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Schnee gefchrieben. Denn er war ern Fuchs, dem an der Meinung der Meistchen lag, und er wollte nicht unhöflich erscheinen.
So verlor 3elte seinen Kameraden.
3n derselben Nacht, als es schon gegen Morgen war, wachte Jette auf und wunderte sich, daß er seinen Datec nicht im Bette neben sich fand. Er stand auf, ging hinaus und stieg auf den Bahndamm. Da stand der Bahnwämer hochanfgerichtet und kerzengerade. Schnee lag auf seinem Barte, Schnee auf feiner rotgeran« derten Mütze. Schnee auf seiner Fahne und schneegefültt waren seine toten Augen, in die der Mond hineinschaute. Gerade, wie der Zug Donteerfam, war er gestorben.
Traurig ging Gelte nach der Wiese und schaufelte em Grad. La hinein leg e er den toten Körper, Mütze und Fahne gab er dem 'Datei: mit auch die Kleider, die er trug, und seine hohen Stiefel.
„Warum tust du das?" schalt die Kuh, die verwundert zusay, du hättest sie gut gebrauchen können, du dummer Zickzack."
Gelte aber schüttete das Grab sorgfältig zu und pflanzte Gew- traut und Moos darauf, denn Blumen gab es noch nicht. Danach Jing er im Tale umher, um Abschied zu nehmen, denn nun wollte er in die große Wett reifen.
Weg fort." sangen die Lelegraphenstangen.
Wir werden dir dn Aeisekleid geben," sagten die Vögel. „du armer Zickzack bist ja halb nackt, sie würden dich auslachen in der großen Wett." Dann flogen sie davon und holten ihre warmen Winternester herbei, daraus zupften und klebten sie in aller Eile ein graubuntes Federgewand für Gelte; das zog er an und war nun feiner und wärmer gekleidet, als wenn er feines toten Vaters Bock getragen hätte.
„Wir werden dir Beisesch'chr aus Diumglas geoen, sag e der Wald die Steine in der grvhm Wett würden dir die Fitste 8er- reisten" Da schüttelten die Bäume ihre Sisbehänge, daß es klirrte. In wenigm Augenblicken hatten sie mit Schmelzen und Biegen ein zierliches Schuhwerk zufavne'.rgebrach: für Gelte. Das zog er an und war nun glänzender und glatter beschuht, als wenn er seines toten Vaters hohe Stiefel angezogen hätte.
.Ich werde dir einen Hut von Butter geben, sagte die Kuh, „der Sturm der großen Welt würde dir die Locken zausen." Darauf rüttelte sie ein wenig und stampfte im Bttterfaffe, bis sie einen schönen gMen Hut gemacht chttie für Gelte. Den setzte er auf und trat nun weicher und luftiger bedeckt, als wenn er seines toten Vaters rotgeränderte Mütze auf den Kopf gesetzt hätte.
.Und nachdem Gelte von Vögeln, Wald und Kuh so prächtig ausgerüstet war, gab er der Kuh den Schlussel zur Futterkiste, die noch halb gefüllt war ?md ging davon, um in die große Welt zu wandern.
Gelte war noch nicht lange gegangen, als er an eine Stelle kam, wo der Wald lichter wurde. Ec ging weiter und gelangte zu einer großen, dunkeln Wiese, die am Bande dünn überfroren war. Es war dies aber der tiefe Moorfumpf, den die Waldtiere den Sumpf des Todes nannten, denn wer sich hineinwagte, der versank kläglich tat Schlamme, oder die giftigen Dünste erstickten ihn.
Gelte wußte ganz gut, daß es der Sumpf des Todes war. an dem er hinwauLer;e. aber der Anblick der farbigen und glanzenden Welken, die unaufhörlich aus der Mitte der Wiese empor- sti. g n und wie präch ige Wagen gen Himmel fuhren, entzückte ihn dermaßen, daß er, ohne zu überlegen, der Gefahr entgegenlief und er wäre gewiß umgekommen, wenn feine Schuhe von Baumglas ihn nicht so glatt und schnell über die morastigen Spellen der Wiese heimbrrgetragen hätten.
So hatte er die gute Hälfte der verrufenen Wiese durchglitten und Land nun vor einem tiefen Graben, in dem schwarzbraunes Wasser floß. Der gute Zickzack hatte die Augen in der Luft und war an den Band der bedrohlichen Tiefe gekommen, als eine MLLchenstimme, die säst klang wie Schwalbengezwitscher, ihn anrief:
..Geh nicht weiter," sagte di» Stimme, „wenn du nur noch einen Schritt machst, so versinkt dir der weiche Wissenboden unter den .Füßen, und du bist verloren."
Gelte blieb verwundert stehen, denn er konnte weit und breit keine lebende Kreatur gewahren, nur der Debet, der vom Sumpfe auf flieg, flimmerte und glänzte in herrlichen Farben, die alle wie Gold umsponnen schienen. Als er aber länger hinabblickte, bemerkte er, daß es ein Frauenkleid war, das also goldigbunt durch den Debet schimmerte und er sah nun, daß eine wunderschöne Gung» frau mitten im Sumpfe stand und die weißen Arme angstvoll nach ihm ausgestreckt hielt. Goldfarben war ihr Gesicht, mondhell ihr Haar, das lang und schwer niederschleppte.
Als sie sah, Mß Gelte keine Miene machte, weiter zu gehen, ließ sie die Arme sinken.
„Wie kommst du hierher?" fragte sie. „Kein Mensch und kein Tier vermag es fonft, über die Wiese zu wandern."
Gelte antwortete: „Der Wald schenkte mir Schuhe von Baum- glas, die trugen mich hierher."
»And wo willst du hin?" fragte die Gungfrau wieder.
Gelte antwortete: „Ich wandre in die große Welt."
„Dies ist nicht der rechte Weg nach der großen Welk, armer Zickzack," sagte das Mädchen und sah ihn mitleidig an. „Hier gebt es nach dem Deiche des Ttches."
„Was suchst du in der großen 'Wett?" fragte das Mädchen wieder.
Gelte antwortete: „Ich suche die Sonne und die Wärme, in der Dosen blühen, And freundliche Menschen suche ich, denn ich bin ganz allein auf der Welt."
„Ich will ein wenig zu dir kommen," sag'« das Mädchen. „Ws zum Dande des Grabens darf ich gehen, denn Las ist die Grenze des Sumpfes. Dir aber rühre dich nicht, denn sobald du näher an mich heran trittst, müssen wir beide sterben." Damit raffte sie ihr schimmerndes Gewand auf und kam quer über die Wiese gelaufen, so schnell wie ein Sonnenstrahl. Als sie nun näher herantrat und ihre ganze Gestalt deutlicher wurde, bemertte Gelte, daß ihre kleinen goldbeschuhten Füße keine Spur im Wiefenboden hinterließen; desto seltsamer kam es ihm vor, daß die Spitzen ihrer Haare schlammig waren und daß sie in dem Wintergrün des Sumpfes eine tiefe Spur hinterließen.
Als die Gungfrau dicht bei Gelte stand, daß mir noch 6t» Breite des Grabens zwischen ihnen war. streckte sie ihren Ar« auL.
„Gib mir deine Hand," sagte sie dabei, „aber rühre dich nicht von deinem Platze."
Gelte bog und streckte sich, so gut er konnte, aber weil der Graben breit war, vermochte er nicht, die Hand der Fremden M erfassen. Das belustigte die Gungfrau und ein Lächeln glitt über ihr sunges Gesicht, das vorher traurig gewesen war, wie unter einem schweren Herzeleid. Auch sie bog und strecke sich nach Vermögen und es kam endlich so weit, daß ihre Fingerspitzen eins ander berühren könn en. Kaum hatte aber Gälte deS Mädchens Fingerspitzen angerührt. als er eine gr.-ß» Wärme durch fein Herz fließen fühlte, wie er sie nie zuvor empfunden hatte. Ohne zu sprechen, gingen mm die beiden eine große Weile lang an den Äsern des Grabens umher. Sie hielten sich immer in der gleichen Entfernung von einander, als fürchteten sie, sich zu verlieren. Und wie sie fo behutsam, mit erhobenen Armen, die Hände anein- andergelegt, dahinschrltten, sah es aus tote ein feierlicher Tan», Cen die beiden in großer Einfamkdt, zwischen Moor und Nebel mttfammen ausführten.
„Wie heißest du?" fragte Gelte.
„Lkch heiße Gulla," antwortete das Mädchen, „und bin eine Tochter der Sonne."
... Sette sah in ihre Augen, die goldgesprenkelt waren, wie ein Morgenyrmmel zur Sommerszeit. „Warum.wohnst du nicht bei dem^ Mutter?" fragte er, „warum bist du hier in diesem nebligen Sumpfe gefangen T
©ulla sah ihn traurig an, dann antwortete sie: „Als ich noch bei meiner Mutter wohnte, habe ich mich im Lachen zu welk über den Band des Himmelsgartens gebeugt, dabei bin ich herabgestürzt und in diesen Sumpf gefallen."
„Aber kannst du nicht wieder herauskommen aus dem Sumpfe?"
„Dicht, ehe mein Haar getrocknet ist. Siehst du nicht, wie es mich herabzerrt? Ist es aber getrocknet, so schnellt es empor und ich bin erlöst."
„Warum aber kommt nicht die Sonne, deine Mutter, und trocknet dein Haar?"
„Die Sonne hat keine Macht über den Sumpf des Tode»." „And der Wind, der über die Wiese streicht, kommt er nicht, dein Haar zu trocknen?"
„Der Wind bringt nicht ein in meinen Debet"
Während sie fo redeten, bog Gulla ihren feinen Hals ein wenigs so daß eine Strähne Ihres langen Haares zu Gelte hinüberfiel. Gelte streckte seine Hand ans und begann mit großem Eifer dl« blassen, feuchten Haare zu reiben und zu wärmen und es wollt« ihm scheinen, als ob sie strahlender würden und goldener unter der Arbeit fei-ter beiden warmen Hände. Gutta hielt stille und ihre Lippen lächek'en ein wenig in schüchterner Freude oder Hoffnung. Der gute Gelte aber sah nicht auf von feinem Geschäfte, sondern sag'« nur ein paarmal unter feinem eifrigen Wärmen und Beiben, während ihm das ganze Herz in der Brust zitterte vor Wärme:
„Was bin ich doch für ein unnützer, armer Zickzack, daß ich dir nicht helfen kann."
Gulla sah ihm lange nachdenklich und ein wenig schalkhaft auf das gesenkte Haupt, dessen dicke, goldene Locken unter dem Hute von Butter hervorquollen.
„Wohl kannst du mir helfen, Gelte," sagte sie dann, „dentz nun sollst du wissen, daß es ein Feuer gibt, das mein Haar zu trocknen und mich aus dem Sumpfe zu lösen vermag." Dabet blickte sie recht holdselig auf Gelte, als meine sie, er wäre es, der ihr dieses Feuer bringen könne.
Anter diesem Blicke spürte Gelte, wie in feinem Herzen die Wärme immer größer wurde. Er trachtete aber seine Gedanke« zu sammeln, damit er desto besser über Gullas Worte nächst«- nen und zu ihrem Wohle handeln könnte.
„Wenn es dn solches Feuer gibt, wie das, von dem du sprichst." sagte er endlich bedächtig, „so war es gut, daß ich mich auf« (lemacht habe, In die große Welt zu gehen, denn nun werde ich o lange wandern, bis ich gefunden habe, was du brawdßft“
(Fortsetzung folgt)
Schriftleitung: Dr. Friede. Mich. Lange. — Druck und V«kaa bet Brühl'fchen Univ.-Buck- und Steindruckerd. B. Lange, «Meßt»


