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DaS Surüdtreten Les religiösen Begriffes muhte in einer energischen Qlatur das BeMrhtsein des weltlichen Berufes um to lebendiger Hervorrufen. Die Seele ist dann nicht durch das Gefühl des universalen Zusammenhanges des Geistes gehoben, der auch dann noch genug tut, wenn die Erfolge den Absichten nicht entsprechen; es liegt «etwas Trockenes, Beschränktes darin, aber wn so geschärfter wird der praktische Sinn, da man des Erfolges bedarf. Der Geist der Zeit kam dem Kvnige^Friedrrch mit der gleichen Tendenz entgegen und förderte sein Tun; auch in der Erfüllung der Pflicht an sich liegt eine unendliche Befriedigung. .....
Um sich dazu fähig zu machen, hielt es Friedrich für nötig, die Menschen, wie er es einmal selbst nennt, zu studieren, besonders diejenigen, die ihm entweder als Werkzeuge dienten, oder der Gegenstand seiner Sorgfalt waren. Unter seinen Untertanen unterschied er die feinen und gelenken Preußen, Lern Gewandtheit jedoch! besonders innerhalb ihrer Grenzen leicht in Fadheit überschlage, von den naiven und gerade«« Pommern; die Kurniärker stellt er weder den einen noch« den anderen gleich, das Wohlleben gelte ihnen zu viel, in Geschäften seien sie selten mehr als mittelmäßig; lebhafteren Geist besitze die Mag de- burgische Ritterschaft, mancher große Mann sei ans ihr hervorgegangen; de«r Mederschlefierir fehle es an einem Prometheus, der sie (durch Erziehung) mit dem himmlischen Feuer erfülle; Anstrengung und Arbeit sei bisher noch« nicht ihre Sache, sondern eher Geirußliebe, gutmütige Litelsucht. Auch in Minden und der Grafschaft Mark fehle es nur an Erziehung und Uebung, nicht an Talent, am wenigste«« entsprach Kleve seinen Wünschen. Er suchte sie alle zu heben und dadurch zu vereinigen, daß er die provinzialen Bezeichnungen vor der al (gern einen als Preußen verschwinden ließ; besonders machte er diese im Felde geltend.
Wir sahen, wie er sich für jeden Zweig nach den demselben inwohnerrden Erfordernisse«« Gehilfen zu bilden suchte: in Justiz, Administration, Militär; so hatte er auch eine Pflanzschule für den Dienst in den auswärtigen Geschäften im Sinn; um das Jähr 1752 ward dazu unter der Leitung von Podewils ein Anfang gemacht. Die natürliche Gabe, die allem zugrunde liegt, sollte Lurch allgemeine Kenntnis sowohl als durch das Auf- nehtnen der Idee des Staates entwickelt werden.
Die Minister, die an der Spitze der verschiedenen Abteilungen des Dienstes standei«, schickten dem König über die wichtigen und zweifelhaften Punkte täglich! ihre Berichte ein. Friedrich hielt nicht für gut, den Geheimen Rat zu versammeln, denn aus großen Aatsversammlungen gehe feiten eine weise Deschluß- >«ahme hervor, durch Privathatz und Rechthaberei werde da eine Sache eher verdunkelt; das Verfahren der schriftlichen Anfrage mit Gründen und Gegengründen hielt er für das bessere: der Fürst müsse sich nur die Mühe geben zu lesen und eintzusehei«; ein gesunder Sinn fasse leicht die Hauptpunkte, auf die es an» komme. Eine Kabinettsregierung, zu deren Ausführung ober eben soviel Anspannung des Geistes wie Talent gehören. Friedrich besah das letztere in einer seltenen Vielseitigkeit. Wie er nach schriftstellerischer Vollendung strebte, so sahen wir ihn die oberste!« Gesichtspunkte für die Einrichtung der Justiz fassen, die Verwaltung bis in das geringste Detail des Rechnungswesens beaufsichtigen; neue Manöver für seine Feldübungen ersinnen; nicht ohne Nutzen besucht er Spitäler, denn schon sein Vater hat ihn viel dahin geschickt, so daß er sich eine Kenntnis von Chirurgie verschafft hat; er gibt Verbesserungen der Manufakturen im einzelnen ai« und ntacht selber die Pläne zu seinen Bauwerken.
Zu dieser Mannigfaltigkeit der Befähigung kam mm aber eingehende Rücksicht auf die vorgelegten Gründe, der ernste Wille, die Sache recht zu machen.
Richt alles ward auf der Stelle, beim ersten Vortrag entschieden. Wem« die Kabinettsräte nach demselben sich entfernt hatten, griff Friedrich zu seiner Flöte; doch war seine Seele weniger beim Spiel, in das sie nur ihre Stimmung hauchte, als bei den Angelegenheiten; ganz mit sich selber allein überlegte er die schwierigen Fragen und gab seine Entscheidung, wem« sie zurückkamen.
Richt selten klagen die auswärtigen Gesandten in ihren Berichten, Latz er sich in den Audienzen unbestimmt und sogar furchtsam ausgedrückt habe; seine Entschließungen wurden in der Tiefe seines Gemütes gefaßt und standen ihm dann auf immer fest.
Auch darüber beschweren sich die Gesandten häufig. Latz er alles allein tun wolle, und sie von niemand sonst beschiedei« werden können. Die auswärtige«« Angelegenheiten seien unter zwei Minister verteilt, und keiner von beiden kenne sie alle; «in Geheimer Rat, der vielleicht eine allgemeine Uebrsicht habe, wage doch nie, zu dem Repräsentanten einer fremden Macht zu kommet«. Im ganzen Lande gebe es, außer dem König, nur einen einzigen Mann, der die inneren und äußeren Angelegenheiten zugläch kenne. Von diesem Manne, der alle Morgen mit dem Könige arbeite, ihn auf seinen Reisen begleite, machen sie eine beinahe mythische Beschreibung; er wisse alles, erfahre alles, aber kein Sterblicher könne sich rühmen, ihn je mit Augen ge- sehen zu haben; auf eine wunderliche Weise verunstalten sie seinen Ramen. Es ist Sichel, der im Kabinett die Feder führte, die mündlichen Resolutionen 'Friedrichs ntederschrieb, die wich- tiasten Anordnungen nach feiner Anweisung aiifertigte; ein Mann von einer unermüdlichen Arbeitsamkeit, die aus Lieve
zur Sache und persönlicher Hingebung entsprang, scharfsinnig und einsichtsvoll, nur ein wenig pedantisch Und nicht ohne eine zaghafte Scheu bei den unberechenbaren Bewegungen des Genius, den er vor sich sah. Wenn die Fremden dem König schuld geben, er habe nie auf Gegenvorstellung«« der Minister geachtet, so erweisen die Akten das Gegenteil: zuweilen zeigt er sich sogar ungeduldig, daß er feinen Willen nicht durchsetzen könne. Rur mündliche Beratungen vermied er je länger, je mehr. Wem« er noch! einen zweiten feiner Minister befragte, fo hielt er doch nicht für gut, denjenigen, deffen Gutachten er zuerst gefordert, davon wissen zu lassen, er besorgte, daß der Vorzug, den er dem! einen vor dem anderen gab, Eifersucht und Entzweiung verursache«« möchte. UebeMes wäre dann leicht bas Geheimms, worin er die Seele der Geschäfte steht, verletzt worben.
„Ich verberge", äußerte er einmal gegen einen setuier Vorleser, „meine Absichten denen, die mich umgeben;, ich täusche sie sogar darüber; denn wenn sie vermute««, was ich im Sinne habe, so könnte!« sie davon sprechen, ohne die Folgen zu ahnen; ..nur durch das Geheimnis kann ich mich vor Schaden bewahren.
„Ich verschließe mein Geheimnis in mich selbst; ich bediene mich nur eines Sekretärs, von dessen Zuverlässigkeit ich versichert bin; wem« ich mich nicht selbst bestechen lasse, so «p «8 unmöglich meine Absicht zu erraten.“
(Schluß folgt.)
Nur fahren !
Von Lans Franck.
Als dann aber der König und sein Kutscher älter und älter wurden, jener von Jahr zu Jahr immer weniger, dieser immer mehr schlief: kam Friedrich zu der Ueberzeugung, daß Pfund femem verantwortungsvollen Posten als Leibkutscher nicht mehr gewachsen sei, und eines Tages, da er wieder einmal Anlaß zur Klage hatte oder doch zu haben glaubte, jagte er, heftig wie er war, ihn kurzerhand davon. Pfund, wiewohl in dem Alter, wo der Mensch sich nach Ausruyen von den Mühsalen seines Lebens zu sehnen pflegt, dazu äußerlich auch durchaus imstande — denn er war allzeit ein sparsamer Mann gewesen — Pfund fand das schmale Pförtchen, das zu dem Garten der Greisenbeschaulichkeit fiihrt, auch jetzt noch mcht. Er versilberte fein Lab und Gut, wanderte mit einem Knotenstock, den cr sich aus der ersten Lecke schnitt, die er traf, in den Wald hinaus und ver- dingte sich in Lermsdorf einem Bauern als Fuhrknecht.
Ein Jahr verging. „
Der König vernahm nichts von seinem Kutscher. Nur wenn er toieber einmal einen seiner Nachfolger fortjagte — und er verbrauchte während dieser zwölf Monate ebensoviele Leibkutscher als Pfund Jahre in seinen Diensten gestanden hatte — gedachte er ferner. Denn jedesmal hielt er den spurlos Verschwundenen dem Kinausgeworfenen als das Muster eineö königlichen Leibkutschers vor,.der me Wuaß zur Klage gegeben hätte. Desto mehr hörte Pfund m fernem Versteck vom König. Oft und oft war bein« Essen oder an« Feterabend unter den Bauersleuten und ihrem Ingesinde vom alten Fritz die Rede. Stets, wenn es der Fall war, kniff Pfund, ohne um diese Gewohnheit zu wissen, das linke Auge zu und schwieg. -schwieg, obwohl cr vermeinte, daß er weit mehr als die Redenden zum Lobe des Königs gesagt hätte.
Der Bauer, dem das sonderbare Verhalten fernes zugewanderten Knechtes schließlich auffallen mußte, stellte ihn eines Tages bestochen zur Rede und fragte: „Ihr seid ihm wohl mcht grün — unferm alten Fritzchen?" — „Kann fein", antwortete Pfund ausweichend.— „Vermutlich früher einmal im Siebenjährigen ober tu einem der beiden Schlesischen desertiert?" drang der Bauer weiter auf fernen Knecht ein. — „Kann fein", lautete auch diesmal die Atttwort Pfunds. — „Ober gar wegen Dummheiten aus seinem Dienst gejagt?" stieß ber Bauer erneut vor. — „Kann sein", wehrte Pfund abermals den Zudrmglichen ab. „
Als ber Bauer, ärgerlich über bic Verstocktheit semes Knechtes, ihm bebeutete, daß er Ansinn, rebe, entweder: er sei bavongelaufei« ober davon gejagt, eines könne nur der Fall gewesen fern, nicht aber beides — da kniff Pfund außer den« einen, das er während dieses ganze!« Gespräches kein Millimeterchen geöffnet hatte, auch noch das andere Auge zu und schwieg gänzlich. _____
Einige Wochen später, an einem ber sieben Sommertage, welche der März in, Bauernkalender jedes Jahr, aber außerhalb des Kalen- ders nur jedes Jahrzehnt hat, lieh König Friedrich sich in de» Tegeler Forst kutschieren. Dort stieg er aus und stelzte, da «hm an Metern Tage wieder einmal nichts unerttäglicher war, als die Nahe irgendwelcher Menschen, auf einem schmalen Tmwenweg davon, ber bett König, weil nur bic Sonne aber nicht ber Wmb ihn geiunbctt hatte, mit sommerlicher Wärme umfing. . _
Als Friedrich ein Weilchen auf bem fonmgen ^annenwege entlanggestümpert war, kam er an eine Schneise, welche rechter Land in ihm cinmünbefe. Auf biefer Schneise war ffN'nnddamitbe- schäftigt, Lolz auf bett Wagen zu laben. Sowie Friedrich (ah. ein Mensch! entfuhr ihm ein . gutdeutscher K^-nMch, unb cho,, wollte er, ärgerlich, daß er nirgends, unbehelligt bleiben konnte, alldieweil es überall menschelte, wieder umkehren. Doch M er ÄfWS® 8SSF& S SÄ»«“ hatte, im ersten Augenblick auf ihn zustürzen und «hm zu Füße» falle«, im nächsten Pferd und Wagen im Stich lassen und davon-


