Ausgabe 
20.1.1925
 
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Die Besucher des Parkes scheinen mir auch andere geworden zu sein als früher. Hier wie in der Stadt hat die Zahl der mehr vdel- weniger dunkelgesärbten Reger unglaublich zugenom­men. Während noch vor 30 Jahren diese dunklen Kinder des Südens recht wenig vertreten und ungern geduldet waren, habe ich jetzt gesehen, dah zeitweise mehr als ein Mertel der ober- und unterirdischen Bahnen Richtweihe waren. In man­chen Straßen. namentlich von der 125. Straße an, überwiegen s^ar die Reger und besitzen ganze Strahenviertel. Sie unter­scheiden sich in ihrer Kleidung, namentlich die Frauen und jungen RWdchen, kaum von den ihnen gleichstehenden Weihen, denn sie sind längst nicht mehr nur in untergeordneten, dienen- den Stellungen beschäftigt, sondern werden auch in höheren Stellen als brauchbare Mitarbeiter geschätzt.

Solange man in den Süüstaaten die Ankömmlinge der ehe- mcurgen Sklaven nicht viel besser als ihre Großeltern behandelt und trotz ihrer versassungsmähig garantierten Rechte nicht als gleichberechtigt ansieht, wird der Zustrom in die Rordstaaten, namentlich nach Reuyvrk, wohl nicht nachlassen.

Berlin galt einst als die besterleuchtete Großstadt der Welt letzt ist Reuyork in feinen Berkehrsstrahen geradezu eine Licht­stadt geworden und überstrahlt mit seinen Millionen von Glüh­lampen. mit seinen buntfarbigen Lichtreklamen in weiten Teilen des Broadway und der grohen Avenues alles je Dagewesene. Mlst zu viel des Guten ist in der sogenannten Theatecstadt ge- schehen, wo ,edes Theater, jeder Kinopalast, jedes Hotel, jedes Restaurant bis in die Himmelshöhen der Wolkenkratzer hinauf durch ewig wechselnde rote, grüne, blaue Lämpchen die Menscheir- massen zum Besuch oder zum Kauf einladen. Man möchte ob ®etL des Lichtes die Äugen schließen und kann sich doch nicht von dem großartigen Bilde trennen.

nw?? standen aber noch, und auf ihren schwarzgeteerten Balken hockten die Kormorans und Taucher und reckten di« ^lse, gingen zu Wasser und schwammen und tauchten ab, als der

Pedro vorbeidampste und dieGloria" folgte. Me Glor.a hatte keinen grohen Tiefgang, und wenn sie glatt u>^r die Barre kam, so dampfte sie auch ohne Schurren und Schrammen in ben Binnenhafen. Vorsichtig hielt Baukha^ Kurs

E>en ^oten Doien und den schwarzen Baken vorbei

~ QHo^ir%r^".Ceu^ttunn zusammenschietzt?" überlegte Daukhage.Die Flibustier taten das sicher."

Wer Kapitän Moreira dampfte vorbei, ohne einen Schutz 8 tun. Auch die Paternosterwerke der Daggerkompagnie, die Hauser m den Dunen und die Signalstation blieben unbefchossen Rur die Sirene des Kriegsschiffs heulte und meldete fuh im Hafen an. f

Run werden verschiedene Leute unruhig werden," sagte Dmlkhage und dachte an Backer Franke und andere Helden der Rationalgarde. And der Pferdehändler Roberto Tavares der den Kommandanten Moreira vor zwei Jahren mit dem spat- lahnien Fuchs angeschmiert hatte, würde auch wohl einen Gaul fangen und auf den weiten Kamp flitzen, wenn er erfuhr, wer in den Hafen einkomme.

Die Sirene heulte weiter und ihr Schall brach sich an den Häuserfronten, die den Hafen säumten. Schwarz von Menschen

*>le Aferstrahe. Militär und Zivil. Auch seineRosalia" entdeckte Baukhage. Da standen aber nur zwei Leute an Deck. Wilm Peters und der schwarze Adriano. And der Leichter lag gut und sicher vor Ank-r. Im Rotfall würde Wilm Peter« wohl die deutsche Flagge hissen. And Kapitän Moreira war schließlich auch ein Mann, der mit sich reden lieh. So hoffte Hein Baukhage wenigstens. Er steuerte seinen Dampfer also gemächlich in den Hafen, an dem ankernden Hamburger'Dampfer »Helene" vorüber, mit dessen Kapitän H-in Daukhage am Abend noch Skat hatte spielen wollen. Die beiden Kanonenboote deS

Die Flibustier.

Sine Erzählung von der Küste Brasiliens, Don Dr. Alfred Funke.

(Fortsetzung.)

. .Gloria" drehte ebenfalls bei, lieh das Fallreep nieder Kommandant befahl den beiden deutschen Seeleuten an Aber Hein Baukhage machte ihm klar dah einer doch auf d>mDom Pedro" bleiben mühte. Da entschied Ln?t>itäTL ^brs an Bord derGloria" gehen uno Schiffer Dnukhcrge Oen Dvm mya

ie&od) nicht versuchen, auszukneifen, sonst habe er seine letzten schwarzen Bohnen gegessen. Im a&riaen

dant Moreira, der nun die goldenen Streifen eines CAüwo do mar e da sragata ) trug, sehr kameradschaftlich und rief selbst Gunter, ob Hein Baukhage eine Flasche Portwein haben wolle

§Se^ne.Ieine Marke aus Rio an Bord. Das l-eh kick ^»nh^tfLer^UC6tf ^eimal fragen. Lührs aber nah!n feine no5 wendige Habe zusammen, lieh sie durch den schwarzen Cypriano Kapitän zur See.

.. Trotzdem Hat mich der Parck seiner jetzigen Gestalt ent­rauscht. Der 879 Acker, etwa 360 Hektar grohe Par! sollte die Lunge dieses Stadtteils sein, ein schattiger, erfrischender Gr- hvlungsplatz für Frauen und Kinder, ebenso wie für die ab- gearbeiteten Männer, Söhne und Mädchen der Geschäftswelt. Ich hoffte die schönen, schattenspendendeu Alleen, die herrlichen wipping trees mit ihren 2 bis 3 Meter langen, im Winde wehen­den, hängenden Zweigen an den Wässern wiederzufinden und traute meinem Gedächtnis nicht, als ich an ihrer Stelle kümmer­liche, absterbende Bäume, vertrocknete Rasenflächen und überall nackte, ausgewachsene Felspartien fand.

Das freie Bolk, ob jung ob alt, tritt wohl auf den hoch­ragenden Kuppeln allenthalben die wenige Zoll starke Humus­schicht los, nachfolgende Regenschauer spülen das Erdreich ab, und Bäume und Sträucher, die in den Spalten der Felsen noch leben, sind dürftige ^-emplare, deren Lebensende nicht fern ist. Kaum einen einzigen schönen, stattlichen Baum habe ich gesehen, und der einst so schöne, schattige Wall ist vor der neuen Musik­halle m einen grohen asphaltierten Platz verwandelt, auf dem i?st nur junge, in Felsenlöcher eingepflanzte Biume gewiß keinen vchutz gegen die Sonnenstrahlen bieten, wenn die Klänge der Musik am Sonnabend- und Svnntagnachmittag viele Tausende zum Freikonzert einladen.

, Am die neugepflanzten Aleen, die zum Teil nebelnden drei- len Asphaltstraßen angelegt sind, am Leben zu halten und zu gesundem Wachstum zu reizen, wurden gerade jetzt, Ende Ro° vember, reichliche Düngermengen auf die Baumscheiben gepackt,

a Berliner Tiergarten, trotz des leichten Sandbodens noch nicht nötig war, um ein herrliches Waldidyll mit schönen hundert- jahrigen Eichen und Buchen zu schaffen und zu erhalten.

Doch ich will der Stadtverwaltung keinen Borwurf machen, sie tut miendlich viel für die Reinlichkeit und Ordnung uno be­müht sich, einzelne, besonders schön gelegene Punkte, die mit Rhododendron und feinen Ziersträuchern bepflanzt sind, vor den E^wirenden Fuhtritten der freien Bürger durch Einzäunung zu

*** --Moria" tragen und kletterte sehr erbost nach.

A?^EH"ge sah von der Drücke desDom Pedro" zum oiurfi Kriegsschiffs hinüber. Da wimmelte es von Matrosen Auch LaiMoldaten waren darunter. Sie winkten und rieten ihm st-ckte gemächlich Händech .rauchte schweigend seine kurze Pfeife und sah

1 ££ h"mus, als gehe ihn der ganze Kram nichts am, lrenensignal derGloria" lieh ihn aufmerken.

, o«hr vorauf. Hem, aus die Darrel" ries Lührs herab Ick selbst muh wahrhaftig an Bord dieses alten Leerpotts "hier fl- ln<?1 toicöcr ^in heraus. Patz nur gut Hem, dah mir keiner seine dreckigen Flossen in meine Schub- kasten und in das Schapp steckt! Mein Geld liegt ja aus dL MorÄrn' 9t^^i'eht »erloren. And nun mach Dampf aufs Moreira hats befohlen. Gr will dich voraus haben."

"2 av öcni? Helpt bat nix," meinte Daukhage, ging zum Sprachrohr und rief in den Maschinenraum hinab. Die Schraube «rm m* ?eI£S nahin das Ruder. DerDom Pedro"

9®rnri^"£ Mögen, in seinem Kielwasser folgte die

5^ 5 ? Musterte hin und wieder den Kriegskahn. Hm!

Sehr proper sah dieGloria" nicht aus. Eher wie ein if<^c Kohlenkasten, der die teure Farbe fe! rostig ist von den Klüsen bis zum Ruder. And die Aufbauten waren auch nicht mehr heil. Zwei Ventilatoren waren verbogen, ein Doot fehlte ganz. Wahrscheinlich hatten

die Granaten der Landbatterien in Rio das besorgt.

-r r x Asidvro Monteira nun wirklich schießen läßt?"

Mtvihvge. Zugleich schlich eine heimliche Freude fein biederes Herz. Was für Augen der General cvohl machen wurde, wenn dieGloria" in Rio do Dugre eindampste y"&.qu<£ab vom Generalkommando festmachte! Bon da aus konnte Kommandant Moreira dem General böse mitspielen. Al^rdings wenn Moreira das Spiel verlor, war es für Lührs amh nicht angenehm. Er war nun richtiger Rebell geworden ^ckürger Revolutionär an Bord derGloria". ^Richtiger Sft ÄT * "* ---«i-e Ä5

&tei sozusagen w Aotwehr. Ich gehe sozusagen zwangsweise als Dorreiter uoer die Dame. And im Rotfall halte ich mich an melnen Konsul. Warum ist Käppn Lührs Flibustier gewogen? mfariHrfx * i'Utt egal. And sobald ich mit demDom Pedro" ausritschen kann, tu ich s, nehme meineRosalia" in Schlepp und mache mich davon, daß sie mir aachflöten können."

Ak" solchen gutem Vorsätzen kam er an die Barre heran ?vn der Atalaya wehtm Signale, die nichts mit dem Wasser- pr?rft8UnnUn hv"en. Die Wächter hatten das feindliche Schiff

(2Bentn nun &lc Hafenboote schlau waren, so schossen sie die Baken zusammen und nahmen die Bojen aus dem Kakr- wasser. Dann konnten auch Lührs und Daukhage erklären sie "Gloria ohne-die Baken und Bojen nicht in den

yuien luijen.