Aus der Werkstatt der Schönheit.
Die Chemie der Kosmetik.
Van Dr. Severin Franke).
Ungebrochen durch den Wechsel der Zeiten und Staatsformen gibt es eine Macht, der alle sich beugen: die Schönheit. Ihr wurden Tempel und Altäre gebaut, Maler und Dichter wetteiferten darin, ihr Wesen zu erfassen und zu verherrlichen; die Schönheit einer Helena mußte ein ganzes Volk mit seinem Untergang -bezahlen. Auch unser hastendes Maschinen-zeitalter verweigert der Schönheit seinen Tribut nicht, und gerade in Amerika, dem Lande des „business“, wird mit der Schönheit nicht nur ein unerhörter Kult getrieben, sondern auch viel Geld verdient. Dabei sind wohl auf keinem andern Gebiet bn Laufe der Zeiten und bei den verschiedenen Völkern die Meinungen so weit auseinandergegangen, a-ls gerade bei der Beurteilung menschlicher Schönheit. Die Figur des vorgeschichtlichen, viele Jahrtausende alten, sogenannten Venus von. Willendorf oder die im Orient als besonderes Merkmal der Schönheit geschätzte Körperfülle stehen dem Schönheitsideal des A-bendländers- ebenso fern wie die von vielen Negerstämme durch Nasenringe oder Ohren- und Mundpflöcke erreichte „Verzierung" des Gesichtes. Aber schon die Römer waren bekanntlich der Ansicht, daß de gustibus non est dispuiandum, zu deutsch: daß die Geschmäcker äußerst verschieden seien.
So sehr sich nun das Schönheitsideal im Laufe der Zeiten gewandelt hat, stets waren die Menschen und besonders die Frauen bestrebt, durch die Kunst der Verschönerung dem jeweiligen Ideal möglichst nahezukommen. Fast alle heute verwendeten Kosmetika blicken ans eine Jahrtausende alte Geschichte zurück. Die jüngsten Funde im Grabe des Dut-Anch-Amon haben wieder gezeigt, daß auch die ägyptischen Damen es verstanden haben, nicht nur auf Papyrus zu malen. Selbst die knlturärmsten Völker kennen die Kunst der Bemalung, und der Anblick so mancher Holden kann einen an die in der Jugend so gern gelesenen Schilderungen von den in voller Kriegsbemalung auf dem Kriegspfad wandelnden Indianern erinnern. Es soll allerdings nicht verkannt werden, daß die moderne Kosmetik auch neue Wege geht und über eine Fülle von Methoden verfügt, die zu erfinden unserer Zeit vorbehalten geblieben ist. Der Wert von Licht-und Luftbädern und Massagen war zwar schon den Griechen und Römern bekannt, der modernen Kosmetik stehen aber außerdem noch die verschiedenen elektrischen Bestrahlungsmethoden, Paraffinbäder und Einspritzungen und, als ultima ratio, das Messer des Chirurgen zur Verfügung. Die Zahl der kosmeti- chen Mittel, die heute erzeugt und angepriesen werden, geht in die Tauende. Auch auf diesem Gebiet ist Amerika führend, das sich seine Ver- chönerung jedes Jahr viele Millionen Dollars kosten läßt. So manche
Dame wird sich vielleicht angesichts dieser Unzahl von Cremes, Puder, Schminken, Enthaarungsmitteln, Schönheitswassern ufw. fchon Gedanken Wer den wirklichen Wert und die Zusammensetzung aller dieser Präparate gemacht haben. Auf keinem anderen Gebiet ist ja aus der Unkenntnis des Publikums fo viel Kapital geschlagen worden, und der wahre Wert mancher teurer Präparate mit klangvollem Namen betragt nur wenige
Das^ wichtigste Kosmetikum ist und bleibt die -seife, da Reinlichkeit die Vorbedingung jeder Schönheitspflege ist. Nicht immer war man dieser Meinung, und zur Zeit des Rokoko glichen die Schonen und ihre Kavaliere ein Zuwenig an Seife gern durch ein Zuviel an Puder und Pachem aus. Die Seife wird bekanntlich aus tierischen und pflanzlichen Fetten (Talg, Palmöl) mittels.Aetznatron gewonnen; die einzelnen Porten unterscheiden sich durck verschiedenen Gehalt an diesen beiden Stoffm. Eine Haut mit dünner, fettarmer Hornhautschicht erfordert milde (fettreiche) seife, eine fette Haut braucht wieder eine Seife mit mehr 2Utah. Einzelne ortm enthalten noch verschiedene Zusätze, wie Glyzerin, Mandelmilch und andere, Farbe und Geruch der Seife sind für die Qualität derselben unwesentlich. Für das Bad werden gern Badesalze verwendet, die neben duftenden Ertraktstoffen vor allem Borax, Soda und Kochsalz enthalten, um das Wasser zu enthärten. Die oft angepriesene fettlösende und Mant machende Wirkung mancher Badesalze ist sehr fraglich, da die Haut für geloste Stoffe im allgemeinen wenig durchlässig ist. Wirksamer sind schon die m glichen Badesalzen enthaltenen Peroxyde (Salze des Wasserstoffstiperoxyds), d sich im Waschwasser unter Abgabe von Sauerstoff zersetzen.
Der speziellen Hautpflege find alle jene Mittel gewidmet, welche der Haut Fett zuführen oder deren übermäßige Fettbildung em-schranten (sett- baltiae oder settireie Creme), Ha-utfehler entfernen, bleichen oder überdecken lWaschwässer und Puder) oder eine bestimmte Hautfarbe vortausthen sollen (Schminken lind Puder). Die Hautcreme dient nicht nur Mr Fett- lufuhr bzw -entfern-ung, sondern soll auch wärmeisolierend und eventuell als Sckmü gegen zu starte Sonnenstrahlung wirken (Sonnenbrandsalbe). Sie Mrf keine zersetzAm Fette enthalten und muß sich gut, vor allem mit Wasser mischen. Bei den unter den verschiedensten Namen aus den Markt fnmmeniben Hautcremes ist zwischen fetthaltigen und fettsreien. bzw. -armen zu unterscheiden. Die fetthaltigen Cremes enchalten hauptsächlich tierische und pflanzliche Fette, wie Kakaobutter, Paraffin, Lanolin (Wollfett mit verschieden hohem Wassergehalt. Dazu kommen noch Zusätze wie kZ ^Borax, Kampher, Wachs, Gurkensast und last not least -.Parfums. Die fettarmen (-freien) Cremes bestehen aus stearinsaurem Natron, Glyzerin und gelatinartigen Pslanzenstoffen wie Agar mrd ^agant auch finniri Nmknrvd und Stärke finden hier Verwendung. Ein beliebtes Mittel mm GZchmeidigmachm Mr Haut ist das Glyzerin, doch wird es meistens mel^ n/ konzentriert angewendet, was feine Wirkung vermindert. Zur Crtieluna einer glatten weißen Haut werden außerdem noch S ch o n - Kmöftit verwendet, die die Säfte von Pistazien, bittem Mandeln, lRnrken Löwen-mbn wurzeln usw. enthalten. Zur Entfernung von Sommer- sprossen 5ft besonders Wismut- und Queck-
^um8eünen-tbebrüdien Requisit der Dame gehört heute der Puder, herein keinem Handtäschchen fehlen darf. Der Puder soll einerseits Febler und Unschönheiten der Haut verdecken (deckende Puder), andererseits, Fett
/RAmeiti aufs äugen (saugende Puder) und wirkt in diesem Fall durck; B-ück-leuniaung der Verdunstung auch kühlend. Die Grundmasse der beden= Mn Mder Wd pflanzliche Stoffe, vor allem Reis-, Weiten-und Kartoffelstärke sowie Lycopodium (Bärlappsamen), während die Grundlagm de.
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Die moderne Dame verfügt also über ein mnzes Arsenal Mstteck -L-ESWchAs-Z-- der unedles Metall in Gold verwandeln sollte, so ist es den mooern Hexenmeistern der Kosmetik gelungen, mit ihren Mitteln das Gold der Schönheit und Jugend hervorzuzaubern.
viel Beachtung fand, vertrat er den Gedanken, daß die Eisenbahn- und s Dampfschifslinien auch ein neues und vorzügliches Verbreitungsmittel. für die geistige Bildung abgeben könnten. Seine Idee wurde m den vierziger Jahren von zwei Londoner Verlegern, Longman und Murray, w die Tat umg-esetzt. Während Longmans „Reissbibliothek hauptsächlich belehrende Werke brachte, bevorzugte die Murrays Unterhaltungsschriften. Bald entstanden noch andere derartige Unternehmen; eins brachte z. B. eine Uebersetzung von W. v. Humboldts „Briefen an eine Freundin . Es wurde also dem britischen Publikum ziemlich schwere Kost Mgemntet.
Mit einem reichhaltigeren und abwechslungsreicheren Programm wartete die rasch dem englischen Beispiel folgende Bibliotheque des chemins de fer“ des französischen Verlages Hachette auf, die sich zur Aufgabe machte, „den Reisenden über alles, was sie längs der Route und in den Stationsorten interessieren könne, , genaue und vollständige Auskunft zu verschaffen, wie überhaupt anständig (donnetement) $u unter-omten und zugleich zu belhren." Die Hachettefche Bibliothek brachte etiva 500 Bände, sogar auch Bilderbücher für Kinder, „damit diese hübsch „rotzig bleiben und -den Erwachsenen während der Reise nicht lästig werden . Die Bücher fanden große Verbreitung, da Hachette sich ein Monopol für den gesamten französischen Buchhandel auf den Bahnhöfen und in den Estenbahnen gesichert hatte. Auf allen größeren Stationen hatte, er kleine Kontors eingerichtet, in denen durch seine Angestellten die Bucher vertrieben wurden. Auch im Zuge selbst konnte man -seine Lektüre kaufen, -denn die Buchhändler hatten auf allen Strecken freie Fahrt.
Sogar Rußland besaß schon um 1850 feine Rei-sebibliothek, in der in rascher Folge mehrere hundert Bände in einem handlichen Mmiatur- fvrmat erschienen.
Verhältnismäßig -spät, aber dajür in -der gründlichsten Form wurde die Reiselektüre in Deutschland eingeführt. Die umfasfenden Resteblblio- theken, die in den 50er Jahren große Verbreitung fanden, suchten das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, „durch Schilderung der Länder und Städte, wohin der Zug der Reisenden sich vorzüglich richtet, und durch Beschreibungen, die mit Tagesfragen in Beziehung stehen, anmutig geordnete, zugleich erfreuende Lektüre M bieten'. Wer das Land der „Roten Erde durchquerte, mußte sich z. B. mit Levin Schuckings „Eisen-bahnfahrt durch Westfalen" bewaffnen; den Rhein entlang „Von Mainz bis Köln" führte ein Buch des Sagenforfchers Nikolaus Hocker.
Von Breslau und den schlesischen Eisenbahnen erzählte eine inhaltsreiche Arbeit K u r n i k s, während Rudolf G o t t s ch a l l m pathetischem Schwünge „Das schlesische Gebirge" feierte. So gab es für jeben Gau Deutschlands ein anziehendes Schriftchen, mit Tatsachen an-gefüllt und doch von einem romantischen Hauch durchweht. Für jede wichtigere Route sollte auch die passende Lektüre da sein. Für München empfahlen sich Muller von Königs-winters nette „Münchner Skizzen", für Wien Gustav Kühnes „Wien in alter und neuer Zeit", für die Schweiz Koffacks -heute so veraltete „Schweizer Fahrten" und für Venedig — „Casanovas Flucht aus den Bleikammern". Für spannende Untechaltung sorgte Willibald Alexis' „R-eisepitava-l", eine Sammlung von Kriminalgeschichten, und der Humor wird durch Adolf G l a s b r e n n e r s „Erfrischungen" -und die Reiseabenteuer der beiden „Gelehrten des Kladderadatsch Müller und Schultze" würdig vertreten.


