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leinen Brüstungen umrahmtes Bassin, zu dem schön skulptiert« tztusen niederführen. Hier labten ehemals des Königs Frauen chre schlanken, dunkeln Leiber in der Aut. Etwas tiefer im Waldesdunkel liegt die Quadernflut eines königlichen Pavillons aufrecht ragt noch das Steingerüst der Gingangspforts empor, mit Insignien des Königtums geschmückt.
Diese mächtigen Monolithpflaster, welche selbst die Macht der Zeit nicht im Boden lockern 'konnte, sie dienten, des Königs Elefanten anzubinden. Die liegenden Steintröge von kolossalen Dimensionen waren die Tränken der gewaltigen Haustiere. Jeno im Rechteck geordneten Steinposten aber, die wie von langjährigem Rauch erscheinen, waren die Stützen eines Säulenbaues, in welchem eidbrüchige Priester den Feuertod erlitten haben sollen.
Weiter hinauf in der Waldstille liegt ttn Grase versteckt das Bildnis einer steinernen Kuh auf einer Scheibe; ein Hebelarm ist daran befestigt, und Heute wie vor zweitausend Jahren drehen den Hebel die Hände zartgliedriger Frauen, um durch diesen Akt die Sehnsucht ihres Herzens — einen Sohn — zu erlangen.
Durch das dichte Anterholz schimmert eine Lichtung — dort steht in wundersam feierlicher Hohheit ein überlebensgroßes Duddhabild, ein wenig geneigt und die steinerne Haut vom Zeitenzahn zernagt. Trotz der Verletzungen spricht das Auge, das Antlitz noch von höchstem Siege und tiefstem Frieden. Hier, inmitten meilenweiter Ruinenstätten, wo nur die Wipfel der Waldbäume sich noch vor ihm neigen, steht die Erscheinung da gleichwie die unsterbliche Seele, welche den Körper überdauerte; die alte Stadt, die alte Zivilisation, deren Lebenspulse einstmals dieses stummen Bildes weltentiefer, geistiger Inhalt durchdrang. Einst deckte wohl ein stolzer Tempel seinen Scheitel. Jetzt findet flch nur noch das Fundament einer großen Bethalle und davor, im Grasboden halb versunken, eine seltsame Steinplatte, etwa 1 Meter im Geviert, in welche 25 vertiefte Fächer eingemeißelt sind. Das ist ein Boga-Stein. In die Vertiefungen versenkt« der meditierende Asket den Blick, bis ihm die Außenwelt ver- fank und über den Brauen jenes innere Licht aufging, das den Schleier des Scheins durchdrang und der Dinge wahres Wesen erhellte. ‘
Lind so ist der ganze Waldesboden in meilenweitem Umfang durchstreut mit den beredten Zeugen einer glänzenden, kunstsinnigen und nach innerlicher Vertiefung strebenden Kultur. Roch fortwährend werden neue Ueberreste blohgelegt. Im Kamp unseres Freundes Wickremasinghe, der im Dschungel Anurad- Srras im Auftrage der Regierung Ausgrabungen leitete, n wir eine Anzahl zierlicher, höchst ausdrucksvoller, mänN- r Gesichter, aus einer Art Gipsmasse modelliert, fast alle in' drastisch-drolliger Weise die mimischen Verzerrungen des Lachens und Lächelns darstellend. Diese Maskeir waren soeben auf dem Friese eines Ronnenklosters vorgefunden; sie stammen offenbar aus einer späteren Periode.
Deutlich waren hier auch die Spuren einer früheren großen Straße blohgelegt, die auf weite Entfernung durchgeführt gewesen sein muh; auch die guterhaltenen, sehr stattlichen Reste einer großen Anterkunftshalle für pilgernde Priester aus der- felben Periode zeugten für die reiche Entfaltung öffentlichen Lebens auch noch zu jener Zeit.
And wo die monumentalen Aeberreste ein Ende haben, da erzählen die wunderbaren Bewässerungsanlagen von dem Anternehrnungsgeist jener Zeiten. Der „Kanal der Riesen" von 54 englischen Meilen Länge verband ein Wasserreservoir von sieben Quadratmeilen Oberfläche, den Kalawewa, mit der Hauptstadt und speiste wiederum den Tissawewa bei Anuradhapura, einen gewaltigen, künstlichen See, der nun zwischen seinen mit weidenartigen Bäumen bestandenen .Uferdämmen in weltveo- lassener Oede ruhend daliegt. Krokodile sonnen sich <tsn seinem Rande, Silberreiher spiegeln die zierlichen Leiber in der Flut, graue Affen schaukeln in den Uferzweigen. Inmitten, der Wasserfläche ragen noch steinerne Säulen auf, die einst ein Lustschloß getragen, von dem der König sein stolzes Werk zu überschauen liebte. Hinter einem der Dämme blicken die seltsamen Zinken von Jsuruminha, einem alten Felsentempel, herüber, dessen massig« Granitformen und rohe Quadertürme eine wunderliche Mischung bilden; eine Dreikoppel von Elefantenköpfen springt in plastischer Lebendigkeit aus einem der Blöcke vor; der weitwärts geworfene Rüssel des einen soll nach der Richtung weisen, wo einstmals große Schätze in der Felsenwand verborgen gewesen. — An stimmungsvoller, schwermütig-fremdartiger Szenerie sucht diese Tissawewalandschaft ihresgleichen.
Mit roher Feindeshand zerstörten die Tamilen in immer erneuten Kriegen die großartigen Wasserwerke, bis endlich durch einen gewaltigen Dammbruch die einst so blühenden Distrikte in ein unfruchtbares Sumpf- und Fieberland verwandelt wurden, die das englische Gouvernement durch Restauration der alten Anlagen erst jetzt der Kultur wiederzugewinnen sucht.
Roch eines Denkmals außerhalb des Stadtbezirkes möchte ich gedenken, das wir nicht bemerkt hätten, wenn nicht der Lenker unseres kleinen Ochsengefährtes Plötzlich vom Wagen gesprungen wäre und auf unsere Frage stumm nach einem etwa 30 Fuß hohen, grasüberwachsenen Hügel gewiesen hätte. Es ist kein Kunstwerk, kein Denkmal eines Gottes, ein schlichter Steno- Haufen — Gllalas Grab! Gr war ein Malabaren fürst, eht
kühner, heldenhafter Mann, dem es gelungen, im Herzen Ceylons einen Teil der Herrschaft an sich zu reiben, und den rechtmäßigen König von Lanka auf d as kleine Südreich von Rohen« (jetzt Gall) zurückzudrängen.
Der König war von sanftem, friedliebendem Gemüt, und Rohena dünkte ihm „groß genug". Dem jungen Prinzen Dutu- gemunu aber fand seine Mutter eines Tages auf seinem Lager zufammengekauert liegen, die Glieder hoch <m den Leib gezogen. Warum streckst du dich nicht aus zum Ruhen? fragte die Muttes und der Knabe sagte: „Wie kann ich mich strecken, sind doch Malabaren jenseits des Flusses und diesseits der See!"
Erwachsen, forderte der Jüngling stürmisch vom Vater, gegen den Feind ziehen zu dürfen, und da dieser zögerte, sandte' er dem Könige ein golögewirktes Weiberkleid und zog selber mit einem kleinen Heere gegen Ellala. Jedoch da sich die Scharen gegenüberstanden, jammerte beide Fürsten das Leben so vieler Krieger, die in dem Streite fallen mühten, und beid« Helden stellten sich zum Zweikampfe auf ihren Streitelefanten einander entgegen. Ellala fiel. Der hochsinnige Dutugemunu aber, der die Gröhe des Feindes während dessen Arsurpatoren- herrschaft kennen und schätzen gelernt, setzte, sobald er König geworden, dem Ellala dieses Denkmal 'Und verfügte, daß bi8 in fernste Zeiten niemand, selbst der König nicht, an dieser Stätte anders als zu Fuh Vorbeigehen sollte.
And ebenso, wie unser armer Ochsentreiber nach 2000 Jahren dieses Gebot ehrte, tat es auch im Jahre 1816 einer der letzten Herrscher von Kandy, indem er, flüchtend vor dern europäischen Eroberer, aus seiner Sänfte stieg, da er an Gllalas Gedenkhügel vorüberzog. e .
Roch einen anderen rührenden Beweis, dah die großen und gütigen Gedanken, von denen die steinernen Denkmäler dieses Ortes reden, auch in den Herzen der Rachkommen lebendig geblieben sind, sollten wir erleben! Der alte Vater unsres lungen singhalesischen Freundes Wickremasinghe erfuhr durch eine verfrühte Zeitungsnachricht den Plan seines Sohnes, zum Studium nach Europa zu gehen; er eilte vom fernen Gall nach Anuradhapura und setzte den Vorstellungen des Sohnes sowie den unfern einen sanften, doch unbeugsamen Widerstand entgegen. Da fiel mir ein, dem llugblickenden Greise, der während seines Besuches täglich den heiligen Stätten des Ortes seine Berehmmg darbrachte, zu sagen: „Weiht du nicht, dah selbst der Buddha, den du verehrst, seinem königlichen Vater zuwiderhandelte, und, der höheren Stimme in seinem Innern folgend, die ©einigen! verlieh? And war der Vater später nicht einer der ersten, welcher den Sohn verehrend grüßte?“ Da ging der alte Mann still von dannen, um alsbald seinem Sohne die Einwilligung zu erteilen, unter der Voraussetzung, bah die Mutter, welche Christin ist, ihr Jawort nicht versage. „Wenn die fremde Frau, so stammelte er, „mir Bana (des Buddha Lehre) predigt, was kann ich dann noch erwidern!", und Tränen erstickten feine
Immer neue Stimmungsbilder tauchen aus der grünen Dämmerung von Anuradhapuras Laubgängen in der Seele auf!
Jetzt sind es die gelbumhüllten Gestalten zweier Priester- mönche, wie sie barhäuptig, mit entblößter rechter Schulter, vor der Veranda unseres Rasthäuscheiis bewegungslos stehen. Sie reden nicht, die Blicke sind gesenkt, die Hand hält die kupferne Dettelschale. Stumm empfangen sie unsere Gabe gekochten Reises, stumm wandern sie weiter durch die kleine Straße des Oertchens, vor jeder Tür stillstehend. — Der Jünger Buddhas soll nicht danken für die Gabe, die ihn nährt, noch auch tim sie bitten. Bevor die Sonne den Zenith erreicht, soll er in „einem Sitze" das Bescherte verzehren, d. h. während des kurzen Mahles darf er sich nicht erheben, oder wenn dies durch eine religiöse Regel, wie beim Erscheinen eines höheren Priesters, nötig wird, das unterbrochene Mahl nicht vollenden. Dann soll bis zum nächsten Tagesmahl weder Rahrung noch Trank mehr seine Lippen berühren. Sein Gewand bestehe aus 32 zusammengenähten Flecken, und auher diesem besitze er nichts als eine Bettelschale, eine Nähnadel, ein Schwermesser, einen Facher und einen Linnenbeutel zum Filtrieren, damit er nicht im Wasser lebende Wesen verschlucke.
Run wieder sehe ich unsere kleine Veranda angefüllt mit einer Versammlung Kandhscher Häuptlinge, welche gekommen sind, uns zu begrüßen. Ihre glutäugigen Häupter umschließt ein tellerartiger Turban, den Anterkörper ein außerordentlich faltenreiches, kurzes Beinkleid aus weißem Musselin, das täuschend an Dalletteusenröcke erinnert. And doch, wie würdig das Reigen der Begrüßung, wie herzlich freundlich der Abschiedsgruh der zuerst an die Stirn geführten, dann flach uns zugestreckten ^^Run durchschauert die Erinnerung das Bild der gespenstisch im Schimmer der Mittagsgluten zitternden Jetawarama. Sie war einst die höchste, gewaltigste der Dagobas. Wie ein mystisches Symbol kriecht an den zerllüfteten Stufen eine altersgrnn« Schildkröte empor; auf den Trümmern der Kuppel, hoch droben, schwingen sich langgefchwänzte Affen im Spiele, die Candervs, die ungestörten Heimscher in dieser Weltöde. •
Auf die Steinplatte eines Ruinenaltars legt ein altes Mütterchen ihre Blumengabe, da sie mit wankenden. Knien ote steilen, geborstenen Dtuftn htnabtastet, leihe ich ihr meinen


