Mehr hörte Jan nicht. Er war aufgesprungen und hmaus- gerannt.
Geschrei und Musketengeknatter. Fliehendes Voll.
Jan riß dem Mchsten die Muskete aus dem Arm und schrie seinen alten Schlachtruf:
„Her! Alle her!"
Aber es nutzte nichts.
Mit dem Lücken gegen einen Daum gestemmt,. verschoß et die letzte Kugel auf heranstürmende schwedische Kürassiere. Gr zog den Degen. Zwei lange Schweden hieb er herunter. Aber zum dritten Schlage kam er nicht. Fünf, sechs hatten ih-n ergriffen.
Jan von Werth war gefangen.
Sborck schaute zur Sette und schneuzte sich
Kopf!" l t Wrt$! dich davon! Es geht um dein«,
Getsen «tzielt infolgedesfe,i den Befehl, di« Feindseligkeiten gegen die sranzosem einzustellen.
„Das gibt «neu Frieden," sagte Jan, „der den Kais« ev- ivu^t. Das mach ich ntt mit! Ich hab' dem Kaiser den «d geschüvoven.
x . dem Kurfürsten auch!" entgegnete Geleen. „BedsM l>as, 4öertyl
Vchriftleitung: Dr. Friede. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der Brühl'sc^n Aniv.-Duch- undHeindruckerei, R. Lange, Giehea.
^^u"derung ganze Regimenter mitten auf dem Marsche stehen blieben und sich trotz seiner Befehle nicht mehr von der Stelle rührten. Es war ihm, als habe « einest Schta vor den Kopf bekommen, als ihm eine Proklamation freSÄmy «fr16 H?nde fiel. Darin stand, daß Jan von Werth ein! Verräter sei, geächtet und vogelfrei, und daß auch ein Mörder und Straßenraub« die 10 000 Taler bekomme und noch Generalpardon dazu, wenn er Jans Kopf bringe.
„Sporck, mein Pferd! Lass' ihn proklamieren! Ich kenne meine 30 Taler ihren General verraten!? Glaubst W vu9 f
I cR.,p?'rt^^ranfl M«d. Aber nicht mchr das gewohnte I s^brth! scholl ihm entgegen, sondern „OSibat
I Sim Modern! Zorn verzerrte sein Gesicht. Erbebte. Gr I sprechen, aber es kam nur ein Lächeln aus seiner Kehle.
lah.l«e elnzelne Soldaten die Muskete gegen ihn mrfchlugen. I M- toK Reit« sich gegen ihn m Trab setzten. Da zog « ^ I Degen und mit der anderen Hand die Pistole.
I Aber Sporck griff Jans Gaul am Zügel, spornte sein eigenes | Pferd und ritz ihn mit sich fort.
Sesenktem Kopfe, stieren Auges in seinem j Musketenkugeln pfiffen ihm um den Kopf. Eine Viertel- I j“11™6 ^mopp, verfolgMde Dragoner hinter sich wie die Mente I y Mild, und das kaiserliche Böhmen nahm ihn auf
Der Krieg ist vorbei. Jan von Werth, jetzt Graf und Schloß- | »an Denatek in Böhmen, schreitet an der Brüstrmg entlrn I langsam, gebeugt, die Hände auf dem Rücken.
j .. ^^?vtsvmmerabend. Die untergchende Sonne steht üb« | über ^n Wipfeln des fernen Tannenwaldes.
8 ~ und zu bleibt Jan stehen und hebt den müden Mich I x Em dehnt sich das weite Land mit Aeckern, Weinberg«, I E? Waldern Der sanfte Abendwind trägt ihm den melodisch«« | Gesang der Schnitter herüber. Auf der Wies« unter ihm sitzt I Ed spielt mit leinen Kindern, die ihm Dlumen-
I PraußHen entgegenschwenken. Gr nickt ihnen z« und lächelt. I Aber es ist ein bitteres Lächeln.
Die Sonne sinkt hinter den dunklen Tannen.
I schaut ihr lange nach und seufzt wie ein Gefangen«.
I ber hinter dem Gitter seines Kerkers sich nach der Freihett sehnt.
Das also ist die Ausbeute aus fünfundzwanzig Jahr«« I grenzenloser Hingabe, Kriegsgefahren und Mühen und wildester« I Lebens, das er jetzt wie ein nutzlos gewordenes Werkzeug auf i ^e ©eite gelegt wird. Er ist aus seinem Element geriffen und I sludet sich nicht mehr zurecht. DaS fettansetzende Wohlleben iS I Em unerträglich Hätte ihn doch bei der letzten Affäre die KugÄ I getroffen! Das war eine pläsierliche Affäre, die bei Dachau, wo I « den schwedischen Herren das JaMrühstück versalzen hat. I 2an schaut nach den fernen Bergen, die im Golde des Aberch- Ammels verschwimmen.
... -dahinter weit dahinter liegen seine heimatlichen Land«, fließt der Rhein, der seine ersten Taten sah, den « nie mehr Men wird.
^ Die Dämmerung kommt. Die sorgliche Mutter steht auf und i Ert die Kind« ins Schloß. Sie werfen ihm Kuh Hände zu.
Jan wendet sich und geht ihnen langsam und müde entgegen.
Jetzund will ich von Herzeir singen eine Tageweff': stlf meiner linken Achsel, da geh'n bei tausend Läuf', stlnd auf der rechten noch viel mehr,
Da hinten auf dem Buckel, da steht das ganze Heer!
Da ich anfang zu schlachten, die Nägel wurden rot Sprach eine Laus zur andern: O, wie ein Bittrer Tod! O, daß er nicht Herkommen wär'!
So wär' unmolestiert unser hochbetrübtes Heer!
Jan ist wieder in Deutschland. Die zimperliche Laute hat er wieder mit dem großen Degen vertauscht, den glänzenden Tanzsaal mit dem blutigen Schlachtfelde. Bei Tutllingen hat er die weimarischen und französischen Truppen geschlagen. Ihr Führer Marschall Guebriant ist gefallen. Der Generalissimus der kaiserlichen Armee Graf Geleen gibt im Gürzenich zu Köln em großes Fest zu Jans Ehren. Rur Generäle und Offiziöse sind geladen, denn es soll ein Gelage für Männer fein. Bald sind die Köpfe heiß und di« Zungen locker. Richt all« sind Jans Freunde. Auf den Erfolg schielt immer der Reid. Jan hört manch böses Wort. Man hat -nicht vergessen, daß er Pferdeknecht gewesen ist. Seine Wut will er mit Wein kühlen, ab« die Hitze sprüht ihm aus den Augen, als er halb über den Tisch gebeugt, mit schwer« Zunge in den Lärm hineinruft:
„He, Merode! Pferdeknecht hast du gesagt! Gust das war ich Aber du, was hilft es dich wann deine Mutt« grab' gegangen, du ab« hinkest! Was hilft es dich wann dein Bat« zwei Augen gehabt, du ab« bist blind? Was hilft es dich wann deine Eltern ehrlich sind gewest du aber nit? Wann du von den Eltern das Leben hast und nit das löbliche, so bist du ntt adelig! An deinem Adel klebt mchr Dreck als an den Hufen mein« Gäule. Ist mir eine sonderliche Ehr, d« Oberste von den Mwodebrübern zu sein!"
Der Oberst von M«ode, der schon vor Trunkenheit schielt, springt auf, daß sein Stuhl hinter ihm zur Erde poltert Gr packt einen vollen Bech« und wirft ihn nach Jans Kopf, fchtt ihn zwar, und d« Dech« knallt gegen die Waich
„Bastard! Wechselbalg! Don wem hat deine Mutter dich? Stchst ia in keinem Kirchenbuch!"
Jan taumelte einen Schritt zurück und riß den Draen aus her Scheide. I
„Du, Coujon, verunglimpfst meine Eltern!? Wart', dir ach' ich's auf dein Schandmaul!"
Ab« Oberst Merode hat auch gezogen und schwankt auf SA er stolpert und rutscht auf dem weinnassen Doden aus fallt m Jans Klinge. Mit einem dumpfen Röcheln sinkt er aufs Gesicht und bleibt liegen.
Das Fest ist aus.
- 3l^n ^>loh Kurfürst Maximilian von Daher» I
einen Waffenstillstand mit Frankreich. Der Generalissimus Graf |
„Der Kais« geht mir vor. Wein Leben tag hab' ich fein« guten Sach gedient und ich müßt' ein Hundsfott sein, verließ ich ‘6« tetzt. Tut, was Ihr wollt, Graf, ich tu' das Meine. WaS haltet Ihr von einem Soldaten, der seinen Posten verläßt und . Sem&e paktiert? Was gebührt dem Schlingel? Der
Dernhard von Weimar schickte den gefangenen Jan von 1 stritt! iln& an den nächsten Daum mit ihm. So hab' ich's immer
Werth nach Paris als Quittung für das Siegel aus Pserdemist. I Schalt«,.
Er wollte den Parisern ein Pläsir machen. Jan tobte und schlug ! „Werth!" sagte ernsthaft Geleen und hob beschwichtigend die
um sich, bis « sich bewußt wurde, daß et der kaiserliche Feld- I §5 , uw Desinnung in Ehren, ab« Ihr zeigt nicht bid
marfchall-Leuttiant von Werth war, und er fand sich mit seinem I Respekt.
Temperament und seiner rheinischen Leichtlebigkeit rasch in den I „Hol'mich der S--Hütt' ich bald gesagt! Kurfürst ob«
Wechsel des Geschickes. Die Pariser Hofgesellschaft, die zierlichen j ^metn« Reiter, die Ehr' ist ntt cm den Titel geknüpft. Mehr Damen und geschniegelten Herren, die ihn zuerst als Monstrum, I ist beim Kais«."
als Darbaren, als Schreckgespenst betrachteten, „qm a fait tremb- I .. San befahl seinen Regimentern den Marsch nach der böh-
ter le Cardinal et pleurer le roi de France“, fanden sehr bald j ""scheu Grenze, um sich dort mit den kaiserlichen Truppen rat Geschmack an dieser Fülle von Kraft, Leben und Dranfgänflertmn. I bereinigen. Er baute fest auf die Treue fein« Soldaten, aber Die vier Jahre französische Gefangenschaft waren Jans lustigste I J* wußte nichts von den 10000 Talern, die der Kurfürst auf Zelt. Sein Lame drang ins Volk, die Mütter machten die Kind« I "'en Kopf gesetzt hatte, wußte auch nichts von den 30 Tatern bange mit dem Buhmann Jean de Verth, es gab Schenken au | F*E leben Mann, wenn « stehen blieb, wo ent gerade war. Gr Jean de Verth mit seinem grellgemalten Bilde als Wirtshaus- j ?“e auch nicht, daß d« Kurfürst durch geheime Abgesandte schild. Da hatte er ein knallrotes Gesicht, schwarze Augen, so j feinen Offizieren Chargenerhöhung versprach Dis xu seiner groß wie ein Teller, und einen ellenlangen Schnauz bart. Man • <n,en»,amtef«n -------■ ■ --- -
drängte sich zu sein« Bekanntschaft, man überschüttete ihn mit Einladungen, man gab Feste zu seinen Ehren. Er imrrde Mode. Die H«ren trugen Schnurbärte ä la Jean de Verth, rauchten Pfeifen wie er und zechten mit ihm. Aber « soff sie alte unten den Tisch. Die vornehmen Pariser Damen machten sich ein pikantes Vergnügen daraus, den berühmten Aeitergeneral zu Rachmittagsgesellschaften zu laden. Da ftihlte er sich als Hahn im Korbe, spielte den Galanten, küßte duftende Hände und weiße Schultern, griff auch zur Laute und sang nut rauher Stimme derbe Soldatenlied«. Man verstand ihn zwar nicht, ab« man lachte und klatschte Beifall, wenn er fang:


