Ausgabe 
5.5.1925
 
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Gießener Zamilienblütter

Dienztag, öen S. w

Nummer 3b

Unterhaltungsbeilage Zum Gietzener Anzeiger

Jahrgang (925 ~~ ° ' "------

sein zweites Leben wußte, den Menschenleib verwchrt

Msienlied.

Bon Aenne Höpfner Fühlst du das heimliche Werben und Fwti-sc Ägmift du die warme lockende ßbfödx- Horst du deiner Seele Singen, Wie die Stimmen wiederklingen? Süßester Zauber-, heiligstes IDehen Woimedurchrauschsnder Maientage. Arme die Düfte in dürstenden Züge« Die sich so lieblich wiegen aus Wtndei- Lqusche mir den, Blütensäuseln.

Sich', wie sich die Wellen kräuseln Wonniges Weben, göttlich Genügen ' Wird dir die Wahrheit des LenzeK verkündet', 3£$- kamr ja das Herz nicht mchr schweias». Weim sich die Erde tni Biütengewand Zierlich geschmückt zur HochKeitsfeier, Wunder lächelt aus goldnem Schleier, Sich gibt dein Lenze holdselig zu eigen Wirkt ihre Liebe ins blühende'Band .Und so kehret ihr goldumsponnenen Zuge des Mais mich bei mir nun ein Hüllet mich ein in selige Träume, Träufelt ben Schnee eurer BMenbäum-.- Saitst und mild in die leidzerronnLnen Furchen der Seele mir lindernd hinein

Dsr Werwolfgürtel.

Bon Hans Fra n ck.

.5u6^r-^auri .eme8 Gehenkten ,nutzte das Leder zu dem Mlccel geschnitten sein, durch den ein Mami sich bei wachsendem Mond in einen Werwolf verwandeln konnte. Die Schnalle welche Wtftt Gürtel mit sieben Zähnen keiner mehr und keiner we-uger zusammenhielt, mußte von einem Leibriemen stammen 'N» ?u' lehKn! levtm Gange getragen hatte.'

And eine handerstahrigc Hexe mußte, wenn Leder und Schnalle oon bet rechten Art beisammen Ware», beide auf den Blocksberg Nitnehmen, daß der Böse sie durch ein Wort aneinanderfügte -und seinen Segen darüber sprach. Wer einen solchen Gürtel besaß - und es gab rarer einstmals weit mehr, als man heute zu glauben gene.gt istder konnte jederzeit wenn nicht der Mond im Aduehnren stand dadurch, daß er ihn um feinen Leib legte und solange zuschnallte, bis ihm Hören und Sehen verginge auS .ein«n menschlichen Körper herausschlüpse» und in den eines Zeises hinemfahren. Alle glofendc Gier, alle wüsten Wünsche

9Fa*^. em ungemessenes Teil gewaltsam niederhalten nust, konnte so Einer ohne Bedenken zu lodernder Glut in sich enstachen und als Tier zum Weh seiner Mitmenschen i ohne daß irgendwer um sein zweites Leben wußte. I Mchts was ihm die Rückkehr in den Menfchenleib verwehrt M^^onnte einem Wertvolf auf seinen nächtlichen Raubfahrten zustoßen. Menschliche Waffen vermochten zwar ihn wie jeden Mdern Wolf zu verwunden, aber nicht, ihn zu töten. Rur wenn E ernem seiner Widersacher gelang, das Schloß des Gürtels der bei dec Verwandlung unsichtbar tourde. unter seinem Bauch I SU treffen, daß die sieben Zähl« allesamt aüfsprangen, konnte I gehen. Denn im selben Augenblick da der 5 hi' Werwolf, wo immer er wütete, I

® Aienichen zuruckverwandeln und war dadurch der I erkannt und dem Mchrichter zum Tode aus- I

r®6,1^6L Aber daß es jemand gelang, mit der Waffe ! flr. $^^.pli 9£ schnalle des unsichtbaren Mrtels zu treffen, I

"O' eh--m Wunder gleich? Lind dock I bollbracht^' S elne butter mit ihren bloßen Händen

p« jenen wahren nämlich, als Deutschland ohne Kaiser war I ®01'- SiMgdor im Sauerland von einem'Werwolf große \ Schafe und Küpe, Sauen und Stuten, Mädchen und Smuer i a|2 Mensch und Getier weiblichen Geschlechtss war zerriß I mit seinem Zähnen. Sabre hinL Holle ^ siL all- monatlich, wenn Aeumond vorüber war, sein Opfer, ohne daß i

f£Er habhaft zu werde!? Zwar ging der Glaube um I DMcht bLbe, könne den Werwolf im MeTcL,' a ol3t8e Dagsn. da der Gürtel Ma-cht über ihn gew»M -wb « I

I iP'1 »mtzte, ob ei' wollte oder nicht, an dem Flacker» in den Aiigen erkennen. And der Sichttgvorer Kavlam dtt vvu Ä bchauprere, den andern Blick zu haben, hatte uacheiimnd^r I Ma-Ec, die sich einem wüsten Lebeustvandel hingen und r stmßiger besuchten denn die Kirche, als die Misse- I Ml ®K mären auch getreulich, trotz ihres Ableua--

i ?- i^.>. worden. Aber es sielen hinfort nicht weniger Ovfet m Sichtigvor dem Werwoll anheim. Wodurch der K^bwn k-ck I -Aneswegs an fernem zweiten Gesicht irre machen ließ! wenn I "** behauptete und die Geängsteten wagten nicht mit Zweifeln | t6t!5< Worte zu löken, er behauptete, daß Sichtigvor um

1 !®uer sobvmistschen Verruchtheit willen von dem Einige-- mst I sichreren Werwölfen heimgefucht werde. Es wären ihrer ins» | ein halbes Dutzend. Er sei auch den letzten Drei bereits I hu? Hn? ^erde sie wenn die Sichtigvorer nicht von

j Stachen ließen gleich den ersten Drei ausfindig machet' j und dem Galgen überantworten. 13 ina<96i

I . . der so schr dis Leute in Sichtigvor samt ihrem Kaolan auA I ®[u9Cii &cr Wacht waren, den .Unhold Gunter sich

| machen auf den, der in Wahrheit den Werwolf-

I .^fw, verfiel keiner. Denn da das Tier, das inieban AM .tz.WEmem Schlupfwinkel hau», bei solchen welchE j verwandeln fomiten. nächtens hinreichend GZeaen-

Bm fic vertag friedlich und ehr-

X S L ue?ÄJ. ei" ®ä"",di''«-» e, | Vor dem Dorfe lebte eine Bauersfrau, deren Mann vor I l>£> einem Ritter bei der Heumahd erschlagen war weil | ei l$ni verwehren wollte, seine beiden Braunen von der ^eick-ke' I ?} «Pannen. Friedlich hauste sic auf der verwaisten Hofstatt mit i&i-em Knecht Dieser, namens Sörg, war in semen juaae

I wahren inzwischen war ein bedachtsamer Mann aus ihm a'e° worden - als Landsknecht weit in der Welt herumaelomm^

I uach crlandern, Burgund und Italien. Seit drei Jahren war I MM. M Sichtigvor seßhaft. Arbeitete von früh bis fpä« Sagte kein lautes Wort. Ging --ich- ^.W-rtshaus. Versäumte keine Messe und keinen Abendgost^-

I ,®-?- E'atz der Kaplan ihn Bösewichtern als mahnendes I bmzustellen und zu sagen Pflegte: Es wäre eine Lust

S^'lhirte zu sein wenn die Herde aus lauter solchen gostes» | Schafen bestände. Sorg war in der Tat das Muster

I »ES arbeitfamNi, zutraulichen Knechtes. Keine größere Freude | ^.nnic. w- .als daß er nach Feierabend das einzige Kind bet' I K-rabe von fünf Sahren, auf den Knien schaukelte,

jf rmnlf* ec^6Ite und seltsame Lieder vorsaiig, in deusi: I ®oüe iiorfatnen. die int Sauerland kein Menfck verstand

X nr91,tr<)t-S1 e^otte8 der Kameraden in Sichtigvor festgehalten hatte, als der Trupp, mit dem er ins Dorf ge- tommen war, lärmend weiterzvg wer will es 'chgen? BiellMt toar er des Herumvagugonbierens müde gewese-i. Vielleicht batten 'M M Augen feiner Herrin festgehalten, die mit ihren dreißig I Zahlen schöner und begehrenswerter war als alle ihre Alters° genv!sinnen, welche die Schwere der Arbeit vor der Zeit batte ! ö^ammeiischrunipfen kaffen. Die Bäuerin hielt große Stücke au* I den »oorg und wußte sich in seinen Schutz vor dem Werwolf wie Niemand m Sichtigvor sicher. Von der Angst, die sie jäh über­fallen hatte, als der Landsknecht sich erbot, statt ihres davon- gellnifenengelaufenen Knechtes bei ihr zu bleiben, war längst | NM mehr m ihr vorhanden. Als sie gefragt wurde ob Ke auch vor dem fremden Mannsbild, mit dem sie allein im Haust ^obne in 2luhc gelassen werde, lachte sie hell aui und ver­sicherte, der Wahrheit gemäß: Der Sorg sei nicht wie sein Vor­gänger, der sie Tag und Nacht ums Heiraten bedrängt habe und bet- nun auf und davon gegangen sei, weil fie nein gesagt i Awe. Hörg sei froh, wenn er in Ruhe gÄaffen werde. Der Sorg hatte sich auf seinen Landsknechtsfahrten die Hörner ab- gestoßen. Kein friedlicherer und gekitteter Hausgenosse als der - Eines -Abends allerdings der Mond wollte in der | nächsten Nacht voll werden uird hing wie eine goldene Ampel I "n Geäst der grohsn Eiche vor dem Hoftor dieses Abentzs t»ek Sörg stotternd, ob er sich Hoffnung machen dürfe, daß j«e nicht jetzt, nein: nach Sahren, wenn der Schmerz um ihren Mann es zuließe, an einen anderen zu denken ihm ßte Hand zum EpeSunde gäbe. Schon hatte die Bäuerin, bet ju gleicher Zeit der gleiche Gedanke gekommen war, nur daß sie die Erfüllung nicht Sabre, sondern Monate weit geseht hatte.