Ausgabe 
5.4.1927
 
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Jahrgang |92Z

Dienstag, -en 5. April

Kummer 27

Sehen Sie,

>da sind^also die beiden

au

nv v'- ^lunue ue» vnuas jenrte

Fnn?U lt)n Äerob; ®.r t)ntle f,ri) gerächt, alles Ivar gut gegangen, da konnte er wohl noch einen zweiten Pfeil abschießen. Hur-ra! '

merung begann.

Rundum in^den Buden flimmerten die "" Pavillons, unter

April.

Von Theodor Storm.

Das ist die Drossel, die da schlägt. Der Frühling, der mein Herz bewegt;

Ich fühle, die sich hold bezeigen. Die Geister aus der Erde steigen. Das Leben fließet wie ein Traum Mir ist wie Blume, Blatt und Baum

Da war es schon vorbei. Der Mann tat sein Hütchen ab und sammelte Geld em. Er kam auch an den Tisch der alten Damen. 1

Sie sind ja ein Sänger von Gottes Gnaden, Herr Assessor!"

Der Herr erbarmt sich über Gerechte und Ungerechte Frau Ge­heimrat. 91un müssen Sie mit Ihren Goldstücken das Ihre tun. Es ist für die armenWaisenkinder, Frau Geheimrat!" ' '

was das allek bÄuiFfoMe® lassen, .venn er gewußt hätte, h/'nÄr6h' sandte sich die Frau Geheimrat an ihre Freundin, "bQ die beiden Bruder von Kreyenhop, diese Schlingel."

Rechter Hand ain Wege erhob sich eine Planke, über die ein Apfel- baum seine gesegneten Zweige neigte. Hier war mit Pfeil und Bogen m^m ^ 'lurlchten, aber Ontje fand einen Knüppel und wirbelte ihn

' ^nen "leberprasfelnden Hagel sammelte er geschwind in seine . lvtis mar denn das? Gnnz da hinten mo Däuser imh * Saume die eigentliche Stadt ankündigten, erhob sich ein heiteres Getöse veteWahrhaftig Musik! Der Gesang einer Trom- ! pete loste sich, gemildert durch die tferne, aus dem dumpfen Gewoae und zog klar und betörend dahin. Ontje schauerte zusammen. War es tnUo ?U 9 aub?"' nu tof9arb aU1^ nod) Musik! Er rannte los, die Aepfel kollerten aus ferner Bluse. Halt! Er hatte den Bogen vergessen zurück!

S» nun robcr holderdipolter! Wo mochte die Musik denn stattfinden. In Papes Sommergarten natürlich! Ja, natürlich! Er klet- *lber einen 3aun, brach durch ein feuchtes Dahlienbeet schlua eine IIo9 erine Allee entlang der Musik entgegen.

sei-n'mußte Die^Vo^'ns Oh er ^°n' heute bei Papes 'eine Art Fest Licht, allerlei' Gatten Wcf fiaf^n/lnmipfeI mit bleichem

Aber die Musik ictwb ffrnhLnh J's 'Jnb schwebten umeinander. strahlend hindurch. Tätärätätä bum bum' Do mnr

EichenerZamilieiibMer

UnterhalMngsbeilage Zum Gießener Anzeiger

Ontje Arps.

Erzählung von Manfred Hausmann.

[n Die Beeren des Rotdorns dufteten bitter, die Birken leuchteten nur So leUebterfto°hennlh8- b^chs'chtig glühend, gegen den Abendhimmel auf. mrt-s Gold An den qh, ®eflI Sro,toen b?n Vorstadtgärten durch lauter b Faunen schwangen sich zitronenfarbene Wicken wild

St mX« Bb,b Wf

/ °"A,e ,2trps durch alle die goldene Versunkenheit geschlurft Seine Rase witterte umher, feine Augen kniffen sich ein roenin m- sammen, sein linkes Ohr stand aufrecht und hörte jedes Geräusch. Er hatte vor niemand Ängst, ein verwegenes Kerlchen, ein neunjähriger te8- der drauf und dran war, die Welt zu erobern. Er war der Anführer der Lindenstraße, in der er wohnte Jeßt schlurfte er hi-n-h bas Gold der Vorstadtgärten. In der linken Hand trug er einen Boom und fflp üm S "iUS- (f,^nf)0tl geschnitzt hatte, ein Ding voller Kraft und Geschmeidigkeit, in der rechten ein Bündel Schilfpfeile Oben auf ledern Pfeil saß ein Stückchen Holunder, damit fie gerade folgen Be- ^uchkete man indessen die Spitzen genauer, so ergab sich, daß Ontje einige m u } Auf diese Weise konnte er über vielfältiges

®e,'er ^rrschen. Vorhin hatte er den Pfeil mit der Häkelnadelspche SXÄÄ* bf°r >" ffatje 00n Frau Amtsgerichtsrat Lawes auf den Pelz gebrannt. Nicht aus purer Mordlust übrigens Die Frau ^^enchtsrat hatte !hn vielmehr am Morgen, als er sich damit ver- gnugte, m der Tur ihres Vorgartens hängend hin und her zu fahren, e@n<b abscheulichen Ohrfeige überfallen. Es war nur gut, daß es X ? aui? tintw?5 6iefi. Teufel ja, wie tapfer die Rätin

Zetermordio geschrien hatte, als ihr Miezchen pfeilgespickt durch die Buschbohnen galoppiert kam! Nachher waren sie beide in die Linden- laube gegangen, die Katze und die Rätin, und hatten dort miteinander . geweint Ontje überdachte das Begebnis noch einmal aufs genaueste Er war voll Dankes gegen Gott, der seinen Pfeil so freundlich gelenkt hatte er rauschte vergnüglich durchs Fallaub, das nach lauter Herbst und Wärme

äwe- Schutzleute hin und her. Ontje knirschte vor Aufregung mit den Zahnen. Was nun? Er trabte eine Strecke zurück und schlüpfte® in einen Tiergarten, bann schlich er ums Haus, schwang sich über einen Zaun merke hie fFfonmnnh s... s, ,, paar Meter vor ihm däm­

merte die Cfeuronnb, hinter der bas Fest (ich allhernd reate Er hurffa» fiA» heran und blinzelte hindurch. Gleich hinter dem Efei. saßen drei a8 Damen um einen Tisch. Das war nun weiter nichts Erstaunliches Aber yfnnefmM cln. uo9tOes Schützenfest, ein Paradies, ein Jahrmarkt, eine Sogetoiefe und alles das miteinander. Ein Menschengewimmel strömte £Lun? "seder, ein Wirbel von Licht tanzte umher. Vor allen Dingen

'?tt ^iner wehenden Buntheit. Und aus dem nebenan krochen gerade die Musikanten heraus. Vielleicht henln fein- Rechts und links taten sich Buden auf in

benen Lampions eine purpurne Dämmerung verbreiteten Die $er- frf>Uh!naUp*n' mer ban.n umherglitten, hatten silbrige Ketten und oer- Gähe?nUf irrtL®nQs ®c'6e Arme flimmerten, Soldaten mit

tri I n gedampft umher, manche Heroen trugen einen Orden Sqs tneb alles so geruhsam durcheinander, Zigarettendampf wölkte in den Lichtkreis der Lampions, bann und wann exvlodierte ein oerbaltenes Gelachter, in ber -Liefe des Gartens wurde Geige aefoielt TOit einmnt Feder mit hnnt tsc i, . *cr9 tchen mit einer langen, gelben ynfeff m-, h6"1* ' Ops lrug, ferne ,yrau auf einen Tisch, reichte ihr eine ~afe[ mit bunten Bildern hinauf und fing an, die Laute ru tofnoen D'° Frau hob die Tafel hoch, und de/ Mann sang. Ach man konntt gar nichts verstehen, weil die Leute alle so lachten. V

. . und er hängte sich daneben und begab sich aus dem Leben."

"Haha, ba fragen Sie nur! Die beiden kleinen Bären da!" Nein, sind sie das?

e | Umschwirrt von Tamburinen und Kastagnetten, zog ein Zigeuner. - Setummel vorbe,. Zwe. Bären taten sich mit unermüdlichen Pumel- r s hervor und rollten den Zuschauern brummenb zwischen die

bnS h°ch lauter Herbst"und WäE j müsset Sgje?"nma^Xf^ K

roa), er blieb stehen und lachte, er legte einen Pfeil auf und fcbofi ihn ja so wunderbar G->ioe nh nah it- 98 Kettenkamp soll dort aufs Geratewohl Über die Gärten hin. Eine Stunde des Glücks senkte Reizendes!" 98b"' e'e acht, fetzt kommt etwas

!'h...?ns._'hn, herab-. Er hatte sich gerächt, alles war gut gegangen, da ! Ein Fanfarenstoß wetterte durch den Garten, der Lärm verebbte, nur na1beami/rmnttCtC 1,0,06 in örns »nd Laub, die Dam- I '/^e^ kommt etwas ganz Reizendes. Wir haben hier einen schönen ^g,beganm .... | Matz Ich glaube, der kleine Hinnerk von der Lydt wird uns jeft mit

Melusme von Kreyenhop etwas vortanzen. Sehen Sie wohl man hat den Pavillon schon geräumt!" '

Die Bogenlampen erloschen UKll OUCer

Papierlaternen. Stille. Da bliKe an jedem Pfeiler des Rosengirlanben verborgen, ein Bündel Glühbirnen auf, unb bann flog bttl-rk^^t'h8'^w6 f aus bem Dunkel empor. Ein Kinderzug mar® schierte auf den Pavillon zu, voran drei «vpitzwegmusikanten mit Geige taute und Flöte, bann drei Rokokodemoisellen und schließlich Hinnerk von der Lydt im Schaferanzug und neben ihm, von seinen erhobenen Fingern aufs zierlichste geführt, Melusine von Kreyenhop, eine rosa ^'"^.ernbe Prinzessin. Die Musik blieb rechts, die Demoisellen links auf ber Treppe stehen Hinnerk und Melusine schritten an ihnen vorbei in den girlandenumhangten Tanzbereich.

Ou'je-riß bie Augen auf. Das Mädchen interessierte ihn weiter nicht. Es hatte ja auch so einen komischen Rock an, und überhaupt Mädchen

s'e ge angennahm unb ein bißchen mit Brennesieln um die «nb ^erneten ihre eignen Leute. Aber der Ontje bas blasse Gesicht Hinnerks und das sorglos durch- Mnhbf/r'e^enb6;t^nr J!nb bcn schmächtigen Körper und die weißen Hande sah, ergriff ihn eine dunkle Unruhe. Er wußte wahrhafttg nicht, ob das, was sich da, leise und klar aus der Nacht emportauchend, begab nur em ferner Traum ober ganz wirkliche Wirklichkeit war. Er kniete Schier dem Efeu und starrte Hinnerk an. Der wiegte sich mit seiner ibrenn4eifr^i- teu b68 .elektrischen Birnen. Melusine zupfte

ihren Reifrock mit beiden Händen ein wenig hoch unb begann langsam