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ecötiftleiiur.g: Dr. gtiebr. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Drühl'schen Anis.-Vuch- und Steindruckerei, A. Lang«. Dieben.
iroch. Ihr onttoortete ein «schütternd« Auf. der aus allen Wänden, aus allen Mauern drang, als werde die Posaune geblasen Wer Walmort.
Stemma erbebt». Sie sprang an das Lager ihres Kindes, um «S fest iu den Armen zu halten, wenn Walmort unterginge. Palma war nicht erwacht, sie schlief ruhig fort Die Richterin besann sich Hatte der grauenhafte Ton in Tat und Wahrheit dies« Luft, diese Räume, diese Mauern erschüttert? Mühte Palma nicht aus dem tiefsten Schlummer aufgefahreu sein? Es war unmöglich daß der gewaltige Ruf sie nicht geweckt hätte. Frau Stemma war nicht unerfahren in solchen unheimlichen Dingen: sie kannte die Schrecken der Einbildung und die Sprache 6er übe» reizten Sinne. Sie hatte es erfahren an den Schuldigen, 6te sie richtete, und an sich selbst. „Das Ohr hat mir geklungen," sagte sie, die noch am ganzen Leibe zitterte.
Hätte sie durch Dielen und Mauern blicken können, so sah sie den Äeichen Wulfrin, der au der Gruft des Vaters fettet», inS Horn stieß, ihn rührend beschwor, ihm herzlich zusprach, Red« zu stehen. Sie hätte gesehen, wie Wulfrin, da der Stete schwieg, das Horn zum andern Wale an den Mund setzte und endlich verzweifelrrd über die Mauer sprang.
Wieder schlitterte Malmvrt in seinen Tiefen, stärker noch als daS erstemal. Da war kein Zweifel mehr, es war das Wulfen- hvrn, kms sie mitten in Gischt und Sturz geschleudert und in unzu- S* "iche Tiefen hatte versinken sehen. Sie sann an dem ängst» Rätsel und konnte es nicht lösen. Sie sann, bis ihr die Stirnaber schwoll und das Haupt stürmte.
Da fiel ihr zur bösen Stunde der Eomes ein, wie er murmelnd im Schilfe sitze und mit dem schweren Kopfe unablässig daran herumarbeite, ob Frau Stemma ihm ein Leides _ getan. „@r besucht sein Grabmal und flöht in sein Horn! Er stört die Rächt! Er verwirrt Walmort! Er schreckt das Land auf! Das leide ich nicht! Ich verbiete es ihm! Ich bringe den Empör« zum Schweigen!" ülnd der Wahn gewann Wacht über diese Stirn.
Ohne sich nach Palma umzusehen, stürzte sie zornig dir Wendeltreppe hinab und betrat den Hof, wo der 'Tomes rurd ihr eigenes Bild auf der Gruft lagen. Darüber webte ein ungewiss« Dämm«, da eine leichte Wolke den Mond verschleierte. Der Tomes lieh sein Horn Aurückgleiten und die steinerne Stemm« hob die Hände als flehe sie: Hüte das Geheimnis!
Aufgebracht stand die Richterin vor dem Ruhestörer. »Arglistig«/ schalt sie, »waS peinigst du mein Ohr und bringst mein Reich in Aufruhr? Sch Weitz, worüber du brütest, und ich will dir Rede stehen! Keine Maid hat dir der Sud« gegeben! Ich trug daS KiW eines Archeren! Du durftest mich nie berühre Trunkenbold, und am flebenten Tage begrub dich Walmort! Siehst du dieses Gift?" Sie hob das Fläschchen auS dem Busen? Warum ich leben Hieb, die dir den Tod kredenzte? Dummkopf, mich schützte ein Gegengift! Jetzt weißt du es! Palma novelta tratet meinem Herzen hat dich umgebracht! U-nd jetzt quäle mich nicht mehr!"
So grelle und freche Worte redete die Richterin.
Durch ihr lautes Schelten zu sich selbst gebracht, betrachtete Ne wieder dem Tomes, ber jetzt im klarsten Mondenlichte lag. Die furchtbare Geschichte kümmerte ihn nicht, « log regungslos ' mit gestreckten Zützen. Setzt sah sie. datz sie zum Steine gesprochen, und schlug eine Lache auf. »Heute bin ich eine Aärrtal sagte st«. »Ich will zu Bette gehen."
Sie wandte sich Palma novella stand hinter ihr, weih, mit wett geöffneten Augen, das Antlitz entstellt, starr vor Entsetzen. D« zweite Hornstotz hatte sie geweckt und sie war d« Mutter auf besorgten Zehen nachgeschlichen.
Wie gebannt standen sie sich gegenüber. Dann fahle Stemma den Arm des Mädchens und schleppte «S in die Burg zurück. Sie hatte ihrem Geheimnisse einen Mund und einen Zeugen gegeben und dies« Zmrge war ihr Kind.
Fünftes Kapitel.
Seit bet Höfling aus Malmoick verschwunden war, lastete auf den schweren Mauern Schweigen und Kümmernis. Das Gesinde nrnnfelte allerlei und Knechte und Dirnen steckten die Köpfe zusammen. Dte junge Herrin sei krank. ES sei ihr angetan worden. Irgendein Zauber — ob sie ein« Drude begegnet oder ein gtfttgeS Kraut verschluckt vd« aus einem schädsichen Quell getrunken — habe dte Aermste der Vernunft beraubt. Ähr mangle d« Schlummer, sie weine unablässig und lasse sich wrd« tröste« noch auch nur berühren. Shr widerstehe Speise und Trank und sie schwinde zum Gerippe. Die Laute und Wilde fei gar still und z<chm und ihr LebenLfaden zum Reihen dünn gevxnchen. Dte defermmerte Richterin folge ihr auf Schritt und Tritt und dürfe sie nicht aus den Augen lassen.
Zwei Mägde standen am Brunnen zusammen und flüsterten. Benedicta war bet jungen Herrin unversehens tat Flur begegnet und wollte ihr gebührlich die Hand küssen. Palma fei angstvoll zurückgewichen und habe aufgeschriea: »Rühre mich nicht artr Vermckca hatte durch daS Schlüsselloch gespäht und was «blickt? etwas ganz Unglaubliches: die stolze Frau Stemma vor ihrem Kinde ntedergeworsen. ihm liebkosend die Knie umfangend und um die Gnade flehend, datz es den Mund öffne und einen Bissen berühre.
(Schlutz folgt)
Wie es Rächt war und der Mond leuchtete, ging « sachte bergab, denn « gedachte ein Seitental zu gewinnen und seinen Kais« zu erreichen, ohne datz er Walmort und die Stapfen bet Schwester berühre. Beide too&te er nur am Gerichtstage Wiedersehen. Er gelangte an den Strom, der hter ohne Gewalt und Sturz Klippen und Felsen breit überflutete. DaS Mondsicht verlockte ihn, sich auf ein Felsstück zu lagern und Wunsch- und schmerzlos mit den Wellen dahinzuflietzen. Er wurde sich selbst zum Traume. . ,
Da sah er Elb oder Slbin tauchen. Es schwamm werh tat Strome, ein Racken schimm«te und jetzt hob d« blanke Arm ein Hifthorn in dte Höhe, das der Mond versilberte. Sr «- kannte sein entwendetes Erbteil und trat ohne Hast und Erstaunen dem freundlichen Wund« nahe.
»Herr Wulfrin," jubelte eine Knabenstimme, »freue dich! Glück üb« dir! Ich halte dein Horn!" und Gabriel, bet sei» Hirtenhemde wieder umgeworfen hatte, sprang zu ihm empor.
»Schon heute mittag," erzählte et, »sah ich es beim Fische« auf dem Grunde. Ich kannte es gleich, doch war ich nicht aiteta und muhte die Rächt erwarten. Hat «S schon längs gelegen” Er schüttelte das Hom und lieh das Wasser sorgfältig aus bet Bauchung abtropfsn. »Wenn es nur nicht verdorben ist!" Er hob Ä an den Wund und stietz darein, datz die Berge wider- halltzn. »Hier, Herr!" sagte er. »Wahrhaftig, eS hat ihm nichts Xtian. Ein wackeres Schlachtharn!"
Wulfrin ergriff eS uitd hing eS sich um. Als « sich ab« einen (Soldring — irgendein Beutestück — von der Hand wollte, um dm Knaben abzulohnen, wehrte Gabriel. »R««. Herr, lege lieber ein Wort für mich ein, daß mich der Kais« mitreiten läßt! Doch jetzt mutz ich heim! Sch habe noch in bst Ställen zu tun. Kommst du mit? Sch weih Stapfen an bem Felsen empor und toir gelangen durch ein Hinterpförtchen noch einmal so rasch in den Hof- alS auf dem Durgwege."
And Wulfrin folgte. Die Handlichkeit und Herzlichkeit d«S Buben hatte feine Sinne und Geister erwärmt. D« Wr^er- gew'm; seines Erbes weckte das Bild des Vaters und die Stab» sich- Gesinnung auf. Und obwohl auS dem Elben ein WeaschAt- knabe geworden war, zitterte doch üb« dem Strom ein Schimm« von Geisterhilfe. »Am Ende ist es bet Vater," sagte er sich, und er wird mir beistehen, wenn er kann. Wenn « noch irgend da ist, läßt « mich nicht elend umkommen. Ich will ihn raten Vielleicht antwortet «. Es ist ein Glaube, datz d« Ttae^auS dem Grabmal mit seinen Kindern redet. Sch wage es! Sch bücke ihn wach! Dann frage ich nichts als: Bat«, ist P^lm« beta «tittb? Redet « nicht, so nickt er wohl oder .schüttttt das Haupt." Obschon der Höfling an Stemma nicht zweifelte, deren Wesen über ihn Gewalt hatte, focht ihn doch der Widersprach zwischen dem Glauben mr die Lebendige und der Frage ost dea Toten wenig an. Er fühlte einfach daß « den Vater — toexm dieser zu «reichen fei — befragen und beraten, müsse, <$e « sich an klage und sich richten lasse. Aber seine Rtche war weg. fein Geist gespannt und « hörte kein Wort von dem, Wader Knabe unterweges plauderte.
Ebenso unruhig schritt Stemma htater dem erhellten Feirst«. das der Emporklimmende üb« dem Durgfelsen aufsteigen sah. AuS der Ferne und Tiefe war ein Ton zu ihr hergedrungen. den sie Hatzte und den sie vernichtet zu haben glaubte. Während ihr Kind auf dem Lager schlummerte, ging sie rastlos auf wo nieder. Sie vergegenwärtigte sich Wulfrin. wie « vor Kaiser und Volk eines seltenen, ja unglaublichen Frevels sich beschuldigte, und ihr wurde bange, daß sie und wie sie über ihn richte« toctbe. „ , _ ,
War es denkbar, daß sich die (Katar so verirrte? datz eta so lauterer Mensch in eine solche Sünde verfiel? War es nicht wahrscheinlicher, datz hi« Srrtam od« Lüge Brud« und Schwester gemacht hatte? So hätte die Richterin ohne Zweifel geforscht und untersucht, wäre sie nicht Stemma und Palma nicht ihr Kind gewesen. Aber sie durfte nicht untersuchen, denn sie hätte etwas Vergrabenes aufgedeckt, eine zerstörte Tatsache hergestellt, ein Glied wieder einsetzen muffen, das fte selbst aus der Kette des Geschehens geriffelt hatte.
Setzt begann es mit einem Male vor ihr aufzuiauchcm. dte Sünde des Unschuldigen sei das gegen sie selbst heranschreftende Verhängnis. »Gilt es mir?“ Wird ein Plan gegen mich geschmiedet? Ist eine Verschwörung im Werke?" rief sie ins Dunkel hinein.
Da hatte sie ein Gesicht. Sie erblickte mit den Augen beS Geistes durch die dämmernde Wand, wett ta der Ferne und doch ganz nahe, ein gewaltiges Weib von furchtbar« Schönheit. Diese faß in langen blauen Gewänden, eine Tafel auf, das übergelegte Knie gestützt, einen Griffel in der Hand, schreibend ober zählend, irgendeine Lösung suchend. Aach einigem- Sinnen ging ein stilles langsames Lächeln über den strengen Mund und schien zu sagen: So ist es gut und siehe, es ist so einfach!
Da glaubte die Richterin eine Feindin sich gegenüber zu sehen und trotzte ihr, Werb gegen Weib. »Das bringst du nicht heraus! Du findest keine Zeugen!" Die Fremde ab« hob die Tafel mit beiden Händen empor Über die sonnenhellen Augen und verschwand. „Du hast keine Zeugen!" rief ihr die Richterin


