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nur für iben Kampf. , .,, , _.
So ging es weiter, bis sie die Mitte der Bahn errercht hatten. Die beiden Schattenpserde auf dem Eis eilten blau vor ihnen einher, so vollkommen nebeneinander, daß es war, als seien sie zusammen angeschirrt, und als könnte sich die Lage zwischen ihnen durch Menschenmacht nicht
Die beiden Kutschierenden hoben artig die Peitschen zum Gruge, während sie den Abhang hinunter umbogen. Aber ihre Gesichter zeigten In der Dunkelheit nichts weniger als artige Mienen.
„Nun," rief Baron Karl, „das hüten wir ebensogut bleiben lassen können Weiß der Teufel, was in dein Schokoladentier gefahren ist! Es schämt sich nicht einmal seiner Farbe. Sieh es nur im Mondschein an, wie der Frost es pudert. Es schaut geradezu grün aus.
Der Besitzer verschmähte es, auf solche Reden zu antworten, er sprang aus dem Schlitten und streichelte seinen Ban Hauten, aber ohne besondere Freude. .. „
„Man muß es noch einmal machen," sagte er, „zuruck zum Ausgangs- punkt. Solange das Eis liegt, bleibe ich auf bem Platze.
Unö er wünschte beinahe, daß eine Spalte sich austate und ihrem Wettbewerb ein Ende machte.
Der Freund schämte sich nun selbst seiner Heftigkeit.
„Es ist ein prächtiges Tier," sagte er, „das dir alle Ehre macht. Aber es hat einen Fehler, es ist offenbar ganz so tüchtig wie meines. Auf diese Art, wenn wir alle vier alles hineinlegen, was in uns ist, kann es zu keinem Resultat kommen." .
Eine plötzliche Eingebung blitzte in ihm auf, und er fuhr fort. , Jetzt soll es umgekehrt sein, wer zuletzt ans Ziel kommt, gewinn.. Baron Gustav fühlte sich unangenehm von der Falle berührt, die er hinter diesem unübersehbaren Vorschlag ahnte.
„Was sollte das für einen Sinn haben?
„Verstehst du nicht? Es gab zu unserer Zeit in der Physik etwas, das das Kräfteparallellogramm genannt wurde, ein. verdammter Einfall übrigens, aber jetzt begreife ich. Ich und Hektor, du und em schokoladenes, sind offenbar gleich stark, wenn wir zwei und zwei znsammen- halten. Aber laß irgend etwas dich und mich abziehen, dann ist das Parallellogramm fertig. Und niemand weiß, was herauskommen kann. Einer soll das Gluck haben, aber einer die Ehre. Es soll ehrlich zugehen, und wir kennen einander genügend, um die Probe ■ wagen zu können. Mache du deine Sache unter diesen Bedingungen, so gut du kannst, ich werde das gleiche tun. Und die Pferde tun schon das ihre,, die kennen wir. ,
Baron Gustav wurde so gedankenvoll, wie er es seit fernem letzten ^"„Das 'is^ja^eine"tteine Hölle für uns beide", sagte er. „Dasitzen und sich die entgegengesetztesten Dinge wünschen und hin und her gezerrt werden. Das ist ja das schlimmste, in das man geraten kann. Und rote bu bemerkt hast, niemand weiß, was herauskommen wird. Aber es ist höchste Zeit, daß diese Sache entschieden wird. Ich gehe auf die Bedingung em.
Aber ehe er sich in den Schlitten setzte, streifte er den Handschuh ab, um Van Houten so recht treuherzig und arglos streicheln zu können. Er stellte sich gerade vor den Kopf des, Pferdes und |ua)te feinen Blick zu fangen. Sei ehrlich, mein Junge, sei ehrlich! Damit kommt man am weitesten, dachte er. Das Pferd suchte sein Verständnis und die Reinheit seiner Absichten zu zeigen: aber da seine Augen ebenso lagen wie vei allen anderen Pferden, konnte es nicht mehr als eines seinem Herrn zuwenden und auch dieses nur scheu und ausweichend Gustav starrte die großen dunklen, blanken Bälle an, die traurig und sanft Mond und Sterne widerspiegelten. Er schöpste keine Stärke daraus, sondern er- fcbauerte in der Empfindung, wieviel Unbekanntes sich doch in der Liese ber Seelen barg. Eine Spalte im Eise, dachte er, wäre weniger unheimlich Und er vergaß sich ganz, so daß der Freund ihn ermahnen mußte.
„Also los", sagte er kurz und machte sich bereit
Als sie ihre Peitschen im Takte zu dem Zahlen schwangen, dachte keiner von ihnen an etwas anderes als an das, was sie unter der Hand hatten, und sie erzitterten leicht wie die Tiere, im Eifer, sich auf den Weg zu machen und zuerst an Ziel zu kommen. Das Kommando ertönte, und nun ging es über das Eis, munter, pfeilschnell, genau nebeneinander. Der Mond warf nun die Schatten nach vorn, wo sie ebenso lautlos neben- emander hinglitten. Es lag etwas unendlich Anreizendes darin. Es war, als stünden sie selbst still und sähen ein Wettlaufen, in das feiner ein* greifen konnte, aber bei dem sie alles, was sie befaßen, für die Kampfenden eingesetzt hatten. Doch ganz mechanisch, ohne recht zu wissen, was sie taten, erfüllten sie ihre Kutschierpflichten nach bestem Vermögen. Es war ebenso spannend wie zuvor, und wenn sie sich zu dem Bewuhffem aufrüttelten, daß sie selbst es waren, die so dahinflogen, genossen sie die Fahrt und ben Lauf und das Gefühl, die Ufer in der entgegengesetzten Richtung wie früher sich wieder aufwickeln zu sehen. Dieses Mal wird es gelingen, dachten sie. Hurra, Hektor, hurra, hurra, Ban Houten, nur so weiter, nur so weiter! Und sie fingen an zu rufen und zu schreien, m all das Singende und Klingende und übermütig Losgelassene hmem. Ihr Gewissen war leicht und stark, sie hatten keinen Gedanken für den Einsatz,
verändern. Die beiden wirklichen Traber dahinter schnoberten ungeduldig in derselben Erkenntnis. Aber sie taten dennoch ihre Pflicht, so wie ihre Köpfe sie auffaßten, und setzten ihre scharf beschlagenen Hufe so auf, daß es von Eissplittern und Schnee um sie wirbelte. Baron Karl glühte vor Zorn und Spannung.
„Ist denn heute nacht alles verhext?" zischte er. „Wird es denn ine Mar werden daß mein Pferd dieses blaue Gespenst tausendmal übertrifft? Er .hat nur keine Ambition, ich verstehe ihn gar nicht. Es ist doch seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, zuerst anzukommen, dazu ist er geboren und trainiert, und er sollte sich bis über die Ohren schämen, und wenn sie noch doppelt so lang wären. Wenn ich doch an seiner Stelle wäre!" — Und er pfiff und schrie, ganz vergessend, was der feierlichen Stunde ziemte. Er suchte seine ganze Energie zu sammeln, um sie in irgendeiner okkulten Weise auf das Tier zu übertragen, wahrend er feine Kunst auf das äußerste anftrengte, das, was von ihm abhmg, auch recht zu tun. , ,, ,, _ „
Gustavs Gedanken hatten ungefähr denselben Ausgangspunkt: soll es auch diesmal vergeblich sein? Aber damit kam er in em anderes Geleise: Was sollen wir dann anfangen? Auf die Länge wird das unerträglich. Wenn ich ihm nur eine Handbreit vorkommen konnte! Und er blickte auf, um zu sehen, wie weit es noch sein mochte.
Da erblickte er plötzlich das Schloß ziemlich nahe auf der Anhohe, es leuchtete noch aus vielen Fenstern, auch aus dem der Angebeteten. Werve ich sie verlieren können? dachte er. ,
Im selben Augenblick entsann er sich der tollen Abmachung. Es ist ja umgekehrt. Wenn ich gewinne, verliere ich, und wenn ich verliere....
Da schwindelte ihm der Kopf, und Van Houten, der Freund, die Sterne, alles wurde zu einAn Nebel. — Wird es jetzt nicht klar, dann heißt es, wieder und wieder von vorn beginnen. Ader man tarnt doch nicht m alle Ewigkeit über das Eis fahren — noch dazu bei dieser Kalte! Was soll ich tun? 2(ber als er wieder sehen konnte, fand er, daß es schon abgetan war. Für einen Augenblick von seinem Herrn im Stich gelassen, war Ban Houtens Schatten eine ganze Pferdelänge hinter dem Hektors $urü(^ geblieben. Selbst arbeitete er ebenso unverdrossen wie zuvor, aber es sprach ein bitterer Vorwurf aus seinen hängenden Ohren.
Nun wurde Baron Gustav von dem reißendsten Strom der Gefühle erfaßt, den er noch erfahren hatte. Er war plötzlich müde, und froh, müde zu sein, froh, daß alles entschieden war, denn er begriff, daß es bas roar, gleichviel, was er noch anfangen mochte. Er war beschämt «nd geärgert für Van Houtens Rechnung und auch für seine eigene, nicht nur als (ein Herr. Er roar glücklich über das, was ihn nun erwartete, aber fühlte sich noch nicht berechtigt, sich dem Glück hinzugeben. Die Niederlage mutzte so gering als möglich gemacht werden, und er mußte versuchen, alles zu tun, was in feinen Kräften stand.
Aber das half wenig, denn er war kein ganzer Mensch mehr, und es bedarf eines ganzen Menschen auch für einen Wettlauf. Was er tat, ver- schlimmerte bi# Sache nur. Unb als ein rettungslos gebemutlgtes, retlunas» los schokoladenfarbenes Tier stieß Van Houten mit seiner Schnauze an die hängenden Zweige der Tränenweiden am Ziele.
Da stand Baron Karl, lächelnd, froh, sorglos und übermütig.
„Siehst du," sagte er, „siehst du? Was habe ich immer gesagt? Ich habe doch zuletzt gewonnen, zuletzt gewonnen."
Aber als er das Gesicht des Wetters mit ferner wunderlich zusammengesetzten Miene im Mondschein vor sich sah, siel es ihm em, datzdas nicht bas Ende roar. Seine eigene Miene umwölkte sich einen Augenb.ick.
Doch einen Augenblick nur, benn einerseits roar sein Inneres jo voll komprimierter. Siegesfreube, baß sie hmausbrmgen ""d "ach außen strahlen mußte, andererseits versetzte er sich sofort in die etwas heikle Lage des Widersachers. Er beeilte sich taktvoll, ihn über ein mögliches Mißverständnis von feiner Seite zu beruhigen. Er hob die Peitsche zu einem kutschermäßigen Salut. ....... . .... .
Ave, Caesar," sagte er, „ber unglückliche Freier grüßt den glücklichen und wünscht ihm weiteres Glück. Ganz aufrichtig, das bitte ich dich zu glauben. Ich vergaß alles andere, als oas, wobei uh mfüat. Du scheinst dich erinnert zu haben, und das ist nicht deine Schuld. Mehr wollen wir nicht über die Sache sprechen. Adieu für heute abend, du kannst nun gut und ruhig und lange schlafen. Denn jetzt bin ich derjenige, der fahrt, j wohin schlug der Hauptmann doch vor?"
Gustavs Stimme war vor Rührung unklar. „Glückliche Reise, sagte er, „du bist mein lieber alter..." . .
Aber der andere hatte sich schon in Bewegung gesetzt, ganz langsam, um das Pferd zu schonen und Zeit zum Denken zu haben Er sah sehr grüblerisch aus, wie er da, in scharfer, schwarzer Silhouette vornübergebeugt, über das Eis verschwand.
Der glückliche Sieger blieb noch einige Minuten. Er sah zum sepsM empor, um sich von dort Träume zu holen, aber er fand es dunkel, fuhr er heimwärts, auch er ebenso langsam und ebenso grublerijch.
Als sich Baron Karl am nächsten Tage zur Eisenbahnstation begaü, sah er vom Wege aus ben Vetter, ber über ben See fuhr, um 3U freien. Er sah ihm zuerst recht freundlich, obgleich ein wenig wehmütig nach. Aüct beim Anblick des Pferdes kam etwas kritisch Beurteilendes in seinen Ana, das anhielt und zu fast heiterer Gemütsruhe wurde
„Ich möchte doch nicht an feiner Stelle fein, sagte er,
fein wollte, wenn er bei dem ersten Wettlauf gewonnen hatte. Malym^ reufe Farbe hat dieses Tier doch! Es ist auch danach gegangen, «em, roo ich meines eingesetzt habe, unb wenn es noch so unwichtig erscheinen rann, ba will ich doch gewinnen. Unb so denke ich es immer zu halten, mag kosten, roas es wolle." . . . , . , .
Unb er richtete sich auf unb sehnte sich danach, wieder daheim bei semeni Hektor zu sein, den er jetzt mit «Bebauern tm Stalle zuruckgelassen hatte, um ihn nach ben Leistungen bes gestrigen Tages Ruhe zu gönnen.
„Wenn man es so recht bedenkt, ist es doch auch für das SBtabelrotft lieh schade, daß sie nicht mich bekommen hat/ sagte er mit tiefe. Ueoe zeugung, die alle Wehmut verjagte. ___•—
' Mr Kopf wirbelte bei dem Gedanken, was auf dem Spiele stand, aber sie unterdrückten den Zorn, ehe er noch recht Gestalt annahm, mit Aufgebot aller raschen Berechnung und aller Kunst, Zugel und Peiffche zu handhaben. Es dünkte ihnen, daß das Ziel ihrer Wunsche tm Schütten daneben saß, weich und warm und bereit, sich mit all der besonderen Würze und Wonne küssen zu lassen, die der Frost einer solchen Gunstbezeigung verleiht, wenn sie nur zuerst ans Ziel gekommen waren. Sie fühlten auch den Eifer der Pferde, sich auszuzeichnen und jur immer ihre persönliche Konkurrenz zu entscheiden.
Aber nichts half. Wie das Eis auch krachte, wie es um sie pfiff fang der Schatten war daneben, hartnäckig wie eben ein Schatten. Bewegung war nur Einbildung, und nichts war damit gewonnen, selben Augenblick knirschte das Eis, die Kufen scharrten hart an die Steine bes Ufers. Man war am Ziele. Wan hatte bie Entfernung wirklich zurügelegt und offenbar sehr rasch, aber alles war auf demselben
Ja
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Inst schw Mai zuko auf heut das wen liche und drei s
zeit wie Fun trun Mei da, der Was Fest f
Jach seidi übet
hrrni andi wen aber müb Gra ewix weh!
2 See gezo in 3 die men ruhc Srgt bliet gelä
2 Hess gola gefu


