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Der Fortschritt der mobetnot Wissenschaften ist von der Entwicklung der Technik nicht zu trennen: ohne Teleskop gäbe es feine moderne Astronomie, ohne Mikroskop keine Bakteriologie.
Auch die moderne Sun ft steht in engstem Zusammenhang mit 6er Technik: die moderne Instrumentalmusik, die moderne Architektur, das moderne Theater ruhen teilweise auf technischer Grundlage. Die Wirkung der Photographie auf die Porträtmalerei wird sich ebenfalls verstärken: denn, da die Photographie in der Re- vroduktion der Gesichtsformen unübertrefflich ist, wird sie die Malerei zwingen, sich auf ihr eigenstes Feld zurückzuziehsn und das Wesen, die Seele des Menschen festzuhalten. — Eine ähnliche Wirkung wie die Photographie auf die Malerei könnte die Kinema- Agraphie auf das Theater ausüben.
Die moderne Strategie hrt sich unter dem Einfluß der Technik gründlich geändert. Aus einer psychologischen Wissenschaft tß Kriegskunst vorwiegend zu einer technischen geworden. Die heu» AMN Kriegsmethoden unterscheiden sich von den mittelalterlichen wesentlicher als diese von der Kampfesweise der Aaturvölker.
Die ganze Politik der Gegenwart steht im Zeichen der technischen Entwicklung: Demokratie, Nationalismus und Volksbildung lassen sich aus die Erfindung des Buchdruckes zurückführen: Inda» Arialismus und kolonialer Imperialismus. Kapitalismus und So- etalismus sind Folgeerscheinungen des technischen Fortschrittes und •er durch ihn bedingten Umstellung der Weltwirtschaft. Wie der Ackerbau eine patriarchalische, das Handwerk eine individualistische Mentalität schafft — so schafft die gemeinsame, organisierte Jn- bustriearbeit die sozialistische Mentalität: die technische Organi- fflüon der Arbeit spiegelt sich wider in der sozialistischen Or- GLnisation der Arbeiter.
Endlich Hal der technische Fortschritt den Europäer selbst Verändert: er ist hastiger, nervöser, unbeständiger, wacher, geistes- Gegenwärtiger, rationalistischer, tätiger, praktischer und klüger ge- Vvrden.
Streichen wir all diese Folgeerscheinungen der Technik von unterer Kultur ab. so steht das, was übrig bleibt, in keiner Hinsicht Höher als altbabylonische Kultur — in mancher Hinsicht tiefer.
Der Technik verdankt also Europa seinen Borsprung vor allen «nderen Kulturen. Erst durch sie wurde es zum Herrn und Führer der Welt. Europa ist eine Funktion der Technik.
Amerika ist die höchste Steigerung Europas. —
Durch die Bevölkerungszunahme wird die Lage des Europäers Immer verzweifelter: trotz aller bisherigen Fortschritte der Technik befindet er sich noch in einem recht erbärmlichen Zustande. Die Gespenste des Hungers und des Erfrierens hat er zurückge- tträv-9 — aber um den Preis seiner Freiheit und seiner Muhe. Die furchtbare Zwangscrrbeit beginnt für den Europäer im siebten Lebensjahre mit dem Schulzwange und endet gewöhnlich erst mit dem Tode. Die europäischen Völker haben zwei politische Versuche unternommen, diesen erbärmlichen Zustand zu verbessern: Kolonialpolitik und Sozialismus.
Die erste Form der Kvlonialpvlitik besteht in der Er- pberung und Besiedelung dünnbevölkerter Erdstriche durch Da- ttonen, die an Uebervölkerung leiden. Die zweite Form den Kolvnialpolitik beruht aus Ausbeutung wärmerer Erdstriche und farbiger Völker. Ans die Dauer muß dieses Hilfsmittel versagen: denn seine unausbleibliche Folge ist ein ungeheurer Sklavenaus- stand, der die Europäer aus den farbigen Kolonien wegfegen und damit Europas tropische Kulturbasis stürzen wird. Auch die AuS- toonberung ist nur ein provisorisches Hilfsmittel: heute schon sind einige Kolonien ebenso dicht gcbrdngt wie ihre Mutterländer und »ähren das gleiche Elend. Die Zeit muh kommen, da es ferne Menschenleere Gebiete auf Erden mehr geben wird.
Den zweiten Versuch, das europäische Massenelend zu lindern, unternimmt der Sozialismus. Der Sozialismus will die eu» rvpäiscbe Hölle bannen durch gleichmähige Verteilung der Arbeits» last und des Arbeitsertrages. ~ t ,
Es unterliegt keinem Zweifel, dah sich daS Los der eurvpais-^n Massen durch vernünftige Reformen wesentlich verbessern liehe. Wenn aber der soziale Fortschritt nicht getragen wird durch einen Aufschwung der Technik, kann er das soziale Elend nur lindern, nicht beheben. . .
Denn die Arbeitslast, die zur Fütterung und Wärmung der vfelzuvielen Europäer nötig ist, ist grob: der Arbeitsertrag, den
Das technische Zeitalter Europas ist ein weltgeschichtliches Ereignis. dessen Bedeutung mit der Ersindung der Feuerung in der menschlichen Urzeit zu verzeichnen ist.
Die Wirkungsmöglichkeiten des technischen Zeitalters, an dessen Beginn wir stehen, sind unübersehbar. Es schasst die materiellen D>undlagen für alle kommenden Kulturen, die sich durch ihre ver- iinderte Basis wesentlich von allen bisherigen unterscheiden werden.
Alle bisherigen Kulturen von altägyptischen und chinesischen His zu der des Mittelalters waren einander in ihrem Ablauf und in ihrer Entfaltung so ähnlich, weil sie auf den gleichen tech- vischen Voraussetzungen ruhten. Von der ägyptischen Frühzeit bis Atm Ausgange des Mittelalters hat die Technik keine wesentlichen Fortschritte zu verzeichnen. Die Kultur, die aus dem technischen Zeitalter hervorgehen wird, wird ebenso hoch über der antiken und mittelalterlichen stehen wie diese über den Kulturen der Steinzeit.
das rauhe und nicht genügend fruchtbare Europa auch bei toten« stvster Ausnützung abwirft, relativ klein, so dah auch bei gerechtester Verteilung auf jeden Europäer sehr viel Arbeit und sehr wenig Lohn fiele. Beim heutigen Stande der Technik würde sich das Leben eines sozialistischen Europa in die Doppellätigkeit auflösen: arbeiten, um zu essen und essen, um zu arbeiten. Das C leich- heitsideal wäre erreicht: aber von Freiheit. Muhe und Kultur wäre Europa ferner denn je. Um die Menschen zu befreien, ist Europa einerseits zu barbarisch,, andererseits zu arm. Das Vermögen der wenigen Reichen, auf alle verteilt, würde spurlos verschwinden: die Armut wäre nicht ak^zeschafft, sondern verallgemeinert.
Der Sozialismus ist nicht imstande, Europa aus seiner Unfreiheit und seinem Elend zu Freiheit und Wohlstand zu führen. Weder Stimmzettel noch Aktien könnten den Kohlenarbeiter dafür entschädigen, dah er sein Leben in Höhlen und Schächten verbringen muß. Die meisten Sklaven orientalischer Despoten sind freier als dieser freie Arbeiter eines sozialisierten Werkes.
Der Sozialismus verkennt das europäische Problem, wenn er in der ungerechten Verteilung das Grundübel der europäischen Wirtschaft sieht, statt in der ungenügenden Produktion. Die Wurzel des europäischen Elends liegt in der Rotwendigkeit der Zwangsarbeit — nicht in der Ungerechstgkeit der Verteilung. Der Sozialismus irrt, wenn er im Kapitalismus die Ursache der furchtbaren Zwangsarbeit sieht, unter der Europa stöhw; denn in Wahrheit flieht nur ein sehr geringer Teil der europäischen Ar- beitsleistung den Kapitalisten und ihrem Lurus zu: der allergrößte Teil dieser Arbeit dient dazu, einen unfruchtbaren Weltteil in einen fruchtbaren zu verwandeln, einen kalten in einen warmen und auf ihm eine Menschenzahl zu erhalten, die er auf natürlichem Wege nicht ernähren konnte.
Der Winter und die Uebervölkerung Europas sind härtere und grausamere Despoten als sämtliche Kapitalisten: aber nicht die Politiker führen die europäische Revolution gegen diese unbarmherzigen Zwingherren, sondern die Erfinder.
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Der koloniale Jnrperialismus ebenso wie der Sozialismus sind Palliative nicht Heilmittel der europäischen Krankheit: sie können die Rot lindern, nicht bannen: die Katastrophe auf schieben, nicht verhüten. Europa wird sich entscheiden müssen, entweder seine B^ völkerung zu dezimieren und Selbstmord zu begehen — oder durch großzügige Steigerung der Produktion und Vervollkommnung der Technik zu genesen. Denn nur dieser Weg kann die Europäer zu Wohlstand. Muhe und Knl'ur führen, während die sozialen und kolonialen Rettungsversuche schließlich in Sackgassen münden
Europa muß sich darüber klar sein, daß der technische yort- schritt ein Befreiungskrieg allergöß'en S'ils ist gegen den härtesten. grausamsten und unbarmherzigsten Tyrannen: die nordische Aatur. __ , ,. .
Von dem Ausgange dieser technischen W e l t r e v v l u 11 oN hängt es ab, ob die Menschheit sich die einmal in Äonen bietende Gelegenheit: Herrin über die Aatur zu werden — nützt oder ob sie diese Gelegenheit, vielleicht für immer, ungenützt vorubergehen l^ Bor hundert (fahren etwa begann Earova die Offensive gegen die übermäßige Aatur. gegen die es sich bis dahin nur verteidigt hatte. Es begnügte sich nicht mehr damit, von der Gnade der Aaturgewalten zu leben, sondern es begann, seine Feinde zu ver- fllaven. , . _ ...
Die Technik hat begonnen, bad Sklavenheer der Haustiere zu ergänzen und das Sklavenheer der Sch'verarbeiter zu ersehet? durch Maschinell. die betrieben werden von Aaturkräften
Europa (und mit ihm Amerikas hat zu di-len größten uns folgenschwersten aller Kriege den Erdball mobilisiert
Die Fronttruppen des weltumspannenden Arbei'sheeres das gegen die Willkür der Aawrkräste kämvft, sind die Lindustne- arbeiter: ihre Offiziere, Ingenieure, Unternehmer, Direktoren: ihren Generalstab bilden die G"finder. ihren Train Dauern und Landarbeiter, ihre Artillerie die Maschinen, ihre Schützengraben Bergwerke, ihre Forts Fabriken.
Mit dieser Armee, deren Reserven er allen Weltteilen entnimmt. hofft der weiße Mensch die Tyrannis der Aatur zu brechen, ihre Kräfte dem Menschengeiste zu unterwerfen und so den Menschen endgültig zu befreien.*)
gelte, der Zickzack.
Von Anselma Heine.
(Fortsetzung.)
So verschwand der Fuchs denn eines Tages auS dem Waldtale. Auf dem noch weißen Acker sah man seine Spur. Erst wie eine einzige gerade Linie, dann verdoppelte sie sich. Auf der Ackerwi-sg hatte er Halt gemacht und mit dem Flügel eines erlegten Täuberichs fein Lebewohl an Helte in zierlichen Buchstaben in den
*) Die Ausführungen von Eoudenhove-Kalergie sind einem Aufsatz ..Europas technische Weltmission" entnommen. Der Der» K behandelt den Stoff in einem im »Reuen Geist-Verlags, ig, erschienenen Werk »Das technische Zeitalter*' poch eingehender.


