Vivat, die

erst vorig' Stadträten

ren Bürger nach. ...

wenn's allen nützt und mit Euch allein.

roerjBrcwo, Junkersdorf!" stimmte ihm Jungblut bei.Ihr trefft den ^Stadtrat Ballig wandte sich böse zu Junkersdorf um:Schwatzt nicht dazwischen. Oder gehört Ihr zum Stadtrat oder wir.<

Bäbbelebäpp!" äffte Junkersdorf ihn unter dem Lachen der ande­ren Bürger nach.Wir kennen Euch, Herr Ballig! Hier wird paktiert,

So laß' er die Herren sogleich herein zum Teufel!" rief der Bür» 0elmgarooi;l, zum Teufel!" wiederholte Zabel und schlupfte zur Türe und wollte sie öffnen, da traten aber schon sechs Stadtrate herein, hinter denen sich Bürger und Bürgerinnen mit heremdrangten, di« Tur besetzten und den Flur mit Lärm erfüllten. . .

Der Bürgermeister ging den Stadträten entgegen und ries: Meine vielgeehrten Herren! Sie sehen mich aujs höchste bestürzt. Und uns desgleichen, Herr Bürgermeister! erwiderte Stadtrat und

Brauer Völlig atemlos.

Stadtrat und Küfermeister ^Jungblut sagte ruhig:

Die Sanskulotten sind da."

Die Sanskulotten!" bestätigte Stadtrat und Kalkulator Stockebrand.

"Ich sehe unsere Stadt schon in Schutt und Asche!"

Und mein Haus," jammerte Stadtrat Völlig,hab ich

Jahr gebaut! Für all das schwere Geld!"

Der Bürger Stubben, einer der ersten, die sich hinter den bnrd) die Tür gedrängt hatten, ries:

Die französischen Schröpfköpf sind da. .

Und der Bürger Pampus, der angetrunken war, schrie: - _

Freiheit und Gleichheit! Menschenrechte muffen wir haben! Weltbürger­

tum!"

Stadtrat Jungblut wandte sich um.

Schmeißt den Schreier auf die Gas, ! . .

Der Bürger Stelzmann, der ein lahmes Bein hatte, oas ihn aber flink heraufgetragen hatte: jammerte:O je, o je, o je, mich schnappen sie zuerst! Ich kann nit laufen!" t

Stadtrat Ballig wischte sich die schwitzende Strrn und sagte^Wir müssen mit den Franzosen paktieren, sonst ist es am

Pampus schrie wieder dazwischen:Freiheit und Gleichheit! .

Ruhe, sag' ich!" rief Stadtrat Jungblut.Mit Geschrei wird mx ^V'Lärm legte sich etwa-, und der Bürgermeister ganz vernnrrt durch das Geschrei und durch das Durcheinander, fragte:Ich bitte, meine viellieben und werten Herren, was ist geschehen?

Und sogleich riefen Stadträte und Burger wieder lärmend durchein­ander:Die Sanskulotten sind da! Die Franzosen! Mordbrenner! Frer-

Mij starker^Stimme fuhr Stadtrat Jungblut dazwischen:Haltet Ruhe! Und ^während^ die anderen sich allmählich beruhigten, fuhr er fort: Labt mich allein sprechen mit Erlaubnis Herr Bürgermeister.

" Ich bitte Verehrtester!" sagte der Bürgermeister mit ängstlicher Hast.

Miso wie gesagt, die Sanskulotten sind da. In der letzten Nacht, wo der dichte Nebel lag, sind sie auf Nachen und Flößen in aller Sülle und ungesehen über den Rhein gekommen, ein Haufe von vier- oder fünftau-

Fünftausend Mann!" schrie PampusVivat die Republik!" "Ruhig, Pampus!" beschwichtigte ihn der Burger Stubben.

Jungblut drehte sich nach Pampus um und rief, voll Zorn:

Ich gönnte es dir, Seifensieder, daß sie, Schaum aus dir sckMgen. Der Bürgermeister griff sich an den Kopf. __

Friede, ihr Herren! Sind sie nahe bei der «tadt herubergekom- Knapp drei^Swnd'' weit rheinauf. Und wenn wir nix dagegen tun, haben wir im Augenblick das Gesindel hier."

Die Erregung fing wieder an zu lärmen und Pampu- schrie.Allge­meine Verbrüderung!'Weltbürgertum!" . _

p>nrfg Maul Pampus!" rief Stübben und knuffte ihn m die Seite. Der besoffene Kerl mutz ausgelüftet werden!" rief Jungblut. "@teÄrSer, die bis jetzt vergeblich versucht hatten. Pampus zu beruhigen, packten ihn und drängten ihn zur Mir hinaus.

8 Stadtrat Stockebrand sagte:Was ist zu tun? Wir wollen Horen, was der Herr Bürgermeister sagt."

Der Bürgermeister rieb sich ratlos das fleischige Kmn.

Das das will überlegt sein. Und dazu mochte ich jedermanns Mei- nun'ä wissen. Verehrter Herr Professor," wandte er sich <m den alten Stadtrat Nägele, der bis jetzt stumm dagestanden hatte,sie find der Aelteste und Weiseste unter uns. Was raten Sie?

Professor Nägele zog ein rotes Sacktuch heraus, schneuzte sich laut und antwortete, etwas blöde nickend:Ja, ja, ja, ja. u

Was gibt's da lang zu überlegen und Meinung S» hören ! rief Jung­blut.Hier heißt es Stirn geboten, Halt gerufen, Tore geschloffen, zur ®^Ä%err Jungblut!" rief Bürger Junkersdorf.So denkt jeder °^Nnnickel"sagte ironisch:Die Ehrlichkeit ist selten in Gesellschaft der Klug^ch J^n jcin, Herr Finnickel, möd)t idjroiffen?

Stadtrat Stockebrand nickte bedächtig.Ich sage auch, hier mutz man klua abwäqen. Die Stadt steht auf dem Spiel."

®Unb eben darum!" siel Jungblut rasch ein,ist em rascher, kräftiger Emdtrat Völlig schüttelte den dicken, roten Kopf. "2ch bin für jeden Fall für Paktieren. Das ist bester, als fich Haus und Wirtschaft en Brand schießen und sich selber von den vhnehosen tributieren zu lassen.

Ja ja, ja, ja", bekräftigte Professor Nagele und schneuzte sich.

"Da steht man," ries Junkersdorf ärgerlich lachend,wo s die ehren-

fo Verunglückten pflegen häufig länger oder kürzer einen scheintoten es^soll^nicht Zweck dieser Zeilen sein, über Aussehen erregende

Vorkommnisse dieser Art zu berichten, sondern es soll festgestellt werden, datz wenn besonders von jüngeren Aerzten das Vorkommen und die Möglichkeit des Scheintodes mit einem überlegenen oder nachsichtigen Lächeln in Zweifel gezogen wird, selbst in modernster Zeit Falle gesehen Nnb wo einaebende ärztliche Untersuchungen und darauf kommt es Nr'natürlich allein an- ben Tod irrtümlicherweise feststellen zu können glaubten. Indessen wäre es unverantwortlich, diese modernste wlssenjchaft- ^iche Erfahrung hier mitzuteilen, ohne ein ergänzendes Wort. Denn die Angst vor dem Scheintode ist groß genug. Jeder Arzt macht da seine Erlebnisse. Es wird die Pulsader^rch chneidung verlangt und anderes mehr Ist diese Angst begründet? Wir können mit einem glattenNein öntworlln, wem, wir auf die gesetzlickje Regelung dieser Frage verweisen wo eine entsprechende Wartezeit vor der Bestattung vorgesehen st. Das hat einfach den Sinn, in diesem Zeitraum die Zeichen eintreten zu lassen, die den geschulten Blick nicht zu täuschen vermögen: Sichere Todeszeichen. Es find die Vorboten der natürlichen Auflösung. .

Ist also festzuhalten, daß der beste Arzt unter Umstanden nicht ein­mal einen Toten von einem Lebendigen unterscheiden kann, wenn es er­laubt ist, sich so grob auszudrücken, so wurde gesagt, daß der selbst­verständlichen Forderung nach Sicherheit durch die gesetzliche Wartezeit und der bann ftattfinbenben Besichtigung Genüge geleistet ist. Es bleibt bann nur die Frage, wie es möglich ist, daß bem genau untersuchenden Arzte die Zeichen schwächster Herz- und Atemtätigkeit, entgehen können. Das müßte doch möglich sein in einem Zeitalter der Seismographen usw, wo selbst Atome gemessen und gewogen werden! Nun, zunächst einmal ist bas Instrumentarium selbst des modernen praktischen Arztes em ver­hältnismäßig einfaches: Ein einfaches Hörrohr, das nichts anderes ist, als ein Megaphon. Das Wahrnehmungsvermögen der pulsfuhlenden Fin­ger vollends wird durch keinen Apparat vermehrt. Aber, wer sagt auch, daß Puls und Atmung, wenn auch noch so. schwach, vorhanden sein müßten? Das Problem liegt in Wirklichkeit tiefer. Es handelt sich in der ganzen Frage um nichts anderes, als einen Ausdruck deratfache, daß wir über das Leben nichts wissen. Nicht, wo es anfängt, nicht wo es aus- hört, weil wir nicht wissen, woran überhaupt das Leben nut Sicherheit erkannt werden kann. Das klingt überraschend, denn jedes Kind schon unter­scheidet lebendig und tot. Aber doch nur oberflächlich. Ein Tier im Winter­schlaf kann man für tot halten. .

Mr gehen noch einen Schritt weiter. Leicht können wir sagen, daß nicht alle Teile unseres Körpers gleich viel arbeiten, d. h. leben. Was macht der Knochen zum Beispiel. Er hat nur zu tragen. Ein ausgeschmU tenes überlebendes Stück würde der Laie nicht für lebendig halten. Doch das Mikroskop kann es uns beweisen: Der Knochenreagiert auf be­stimmte Reize". Er lebt also. Das Mikroskop hat uns in dieser Frage noch weiter gebracht. Wir finden Gewebe im menschlichen Körper, die Nicht nur ans einem Verbände von Zellen bestehen, sondern aus Zellen und Zwischensubstanz, dem Kitt in der aus einzelnen Teilen zusammen­gesetzten Mauer etwa vergleichbar. Nur der Zelle hatte man die Fähig­keit zum Leben zuerkannt. Aber es mehren sich bie Zeichen, daß Die Dinge toi: immer, nicht so einfach liegen. Auch demKitt muß das Attributlebendig" zuerkannt werden. Eine andere Form von Leben. Sozusagen im Konditional. Denn diese Masten, die sich wie gleichmäßige Schichten ausnehmen, von Gelatine etwa, scheinen sich unter Umstanden in Zellen zurückoerwandeln zu können. Ob mit ober ohne Hilfe anderer Zellen, ist noch nicht entschieden.

Wie dem auch sei, das kurz Angedeutete sagt genug. Wir müssen etwas als lebendig bezeichnen, was selbst unter dem Mikroskop bei stärkster Vergrößerung sich durch nichts nntescheidet von einer dünnen Schicht Leim ober ähnlichem. Ober alsbebingt lebenbig" vielleicht etwas, das sich in Leben zurück verwanbeln könne, Scheintob also? Oder wirkliche liebergänge zum Toten, oerbinbenbe Abstufungen zwischen ben größten Gegenstänben, bie für uns denkbar sind.

Natura non saltat. Die Natur macht keine Sprunge. S,e springt wirk­lich nicht. Ihre Erscheinungsformen kennen keine Begrenzung und doch Hai si' noch unendliche, nicht gekannte Möglichkeiten. Das spottet der Ord­nung, des Systems, unseres Versuches, begrenzte Begriffe für unbegrenzte zu fetzen: Tod, Scheintod und Leben.

Die AMenkammer.

Erzählung aus den Revolutionskriegen von H. Müller-Schlösser. (Fortsetzung.)

Ist ein Unglück geschehen?" fragte Finnicketz

Ich fürchte mehr als das! Sie rufen: Sanskulotten! Sanskulotten??" riefen Bürgermeister und Finnickel zugleich.

Hier stehen Gruppen in lärmendem Disput, dort schleppen sich andere angstgehetzt mit ihren Siebensachen, die Frauen jammern mit den Km- bern, und immer hört man aus bem Angstgeschrei: Sanskulotten! Scms- kulotlln. it, uTls rief ber Bürgermeister und schlug die Htznbe zu­sammen , Behüt' uns Gott, wenn's wahr wäre und blese Himmelsplag uns übertäml Behüt' uns Gott und unsere arme Stabt!"

.Vielleicht ist es bloß ein leer Gerücht," meinte ber Sekretär.Das aufgeregte Volk übertreibt und sieht Gespenster am lichten Tag.

Immerhin ist's das beste," jagte Finnickel und griff nacfj feinem Hut, man geht nach Haufe und sieht sich vor für alle Fälle. Ergebenster Diener, Herr Bürgermeister!" . ,

Damit wandte er sich zur Türe, die aber von draußen aujgestotzen wurde. . ... , ..

Der Amtsdiener Zabel stolperte aufgeregt herein und rief sogleich: Exküsieri, Herr Bürgermeister, die Sanskulotten!" In ber Stabt schon??" riefen Bürgermeister und Finnickel zugleich. , Ich wollt' sagen," verbesserte sich Zabel,die Herren Stadtrate wün­schen mit bem Herrn Bürgermeister in ber dringendsten Angelegenheit zu sprechen."