Ausgabe 
24.12.1925
 
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21 fe sie etaxw^te, uxir das Jesuskind geboren. Es lag zu ihren Füßen unb sah sie mit großen blauen Augen an. teuf feiner Stirn aber faß der kleine, rote, fchwarzpwcktierte Käfer, der vorhin den Strohhalm auf- und abgelaufen war unb dann davongeflogen war. Auf seinen jetzt geschlossenen Flügeldecken malten sich die sieben schwarzen Punkte deutlich als ein schwarzes Kreuz ab.

Als Mari» das schwarze Kreuz sah, erschrak sie sehr Sie »atjin das Jesuskind zu sich empor, Tränen tropften aus ihren Augen auf feine Stirn, gerade auf den kleinen roten Käser mit c^m 'chwar.zen Kreuz, der in ihren Tränen ertrank.

Mariens WeihnachLsgewand.

Don Fritz Wilhelm Schönf.eld.

Wer Hütte nicht allzeit feierliche Dinge über Jesu Müttetilei« zu lagen gewußt'

Meine immer neue Geschichte faiwi drei- aber auch fünf­hundert Jahre alt sein.

3« Hallerbrunsheim schufen sie der lieblichen Mutter wieder einmal das Wcihnachtsileid: diesmal in der Farbe der Wachs- bliite selber, wie sie sich im Frühling als wahrer Himmelsspregel felderweise unter den Äpfelblüten und zwischen den RapSfeltern hinjtreüt, die immer so glücklich gelb brennen.

-Sie Erntearbeiten waren lauge zur Ruhe gebracht, denn die allerletzten Rächte vor dem heiligen Feste dunkelten hin. Das Getier genoß brüderliche Siebe von den Menschen. Wurst und Fleisch hingen lecker zuhauf. Und Qltagbfetn unb Burschen ge­dachten, nichts weiter noch zu tun, als die duftigen Stollen in den Oefeit zu bewachen, die Rosinen für die Dallsäcke zu schwem- men und den Honig zu keltern, der süß über die Misse fließen sollte.

In dem kleinen Armensaal der Gemeinde aber war nach altem Brauche der Webstuhl mitten in den Raum gesetzt, auf Einer Kanzel mit mehreren Stufen, Von Flittergold umhangen, als flatterten Siegesfahnen, und Bändchen hingen daran, genau so viel, wie es verschiedene Farbtöne gibt. Bon der Decke herab tropfte der Bethlehemstern rn das grüne Geäst der rings gestellten Taimenbüumchen.

Jedermann, ob MÄmle'm, ob Weiblein, Kind oder Greis, ßaiG an dieser Kanzel vorbei zu geben, dabei aber unbedingt iclb>t hinaufzuklettern und einige gäben an dem Stoff fortzu- spinne-n, der für der gütigen Mutter blaues Gewand bestimmt war. Aus daß man- stolz und froh jubeln konnte: Zllle wirkten baran!

Wie der Bolts m und nun aber ist: Mit dem Brauch hatten die bösen, verdächtigenden Zungen im Saufe der Zeiten die Prü­fung verbunden: Bei toem das Fädlein reiße, der fei ein uns rein, ein unwahrhaftig Menschenkind, das eine Schuld rmeinge- itanten trüge; das sich schämen müsse, am Marien kleide mit- zuweben.

Jlsebill Holbert an. des steinarmen Schäfers keusches, zu großer Schönheit aufgeblühtes einziges Kind hätte vor Schmerz und Schreck fast auf der Kanzel fierten mögen, denn ihr war vor dieser glücklich erwarteten Weihnacht der Faden geriffelt. Und g«menvoll sah sie rings tun sich her die Zeigefinger, obwohl alle, die es erfuhren, viel zu feige waren, die Verdächtigung g«ado heraus zu sagen. Alles duckte sich und Mich schnell, tuschelnd, beifeit, damit fix das Gerücht sich auch ja bis m die letzte Hütte verbreitete. Gerüchte zerfließen schneller als ein Geruch und lassen auf den Dingen ihren Hauch Wunen. Wie üble Fahne».

. Dabei haite Jlsebill Holterlan wahrlich so es war zur Zeit der Hopfenreife gewesen) nichts weiter getan, als froh geteilte!, «w s'ch eines jungen Mcames sichere Hand um die Hre faltete, »ie sich eine RuhsHake schützend mid immer härter um den süßer und reifer werdenden Kern krümmen mag.

Roch nicht einmal zu ebnerSerübrwtg te,f Appen hatte -HF geführt. Und der junge Valentin Emsbüiiel hätte es sich vielleicht auch noch ein Weitcheii überlegt, ob er an Aebe glauben w"e oder nur an eines Gefühls kleinen glücklichen Rausch

Da ater schlug das dumme Webschiffchen, das beliebte, gerate in dem Augenblick, da Jtfebill die Kanzel betreten hatte. ba8 Fädlein zu kappen, wie ein Geschoß in den Stillstand der leicht pochenden Herzen. Valentin stürzte zu Jlsebill und zupfte ihr sörmlich die Küsse von den halb weinend, halb lachend be­wegten Lippen:Du eine Sünderin!? Rein, und tausendmal nein! Run steh ich bei dir, und ich denke, du bist darüber froh!"

Jlsebill lieh ihr Herzlein gerne ganz laut schlagen, aber >ie wußte doch:Dein Vater jagt mich davon. Du und ich er wird es nie teilten."

Gerade deshalb ging der Sohn zu dem Vafer:Es hätte sonst wohl noch eine Zeit gedauert, aber so, weil sie die Jlsebill eine Dirn nennen: Wir wollen uns haben und nimmer lassen."

Der gar nicht reiche, ater bitter ehrgeizige Hafnerbauer brüllte auf:Das weiht du: ich hafte nichts von der ganzen Kleidweterei. Und ob dies dreiste Ding Dirn oder Gngletn ist, du nimmst sie nicht! Ich will, daß du dn großer, reicher Dauer oder ein gescheiter Herr drinnen in der Stadt wertest. Und ich verstoße dich, so du das Rlädchen freist."

Sieh sie dir doch nur ein einziges Mal anJ

.. -Wett sie dich gelockt hat. auS meinem Willen gezogen, ist llt "Jlr Irlich, und ich sage: sie ist häßlich chie ein

Da schied ter Sohn mrd ließ auch das Mütterlein weinend bn'ter den FensteÄaten, hangete seinem Weite an und tourte toegabfettS L-agelohner auf einem ganz verborgenen Gut Das war an Monat ter ganz jungen Häsle'm.

Da gescheh es im teiftblutenten Rosenmond, daß Valentin t>o"ber Rach richt niedergeschlagen tourte: Deine Mutter liegt im Sterten, im Heimatdorf--

@r traf sie nicht mehr lebend an, und um ihre Lippen teile ter ^ob die Worte nicht toegwischen können: Männertrotz mordet ttcte imd Mutterherzen.----Valentin bezog den Vorwurf

auch auf sich Als die Leiche nicht mehr aus ter Diele stand, mußten sich wieder die Zungenschwerter. Der Vater hielt daran fest:Du hast meine Pläne mit dir zunichte gemacht. Du haft

E^ eiiie Schlang« imt giftigem Herzen gehängt." Der Sohn bat:Ich suchte nur meines Wesens ausgleichende Kräfte." Der Miter schrie:Du solltest einmal ter Erste fein! Der Baker tat keinen Schritt m des Sohnes bescheidenes Heim.

nunCl" Valentin begannen sich irrtesfen immer schreckhafter die A,lter^ zu Haufen: Auch mein Vater kmm hinscheiten. .Und ich vrn mcht genug zu ihm gegangen, um um ihn zu werben. --

A", einer Rächt wachte er ächsend auf: Er hatte träumend SvL Ä altemdM Körper feines Vaters gerungen.

teiten Gestalten hatten sich die Lust auS den Rippen gepreßt.

,ver Stärkere geblieben. Gr hatte den Sohn wie Laub abgeschuttelt.

Er stotterte am Morgen seinem Weibe ins Ohr, temi er Ju<^ .. ^^tigen (toieter hingen die Hopfentrauben gelb über die Busche):Leben heißt Haut abbosseln. Vorsichtig. Immer nur an den Stellen, da sie reif zu fällen ist. Sonst blutet ^5.LeA Wann steht ter Bildstock klar da?" - Jlsebill weinte feil.Vielleicht, wenn das Kindlein da fein wird." Schließlich gingen die heiligen Vorweihnachten wieder über den Schnee 3«ten Tag komtte ter erste Kindschr« durch die Hütte fahren wie ein Glockenton!

nr Da steckte sich Valentin hinter die Freunte seines Vaters.

.o'.eser war von einer erschütternden Unruhe geplagt, daß die Weipnachton einsam fein sollten, und schrecklicher war ihm Mrwahr ter Gedanke, daß die andern einsam wären, nicht er! ©rpatte noch immer nicht die jungen Leute gesucht. Jeden ange» )5>rien, der ihm den Weg zeigen wollte. Sich die Ohren verhalten. Besuch verbeten. -

'f^eeunte schufen sich das alle bunte Dreikönigsspiel: aoltene Krone, Myrrhengefätze und hoher Fn^SL®t°6, schweren Königsgenxlnver bedeckten bte Schns- fellioppen ter Mämder, uyd ihre Gessichter waren verstellt, mir auc& die Sprache. Der Mohr flirrte an ter Tür des einsamen StSS8' auf, du verstockter Znimewicht! Heber

tee @tbe geht i-tc 'WeihnachtEarheit. Du sollst zur Krippe wallen. <yoige!

Der alte Mann, halb zitternd, was da für ein zufällig ent» gegeitfontmenteg Gluck im Spiele feilt möchte, das ihm ersparte, ten erstM Schntt zu tun; halb sich gegen bie Allotria weh reich, Me man vu-lleicyi mit ihm vorhatte, begann mit den drei Königen terch ten Schnee zu stapfen, und ter Flvckenfall verhing die Blicke. Leonhard Gnisbüttel wußte nicht, wohin es ging. ®r fing stch ®n M wehren. Da ater fuhren die ganz irdischen Schasfell- ännel nut Fausten unter ten Königsgewäntern hervor und von in Isstue Rippen. Es knuffte ihn von rechts und links: Wo du eine Strophe ntitgefungeh hast, die schönste kommt erst« Vorwärts jetzt!"

Inzwischen war in dem Oertchen Valentins und Jlsebills Ungeheuerliches geschehen. Es war ja die Lust so leuchtend voll des Weihnachtssegens. Es brannte ja ter Schnee lichterloh Auf­forderung zu Güte, Verstehen und Verzeihen! Echter Warienglcmz

Am Rachmittag to.ar teil ter Hütts, die terit Häuschen, in tem Valentin wohnte, gegenüber lag, plötzlich ein Seines Engel- Knd mit silberner Krone und rundem, weißem Pummelmäntelchen quer über die Straße durch ten Schnee getrippelt, so daß die Spur davon wie Vecherlein sich reihte, und hatte bei Jlsebill ein Paket abgegeben, an dem ein Zettelchen hing, wohl mit Hilfe des Pfarrers verfaßt und auch mir so deutbar-Wir taten dir weh. Vielleicht raubte es dir doch das Vaterherz---Hinter Den

Fenstern ter Hütte drängten sich Mädchengefichter.

In dem Paket war ein blaues Gewand, wie es im Borjahr zuhans die Muttergottes bekommen hatte, und dazu zarte Wintel- chen und ein goldener Stern.

Jlsebill trat schon darüber freudig weinend an die Wiege ihres Kindes. ÜJalentin aber stürzte in ten Schuppen hinaus und chleppte die alte Futterkrippe, die da tot Herumstand und die ihm blitzschnell erst beim Anblick des Kleides eingefallen war, in ten Raum:Sie können jeden Augenblick kommen!"

Dann krönte er sein Weibsein mit ter Gngelsspente. Er hüllte es in das feine blaue Gewand. Und sich selber fniete er glückselig vor das Kripplein, in tem fein Kind still weiter schlief. Seine ganze schlichte Bauernsreude schwelgte in seinem Tun.

Da donnerten auch schon die Stiefelkloben auf dem Gang.

Den drei heiligen Königen purzelten beinahe die Kronen und auch die weißen Bärte von ten Köpfen, fv heftig fuhren sie ich daran. Wo waren sie nur!? Das war ja Spick! Sie waren