Edis Schultern. Wenn der Alte langsam in gebückter Haltung über die Straße schlich, blieben die Leute unwillkürlich stehen, und einer sagte zum andern: „Seh'n sie mal den Mar- tinius an. Mit dem geht's stark abwärts. War sein Leben lang ein Knicker und Knauser. Für wen? Er nimmt nichts mit. Ein reicher Monn und cm
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fahren, daß tni ihn um seine Liebe schnöde betrogen hast!"
„Rein, Paul," stöhnte der Alt«, „den Schimpf wirst du deinem nicht antun. Wie kannst du meine Güte so verkennen? Ich habe dein gewollt, so wahr mir Gott helfe!"
Mühsam hielt er sich aufrecht. Es war keine Minute zu verlieren. Er mußte ihm schreiben — sofort.
Mensch!"
„Rein, nein, tausendmal nein!" gab er zurück, hab' ich's allein mit meinem Sohn abzumachen."
„Aber dein Sohn sagt sich von dir los, er an deinem Mammon. Er meidet dein Haus, und alle Welt soll
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriok. - Druck und Verlag: Vrühl'sche D.niversitäts.Buch- und Steindruckerei, D. Lange, Gießen-
Kopf. Gelt, das siehst doch ein? , .
Gewiß sah er das ein und er verwünschte sein« Ungewandtheit, holte er seine Bücher herbei.
(Fortsetzung folgt.) .
Von dem Augenblick an, da Herr Martinius den Brief seines Sohnes entsiegelt, sah er sich von einem Gespenst verfolgt, das ihm unaufhörlich zuraunte: „Du bist ein wortbrüchiger Mensch!" Vergeblich, daß er all sein« Willenskraft aufbot, seiner Erregung Herr zu werden. In der Kirche hatte ihn ein Schwindel gepackt und er hatte sich nicht stark genug gefühlt, an der Hochzeitstafel auszuharren. Jetzt im stillen Gelaß suchte er feine Gedanken zu ordnen. Was hatte er denn verbrochen? Weil er seinen Sohn vor einem unglaublich törichten Streich bewahrt, beschuldigte ihn dieser des Wortbruchs? Was erschütterte ihn denn so gewaltig? Es war sein Sohn, der ihn anklagte, sonst niemand. Wer konnte ihm denn etwas anhaben? War er nicht sein Leben lang ein reeller Mann? Wog er nicht jedem, der da kam, seine Sache ehrlich zu? Hätte er's vermocht, einen Menschen um einen Pfennig zu bringen? Sein Name war geachtet weit und breit. Kein Makel ruhte auf der Firma. Wer wollte es wagen, dagegen aufzutreten? Gewaltsam stemmte er sich gegen die Gewissensangst, die ihn den ganzen Tag über schon gepeinigt hatte. Er schritt energisch in seinem Kontor auf und ab, und er schien die Kraft gewonnen zu haben, di« finsteren Geister zu bannen, die ihn folterten. Da klang es wieder wie von unsichtbaren Stimmen an sein Ohr: „Du l'st " ' “t1?
Im Nordoieriel der Stadt, das noch wenig bebaut rrxir, hatte Edi nut feiner jungen Frau eine kleine Wohnung bezogen. Die Einrichtungskosten waren gering, weil Edi das Mobiliar aus der Verlassenschaft seiner Eltern in die Ehe brachte. Frau Dornhöfer hatte ihrer Tochter eine anständige Aussteuer mitgegeben, so daß Herr Martinius zu seiner Befriedigung nicht in den Geld sack zu greifen brauchte. Nun saßen die Leutchen int warmen Nest, aber ihr Zusammenleben gestaltete sich doch ganz anders, mi« &oi sich's in seiner Phantasie ausgemalt hatte. Tagsüber nahm sie das Geschäft in Anspruch, in dem sie beide eine verantwortungsvolle Stellung verleideten. Svät am Abend kamen sie nach Hause, und Peppi suhlt« I'ch dann meist 'so abgespannt, daß keine rechte Gemütlichkeit in der neuen Häuslichkeit aufkommen wollte. Edi war überzeugt, daß er daran Ichuw fei. Er überhäufte seine Frau mit kleinen Aufmerksamkeiten.
freundlich lächelnd hin, aber sie erwiderte sie nie mit einer Zarmnp.i, nach der der junge Ehemann lechzte. Er zerbrach sich den Kopf,, wie er 1 abends am besten unterhalten könne. Da sein Jdeenkreis ntcht rw»r snne Beruf hinausging, sprach er beim Essen zuweilen von geschaftu-W Dingen. Dann unterbrach ihn Peppi:
,Jch bitt' schön, Edi! Wir haben am Tag im Geschäft genug uns^
feinen zitternden Händen einen Brief, den ihm die Vormittagspost von London gebracht hatte. Der Brief war von Paul.
„Erst jetzt, nachdem ich Stevens Brief gelesen, durchschaue ich den sauberen Händel. Du hast Dein Spiel mit mir getrieben, mehr noch, Du hast Dein Wort gebrochen! Stevens und Peppi Dornhöfer waren Marionetten in Deinen Händen, Du hast sie einfach zusammengekuppelt. Ich »ediere kein Wort mehr 'darüber. Nur soviel noch: ich verzichte ein für allemal auf die Teilhaberschaft an Deinem Geschäft. Ich kehre nicht wieder zu Dir zurück, fortan sind wir geschieden."
darauf legt, stehe ich vor der Frage, ob wir die Druck- und Ver- fendungskoften nicht sparen und dafür einen ständigen Reifenden engagieren. Wir wollen das später überlegen. Sage den Herren Herbst Brothers meine Empfehlung. End« des Jahres erwarte ich Dich gesund zurück und verbleibe Dein treuer Vater ., „ „ . „
Joh. Emmeruy Martinius.
*
Eine der zierlichen Verlobungskarten, auf denen Edi mit großem Stolz feinen und feiner Peppi Namen in gotischen Lettern prangen sah, hatte der glücklich« Bräutigam nach London geschickt. Aber Tag um Tag wartete er vergeblich und mit wachsender Unruhe auf des Freundes Glückwunsry. Unter mannigfachen Vorbereitungen zur Hochzeit flogen die, Wochen dahin. Von Paul kam keine Nachricht. Ein Schatten fiel auf Edis Gluck. Er grübelte hin und her, sich Pauls Schweigen zu deuten, und es war ihm Bedürfnis, dem fernen Freund sein Herz auszuschütten:
„Lieber Paul!
Die andere Woche ist mein Hochzeitstag. Manchmal könnte ich aufjauchzen, aber dann legt es sich wieder wie ein Alpdruck auf mich. Du bist mein Fretind und hast keinen Glückwunsch für mich gehabt. Damit haft Du mir sehr weh getan. Die Karte an Dich könnte ja verloren- qeqangen sein, allein Dein Vater hat Dir doch auch die Verlobung mit« geteilt. Ich bitte Dich inständig, sage mir, daß Du an meinem großen Glück Anteil nimmst. Sonst fehlt mir etwas und ich kann nicht recht froh werden. Was ich bin, habe ich Euch zu verdanken. Dein Vater hat sich sehr edel gegen mich benommen. Ich bin nun einmal ein bißchen schüchtern von Natur und hätte nie den.Mut gehabt, um die Peppi anzuhalten. Dein Vater hat das vorausgesehen. Er hat wirklich ein Herz für seine Leute. Vorher besprach er alles mit mir, wahrhaft väterlich! Dann verstand er es förmlich zartfühlend einzurichten, ja wir : waren verlobt und wußten nicht wie. Ich bekomme die hefte Frau. ] Gestern waren wir auf dem Grab der Ellern. Wenn sie das noch erlebt , hätten! Frau Dornhöfer trifft morgen von München ein. Das Essen : ist im „Schwan". Ich teure jetzt immer auf den Postboten, ich meine, es muffe ein Brief von Dir kommen. Das wäre mein schönstes Hoch- zeitsaeschenk. Dein treuer Edi Stevens." . . .
Die Hochzeitsgäste waren in der Kirche versammelt, das Brautpaar trat an den Altar. Während der Zeremonie ereignete sich ein Zwischenfall. Herr Martinius fühlte sich plötzlich so unwohl, daß er das Gotteshaus verlas en mußte. Zwar erschien er spater beim Hochzeitsessen, aber allen siel seine fahle Gesichtsfarbe aus. Den teilnehmend Fragenden erwiderte er- Macht doch nicht gleich aus einer Mücke einen Eelefanten. Meine alte Kopfgicht ift’s, weiter nichts." Dabei war's ihm selbst nicht recht geheuer, die Speisen, die man ihm vorsetzte, berührte er kaum und empfahl sich bald Rim kam erst Lebei in die Gesellschaft. Der Repetent, der schon beim Braten einen kleinen Schwips weg hatte, übernahm es in Vertretung : des Handelsherrn, das junge Ehepaar zu feiern. Mit einem riesigen Hausschlüssel entlockte er feinem Glase einige rhythmisch gehaltene melodische Klänge, erhob sich gravitätisch, zupfte nachdenklich seine grauen Bartkoteletten und sprach:
„Hochverehrte Festversammluwg!
Ich bin Jurist. Das wissen Sie. Ich halte es daher für notwendig ! Sie von vornherein der Besorgnis zu entheben, als ob ich Ihnen nach soviel guten Dingen, die wir hier gegessen haben, noch ein Ragout von Handels- und Wechselrecht vorsetzen wollte. Seitdem ich Spezialist m der Behandlung einer weitverbreiteten Krankheit, des Examensfiebers, geworden bin, ist es mein unerschütterlicher Grundsatz, außerhalb meiner vier Wände nicht mehr Fach zu simpeln. Aber dennoch kann ny nicht umhin. Ihnen zu bemerken, daß an uns Juristen aus der alten Schule bei dem allgemeinen Sinken unseres Rechtslebens fetzt mehr denn je die Verpflichtung herantritt, das ideale Element in unserer । Wissenschaft hochzuhalten. Ich für meine Person gehe noch weiter. Ich mache Ihnen das ehrliche Geständnis, daß ich auch im sozialen Leben immer auf der Suche nach idealen Menschen bin. Leider mit geringem Erfolg. Um so mehr gereicht es mir zur Freude, hier konstatieren zu können, daß ich auf ein Exemplar des genius homo gestoßen bin, das das Attribut „ideal" im wahrsten Sinn« des Wortes verdient. Es ist niemand anderes als unser lieber Stevens, dem Hymen heute die Fackel schwingt. Er hat sich seinen Idealismus sozusagen mitten unter Hermgs- tonnen und Petroleumfässern erobern müssen. Das will etwas heißen. Ich habe nun jahrelang gleichsam aus der Vogelperspektive ein kleines niedliches Geschöpf beobachtet, das in seinem wackeren Streben, in seiner tüchtigen Art ganz dazu angetan schien, sich unferm lieben Stevens als treue Gefährtin zu gesellen. Zwei Flammen glühten nebeneinander,,sie züngelten hin, sie züngelten her. Mir war es keinen Augenblick zweifelhaft, daß diese Flammen einmal zusammenschlagen würden.,Und letzt ist zur herrlichen Tat geworden, was ich prophetischen Geistes vorausgeahnt habe: Peppi Dornhöfer und Edi Stevens haben den Bund jurs Leben geschlossen. Meine lieben Neuvermählten! Ich gebe Ihnen einen aufrichtigen Wunsch mit auf den Weg: Bleiben Sie die,— wie soll ich sagen — die Sonnenmenschen, die Sie sind. Kreisen Sie , heiteren Gemütes um die große Jdeal-Zentralfonne und lassen Sie sich , durch den Realismus der modernen Welt nicht aus Ihrer Lichtbahn drängen. Sie aber, verehrte Anwesende, bitte ich, die Gläser mit Nektar zu füllen. Sehen Sie, wie er schäumt und perlt. Das sind Jdealperlen, die einen Strahlenkranz um die Häupter unseres lieben Paares schlingen. Stimmen Sie mit mir ein in den Rüf: Unser Jdealpaar lebe hoch, hoch und noch-
Jrgeni dachte, m und ruht Deckel: „5 laucht zu Daniel vc ich mufft, Hauptstad HuMenkr öffnet bas .allmodisch spielen lä


