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Vater Verständnis dafür hat, Teil an meiner Freude nimmt unS oft äußert: „So hübsch tote bei uns ist'S doch nirgends."
Mein Heim ist meine Welt. Es mir zu erhalten in Ordnung, Sauberkeit und Schönheit ist mir ein Bedürfnis und Glück zugleich Liebe Deine Häuslichkeit, und Dir toerden viele kleine harmlose Freuden erwachsen, wenn es Dir gelingt, sie immer instand schön und reinlich zu sehen. Dann werden Du und die Deinen sich darin wohl fühlen. Und das ist ja der Kernpunkt , der Sache. Halte diesen Brief nicht zu ungut
Deiner stets um Dich besorgten Mutter.
Die finstere Stunde?)
Das ist das Geschmeiß, das um den Tempel schwirrt und daran schmarotzt, vom Hohen 2Ut ausgehalten, die letzte Garnitur von Kostgängern des Heiligtums. Man hat das nur notdurfirg & einer bewaffneten Truppe zusammengeflickt Es sind das die senkehrer und Türwärter: statt Besen und Schlussel haben tte an diesem Abend Waffen in der Hand. Sie erschienen in großer Zahl — „eine große Schar," sagen die Evangelisten —, obwohl sie wußten, daß es nur gegen Zwölf ging: die mitsammen nur zwei Schwerter hatten. Der Prophet jagt dem kleinen Gesindel auch ohne Waffen Furcht ein
Diese zusammengelaufene Horde ist mit Fackeln und Laternen heraufgekommen wie zu einem nächtlichen Feste. Die bleichen Gesichter der Jünger, das gelbe Gesicht des Judas, alles zittert in der flackernden Fackelglut. Das Antlitz Christi, vom geronnenen Blut befleckt, aber Heller leuchtend als alle Lichter, halt dem Judas sich zum Kuß hin.
„Freund, wozu bist du gekommen? Mit einem Kuß verrätst du den Wenschensohn?"
Du weißt es doch, wozu er gekommen ist, weißt, daß dieser Kuß die erste Marter ist, vielleicht die härteste zum Hinnehmen. Dieser Kuß ist das verabredete Zeichen für die Häscher, die ;a den Missetäter nicht von Angesicht kennen. Den ich küsse der ist's fangt ihn und führt ihn vorsichtig abl so hat der Bluttäuscher unterwegs zu den Tölpeln, die hinter ihm herliefen, gesagt Zugleich ist dieser Kuß aber auch die schrecklichste Beschmutzung des Mundes, der in der Hölle unserer Erde die para- dieshaltesten Worte qesvrochen hat. Die Despeiungen, die Schlage auf den Mund und aus die Wange, die ihm der jüdische Pöbel und der Abschaum der römischen Legion versehen wird: der Schwamm mit Elsig, den iie ihm an die Lippen halten werden — alles das ivird nicht so schwer zu ertragen sein wie dieser Kuß von einem Mund, der ihn einst Freund und Meister genannt hat, der aus dem gleichen Decher mit ihm getrunken, aus der gleichen Schussel mit ihm gegessen hat. , ,
Auf das Zeichen hin treten die Kecksten in der Schar an den Feind ihrer Brotherren heran.
„Wen sucht ihr?"
„Jesus von Aazareth," frnt u
sind kaum hat er gesagt „der bin ich," da stieben die Hundq «»rück sei es, daß der sichere Don der Stimme sie geschreckt hat oder das Funkeln der Gottesaugen. Aber er denkt auch in diesem Augenblick an die Bettung der Seinen. „
„Ich habe euch schon gesagt, daß ich es bin. Wenn ihr als» mich sucht, dann laßt diese hier gehen." .
Im gleichen Augenblick ist Simon aus fernem Schlaf und aus seinem Schrecken ganz zu sich gekommen: er macht sich dre Ber- wirrung der Schergen zunutze, zieht ein Schwert und haut dem Walchns, dem Knecht des Kaiphas, das eine Ohr glatt weg. Petrus ist in dieser Nacht wie zusammengesetzt aus Widersprüchen, er macht lauter Sprünge. Nach dem Abendmahl hat er geschworen, «r, er allein werde Jesus, was auch geschehen möge, nicht verlassen: nachher im Garten überläßt er sich dem Schlaf; keine Möglichkeit, ihn wach zu halten; jetzt ist er auf einmal — schon zu spät — em blutrünstiger Verteidiger; wieder ein bißchen später wird er leugnen, seinen Meister je gekannt zu haben .
Die unangebrachte, sinnlose Tat des Simon wird von Christus sofort abgelehnt:
„Steck' dein Schwert in die Scheide; wer zum Schwert greift, femmt durch das Schwert um. Wrnösre ich mich denn, den Kelch zu trinken, den mir der Vater reicht?" <. „ -
Lind er hält den nächststehenden von den Halunken die Hande zum Fesseln hin; die beeilen sich, ihn mit dein starken Strick, den sie mitgebracht haben, zu binden. Während sie noch an der Arbeit sind, hält ihnen ihr Gefangener ihre Feigheit vor:
*) Mit Erlaubnis der Allgemeinen Verlagsanstalt München, 21. G., entnehmen wir dieses Kapitel einem Probebogen des demnächst erscheinenden Werkes von Giovanni Papini „Lebens- Kichte Christi". — Giovanni Papini ist fraglos der führende der jüngeren italienischen Schriftsteller. Sein „uomo Fi- nito", seine beißenden Bücher der Kritik, seine „Dämmerung der Philosophen", seine Gedichte und Erzählungen sind Beweise einer ungewöhnliche Begabung. Es ist interessant zu verfolgen, wie dieser scharfsinnige, ernste und hochbegabte Italiener das „Leben Christi" darstellt in der Hoffnung, daß es, wie er zuversichtlich sagt, seine eigene Seele bessern &ttS seinen Leiern nutzen wird.
„Mit Schwertern und Prügeln seid ihr ausgezogen, mich zu fangen, wie wenn ich ein Näuber wäre. Lind doch saß ich alle Tage im Tempel und lehrte, da habt ihr nicht die Hand an mich gelegt. Aber dieses ist eure Stunde, die Stunde, in der die Finsternis Macht hat."
Er ist das Licht der Welt; die Finsternis mochte es aus- loschen Sie können es aber nur zudecken für kurze Zeit; wie die Sonne im Juli mitten am Tage plötzlich von der dunllen Gewitterwolke verdeckt wird; eine Stunde später strahlt sie aber schon toie6er stärker und heller als vorher. Die Schergen nehmen sich nicht die Mühe, sich zu verteidigen; sie haben Eile, als Seger in die Stadt zu ziehen und das Trinkgeld zu holen. Sie machM sich die Anhöhe hinunter auf den Weg, ihn am Stricke ziehend, wie der Metzger ein Stück Vieh zum Schlachthaus zerrt. „In diesem Augenblick," bekennt Matthäus, „verließen ihn alle Jünger und flohen." Der Meister verbat sich jede Verteidigung; der Messias ließ keine Blitze vom Himmel fallen, er hielt vielmehr selber die Hände hin. Der Retter konnte sich selber nicht retten; was wollten sie machen? Verfchw-inden, daß es nicht auch sie trifft, vor dis Mächtigen geschleppt zu werden, die sie gestern noch in ihren Träumen abgefetzt haben, die jetzt aber vor ihrer überraschten Phantasie plötzlich ganz furchtbar dastehen, jetzt beim Fackelschein, in dem die Schwerter blinken. Nur zwei gingen dem schmachvollen Zug nach, aber von fern; wir werden sie im Hof des Kaiphas wiÄierfinden. „ . =
Der Lärm hatte einen jungen Mann, der tnt Haus an der Oel- presse schlief, aufgeweckt. Neugierig, wie junge Leute nun einmal sind, wollte er keine Zeit mit ankleiden verlieren; er warf, sich das Leintuch um und sprang hinaus, zu sehen, was vorginge. Da griff einer von den Schergen nach ihm — die hielten ihn Wohl für einen Jünger, der sich nicht rechtzeitig aus dem staube gemacht hätte; er aber machte sich aus dem Leintuch los, ließ es in ihrer Hand und lief nackt davon. >
Es ist nie bekanntgeworden, wer dieser geheimnisvolle, aus dem Schlaf Gefahrene gewesen ist, der so plötzlich wieder in dev Nacht verschwindet, tote er aufgetaucht ist. Vielleicht ist s Markus selbst gewesen, der einzige Evangelist, der das Vorkommnis erzählt Wenn er es gewesen ist, denkt man wohl gern: in de« Seele des unfreiwilligen Zeugen der beginnenden Passion habe sich auch schon der erste Gedanke geregt, vor allen Menschen ihr Zeuge zu werden, tote er es ja wirklich geworden ist.
Die Umfassuirgsschlacht bei Hermannstadt (Siebenbürgen).
Don einem Mitkämpfer der 76. Reserve-Division.
Am 27. August 1916, dem Tage der rumänischen Kriegserklärung an Oesterreich-Lingam, war es, daß in das Land im Zuge der Südgrenze, von Siebenbürgen Bewegung kam. Auf das Zibingebirge und über die Schlucht des Altflusses weg auf das östlich anschließende Fogaraser-Gebirge drängten Bereitgeftellte rumänische Truppenmassen in großen Säulen ein. Das GrenzlaE der Monarchie, die man soeben noch durch unbedingte Neutrall- tätsversicherungen in Ruhe zu wiegen versucht hatte, wurde in dieser Ruhe von dem heimtückischen, auch heimlich vorbereiteten Stoße getroffen So konnte es geschehen, daß die schwachen österreichisch-ungarischen Grenzschuhtruppen übermannt wurden, daß die Flut der rumänischen 1. Armee sich in Siebenbürgen brat machte Es mag auch fein, daß die Erbärmlichkeit verräterischer mit Geld gewonnener Walachen dem Gegner dabei manchen Dor- fchub leistete. Ruckweife kam er vor, von Hang zu Hang, und grub sich ein (Daß die rumänische Geistlichkeit sehr viel schon vor der Kriegserklärung Vorschub geleistet hat steht fest, wie mir persönlich ein evangelischer Geistlicher in Hermannstadt erklärte, man fand auch bei dem Vormärsche die Häuser der rumänischen Pfarreien verlassen.) Und jeder vv!n den stellen, wild erwachsenen Bergen ist hier wenn er erst Stellungen und Abwehrkräfte hat, wie eine Festung Boden um Boden machte sich der Feind so, beinahe ohne Kampf, zu eigen: die rumänische Gefahr drängte sich gegen das alte Sachsenzentrum Siebenbürgens, um das schon über acht Jahrhunderte alte Hermannstadt.
Eine einzige Breite Straße, die auch für Fuhrwerke und Geschütze fahrbar ist, führt von Süden längs des Alttales uBer die Grenze herauf nach Hermannstadt. Sie tritt aus einem mäßig Breiten Tale beim Eintritt des Gebirgsbaches Riu-Dadului auf österreichisch-ungarischen Boden und zieht da, bald von den steil aufsteigenden Seitenwänden der Berge beengt, als tief versenkte Paßstraße ins Land. Ein dicker, viereckiger, roter Turm erhebt sich am Hange, einer der westlichen Höhen, die den Paß freigeben. Er soll, so sagten mir die dortigen deutschen Bauern, der Sage nach einst mit dem Blut besiegter Türken so rot gestrichen sein. Nach Bern Turme heißt der Paß, an dessen Besitz oder Verlust das Wohl und Wehe der Siebenbürger Sachsen hing, der Rote- Turm-Paß Ihn zu besetzen, war das Ziel der eingedrungenen Rn- mänen Aus den Höhen der Berge tarnen sie ihm in die Flanke, und als sie ihn mit ihren Gewehren und Maschinengewehren bestreichen konnten, zogen sie ihre Geschütze und ihre Bagagen auf Tausenden von Wagen über ihn ins Land. Die Taler des köstlich des Altfluß zueilenden Zibin und das Alttal breiteten sich frei


