Lu fein. So zündeten die gelebten Ideen des Franziskus und setzten sich nach allen Seiten hin in begeisterte Nachfolge um.
Elend und schwach hatten die vielen Jahre unsteten Lebens, der Entbehrung und des innereren Feuers den ohnehin nicht starken Körper des Franziskus werden lassen. Immer schwerer zeigte sich sein Augenleiden. Dennoch ließ er Schmerz und Gebrechen nicht Herr über sich werden und blieb der Apostel der fröhlichen Liebe und des gottseligen Friedens, in Ehrfurcht von den Volksgenossen aller Klassen schwärmerisch umfangen. Dieser Mann, der in steter Gottgemeinschaft lebte und von Christi Le.iden und Schmerzen so innig durchströmt und durchschauert war, sie seelisch in höchster Verzückung immer wieder aufs neue so stark erlebte, daß das Wunder an ihm geschah, mit Christi Wund- und Nägelmalen sichtbar begnadet zu werden. In Scheu und in Demut versuchte er, dieses Zeichen inniger Verbundenheit den Menschen fern zu halten.
Nach Isjähriger rastloser Bußpredigt und aufopfernder Nächstenliebe starb Franz von Assisi am 3. Oktober 1226 aus einem kurzen Leben voll unerschöpflichen Segens; dieser allezeit fröhliche Apostel seines großen Gottes. Er starb in seiner Vaterstadt Assisi, dahin man ihn aus der einsamen Gebirgswildnis der Apenninen in den bischöflichen Palast bei Herannahen seines Endes gebracht hatte. Mit fröhlichen Lobgesängen und Gebeten der Liebe schied seine Seele aus dieser Welt.
Es hätte nicht erst der Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. im Jahre 1228 bedurst, Franz van Assisi blieb nicht nur seiner Zeit ein helles Licht. Nein, über Jahrhunderte hinweg bei allem Wandel der Tage ist er auch uns Menschen von heute ohne Unterschied des Bekenntnisses in seinen vorbildlichen Haupteigenschaften ein begeisterter Jünger Jesu und der Apostel des Friedens geblieben, geliebt und bewundert bis auf den heutigen Tag.
Die Feuerunke.
Eine Franziskus-Legende.
Von Carl Ferdinands
Zu der Zeit, als der Spielmann Gottes, der selige Franziskus, in schmerzhafte Krankheit verfallen war und sein Ende heran- nahen fühlte, machte er sich mit drei jüngeren Brüdern nach dem Berge Alvernus auf, der, von dnnkelen Wäldern beschattet, von wilden duftenden Blumen umsponnen, von bewegten Quellen überströmt, seiner Sehnsucht nach Einsamkeit in Gott gerade das richtige Genügen war.
Seine drei Begleiter hieß er am Fuße des Berges, wo in Wiesenmatten hier und da kleine Heuscheuern aus früherer Zeit standen, in einer solchen ihre Wohnung ausschlagen, er selbst ober trennte sich von ihnen und stieg höher, wo sich der Wald schon lichtete und Felsen zwischen Blütenrasen hervorschauten. Da wußte er ein altes Gemäuer, zur Einsiedelei geeignet, und beschloß, darin auf Gott zu warten.
Da es nun Abend wurde und der Sinn des Heiligen zwischen den Sternen wandelte, erhob sich aus den warmen Steinen des Gemäuers die leise klagende, glockenreine Stimme einer Feuerunke, die da regelmäßig wie eine Uhr ihren Ruf erklingen ließ. Und Franziskus, durch den nachdrücklichen Laut aus feinen Betrachtungen aufgestört, verwies der Unke ihren Gesang und bat sie, zu schweigen, bis er sein Gebet vollendet habe.
Aber unbeirrt von dieser Rede fuhr das Tierlein in der Mauer- spalte fort zu sprechen und sagte sein „Tiit, Tiit, Tut!"
Durch den Klang, der in der tiefen Stille doppelt scharf ertönte, aus seinen Himmeln auf die Erde gezogen, beschwor der kranke Spielmann das Wesen noch einmal bei der Liebe Gottes; aber der Unk gehorchte nicht, ließ sich nicht beirren und fuhr fort „tüt, tüt, tüt!" zu sagen.
Da erinnerte sich der Heilige des Gebotes der Demut und sprach zu sich: „Diese Stimme sendet mir der Herr, um mir zu bedeuten, daß ich nicht eitel sein soll und glauben, daß ich die Tiere des Waldes und die Vögel des Himmels beherrschen könne. Und da sie nicht zuläßt, daß ich in die Stille mich versenke, so will ich mit ihr den Herrn preisen!"
Wenn nun die Feuerunke „tüt" sagte, so brachte der Heilige als Antwort „Erbarme dich unser!", und sagte das Tierlein zum anderenmal „tüt", so fiel Franziskus mit „Bitt für uns!" ein. Aber kaum hatte die Litanei begonnen, da schwieg die Unke beharrlich, als ob ihr das christliche Zwiegespräch unwert sei. „Siehe," ermahnte da der Heilige sich selbst, als er vergeblich wartete, „auch Geduld lerne ich durch Gottes Güte an dieser Kreatur!"
Kaum ober hotte er sich wieder, da es nun stille war, in die Betrachtung der Herrlichkeit des Himmels versenkt, da begann die Feuerunke wieder lauter denn oben ihr unermüdliches „tüt, tüt, tüt!"
Da schlug der Spielmann des Herrn seine Hände über den Augen zusammen; der Ruf des Tieres in den Steinen, die große Einsamkeit des nächtlichen Berges, das Schweigen der Wipfel und Felskanten, das schleichendleise Rieseln der Bäche umklammerte leine Seele mit Kleinmut, es war ihm, als ob die Feuerunke seinen Frieden durch ein dauernd unterbrochenes, höhnisches Gelächter vernichten wollte. Do betete er, betete in diese Rocht hinauf, mit erhobenen Armen, mit Worten, die wie Stichflammen aus der nacht- dunklen 'JJlauer nach den Sternen wehten.
Und fast erschreckt hielt er inne und horchte auf di« Stimme des Unten. Der rief nicht mehr sein „Tüt, tüt", sondern nun {lang sein Gesang laut und hallend „Gott, Gott, Gott!" und noch ein- inal „Gott, Gott, Gott!" herzhaft und schmeichelnd, wie der Ton der Geige eines ritterlichen Sängers, und wieder „Gott, Gott, Gott!", weit über die große Einsamkeit des nächtlichen Berges hin, über das Schweigen der Wipfel und Felsenkanten, über das Riefeln der Bäche und das Aneinanderrascheln der Grashalme und Blumenblätter, weit ins Land hinaus wie die Glocken der Portiumkula, wenn sie den Triumpf der Demut, Geduld und Liebe preist.
Und während die Feuerunke ihr andächtiges „Gott, Gott, Gott" rief, mischte Sanktus Franziskus, befreit von der Beklemmung des Alleinseins, feine Stimme in den Gesang des Tieres und der dun- kelen Natur, und sprach es aus, was sein Herz empfand: „Magni- ficat anima mea dominum, meine Seele lobpreist den Herrn!"
Helium aus Wasserstoff?
Von Professor Dr. Weilburg.
Der elektrische Strom, der heutzutage unfern Millionenstädten Licht spendet, unsere Bahnen treibt und tausend anderen Zwecken dient, ist bekanntlich erstmalig in einer Größenordnung beobachtet worden, die gerade hinreichte, den Schenkel eines frisch getöteten Frosches zum Zucken zu bringen. Daran soll man immer denken, wenn einem die Größen, in denen das Neue auftritt, gar zu geringfügig erscheinen. Der Versuch, von dem wir berichten wollen, arbeitet allerdings mit Mengen, deren Winzigkeit selbst in der gegenwärtigen Physik wohl ihresgleichen sucht; handelt es sich dabei doch um Mengen, die nach Milliardsteln eines Milligramms oder um Milliontel eines Kubikmillimeters zählen. Aber darauf kommt es nicht an, wenn wirklich etwas Neues geschaffen worden ist, und das scheint in der Tat der Fall zu sein.
Zwei deutsche Gelehrte, Professor Paneth und Dr. Peters, veröffentlichen in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft, daß ihnen im oben erwähnten, der Menge nach geringfügigem Umfang die Verwandlung des Wasserstoffs in Helium geglückt sei. Um die ungeheure Bedeutung einer solchen Verwandlung einzusehen, müssen wir zunächst bedenken, daß sowohl dos Wasserstoffatom als auch das Heliumatom in der gegenwärtigen Atomtheorie eine ganz besondere Rolle spielen. Das Wasserstoffatom oder vielmehr sein Kern — denn das ganze Atom besteht aus einem Kern und einem umlaufenden Elektron — ist deshalb so wichtig, weil dieser Kern der leichteste aller Atomkerne ist, so daß er also selbst nicht aus anderen Kernen bestehen kann. Der Kern des Heliumatoms steht jedoch dem Wasserstosfkern an Wichtigkeit kaum nach. Auch er ist ein ungemein häufig vorkommender Bestandteil anderer Atome; dies ergibt sich schon daraus, daß es gerade der Heliumkern ist, der bei freiwilligem Atomzerfall als Atombestandteil auftritt, so in den sogenannten Alphastrahlen der radioaktiven Erscheinungen. Daß der Heliumkern ein weitverbreiteter Bestandteil anderer Atome ist, muß auch schon daraus geschlossen werden, daß eine verhältnismäßig große Zahl von Atomen ein ganzzahliges Atomgewicht hat, z. B. der Kohlenstoff das Atomgewicht 12, Stickstoff das Atomgewicht 14. Würde der Wasserstoffkern die Hauptrolle bei ihrem Aufbau spielen, so wäre dies unverständlich, denn das Gewicht des Wasserstoffatoid« beträgt 1,008, während das des Heliums genau gleich 4 ist. Ist nun aber Helium ein Bestandteil anderer Atome, so entsteht sofort die Frage, ob es ein Urbestandteil ist oder seinerseits aus anderen Bausteinen besteht, als welche jedoch nur Elektronen und Wasserstoffkerne in Betracht kommen können, denn alle anderen Atome oder Atombruchteile sind schwerer. Daraus ergibt sich also die Frage nach dem Verhältnis des Wasserstoffkerns zum Heliumkern. Entstehen die Heliumkerne aus Wasserstoffkernen, wie dies Paneth und Peters behaupten, so kann daran, daß Wasserstoffkerne und Elektronen die letzten Bestandteile alles Stoffs sind, kein Zweifel mehr bestehen. Das Rätsel des Stoffs, dessen Lösung bisher schon sozusagen in der Luft lag, wäre endgültig gelöst.
Wie aus unseren bisherigen Betrachtungen hervorgeht, wiegen vier Wasserstoffatome nicht genau so viel wie ein Heüumatorn, sondern nicht unwesentlich mehr. Schon seit langem haben die Physiker daraus den Schluß gezogen, daß der Gewichtsverlust, den Helium dem Wasserstoff gegenüber aufweist, auf Energieverluft zurückzuführen sei, denn Energie und Masse gilt der heutigen Physik als gleichwertig. Von dieser Anschauung gingen auch Paneth und Peters aus. Sie schlossen, daß, wenn Helium bei seiner Bildung aus Wasserstoff Energie verliere, auch keine Energiezusuhr für diesen Vorgang nötig sei; sie arbeiteten demnach bei ganz gewöhnlicher Zimmertemperatur, ließen also die Bildung des Heliums aus Wasserstoff im wesentlichen ganz selbsttätig sich vollziehen und beschleunigten sie nur durch sogenannte katalytische Wirkung. Hierunter- versteht der Chemiker, daß ein Stoff durch seine bloße Anwesenheit die Bildung einer chemischen Verbindung, die sonst nur mit unmerklicher Geschwindigkeit — praktisch also gar nicht — vor sich geht, so sehr beschleunigt, daß sie sichtbar wird. Als ein solcher Katalysator diente im vorliegenden Fall seinver- teiltes Palladium, ein dem Platin ähnliches Metall, durch dessen Anwesenheit sich aus vorher völlig reinem Wasserstoff im Verlause eines Tages oder selbst einiger Stunden merkliche Mengen Helium bildeten. In einem Fall gelang es, ein zehntausendstel bis ein hunderttausendstel Kubikmillimeter Helium in einem Tag zu entwickeln. Auch mit anderen Katalysatoren, z. B. mit Platinasbest oder auch ganz fein verteiltem Nickelpulver, gelang die Bildung von Helium.


