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gehört hat.

Die mystisch erlebte Nähe der Geliebten hat den lähmenden Schrecken des Todes verscheucht:Zur Staubwolke wurde der Hügel", so singen dieHymnen",und durch die Wolke sah ich die verklärten Züge der Geliebten. In ihren Augen ruhte die Ewigkeit i<b faßte ihre Hände, und die Tränen wurden ein funkelndes, un- zerreißliches Band. Und mit einemmal riß das Band der Geburt des Lichtes Fessel. Hin floh die irdische Herrlichkeit und meine Trauer mit ihr. Zusammen floß die Wehmut in eine neue, unergründliche Welt du Nachtbegeisterung, Schlummer des Himmels, kamst über mich." Die Nacht der Verzweiflung ist feit jenem Gang zum Grabe für Novalis zum milden Dämmerlicht einer erhabenen, unergründ­lichen Nacht weit, jenseits der bunten Räume des Tages, geworden, wo Sophie in ewiger Verklärung lebt.

Die selige Gewißheit aber, daß Sophie den Tod überwand und damit ein neues Leben in ihm wachrief, leitet ihn und das ist das Entscheidende des Graberlebnisses weiter zum Bilde der Auserstan­denen, der als erster den Tod, der als entsetzliches Traumbild und Fatum auf der alten Menschheit gelastet, durch feinen Tod und seine Auferstehung für die in ihm sterbenden Seelen überwunden hat. So wird Christus schließlich zur liebestrahlenden Sonne, die Novalis am Himmel seiner mystischen Nachtwelt erlösend aufgeht. Und an ber Hand des Auferstandenen erscheint ihm Sophie, die durch Christus aud; für ihn den Tod besiegt hat.

Von der Höhe solchen mystischen Entrücktseins ist Novalis nur noch kurz ins Leben des Tages zurückgekehrt. Jede selbstische Unruhe

Naturerkenntnis sichrt damit notwendig über die Selbsterkenntnis, über die Versenkung in jenes höhere, durch die Liebe gelauterte Id), dem Novalis' ganze Sehnsucht zustrebt.

In diesem Sinne heißt es einmal:Wir weredn die Welt ver­stehen, wenn-wir uns selbst verstehen, weil wir und sie integrante Hälften sind", ein Wort, das aber seine notwendige Ergänzung e^t durd, ein anderes findet, das für Novalis eigentümliches Naturgefuhl gleich bezeichnend ist:Wir wollen alles in ein Du, in ein zweites Ich verwandeln, nur dadurch erheben wir uns selbst zum großen Ich, das eins und alles zugleich ist." So wird die vielstusige Welt schließ- lich zur Fülle des Id) werden und umgekehrt das liebende höhere Ich in die tausendfältigen Glieder des Ganzen hinemwachsen. Will man ein zusammensassendes Bild für das oft mystisch und dunkel klingende Naturerleben, wie es Novalis in immer neuen Wendungen ausspricht, so mutz man an die paradiesische Schönheit des Morgen- Bildes von Philipp Otto Runge denken, wo dem reinen Blick des Kindes das ruhend auf blühendem Grunde die Augen staunend aufgeschlagen hat, der ganze Zauber der Natur nut schwebenden Blumengenien im rosigen Aether sich eröffnet. Nicht zufällig hat Novalis einmal die Kinder die eigentlichen Geisterseher genannt.

Ohne nun freilich unbedingt einer typisch romantischen Ver­schwommenheit und Phantastik zu verfallen, wurzelt doch Novalis Naturansicht letztlich in einer höchst persönlich bedingten Charakter- anlaae. Erst der zweite entscheidende Weg, den Novalis ging, um einem seelenlos werdenden Zeitalter eine neue Seelenhaltung vor­bildlich vorzuleben; jenes geheimnisvolle religiöse Erlebnis, von dem dieHymnen an die Nacht" oft nur stammelnd fingen, da es sein ganzes Wesen allzu überwältigend ausfullt, sollte eine von keinem späteren Romantiker mehr erreichte Wendung ms Objek- t i v e nehmen und damit in mancher Hinsicht zukunftweisend werden. Auf die Frage nach Art und Besonderheit dieses Erlebnisses, das sreilich im Ursprung wieder so subjektiv wie irgend möglich war, ant­wortet die seltsame Legende seines Lebens.

Sie ist schnell erzählt, aber meistens Mitzverftauden_ worden. t79o erfaßt den 23jährigen Jüngling die Liebe zu Sophie von Kuhn, einem schönen, frühentwickelten Kinde von 13 Jahren. Damit beginnt die eigentliche Blütezeit seines allzu kurzen Lebens. Aber schon zwei Jahre später entreißt der Tod ihm die bis zur Anbetung verehrte Geliebte- und stürzt ihn in die Nacht der tiefsten Verzweiflung. Nur die mystisch in ihm aufkeimende Gewißheit halt ihn noch aufrecht, daß er binnen kurzem der Geliebten nachsterben werde, und zwar eines natürlichen Todes, traft der Magie feiner grenzenlosen Liebe und Sehnsucht. Erst Wochen nad) dem Tode Sophiens suhlt sich Novalis stark genug, ihr Grab zu besuchen, und hier ist es nun, wo er jenes entscheidende Erlebnis hat, das seinem ganzen Denken und Fühlen eine neue Wendung, die Wendung von der Subjettroitat seines magischen Naturgefühls ins Objektiv-Religiöse, das heißt in eine positiv christliche Geistessphäre gibt. Er notiert an dem entschei­denden Tage dieses Erlebnisses am Grabe seiner Geliebten m fein Tagebuch:Abends ging ich zu Sophien. Dort war ich imbeschreib- lich freudig. Aufblitzende Enthusiasmus-Momente. Das Grab blies id) wie Staub vor mir hin. Jahrhunderte waren wie Momente; ihre Nähe war fühlbar, ich glaubte, sie solle immer vortreten. Und kurz darauf setzt er plötzlich bedeutungsvoll die Worte nebeneinander: Christus und Sophie." ,

Der eigentliche Sinn des mystischen Graberlebnisses ift damit nur dunkel angebeutet; erst zwei Jahre später (1799), nachdem er sein Innerstes feit jenem Tage verwandelt sah, hat Novalis in der dich­terisch gesteigerten Form in derHymne an die Nacht davon ge­sungen; jedenfalls ist der eigentliche Schlüssel zu den schwer zugäng­lichenHymnen" nur hier zu suchen (vgl. Obenauer, Hölderlin und Novalis, Engen Diederichs, 1925). Denn dieunbeschreibliche Freu­digkeit", von der jene Tagebuchauszeichnung spricht, unbeschreiblich, weil sie voll ist von nie erlebter heiliger Entrücktheit dieses völlig unwirkliche Seligkeitsgefühl ist für den tiefer. Horchenden auch der Grundton derHymnen an die Nacht", und nichtein langsam hm- gejogener, rätselhafter Klageton", den Ditthey vor allem hercnis-

Selbstentäutzerung ist die Quelle aller Erniedrigung, sowie im Gegenteil der Grund aller echten Erhebung. Der erste Schritt wird Blick nach Innen, absondernde Beschauung unseres Selbst. Wer hier stehn bleibt, gerät nur halb. Der zweite Schritt muh wirksamer Blick nach Außen, selbsttätige, gehaltene Beobachtung der Außen­welt sein.

Eine merkwürdige Eigenheit Goethes bemerkt man in seinen Verknüpfungen kleiner, unbedeutender Vorfälle mit wichtigeren Be­gebenheiten. Er scheint keine andre Absicht dabei zu hegen, als die Einbildungskraft auf eine poetische Weise mit einem mysteriösen Spiel zu beschäftigen. Auch hier ist der sonderbare Genius der Natur auf die Spur gekommen, und hat ihr einen artigen Kunst­griff abgemerkt. Das gewöhnliche Leben ist voll ähnlicher Zukalle. Sie machen ein Spiel aus, das wie alles Spiel auf Ueberrafdjung und Täuschung hinausläuft.

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Humor ist eine willkürlich angenommene Manier. Das Will­kürliche ist das Pikante daran. Humor ist Resultat einer freien Ver­mischung des Bedingten und Unbedingten. Durch Humor wird das eigentümlich Bedingte allgemein interessant, und erhält objektiven Wert. Wo Phantasie und Urteilskraft sich berühren, entsteht Witz; wo sich Vernunft und Willkür paaren, Humor. Persiflage gehört zum Humor, ist aber um einen Grad geringer; sie ist nicht mehr rein artistisch, und viel beschränkter. Was Fr. Schlegel so scharf als Ironie charakterisiert, ist meinem Bedünken nach nichts anders als die Folge, der Charakter der Besonnenheit, der wahrhaften Gegenwart des Geistes. Schlegels Ironie scheint mir echter Humor zu sein. Mehrere Namen sind einer Idee vorteilhaft.

Das Unbedeutende, Gemeine, Rohe, Häßliche, Ungesittete wird durch Witz allein gesellschaftsfähig. Es ist gleichsam nur um des Witzes willen: feine Zweckbestimmung ist der Witz.

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Wir find auf einer Mission: zur Bildung der Erde find wir berufen. *

Der Mensch besteht in der Wahrheit: Gibt er die Wahrheit preis so gibt er sich selbst preis. Wer die Wahrheit verrat, verrat sich selbst. Es ist hier nicht die Rede vom Lügen, sondern vom Handeln gegen Ueberzeugung. *

Jede Stufe der Bildung fängt mit Kindheit an. Daher ist der am meisten gebildete, irdische Mensch dem Kinde so ähnlich.

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Jeder geliebte Gegenstand ist der Mittelpunkt eines Paradieses.

hatte er von sich abgelegt und lebte bei Tagevoll Glauben und Mut." Denn jenesRachterlebnis" hatte ihm die Kraft gegeben, auch den Tag und die Welt zu heiligen, in den Strahlen der auf- gehenden Christussonne erschien alles Irdische plötzlich in neuem ver- kläriem Licht. Dann ist er still, erst Wjährig, der Geliebtennach- geftorben", seinen Glauben an die Allmacht der Liebe mit diesem frühen Tode gleichnishaft besiegelnd, dem eigenen Spruche gemäß, daß das Leben und also auch der Tod eineskanonischen Menschen durchgehends symbolisch sein müsse". .

Als religiöse Gestalt gehört Novalis in die Reihe jener großen christlichen Mystiker, wie sie vor allem in Zeiten des Uebergangs und der Auflösung immer wiederkehren: sie bedürfen einer persönlichen Erleuchtung, um innerlichst glauben zu können, und erst durch diese fühlen sie sich verdroßen Gemeinschaft einer unzerstörbaren Christen­heit zurückgegeben. Als zeitliche Erscheinung gehört Novalis zu Höl­derlin und Nietzsche -als der dritte große symbolische Mensch des nachgoetheschen" Jahrhunderts, der das innerste Schicksal seiner Epoche stellvertretend gelebt und gelitten hat.

Aber während Hölderlins Naturgötter, die letztlich nichts anderes als elementare Naturmächte sind und darum den Menschen in gottloser Einsamkeit sich selbst verzehren lassen, ihrem Sänger den Frieden der Seele versagten und schließlich den wehrlos ihnen Preisgegebenen mit Wahnsinn schlugen, während Nietzsche, allein mit dem Schreck­gespenst des Uebermenfdjen, am äußersten Rande seiner Einsamkeit das gleiche Schicksal erfuhr hat nur Novalis, auf welch persönliche Weise auch immer, den Weg zur großen Ruhe, der Ruhe in Christo gesunden und von hier aus zuletzt auch noch, als die größte Aus­weitung seines Christusglaubens, das große erlösende Wort für feine Zeit und alle Zukunft, jenes Zauberwort, das mit feinem Namen ewig verknüpft bleiben wird, jene Idee, weit mehr als eine bloße politische Utopie, groß genug, um das Chaos unserer Zeit zu ordnen und die Völker des Abendlandes wieder zu binden, jenen Gedanken, machtvoll, wie der Schlüssel des Engels aus der Apokalypse, der die alte Schlange", die am Mark der Menschheit nagt, für tausend Jahre in den Abgrund wirft und einschlietzt nämlich den propheti­schen Zukunftsruf:D i e C h r i st e n h e i t oderEurop a".

Blutenstaub.

Von Novalis.

Der Sitz der Seele ist da, wo sich Innenwelt und Außenwelt be­rühren. Wo sie sich durchdringen, ist er in jedem Punkte der Durch