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Llitzblauen Augen des Greises wich der von Krausegrim trotzdem zurück. Er aber folgte ihm und drängte ihn in die Ecke, mit gezücktem Finger aus seinen Ordensglanz zeigend: „Seid Ihr nicht selber, mit die Vögel da auf der Brust, seid ihr nicht selber bei der Krethi und Plethi gewesen?"
Als ob die Gedanken seinen Worten davonliefen, stand der greise Feldmarschall noch mit der zornigen Frage, als seine Augen schon den grimmigsten Spott blinken. „Sagt mich," begann er dann listig, „wo habt Ähr das rote Ritterkreuz her? Und gar einen Stern? Wart Ihr an der Katzbach dabei? Oder bei Möckern?" Und als der von Krausegrim schweigend dastand mit seiner Glanzbrust: „Aber bei Belle Alliance wart Ihr gewiß? Sagt mich, daß Ihr es wart! Ich möchte sonst denken, Ihr hättet dem Stern und die Kreuze gestohlen!"
„Die Gnade des Königs kennt auch Verdienste, die nicht aus dem Schlachtfeld geholt sind!" fauchte der Krausegrim bleich vor Wut über die Schmähung und drehte die Schulter vor, die Brust mit den Orden vor dem Finger des Fürsten zu schützen. Der aber wußte genug, und der ganze Grimm auf das Schreibergezücht kam ihm wieder, das ihm den fröhlichen Krieg mit Tinte beschmiert hatte, und- das auS dem herrlichen Sieg eine Schmach für das Vaterland machte, als es im Wiener Kongreß seine Kuhhändel trieb. „Also von der Gnade seid Ihr so bunt auf der Brust!" höhnte er wild, und ehe der Krausegrim wußte, wie ihm geschah, fiel seine Wildheit zurück: „Franz, hol mich den Stock," brüllte er gegen Den Diener; „den für die Hosen zu kkipfen!"
Als aber der eilfertige 'Franz schadenfroh kam mit dem Rohr, andere Dinge erwartend, und der von Krausegrim stand blaß wie der Lod, mußte der Diener herhalten: „Warst du nicht mit bei der Katzbach?" schrie ihn der Feldmarschall an. „Hat dich der Franzos nicht bei Möckern ein Bajonett durch die Schulter gestochen? Hast du bei Ligny nicht unter das Pferd gelegen wie ich? Ich habe dich immer gesagt, daß du ein Laufepelz bist. Oder wo hast du dem Stern und die Kreuze? Das Eiserne, hast du, Gott straf mir, redlich! verdient; aber sonst ist dein Rock leer! Sich dich die Gnadenbrust an von dem Verdienst hinten herum bei die Schreibers! Du aber, bis du im Loch eingekratzt wirst, bleibst du die Krethi und Plethi!"
Die Prügel waren so echt wie der Zorn, und den sie trafen^ dem galten sie nicht. Der, dem sie galten, hatte sich hinter dem Rücken des Herrn von Klemm gerettet; denn der Krausegrim konnte die Tür nicht gewinnen, weil ihm der Stock und der Diener dabei im Wege waren. Gott straf mir! stöhnte der Alte, als er den Sack ausgeklopst hatte, den Esel zu treffen und Muß sich sehen, weil er in Atemnot kam; aber er lachte der^eigenen Schalkheit so lange, bis ihm die Augen voll Wasser hingen: „Das wird eine schöne Tanzerei werden heut abend, wenn wir von die Krethi und Plethi bei euerer Belle Alliance sind."
So kam es, daß auf dem Festball am Abend des 13. Juni in Karlsbad die Orüensbrust des Herrn von Krausegrim fehlte, und daß der von der Klemm es versäumte, schon an der Einfahrt den Ehrenaast zu begrüßen. Dafür stand Krethi und Plethi da, hatte den Weg mit Roseublätte-- "ut, und lauter als sonst brauste dem Marschall Dorw" ellichte Jubel ent-
Denn notch Dem drangvollen Morgen war dieses am Mittag geschehen: Als sie dasaßen an Tischen, davon ein jeder mit gleichen Blumen geschmückt war, als der Dichter das feine gesagt hatte mit ziervollen Worten, als das dreifache Hoch auf den Jubelgreis den Tusch der Hörner säst zugedeckt hatte, da stand der greise Feldmarschall auf und hätte nicht an sein Glas zu klopfen gebraucht, baß es $erl>ra.d), so ftill toar altes um feine geliebte Gestalt und so begierig auf seine Rede.
Ihr habt mich! Freude gemacht und mir bannig geehrt, und habt mich mehr Lob ausgelegt, als vor meine Eitelkeit gut ist! sagte Blücher und suchte mit beiden Händen nach Worten, ehe er seine Rede wie eine Reiterattacke begann: „Seitdem er in Helena sitzt, der seine Stiefel auf unfern Stuhl stellte, als wäre «8 seiner, braust es mich überall in den Ohren, als hätte ich allens alleine gemacht, und von die andern spricht keiner. Es ist aber so wie bei das Löschen gewesen, wenn eine Feuersbrunst ist, und em« schreit: so muß es gehen mit das Spritzen! Aver bis erst das Wasser von den Dach in der Spritze und von die Spritze über dem brennenden Dach! kommt, muh jedermann da sein, die Eimer von eine Hand in die andere zu langen, älnd wer mich von streun und Plethi spricht, kennt felbichten Jedermann nicht. Jedermann ist wer vor dem Eimer dasteht; und wen seine Hände, zu schade find vor diesem Zweck, der ist ein Jeder, aber kein Mann. Der Wann tut seine Pflicht ganz von selber, wie ihm das Herz in die Brust klopft und fragt den dämligen Kopf nicht. Der Kops ist vor die Gedanken; aber das Herz ist vor die Pflicht!
Als mich mein Schimmel bei Ligny auf das zerquetschte Bein lag, und die Kürassiere kamen geritten, zweimal vor und zuruck an mich! vorüber, da hat mir der Graf Rosttz bewacht vor ihre Säbel und der Unteroffizier Schneider hat nur auf fernem Pferd aus dem Getümmel gebracht: beide sind ledermanW vor nur gewesen und alle, die danach bei Belle Alliance durch den Dreck kamen, hatten kein Brot mehr im Sack, nur in die Brust ihre Pflicht, Wenn die Pflicht alle Hände voll hat zu »m, kennt sie keinen Llnterschied rächt; aber wenn wir dasitzen tote hier mang
die Blumen oder tanzen heut abend, dann säugt der dämlige Kopf mit seine Eitelkeit an, guckt nach die Kleider und hört nach die Namen, ob einer Bon vorn davor hat, und redet daher von Krethi und Plethi.
Ich habe nicht viel in die Bibel gelesen, aber daß Krethi und Plethi dem Judenkönig seine Leibwache hießen, hat mich noch meine Mutter gelernt. Der David mutzte sich Söldner aus allerlei Völker besorgen, bei die Kreter und Philister, weil und warum ihm die Jedermanns fehlten. Unser König kann Kethi und Plethi nicht brauchen und braucht ihnen auch nicht, weil jeder richtige Preuße ein Jedermann ist. Der Jedermann hat uns die Delle Alliance gemacht, ihr zu feiern, muß jeder ein Mann sein; auch, wenn er ein Mädchen ist. Sonst hat die ganze Belle Alliance dem Vaterland dock) keinen Nutzen gebracht, und ich wäre besser bei Fohlen und Färsen geblieben."
Als der greise Feldmarschall das gesagt hatte, und der Rock stand ihm offen, daß sie das schwarze Ordensband sahen über der weißen Weste, damit er bei Ligny geritten war; als ihm der weiße Schnurrbart aus dem roten Gesicht hing wie eine zerschossene Fahne, und seine Stimme scharf wie einmal der Säbel in seiner Hand war; als er das dreifache Hoch auf den Jedermann ausbrachte, da war der Jubel so laut in dem Saal, als wäre die Belle Alliance erst eben gewonnen. Und ob es nicht jedermanns Kopf wußte. Jedermanns Herz fühlte es wohl, daß diese Rede und Feier mehr als ein neuer RuHmeskranz für den Feldmarschall Blücher war.
Kavalier.
Von V i ck i Baum.
Der neue Taglöhner brachte ihn an einem langen Strick hinter sich her, durch das Parktor, vorbei an der Sonnenuhr und in unsicherem Zickzack über den weiten Platz vor dem Schloß. Die ganze Zeit über zitterte Kavalier vor Scham über diesen Strick; sein weißes schmutziges Fell mit den schwarzgetigerten Flecken zuckte, und die Augen des alten Hundes tränten und blinzelten in all der Sonne. In feiner Nase Haie er ein krankes, trockenes Gefühl, er hielt sie zur Erde gesenkt, und dicht vor ihr gingen die Stiesel semes Herrn. Kavalier knurrte, sooft er diese Stiesel betrachtete; die ganze Geschichte vergangener Tage stand in ihren Falten geschrieben.
Es waren Reitstiefel, grau, rissig, abgetreten, mit einem klaffenden Loch über dem linken Absatz. Und da Heiner Kump, der neue Tagelöhner, ausgenommen war, um Mist zu führen, nicht um zu reiten so haftete eine besondere Lächerlichkeit an Wesen Zeugen großer Vergangenheit. Ueber den Stiefeln baumelten ine blauen Schöße vom Frack der napoleonischen Soldaten, noch weiter oben hatte Heiner Kump zur Feier seines Einzuges eine verschlistene Halsbinde angebracht, in der das vertrunkene, fuchsig uberftoppelte alte Gesicht zur Hälfte versank. Kavalier, diese Ruine eines Hundes, war seineseits mit einem ledernen Halsband verziert, das üb^dies mit kleinen roten Tuchläppchen benäht worden war Hemer SJump hatte es aus Liebe getan, aber Kavalier grämte sich bis jur -Ber- zweiflung über diese unwürdige Aufmachung und den überflüssigen Strick. Er schaute während des ganzen langen, erbarmungslos hellen Weges nicht vom Boden auf, und während seine Pfoten nicht ohne Genuß wieder den Kies gepflegter Schlotzwege spurten, dachte er. Heiner, du machst uns lächerlich! Wenn der geliebte tote Herr uns leben könnte, dich, den Trunkenbold, und mich, krank und mit Räude! Immerhin: man kann Unglück haben, «lt werden, hoffnungslos deklassiert fein. Aber Rasse bleibt doch Raste; das solltest du nicht vergessen, Heiner, du mit deinen Stiefeln und dem Strick und den roten Lappen ...
Die Stiesel blieben stehen, etwas entfernt von der Terrasse, öte der Fürst neu im sparsamen Empiregeschmack der Zeit erbaut hatte, denn zu allem Unglück konnte Heiner den Weg nach den Stallen nicht finden.
Oben lehnten apfelgrüne und zimtbraune Fräcke am Geländer und der Fürst sagte nachlässig: „Nun was haben wir da für eine Erscheinung?" .
Fürstin Hortense hob das weiße Gesicht von ihrer Frwolitaten- arbeit und ließ das Schiffchen weitergehen, ohne hinzusehen. Sie hatte goldrotes Haar und dünne, hochmütig hochgezogene Brauen Über verhängten Augen. Sie schaute mit einem «emen verwunderten Lächeln auf Heiner Kump, der tief unten am Fuß der Treppe dienerte dann in das tupferbraune Gesicht des Fürsten und bann erblidte sie den Hund, der weiß und schwarz gefleckt hinter Heiners Beinen auftauchte.
„Was für eine sonderbare Sorte von Hund!" sagte der Fürst.
Hortense beugte sich wieder über ihre Arbeit, die Spitzen an ihrem modischen Turban zitterten ein wenig.
Wie oft und leicht sie erröten, diese rothaarigen, weihen Fraum,, dachte Graf Mtpach, und zugleich sagte er: „Irre ich mich nicht, so ist es ein Rassehund, eine Art, die man hier nicht kennt. Salma- tiner; der Landgraf von Hessen hatte eine Zucht davon in feinem Zwinger; es sind gute Hunde." Er hob das Schiffchen aus das bie Fürstin sollen gelassen hatte, und fügte hinzu: „Vielleicht haben Durchlaucht in Ihrer Heimat einmal solche Hunde gesehen?
„Nein," sagte die Fürstin, „ich habe mich nie sehr für Hunde interessiert."


