Ausgabe 
21.4.1925
 
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5k Villa und die Möbel ohne Ausnahme getourt «uf Grund aÄetzmäßigen Kontrakts. und ich habe die Summe rn bte Staacs- taffe ungezählt. Dir Gegenstände aus Ihrer Lrste machrn em Drittel der Gesamtsumme aus, die ich für dm Möbel bezahit habe. -Uebrigens finden sich auf der Liste Dmge aufgefuhrt, vre ich niemals erhalten habe. Ich bin ein guter Arbeiter, prächtig in meiner Armut, und das. was Sie «rreme Großmut nennen, hat leider Grenzen. Deshalb sehe ich mich genötigt me-.n Angebot einzufchranken. umsomehr, als ich während der Arbeit andem Haufe verschiedene Gegenstände auf sme ftabtte nnd.nrWulnge Meise angebracht habe. Ich beklage, daß Ihr besuch, wie rch bereits das letztemal sagte, zu spät kam.

7 Juli 1922 Gabriele d'Annunzio.

Die Bestimmung von 1922 lautete dahin, daß deutsche Unter­tanen ihre Möbel ausgetiefert bekommen sollten. Von der Behörde in Gardone ward Frau Thode auf gefordert, eme Liste einzusenden, worauf sie alles zurückbekommen sollte. Sw sandte die Liste ein. Andere Deutsche bekamen ihr Eigentum zuruck: sie nicht. Die Behörden erKStten:D'Annunzio Hat si« geweigert. Man riet ihr. an seine Großmut zu appelsieren. Das tat sie. Man sieht, seine Großmut hatte leider Grenzen!

Da sie nun weder etwas hörte noch etwas bekam, sandte sie einen Vertrauensmann zu ihm. Dieser wurde wiederholte! Male abgewiesen. Endlich brachte er ein von d'Annunzw ge­schriebenes Dokument! Wenn das Frau DHode nicht unterschriebe, wäre alles aus und nichts zu erreichen, yn dem Dokumewe stand: Ich erkläre hierdurch, daß ich durch d'Annunzios Gnade (y folgende Gegenstände erhalten habe, die er zusammei^mit dem übrigen Inventar der Billa von der italienischen Regierung gekauft hak , . . ,

Eine Liste von ungefähr 20 Gegenständen war bmgelegt.

Aach schmerzlichen Aeberlegungen unterschrieb die arme Frau Hertha. Auf der Liste standen ja jedenfalls alleManuskripte Frau Thode war nicht bloß Henry Thodes Srau, sondern auch feine geistige Mitarbeiterin und Freundin. Sie war mit allem vertraut, was er geschrieben hatte, und mit den Vorarbeiten zu einem großen neuen Werke. Sie wußte, was sich in seinem Schreibtische und in den Schränken befand. Die Gegenstäudo wurden an d'Annunzios Tür von einer Dame artsgeliefert. Der Bote war genötigt, einen Handwagen zu leihen, um die Sachen sortzubringen. Als Frau Thode sie empfing und öffnete, waren glücklicherweise Zeugen zugegen, die zornbebend waren über die unwürdige und beschämende Weise, wie alles zufammengepoltert war. Der Koffer, in dem zufolge der Liste alleManuskripte' sein sollten, war zunr größten Teile mit alten Rechnungen uird wertlosen Papierlappen ungefüllt. Zuoberst in dein Koffer, der eigentlich so aussah, als ob mau einen Papierkorb darin aus­geleert hätte, lag ein zerbrochener Regenschirm, ein flachgedrückter Hut und des Dieners von Würmern zerfressene Livre. Von einem Briefpakets, aus das Henry Thode eigenhändig geschrieben hatte: Aach meinem Tode ungelesen zu verbrennen war der Um­schlag abgerissen und der Inhalt umhergestreut.

Wo waren die Tagebücher? Wo war die intime Briefsamm­lung? @in Bild von Henry Thode lag in dem Koffer aus dem kostbaren Rahmen herausgeriffen--

Daß d'Annunzio trotz allem nicht ganz wohl zumute war, daraus deutete folgender Bries hin:

Ich war im Begriff, an Sie zu schreiben, als ich Ihren liebenswürdigen, auf italienisch geschriebenen und deshalb doppelt willkommenen Bries erhielt. In Dänemark wird der abscheuliche Feldzug gegen mich, auf eine offenbare Lüge gegründet, fort­gesetzt. Ihr großen Dichter Johannes Jörgensen, der sich gegen­wärtig in Afflsi aufhält, nennt ihnabscheulich", und Sie haben nicht gesunden, daß es Ihre offenbare Pflicht war, nur durch ein einziges offenes Wort, die Ungerechtigkeit zu verhindern, die mir zugesügt wird? Alle Briefe und Manuskripte Henry Thodes standen seit Oktober 1921 (?) zu Ihrer Verfügung. Das habe ich zu dem Zwangsderwalter und dem Vertreter der Re­gierung -gesagt. Ich habe niemals den Koffer oder die Kiste geöffnet. Maar konnte sich nicht korrekter und brüderlicher (!) verhalten. Äebrigens mache ich Ihnen den Vorschlag, Ihnen bald in betreff der Gemälde einen großen Dienst zu erweisen. And ich hoffe. lHnen das Bild zurückgeben zu können, das Rembrandt zugeschrieben wird, und in jedem Falle Ihnen einen Teil der bedeutenden Summe ausbezahlen zu lassen, die ich an die Staatskasse bezahlt habe. Aber wie farm ich mit aufrichtigem Herzen versuchen, Ihnen zu helfen, wenn Sie nicht ehrlich den Versuch machen, die Aiederträchtigkeit zu lindern, die mich nicht berührt, die aber von den Italienern in Kopenhagen schmerzlich empfunden wird. Sie könnten gleich an Jörgensen in Assisi telephonieren, indem Sie ihn über meine brüderliche Hand­lungsweise Ihnen gegenüber aufklären. Wenn Sie wollen, können Sie mir dm Text geben, und ich werde es für Sie schicken. Sonst wird es mir zu schwierig fein, die Hand nach einer Hand auszustrecken, die ungerechte Steine auf mich wirst. Empfangen Sie meine herzlichsten Grüße und Wünsche.

21. Lult 1922. Gabriels d'Annunzio.

Acht Tage darauf folgte wieder ein Brief:

Das Mißverständnis ist nicht gehobm. Sch habe das Aus­sehen. als wäre ich -Usurpator von Gütern, die denen gehövM, die auf so rohe Weise Friaul und Venetien zerstört haben Während ich der rechtmäßige Besitzer bin, da ich die konfiszierte Villa unter sehr harten Bedingungen von der italienischen Re­gierung gekauft habe.

Versuchen Sie das Ihren Landsleuten begreiflich zu machen und sagen Sie ihnen, daß ich mich wahrhaftig nicht zu fo etwas herabwürdige. Herzliche Grüße und aufrichtige Wünsche.

28. Juli 1922. Gabriele d'Annunzio,

Aach Verlauf einer Woche folgt noch ein Brief:

Monatelang habe ich mich mit der Geduld eines Franzis­kaners beleidigen lassen. Ich glaube, daß die Zweideutigkeit jetzt ein Ende haben muh. Die Kämpfenden Haben eingeschen, daß sich meine Geduld in unerbittlich- Energie verwandelt hat. Jeder gegen mich gerichtete Feldzug ist von vornherein zum Tode ver­urteilt!!! Sn dieser ganze« Sache bin ich ohne Fleck. Sie wissen das. Sch finde, es wäre Ihre Pflicht gewesen, das Ihrem Volke zu erklären. Ich lasse mir nicht Trotz bieten: aber übrigens bestätige ich hierdurch, was ich einmal früher geschrieben in bezug auf das Versprechen, Ihnen einen Dienst zu erweisen. Die Folgen des Krieges sind grausam, wie der Krieg selbst grausam ist. Aber ich habe mich als übermenschlich erwiesen, und ich werde mich ferner als solcher erweisen (!!!). Reisen Sie mit einem ruhigen und aufrichtigen Herzen.

6. August 1922. Gabriele d'Annunzio."

Frau Hertha hat niemals das versprochene Rembrandtbild bekommen, das ja eine ungeheure Summe repräsentierte, puch nicht die ihr von d'Annunzio mündlich verfprochenen Bilder von Thoma. Diese letzten hat derunbefleckte" Dichter schon vor Jahr und Tag auf einer Auktion in Mailand für ungMhr 300000 Lire verkaufen lassen.---

Im Jahre 1918 ward von der Zwangsverwaltung der italie­nischen Regierung in Gegenwart von Zeugen eine Liste über das Inventar der Villa Cargnacco aufgenommen. .Unter anderem fand sich da eine versiegelte Kiste. In der Inventarliste steht: Diele Kiste bekommt Är. 4(7 und wird auf der Bank in Salo niedergelegt. Die Kiste enthielt eine Menge sehr wertvoller Gold- und Dilbersachen, Juwelen und Schmuckfachrn. linier anderem ein von Benvenuto Eellini ausgeführtes Medaillon.

Kaum hatte sich d'Annunzio in der Billa festgesetzt, so ließ er die Kiste durch einen Boten holen. Von ihrem Inhalt erhielt Frau Thode folgendes: Ein Petschaft, eine goldene Uhr und einen Briefbeschwerer.

Und derübermenschliche" Dichter nennt sich beständigun­befleckt". Während Frau Thode von den Ufern des Gardasees verzweifelt hinüberstarrte nach ihreni verlorenen Paradies, glitten Boote vorbei, die vor der Villa Eargnacco die Ruder emzoge-i und riefen:Evvive d'Amniuzio!", und Flieger kreisten über der Vifla und bestreuten das Haus mit Blumen

Es würde interessant sein, zu wissen, ob der große Gentleman, Fürst d'Annunzio, dasselbe einem Manne gegenüber gewagt haben würde, was er so furchtlos und in seiner Unschuld sich Frau Thode gegenüber erlaubte. ES gibt, wie wir wissen, für Herrn d'AnnunziosGroßmut" Grenzen. Aber es wäre wohl auch denkbar, daß ein Mann mit ihm die Geduld verlöre und durch eine Tracht Prügel zeigte, wofür er den Gentleman d'An- nunzio hält. (D'Annunzio geborenen Rappaport.) Eine Srau ist schutzlos. Es wundert mich nur als Frau und Künstlerin, daß nicht sämtliche Künstler in Europa und Amerika d'Annunzio durch einen derartigen Protest gebrandmarkt haben, daß er sich öfsent- lich ohne Schleier nicht zu zeigen wagt. Und ich frage hinaus in die Welt:Gibt es deml nicht einen Mann, der d'Annunzrv zur Rechenschaft ziehen will?

Er kann aus dieses Schreiben antworten. was er will. Die Tatsachen stehen fest: Mit Wissen -hat er Frau Thode alles dessen beraubt, was sie besah. Er ist in ihre Billa eingebrochen. hat sich ungesetzlich darin festgesetzt. Hat Schreibtisch, und Schränke mit Gewalt aufbrechen lassen. Hat intime Briese aus ihrem .Umschlag gerissen. Hat sich Manuskripte angeeignet, die für bte Aachwelt unersetzlich sind. Hat Henry ThodeS Tagebücher be­halten. Hat Wertsachen holen lassen, die auf der Bank aufbe­wahrt waren. Hat trotz seines Versprechens das 'Bild von Rembrandt zurückbehalten. Hat Henry Thodes kostbare Thvmasche Bilder versteigern lassen. Und dabei hat er sichbrüderlich . korrekt",unbefleckt" undübermenschlich" genannt.---

Und wenn nun d'Annunzio seinen hohen Zorn gegen mich richtet, so bin ich bereit! und ich erttäre hiermit, was ich geschrieben habe, Habe ich für eigene Rechnung geschrieben und ohne Aufforderung von Frau Hertha Thode Aur habe ich natürlich das Material entliehen, um die Bri^e in ihrem Wortlaute wiedergeben zu können. Es wird mir sehr lieb sein, wenn große und kleine Lagesblatter aus beiden Seite« des Atlantischen Ozeans diesen Bericht ganz oder teilweise ab- drucken werden.

T h urä bei Svendborg in Dänemark.

Karin MichasliH

Schriflleittmg: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Diest«.