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zu haben... Traktire sie nicht übel, denn das arme Mensch hat die Torheiten iin Kopf und meint es gut-" ......
Fortan wird der König immer gläubiger. Fredersdorf soll oas Gold, das sie gemacht hat, zur Prüfung in die Münze schicken, allerdings unter den nötigen Vorsichtsmaßregeln: „So kann uns keiner in die Karten gucken". „Was Du mir von der Frau gesagt hast", fährt er fort, „gibt mir wiircklich Loffmmg, und wenn die letzte Probe Gold ist, so glaube ich, daß man Staat darauf machen kann".' Ja, er unterschreibt den von der Alchimistin aufgesetzten Vertrag und findet die,, Conditionen sehr billig!" And mit wachsender Angeduld erwartet er größere Leistungen. „Schreibe mir doch, ob die Frau gewiß meinet, Montag einen Zentner (Gold) zu machen/ „Wohr das (wahr) ist, so werde (ich) alles zur Llugmentation so veranstalten, daß ich künftiges Frühjahr den Anfang machen kann." Aber die Enttäuschung blieb nicht aus. „Statt 3 Millionen, so sie macken wollte", klagt der König im November, „kommt ein Stück Silber von drei oder vier Talern heraus".
Indes fährt die Frau fort zu laborieren; eine weitere Probe fällt anscheinend gut aus, und der König erwartet ungeduldig das Gutachten der Münze. „Ich bin zwischen Angewißheit und Zweifel", schreibt er. „Gehet es gut, so muß man e8- recht pro digmtate nutzen." Zur Behauptung der Würde! Diese Wendung erklärt sich aus den „stürmischen Aspekten", di« inzwischen in der Politik eingetreten sind, denn ein Angriffskrieg Englands und Rußlands scheint zu drohen. Da käme das Gold der Frau Nothnagel also wie gerufen. „Ich will wünschen, daß di« Sache möglich sei", schreibt der König. Es ist „schon im Äandels wegen (neuanfzustellender) Regimenter". And mit vor Erregung zitternden Schriftzügen rechnet er Fredersdorf vor, daß eine Leeresvermehrung von 17000 Mann 1 Million 154000 Taler kosten werde, die aus der Goldküche der Frau Nothnagel bestritten werden sollen! Stände es nicht schwarz auf weiß da, man glaubte es nicht!
Aber auch diesmal kommt das traurige Erwachen aus dem schönen Traum. „Gebe nur die Frau ihr Silber wieder, und sage sie, ich wünschte, sie möchte sich einen guten Vorrat davon machen.. (Bei) dergleichen Chimären konmrt nichts heraus. Ich habe alle meine Pläne verbrennet und werde die ersten zehn Jahre keine neuen machen." Jetzt ist der König endgültig kuriert. „Ich habe mir sehr geschämet und mir alle die Narrenpossen aus dem Kopse geschlagen." Nicht so sein Kämmerer, denn wie Friedrich ihm vorwirft: „Kaum ist ein Goldmacher ad absurdum geführt, so hast Du schon einen anderen."
Doch das bittere Ende sollte erst noch konunen. „Ich habe noch zwei Sachen abzutun", schreibt Friedrich im Februar 1754, „dahr mir die erste viele Sorge macht. Die Gehet Lerrn Trop, Deinem Goldmacher, an. Die Pension der 8000 Thaler, die ich ihm sehr unbesonnen versprochen habe, kann ich ihm ohnmöglich geben".' Trop oder Drop ist offenbar der früher ungenannte Gold- macher, von dem schon vor der Frau Nothnagel die Rede ivar, und der Vertrag mit chm dürfte zur gleichen Zeit mit dem ihren unterschrieben worden sein, zu einer Zeit, wo der König große Loff- nuugen auf die Alchimie setzte. Da aber diese 8000 Taler den öffentlichen Kaffen nicht aufgebttrdet werden konnten und des Königs Disposttionsgelder, wie der Briefwechsel mit Fredersdorf ost genug zeigt, sehr beschränkt waren, hat ihn diese Schuld schwer gedrückt, und er hat sie auf alle mögliche Weise, durch Lerabfetzung des Betrages selbst und durch Abzahlungen zu begleichen versucht. Dem Geschick Fredersdorf gelingt es schließlich, das von ihm selbst angerichtete Anhell einigermaßen gutzumachen. „Es ist mir sehr lieb, daß ich mit dem Lerrn Drop auf eine gute Manier auseinander bin", schreibt der König Anfang März 1754. „Ohngeachtet, daß es mir sckwer fället, die 8000 Thaler zu bezahlen., so tue ich es mit Plaisir, umb mit ihm auseinander zu konunen." Offenbar hatte der Goldmacher Drop sich mit einer einmaligen Abfindung von 8000 Talern, einer sehr erklecklichen Summe, begnügt,
Von mm ab hatte der König fiir die Alchimie nur noch Spott übrig, und da Fredersdorf nach wie vor der Goldmacherei und der Quacksalberei frönte, suchte Friedrich diese durch jene zu bekämpfen. Ende Juni 1755 schickte er feinem Kämmerer „ein wahres Elixir, das von Theophrastem Paratzelsio (!) kommt, welches mir und alle, die davon genommen haben, wunder gethan hat". Der berühmte Theophrastus Bombastus Paracelsus von Lohenheim war bekanntlich Alchimist und zugleich Arzt gewesen; durch ilw „Trinkgold" und „Ellxiere" glaubten die Alchimisten das Leben verlängern oder Krankheiten heilen zu können. Der Witz dieses Eliriers bestand nun darin, daß es, wie der König schreibt, „keine Quacksalbereien daneben leidet. Sonst benimmt es einem vor sein Lebtage die männlichen Kräfte"... Ebenso scherzhaft sind schließlich die letzten Briefe des Königs vom 16. und 18. April 1756, worin er ankündigt: „Cs ist ein neuer Goldmacher in Berlin! Wo Du noch Geld übrig hast, so steht er zu Dienst! Er kann den ,gokdenen König' (den Stein der Weisen) machen... und Dir in 14 Tage eine Million machen. And wenn Du nur 8 oder 10000 Thaler zusetzest, so schwimmst Du darnach in Gold!" Dieser Scherz bezieht sich natürlich auf die vom König selbst zugesetzten 8000 Taler. In jenen Tagen ballten sich bereits die Gewitterwolken des Siebenjährigen Krieges, der alsbald ausbrach und dessen Aufregungen bei Fredersdorf das vollendeten, was die Kurpfuscher und Goldmacher begonnen hatten: die völlige Zerrüttung seiner Gesundheit. Er mußte 1757 aus den: Dienste ausscheiden und im Januar 1758 erlöste ihn in Potsdam der Tod von seinen Leiden.
Zwanzig Jahre später, im Kerbst 1777, »oarf ein weltberühmter Abenteurer und Alchimist, der sogenannte Graf von Saint Germain, seine Angel nach dem König aus. Der aber ließ ihm bedeuten, daß man in Berlin „sehr ungläubig" sei, und daß er deshalb besser tue, sein Glück anderswo zu probieren. Trotz dieser -Ablehnung kam Saint-Germain nach Berlin, wo er Jahr und Tag blieb, aber dem König ist er nicht vor Augen getreten: der hatte an dem Besuch der Frau Nothnagel und an den Künsten des Lernt Drop gemtg! Als Friedrich seinem Bmder Leinrich die bevorstehende Ankunft Saint-Germains in Berlin meldete, schrieb er: „Für uns besteht die Kunst des Goldmachens in der Lebmrg von Kandel und Landwirtschaft."
Es ist gewiß seltsam, den sonst so skeptischen König auch nur vorübergehend im Bann der Alchimie zu sehen. Bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts hatte diese Schemwiffenschaft ja «och allenthalben, auch am brandenburgisch-preußischen Lose, geblüht. Anter dem Große;» Kurfürsten hatte der berühmte Kunckel auf der Pfaueninsel bei Potsdanr zwar kein Gold gernacht, wohl aber das Rubinglas erfunden, und 1702 war der Berliner Apothekerlehrliug Johann Böttger, der Gold nracheir keimte, aus Angst vor emem Prozeß entwichen und hatte Aufnahme in Sachsen gefunden, wo er das Porzellan erfand, das alsbald Goldeswerk erlangte. König Friedrich I. war über das Entiveichen dieses kostbaren Mannes so betrübt, daß er nrit allen, nicht immer schönen Mitteln, versuchte, ihr» wieder ins Land zu bekommen. ®n paar Jahre darauf fiel er selbst einem andere!» Alchimisten zürn Opfer, dem sogenannten Grafe»» Gaetano di Ruggiero, der ihn eilt Jahr lang zum besten hatte und schließlich 1709 in Küstrin am Galgen endete, zum Lohn in ei» Gewand aus Goldflittern gekleidet. Friedrichs I. Sohn, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., hielt nichts von der Goldmacherei und hatte das schon als Kronprinz im Falle Gaetano bewiesen. Er zog es vor, durch die Lebimg vor» Landwirtschaft und Industrie Gold zu machen. Außerdem förderte er die dem praktischen Leben zugewandten Wissenschaften, insbesondere die Medizin i»nd die damals eng mit ihr verknüpfte Chemie, die sich damals bereits von der Alchimie trennte. Noch in seine Regierung fallen die Anfäirge des großen Berliner Chemikers Marggraf, der alsbald, »urter Friedrich dem Großen, seine bahnbrechenden Entdeckungen machte.
Die Zeit, in der Friedrich der Große den Wahnhoffmmgen der Alchimie verfiel. Hatte also bereits deren Lehrgebäude tmter- graben, und sein „Fall" war tatsächlich ein Rückfall in schon fast überwundenen Anschauungen. Aber seltsam: gerade damals setzt« noch eine letzte Lochflut der Alchimie ein, und die Goldmacher kamen, wie er selbst schreibt, „vor» aller» Enden". Der Lerzog von Brcmn- schweig hielt sich danrals, tote wir aus diesem Briefwechsel erfahren, nicht toeiliger als zehn Alchimisten, und die berühmtesten Schwarz- klinstler des Jahrhunderts, der sogenannte Graf von Saint-Germain und der freche Betrüger Cagliosiro, standen im Jenith ober in» Anfang ihrer internationalen Abenteurerlaufbahn. Ja, noch nach Friedrichs Tode sollte die mystisch-alchimistische Sekte der „Gold- und Rosenkreuzer" am Berliner Lose festen Fuß fassen; und Kortmn, der Verfasser der „Iobsiade", begründete 1789 seine „hermetische Gesellschaft", die sich noch bis 1820 erhalten hat.
Wir dürfen also an die alchimistischen Bitwandlungen des Königs nicht den Maßstab heutiger Wissenschaft anlegen. Solange die chemischen Prozesse, insbesondere die Vorgänge bei der Metallgewinnung, noch nicht völlig geklärt waren, konnte die Alchimie, die das wissenschaftliche Denken der Aeghpter, der Griechen, der Araber, des Mittelalters und der Renaissffanee stark beherrscht hatte, noch immer als etwas Mögliches gelten, und zweifellos mären ihre Erfolge in» kleinen, an die auch der alte Fritz glaubte, nicht bloßer Schwindel. Da die Goldmacher mit alle:» möglichen, gewiß auch mit gold- oder silberhaltigen Stoffen arbeiten, mag bei ihrem Laborieren manchmal etwas Gold oder Silber cmsgsfällk worden sein. And vor diesem Augenschein kapitulierte auch Friedrich der Große. _ _ ,
Jedenfalls unterscheidet sich sein Benehme,» m dieser Sache sehr vorteilhaft von dem anderer Fürsten seiner Zeit und früherer Zeiten. Während diese in der Goldmacherei nur eine erwünschte Quelle zur Befriedigung ihrer LuxuSbedürfnisse erblickten, dachte Friedrich allein an den Staat, dem er in einer kritischen Zeit neue Lilfsmittel erschließen wollte. And statt die Goldmacher, die viel- leicht selbst nur betrogene Betrüger waren, aiffknüpsen zu lassen wie sein Großvater, oder sie einzukerkern, wie der Lerzog von Braim- schweig, ließ er sie laufen, bemitleidete sie sogar und zahlte noch ein Lehrgeld von 8000 Talern, das ihm reckt sauer wurde. Die Kosten dieses Mißerfolges aber deckte er aus seinen bescheidenen DiSpofltionsgeldern, dem» die Staatseinkünfte waren für ihn unantastbar, eine „Bimdeslade", wie es in entern seiner Testamente HE-Wir können in unserer Rechtfertigung sogar noch einen Schritt weiter gehen. Seitdem die Entdeckung des Radmms das ganze Lehrgebäude der wiffeisschaftlichen Chemie über den Staufen geworfen und Professor Miethe Gold und Silber aus Quecksilber gewonnen hat, erscheint die alte alchimistische Lehre voir der Verwandelbarkeit der Metalle nicht mehr als bloße Gaukelei. Aller- dings ist auch diese Goldmacherei bisher ebenso kostspielig, wie es die alte war. und Friedrich der Große behält recht, wenn er schreibt: „Man Exempels ins Kleine, aber nicht im Großen, daß es möglich ist".
Lchriftleitung: l)r. Friedr. Wilh. Lange. — Truck und Verlag der BriHl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei. A. Lange, Gietzeir.


