rächen", und eine andere: „Wer ein« Ehefrau $u aufmerksam ansicht, beacht Ehebruch mit den Augen". .
Ihre Religion war jedoch, ganz ebenso rote die damalige christliche, befleckt durch die Sitte der Menschenopfer, wobei die Kriegsgefangenen die Rolle der Ketzer spielten. Dieser Brauch hat begreiflicherEise den Abscheu der Nachwelt erregt und der Vermutung Raum gegeben, datz. die Mexikaner doch nur eine Art Wilde gewesen feien, doch laßt sich zu seiner Entschuldigung einiges anführen. Zunächst war er auf ch« Azteken beschränkt, die Tolteken übten ihn nicht, und er scheint auch bei lenen im Schwinden gewesen zu sein: wenigstens gab es in Cholula, der zweiten Stadt Mexikos, einen Tempel des Gottes Quetzalcoatl, dessen Kultus die Menschenovfer durch Vegetationsopfer ersetzt wissen wollte. Sodann trug er keineswegsiden Charakter der Grausamkeit und Blutgier, sondern war eine, obschon höchst barbarische, religiöse Zeremonie, durch die der Gläubige sich die Gottheit geneigt zu stimmen suchte und die für so wenig entehrend galt, daß sich bisweilen fromme Personen freiwillig dazu erboten. Er war eine einfache Frucht der Angst und des Aberglaubens und stand moralisch zweifellos höher als die Gladiatorenspiele der Romer, die ihre Gefangenen zum Vergnügen schlachten liehen. .
Eine merkwürdige Eigentümlichkeit der mexikanischen Religion war der Glaube an die Rückkehr des soeben -erwähnten Gottes Quetzalcoatl, von dem man annahm,-datz er vor langer Zeit geherrscht, das Volk w allen möglichen nützlichen Künsten unterrichtet, alle bestehenden gesellschnftlicyen Einrichtungen gestiftet und schließlich in seinem Zauberschiff mit dem Versprechen, eines Tages zurückzukehren, verschwunden ist. Run hatten gerade um jene Zeit die Priester erklärt, datz die Zeit der Wiederkunft des Gottes nahe fei. Er wurde aus dem Osten erwartet und es hieß, datz er sich von den Azteken durch weiße Hautfarbe, blaue Augen und blonden Bart unterscheiden werde. Alle diese Prophezeiungen sollten sich erfüllen, und dieser rührende (Staube, von den Spaniern in der niederträchtigsten Weise ausqenützt, war einer der Gründe für die wunderbar« Tatsache, datz es einer hergelaufenen Rotte von analphabetischen Banditen gelungen ist, dies« Kulturweit nicht nur zu unterjochen, sondern völlig zu zertrampeln. Dazu kamen noch andere Ursachen: die geringere physische Energie der Eingeborenen, deren Existenz durch das erschlaffende Tropenklmr« und das jahrhundertelange Leben in Ruhe und Üeberfluh allmählich etwas Vegetatives, Blumenhaftes angenommen zu haben scheint; die Ausrüstung der Europäer mit Feuergewehren, Pulvergeschützen, -stahlpauzern und Pferden, lauter Dingen, die den Mexikanern völlig unbekannt waren, und auf sie neben der physischen Wirkung auch einen ungeheuren moralischen Eindruck inachen mußten; die höhere Entwicklungsstufe der spam- schen Taktik, die der aztekischen etwa ebenso überlegen war rote der makedonische der persischen; die innere Uneinigkeit des Reichs und der Abfall mächtiger Stämme. Der Hauptgrund aber dürfte dann bestanden haben, daß die ganze Mayakultur sich bereits in dem Stadium der Agonie befand und es ihr irgendwie bestimmt gewesen sein muß, unterzugehen. In -der ganzen uns bekannten Geschichte können wir ja das Schauspiel verfolgen, daß ältere Kulturen durch jüngere unterworfen werden: die sumerische durch die babylonische, di« babylonisäi« durch die assyrische, di« assyrische durch die persische, die persische durch die griechische, di« griechische -durch die römische, die römische dur chdie germanische. Aber immer bemerken wir alich, daß die niedrigen Kulturen sich der höheren assimilieren: o übernahmen die Babylonier die sumerische Keilschrift, d,e Perser die chaldäische Sternkunde, die Römer die griechische Kunst und Philosophie, die Germanen die römische Kirche. Aber in Amerika hat sich nichts dergleichen ereignet: die indianische Kultur ist spurlos verschwunden. Dieser in der Weltgeschichte einzig dastehende Fall erklärt sich aber eben durch die ebenfalls einzig dastehende Tatsache, daß ein ganzes Volk nicht von einem anderen Volk, das zwar barbarischer, aber doch auch ein Volk war, unterjocht sondern von einer ruchlosen Räuberbande ausgeplündert und ausgemordet wurde, und während längst versunkene Kulturen wie die ägyptisch« oder die vorderasiatische, von der griechischen und roimschen gar nicht zu reden, noch heute auf geheimnisvoll« Weise ihre befruchtende Wirkung ausüben, ist durch die Conguista die Menschheit um eine hohe und einmalige Art, die Welt zu sehen, und damit gewissermatzen um einen Sinn ärmer geworden.
Dom Qssundnen Reinhold und „verlorn" Gretlein.
Von Heinrich St e i n h a u s e n. (Fortsetzung.) .
ciQ Schulmeister," sprach sie wieder, „'s ist ein schön kraus Stocklern, ^.iAten ech^m finden - die Lore hat's immer am Fenster be, sich sfehn g-chabt und nie versäumet darnach zu sehn, Sie hat's a-uch drautzen icht wollen missen, un-b wie sie krank lag, hab' ich's ihr ans Bett stellen miissen auf'n Schemel, ganz nahe. Gestern nun, wie ich Euch lag, da sie
ihr seid fröhlich so nimm's aus'm Topf und pflanz es auf deiner SÄSEMWM
gestattsam ich gedachte, was ich die Nacht gettamnet. an dem Ihr eeÄÄÄfets eine schöne Blume gepflanzet. Wir _ ff & 9 morgen und mär’
iT&KW m* tm », *
^Solchermaßen fuhr das Grellein zu vkiwn, als gW', es nicht-, dadurch die fröhlich Hoffnung und gut« Zuversicht ihr könnt geimiio«
stein", noch lange nicht nach Gebühr gewürdigt ist. Beherrschender Mittelpunkt des Ganzen und Hauptfigur auf der die Elbe kreuzenden Fahre ist ein Wanderer. Die Arme verschränkt und auf den Stock gestutzt, blickt er als wären die anderen für ihn überhaupt nicht da, hinaus zur Rums auf felsiger Höh«. Alle Symbolik (Lebensalter, Lieben und Entsagen usw.) und alle Hefe Gedanklichkeit des Bildes klingt in dieser Figur harmonisch zusammen und sieghaft ineinander. Wohl schaut der Wanderer nachdenklich zu den Trümmern vergangener Herrlichkeit hinauf — bald genug aber wird er, von seinem Reisebündel gar nicht beschwert, über anderen, freudigeren Eindrücken das Trübe und Trübstimmende dieses Eindrucks verwunden haben. Auf der Mittagshöhe des Lebens, hat er doch di« Welt in ihrer Unendlichkeit, die Zukunft in ihrer Unerschöpflichkeit vor fufb und in sich die Gewißheit, daß auch er — wandernd! — Sommer und Segen finden oder sich erkämpfen wird. Welcher Gegensatz ist das zu der reftgnre- renben Mildheit, die Caspar David Friedrichs Bild „In Betrachtung des Mondes" beherrscht--welcher Gegensatz auch zu der kultivierten
Vornehmheit, di« Tischbeins „Goethe in der römischen Campagna mehr ein repräsentatives Goethebild als eine Ausschöpfung des gewählten, dankbaren Themas fein läßt. Allerdings hat Ludwig Richter für feine Person weitgehend die Voraussetzungen erfüllt, der Maler des rm vernünftigen Sinne richtig verstandenen Wanderns zu werden: wir wissen, daß er selber eine große Jtalienreise durchweg im Fußmarsch ve- "^Noch^mehr von jener Dichterromantik, die lyrisch schön ist, aber nicht immer allzu weit in die Tiefe bringt, teilt sich uns aus manchem Bilde von Schwind mit. Di« bekannte „Hochzeitsreise mit der eben dl« gastliche Schenke verlassenden Postkutsche erinnert lebhaft an Eichen- üorsfs „Leben eines Taugenichts" ober Gaudys „Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen, nur leider nicht an jene Kapitel dieser Bücher die das gesunde eigentliche Wandern preisen. Aber auch Schwi-nd HM um dieses gemuht: in einem schönen „Talblick" sind he am W ruhenden, die Landschaft in sich ausnehmenden Wanderer vtel roemger bloße Staffage als in vielen Bildern feiner Vorläufer und Zeitgenossen. Hans Thoma, der hier angeschlossen sei, hat dieses Motto m fernem „Blick in ein Taunustal" stofflich nahezu wiederholt, es aber mtt der ganzen innigen und echten Poesie erfüllt, die mich ander« ferner Werke über die von Schwind stellt (dem von der Mvnumentalmalerer her eme gewisse Glattheit und verstandesmäßig« Mhle eignet). Aehmich ist em
Wanderer", bekannt vor allem durch bie. vielverbreitete Farbenlithographie: aus stillverträumtem Tal hemufgestiegm, tut der Wanderer eben den letzten Schritt zur Höhe, die ihm weite und lohnende Sicht über Berge ' ^Auch der liebenswürdig« Spitz weg darf >u he ser Betrachtung^nicht fehlen Seine „Zollvisitationen" und anderen Posttutschenbi der sind so feinfühlend genullt, seine Ironie: „Engländer, Rumen betrachtend is o boshaft, wie sie berechtigt ist, - seine „Futzwanderer un Gebirge und viele ähnliche Werke gehören, weil sie di« gleichen Empfindungen aus- hriirf-ßTi burcbciuß an bic Seife bet vorgenannten. .
Von Werken der Lebenden seien zwei Wandbilder von Willy Ja eck el genannt: das eine, „Wandern", zeigt einen Wanderer der nberro« auf Fluß und Stabt unb Berg schaut, der erschauernd, aber doch auch binaeri sen Größen und Weiten und Zusammenhänge erahnt, in die auch « gestellt innerhalb deren auch er bestimmt und berufen rst, mitzuwirken und rnttzüschaffen. Ein anderer blickt (in dem Bild „Schauen") sinnend über wolkenumwogte Bergesgipfel An, deren Abende RafielschEe sich dem schicksalhaften „Wandern nähert, das Ernst Barlach- zuwei.en m seinen starken Holzplastiken und Graphiken packend gestaltet. — Man aun faK baf? au% S „modernsten" Künstler sich L romantischen Tendenzen bekennen, wenn sie das Wandern (weisen) schildern wollen. Und e/muh doch wohl irgendwie bezeichnend sein, daß noch Lum das Reifen mit der Eisenbahn einen nennenswerten Niederschlag m der Kunst gefunden hat, - geschweige denn das nicht mehr mit in erm, „Wan- dem und Reisen" vergleichbare Länderdurchgueren mit Hilfe der aller- neuzeitlichsten Verkehrsmittel.
Wandern und Reisen in der Malerei.
Von Walter A p p e l t, Plauen.
Wandern und Reisen erschließt uns, heute wie immer, die Schönheiten der Erde und die Wunder der Natur. Wer in seinen vier Pfahlen hocken bleibt stellt sich selbst abseits und außerhalb des Reichtums, den heimisch« und fremde Landschaften und Kulturen dem Aufnahmewilligen vermitteln. Es konnte und kann nicht anders fein, als -daß die Künstler unter diesen Ausnahmewilligen — die zugleich aufnahmefähig sein müssen — an hervorragender Stelle stehen. Reisen zu -den Stätten der klassischen Anttke wie der Renaissance, zum vielfältigen Zauber südlicher Landschaften, später nach den Niederlanden und Paris gehören zu den wichtigsten Kapiteln unserer Künstler-, insbesondere Malerbiographien. Bis roeit ins 19. Jahrhundert waren die Reisen vielfach noch Wanderungen in jenem Sinne, der uns verwöhnteren Heutigen primitiv erscheinen will, der aber doch um vieles ertragreicher ist — zumal für den Künstler — als unser tilometerfrefjenbes Hasten. Wahres Reisen sollte eigentlich immer, wenn auch nicht ganz wörtlich, ein Wandern sein. Diese Erkenntnis (und diese Forderung) finden wir in Bildern bestätigt, die namentlich von Künsllern der letztvergangenen Perioden geschaffen wurden und die ihren Stoff im weitgespannten Thema „Wandern und Reisen" suchen. Es ist kein Zufall, daß es saft ausschließlich sich um Maler handelt, die der Romantik entweder direkt angehören (Ludwig Richter, Movitz von Schwind) oder doch als Spätlinge ihrer Anfchauungs- und Empfindungsweise zu gelten haben (S p i tz w e g , Thoma).
Ludwig Richter ist den meisten mehr durch seine gemütvollen Holzschnitte als durch seine — freilich auch weniger zahlreichen — Gemälde bekannt. Das hat leider zur Folge, daß eines der schönsten und deutschesten Bilder unserer Kunst, sein« „Uebersahrt nach dem Schrecken-


