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VÄrttileilung: Dr. Friedr. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der Brühl fchen Äniv.-Buch- und Steindruckerei. A. Lange. Gießen.
| allerdings gesteh es, daß Sophie und Franziska auf dem Heimweg« I vou einem Aussluge des Kasinos miteinander in einen lebhaften Streit I gerieten, weck eme bet anderen vorwarf, sie habe sich naseweise an I den Notar herangedrängt.
I ... , ®on^ sprachen die vier Mädchen nichts miteinander von ihre« I Liebeskummer, aber ste hatten alle eine Freundin, der sie diese« I anvertrauten. Das war Ida Wendel. Ihr konnten sie alles sagen: I denn sie kam als Konkurrenttn nicht in Betracht, da sie weder an Tanzvergnügungen noch an Ausflügen teilnahm und immer bei dem | .len -Batet blieb. Kein Nachmittag verging, daß nicht eine der vi« I *« das Haus des Dlstriktseinnehmers kam. Da schüttete denn Sophie I ^>r -He« aus und sagte: „Ach, wenn ich nur wüßte, woran ich I ?jare; -Bochestern ist er an unserem Hause vorbeigegangen und HÄ le 'charf herein m tue Fenster gesehen. Ich glaube, er ist zu schüchtern, um sich zu erklären. In vier Wochen ist mein Gebuttstag, da könnte« wir die Verlobung feiern. Aber die Franziska ist so zudringlich «nd lauft rhm auf Weg und Steg nach.«
.. Wenn dann am anderen Tage Franziska kam, so klagte sie über die Zudringlichkeit der Sophie und las der Freundin Liebesgedichte vor, d,e sie aus einem Almanach, der von ihrer Großmutter herrührte, abgeschrieben hatte.
. Lieschen Peter erzählte gern von ihren Träumen. „Ach, Ida« io sagte sie, „ich habe geträumt, ich habe auf der Miete ein Träußchen I Bergitmemnicht gepflückt, Bergitmeinnicht bedeutet treue Liebe.
Glaubt du bat nicht auch, bat mich der Herr Deibert treu liebt? Unb bann habe ich von einem Myrtenkrant geträumt, bat bedeutet doch gant gewit Hochteid. Wenn ich aber Hochteid mit dem Herrn Deibert halte, dann labe ich dich ein.«
Fanny Morgenstern überschüttete die geduldig zuhörende Ida mit einem großen Schwall von Worten, in denen der Onkel Sally und die Tante Rosalie oft vorkamen. Sie erklärte, den Löser Kahn nicht ausstehen zu können, er sei ein ungebildeter Mensch, bet für Theater und Musik keinen Sinn habe. Der Notar werde sich gewiß bald erklären, er habe sie auf der Straße neulich so freundlich gegrüßt
Es lvar gut, daß der Notar von allen diesen Anschlägen auf fein Herz und seine Hand nichts wußte; denn et wat von Natur bescheiden
der Post nach Hause, so wußte sie es oft einzurichten, daß ste mit ihm ! nn Postwagen nach Haufe fuhr. Lebhaft redete ste dann auf den jungen Maim ein, redete von dem ledigen Onkel Sally, der das große Geschäft m Mannheim hatte, und von der gleichfalls ledigen Tante Rosalie, die in Ebernburg wohnte und so viele Staatspapiere besaß. Fanny lachte laut, und emes Abends beim Anssteiqen ergriff ste seine Hand, um sie lange und lebhaft zu brücken. '
Im Marktflecken hatte sich dem Zuge der Zeit entsprechenb ein Kasino gebildet, das Tanzvergnügungen und Ausflüge veranstaltete. Da war allemale, wenn etwas veranstaltet wurde, unter den vier Mädchen eine große Aufregung, ob der Notar auch kommen werde. Wenn er eine Versteigerung auswärts hatte und nicht kommen konnte, so waren alle vier sehr niedergeschlagen. Kam et noch im letzten Augenblick, so schlug die Stimmung in das Gegenteil um. Einmal
tat »ot Ueberraschung und Enttäuschung, nach und nach aber faßten te sich und kamen alle mit süßsauren Mienen und großen Blumen- träußen, um zu gratulieren. Kaum ein Jahr war verflossen, so waren re alle fünf verheiratet. Ida Wendel war die Frau des Notars ge- worden und hatte den Vater mit in ihren jungen Haushalt genommen. Sophie Neff hatte den jungen Landwirt aus der Nachbarschaft genommen, Lieschen Peter den Gehilfen des Hypothekenbewahrers aus Mzey, Franziska Meisenheimer den Manufakturwarenhändler aus Bmgen und Fanny Morgenstern den Löser Kahn, obwohl seine Bildung mit der Ausdehnung seines Geschäftes nicht gleichen Schritt gehalten hatte. Und nun, da wir alle heiratslustigen Jungfern, von denen wir erzählt haben, glücklich unter die Haube gebracht haben, können wir diese Geschichte schließen und uns dem Wohlwollen des geneigten Lesers sowie bet geneigten Leserin empfehlen.
Lieschen Peter dagegen lvar zierlich und schlank. Ihre Mutter hatte früher geglaubt, wenn die Tochter älter werde, werde sie auch lernen, das S, das Z und das Sch aiissprechen, diese Hoffnung war nicht in Erfüllung gegangen. Wenn Lieschen von dem Notar sprach, so nannte sie ihn den Herrn „Seibert“ und sprach davon, daß er ein „tönet, tlanker Mann« sei. Immer noch tat Franziska Meisenheimer sehr geziert, sie war ein halbes Jahr in Darmstadt gewesen, um sich Bildung anzueignen, nun redete sie oft davon, wie langweilig es in der Heimat sei, da sehe man nut Dreschflegel und Wagen, die mit Kartoffeln beladen seien, und habe keine Gelegenheit, Vorträge zu besuchen. Schwärmerisch verehrte Franziska die Schriftstellerin Matlitt, deren Roman „Reichsgtäsin Gisela« sie in der „Gartenlaube« gelesen hatte. Fanny Morgenstern wat unstreitig ein schönes Mädchen geworden, die schwatzen Locken hingen ihr auf die Schultern herab, stolzen Ganges schritt sie durch die Straßen. Jedes dieser Mädchen hatte einen Freier. Ein junger Landwirt ans einem Nachbarorte warb um Franziska, Lieschen Peter hatte einen Verehrer, bet Gehilfe beim Hypothekenbemahtet in Alzey wat, um Franziska Meisenheimer bemühte sich ein Manufakturwarenhänbler ans Bingen, bet zweimal im Jahre mit seinem Musterkasten erschien unb unter allerlei Komplimenten und freundlichen Reden seine Wate absetzte. Und der Löser Kahn aus Wörrstadt, der Vieh in Holstein holte und Geschäfte bis weit nach Baden hinein machte, bemühte sich sichtlich um Fanny Morgenstern. Zuerst hatten alle diese Fteiersmänner Aussicht auf Erfolg, als aber der Notar auf der Bildfläche erschien, wat es damit aus, die Mädchen fingen an, für ihn zu schwärmen. Der Notar wohnte bei der Witwe eines Hnissier. Was das für ein Mann war, werden die wenigsten bet heute lebenden Deutschen wissen. Der Hnissier war der Gerichtsvollzieher, die Amtsbezeichnung rührt aus der Zeit I der französischen Herrschaft am Meine her unb wurde in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch überall am linken Rheinufer । gebraucht. Sinn schloß Sophie Neff plötzlich innige Freundschaft mit dieser Witwe und besuchte sie fast jeden Tag. Da mußte denn die Witwe von dem Notar erzählen, ob er auch viele Briefe von auswärts bekomme und ob diese wohl von Damen herrührten. Stets brachte Sophie Blnmensttäuße mit, die die Witwe dem Notar auf den Tisch I stellen mußte Einmal, als er mit seinem Schreiber übet Land ge- stnb^urückhaltend und hMe sich'nicht'meh'r unta diVMüdch-n^« gangen war, Ivars das Mädchen einen Blick in sein Zimmer und sah j Wohnortes getraut, wenn ihm bekannt gewesen wäre, daß Sophie .ich nach den Photographien um, die dort an den Wänden hingen, I Neff, Franziska Meisenheimer Liescben Beter nnd ,
namentlich nach den Photographien und Silhouetten,die junge Samen ftern oYlefa^t%nfernÄ »SSttJam Ä ÄS ä I«"- »«« « «»"«, Bell «, »o»Än &B« Z
au^her enhm6fUearften m Kartenschlägerrn bekannt war. I einem juristischen ober geschichtlichen Werke oder schrieb einen'langen
Zn der ging Lieschen. Die Alte saß in emer Halbdunkeln Stube, | Brief an seine Mutter. langen
«... Gil. a. . C S. .u. in <___ i I . . .s einem Abendspaziergang im Sommer kam er in die Nähe
“ . Stubenboden, auf dem Plattofen, der in der Ecke stand, des Feldweges, auf dem der blinde Distriktseinnehmer immer aina
Kaffee in einer gtofjen Sanne. Sie Wahrsagerin legte bie I und sah, wie Ida Wendel vor ihrem Vater einherging und die Steine Karten vor sich hm, dann sagte sie: Mädchen, du wirst einmal eine I aus dem Wege schaffte. Das junge Mädchen glaubte, unbeobachtet t-artie machen, dn kriegst einen schonen, pingen Mann. Der ist I zu sein, und gab sich ihrem Tun mit Eifer hin. Ungezogene Knaben im Krieg gewesen und hat, weil er so mutig war, Orden bekommen, | hatten kurz zuvor nach den grünen Aepfeln geworfen die an be« aber es Md drei da, die wollen iHv-auch heiraten, die werden dir noch Bäumen längs des Feldweges hingen, infolgedessm lagen viele Steine viel zn schaffen machen, aber am Ende wirst du ihn doch zum Mann auf dem Wege. Ida laß sie auf und trug sie an den Rand des Weaä bekommen. Da ging Lieschen ,eelenvergnugt nach Hause, mteb I Kurz hinterher kam der alte Manu, und die Tochter sprach freundlich aber von nun an den Umgang mit Sophie Neff, Franziska Meisen- I mit ihm. sreunoucy
beimet unb Fanny Morgenstern. Kaum erwiderte sie auf ber Straße Dem Notar prägte sich tief in das Gemüt, was er auf diesem sbE Gruße, so daß ste sich wunderten, was in das Mädchen ge- | Abendgang beobachtet hatte, er mußte immer an das blonde Mädchen fahren sei. . . I denken, das sich des alten blinden Vaters so liebevoll annahm Un-
, Franziska .pietsenheuner machte in dieser Zeit Gedichte, die sie I vermerkt brachte der junge Mann bei der Frau Hnissier das Gespräch später dem Notar,joenu er ihr Bräutigam geworden wäre, zu über- auf Ida Wendel unb erfuhr, tote das Mädchen bei seiner Geburt reichen gedachte, sie trug ihm ihre Herzensergüsse in ein Album ein I so wenig willkommen geheißen worden war, wie die älteren Geschwister i's6 und Tanben, | allesamt in die Welt gegangen wären, um sich um den Vater nicht mehr
die sich chnabelten, darstellten. Auch ste suchte die Freundschaft der j zu kümmern, und wie ber Greis io ganz verlassen sei, wenn er das Frau Huisstet, und diese fand eines Tages auch den Mut, diesem das I jüngste Kind nicht hätte.
Mädchen als empfehlenswerte Partie hiiizustelleu. ^ Bon da an lenkte der Notar oft seine Abendspaziergänge nach dem
Franziska für ein tüchtiges Mädchen ist,« sagte | Feldweg, bet an ben Gartenmauern entlang führt, unb eines Tages r "blC §^ereien, in dem guten Zimmer ihrer I geriet er mit Vater und Tochter in bas Gespräch. Der DistriktseM-
JJti.ttet liegen fcfjtecffirf) viele Deichen, bie jie txlle getäfelt | nebmer hxxr ieür erfreut von ibttt Allerlei über nfte
"ie“«“ÄMTSÄiÄte iw Ädtuiftobt fo viele ^rembtvörter gelernt)! | SYctbr verfloffen tont verlobte fidi her iitttoe wri cyhr»
Stremtontoer6 unh ÄÄ W Et^net Mutter' Mitteilung machte, mit wem er ben Lebensbund


