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9m Palast des Sultans von Djakjakarta.
Don John Freeman.
In rascher Fahrt trug der Zug mich durch das Hochland Javas. Ringsum Vulkane, einzelne rauchen, so der Brome. In der Tiefe liegen die dunkelgrünen Wälder, die alles Getier der Tropen bergen, liegen Kaffee-, Tabak-, Kokosplantagen; Flüsse schlängeln sich weißschäumend, wie silberne Bänder, durch die Täler, Reisfelder ziehen sich terrassenförmig die Abhänge hinan, Angeheure Tempel steigen auf aus grünem Hain. And- über dem allem ein Meer von Licht, von Sonne, von brennender Glut.
In Djakjakarta ist die Fahrt zu Ende. Ein herrlicher Ort, eine Gartenstadt, von breitesten Pfaden durchzogen, daran leicht- g «baute, weiß schimmernde Bungalows stehen. Tamarinden, Chinabäume, Feigenbäume beschatten den Weg. Hier und da eine schlanke Palme. Sanfte, stille Menschen wandeln lautlos durch den Staub, der auf den Wegen dieser Stadt liegt. Da Djakjakarta hoch liegt, ist die Temperatur hier erträglich. Der holländische Statthalter der Provinz Minahassa auf Celebes, der Resident, hatte mir ein Empfehlungsschreiben an Len Sultan von Djakjakarta ein- gehändigt, und so betrat ich den Palast. Den Palast? Rein, ich betrat zuerst einmal den Zuweg. Ich sah mich dann vor einem offenen Tor stehen, welches durch eine dicke, hohe Mauer von fast unabsehbarer Länge in die Palastgärten führt. An diesem Tor stand ein javanischer Wächter.
Rachdem ich ihm auf Malaiisch deutlich gemacht, weshalb ich hierher gekommen, liest er mich stumm passieren. Run sah ich mich drinnen, als ich vor einer zweiten Mauer stand, ähnlich der, welche ich soeben zurückgelassen. Auf dem Grasstreisen zwischen beiden weißen Mauern wuchsen hier und da exotische Bäume, grohe, leuchtendrvte Blumen. In dieser zweiten Mauer erblickte ich kein Tor. Bereits war ich im Begriff, zu dem Wächter draußen zurückzukehren, als ich fern oben an der zweiten Mauer einen Eingeborenen auftauchen sah, der dort offenbar aus einer Oeffnung, einem Tor, zum Vorschein gekommen war. So ging ich dann dorthin und fand in der Tat einen Zugang, gleich dem, den ich ein« Viertelstunde zuvor passiert. Auch hier stand ein Wächter, And wieder stand ich vor einer Mauer, der dritten, und sah keine Tür. Ich ging und ging, denn ich wußte, dast ich in einem labyrinthisch angelegten Palastgebiet war. So kam ich dann an diesem Dormittag durch neun Tore, welche in bedeutendem Abstand voneinander die Mauern durchbrachen, And an jedem Tor ein bunt- gekleideter, brauner Javaner als Wächter. Ein Weg dieser Art ermüdet mehr denn irgend ein anderer, weil man nicht weih, wie lange dies alles noch dauern kann, weil es auherdem langweilig ist, zwischen zwei Mauern, kaum acht Meter voneinander getrennt, dahinzuwandern. Es ist so schlimm, wie — zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Und dennoch beflügelte der Gedanke in einem ostindi- schen Labyrinth, auf dem Wege zu dem Groh-mächtigen von Ostjava zu sein, meine Schritte. Hatten nicht unzählige andere diesen Weg vor mir gemacht?
Endlich, endlich hatte ich auch die letzte Mauer hinter mir und vor mir öffnete sich freies Gartenland. Als ich nur einig« Schritte getan hatte, stand da einer der Palastsoldaten am Wege. Er machte ein Zeichen des Grußes, dann wies er mich mit orientalisch stoischer Miene auf den überwölbten Eingang zu einem unterirdischen Gemach. Ich verstand und schritt die steinernen Stufen hinab, begleitet von einem hier hockenden javanischen Wächter, welcher alsbald eine Fackel anzündete. Tiefer und tiefer führte die steinerne Treppe abwärts, bis wir zuletzt auf eineil breiten, unterirdischen Gang gelangten. Das ungewisse Licht der Fackel irrte gespenstisch über die harten Wände dahin. Dann, nach einer Wanderung die mir endlos schien, erblickte ich mehrere hölzerne Falltüren in der Wand. Auf meine Frage erklärte mir der Javane, diese Türen wurden in ehemaligen Zeiten ven Kampf und Gefahr heraufgezogen, wenn die Feinde in den Palastgang gedrungen waren. Dann stürzten die Wasser des nahen Flusses hervor, und alle, die hier unten waren, ertranken.
Weiter gings. Die Schritte des barfüßigen Jnselsohnes waren unhörbar, meine eigene näber hallten wider von den starken Wänden. Wie kühl es hier unten war! Eine wundervolle Eidechse huschte vorüber.
„'Wie heißt du?" fragte ich den Fackelträger, denn'ich fing an, lebhaftes Interesse an ihm zu nehmen.
„Ich. Herr? Ich bin der Sohn Mohammed Alis, des Gewürz- Händlers an der Tempelstraße nach Boro Budur, und ich heiße Siddin."
„Hast du Frau und Kinder?" fragte ich nun.
„Gewiß, Herr, dein Diener hat ein Weib. Sie heißt Ahessa. Sie ist zwölf Jahre alt. Ich habe einen Sohn, der vor zwölf Monden geboren wurde, und den Ayessa mir schenkte."
Hin Vampir flatterte erschreckt auf. Offenbar 'hatte der blut- grerige Sauger, im Schlaf an der Decke hängend, die Laute vernommen. Vielleicht auch hatte das Licht sein schwaches Auge getroffen, doch das glaube ich nicht.
„And du lebst nun in deiner Hütte, hier in Len Palastgärten, mit deinem Weib, deinem Sohn, und bist glücklich?"
„Ich bin zufrieden, Herr. Wer ist glücklich, o Fremdling? And wer es zu sein glaubt, der kann es nicht lange sein, je mehr Glück er fühlt, um so rascher sucht das Anglück seinen Weg zu ihm!"
»Mag sein, Siddin,"
„Ich freue mich an meinem Weib, sie arbeitet auf dem Felde, sie pflückt den Kaffee, wenn er reif geworden, sie ist meine Sklavin und die Mutter meines Sohnes."
Der Javane, mich beim rötlichen Fackelschein anblickend, lächelte ein wenig und- ich sah seine vom Sirikauen schwarzen Zähne. Diese Menschen von Jnsulinde glauben, schwarze Zähne seien eine besondere Schönheit, und daher kauen sie den Betel, den sie auf Java Siri nennen.
Run stiegen wir eine Treppe hinan. Stufen und Stufen, und es dünkten mir weit mehr zu fein als jene, die ich hinabstieg. Ich war froh, diesen Tunnel hinter mir zu haben. Da wurde es hell vom Tageslicht. Der andere steckte die schwelende Fackel in eine be-> reitstehendes Gefäß mit Wasser, danach legte er den Lichtspender in eine Rinne. Voll schien das heiße Licht der Sonne auf unsere Wangen. Ich sah mich auf hohem Wall und- blickte hinab auf weite Blumengärten, auf kleine Baumpflanzungen, oasenhaft. Aeberall überragten die hohen Palmen die Hütten hier und da. Braune Menschen wandelten über verschlungene Pfade.
Wir stiegen nun über eine schmale Steintreppe den Wall hinab, gingen an den Hütten vorüber und standen plötzlich vor einem viereckigen, von einem gemauerten Rand eingefaßten Wasserbassin. In der Mitte dieses Bassins von bemerkenswertem Amfang stand aus einer kleinen Insel ein Pavillon. An einer in die Bassinmauer eingelassenen Treppe aber lag ein unbewegtes Boot von ostindischer Bauart. Ohne Zweifel war dieses Fahrzeug für die Aeberfahrt nach dem Pavillon bestimmt. Der gute Mann an meiner Seite berichtete mir, der Sultan bade hier. Aber auch seine vielen Haremsweiber und seine zahlreichen Kinder nähmen hier ihre Bäder, indes der Sultan dort im Pavillon auf weichem Lager ungesehen von seinen Mitmenschen dem lustigen Treiben der Badenden zuschaue.
And nun standen vor dem Palast vor der Terrasse zwei Elefanten von grauer Farbe, ein Geschenk des Sultans von Atjeh an den Radscha von Djakjakarta. Bei unserem Rahen erhoben die Kolosse Den Rüssel und stießen einen weithin schallenden, trom- petenartigen Ton aus. Alsbald stürzen an fünfzig Javaner aus dem Palast herzu, sie werfen sich zu Boden und drücken die dunlle Stirn auf die kühlen Steine der weiten Terrasse. Es ist wie im Märchen. Alles gleicht einem Film. Ein „Oberdiener" geleitet mich in die weite Halle, darin an den mit bunten indischen Stoffen behangenen Wänden die Wonvtrvmvs, die Vasallen knien, in der Rechten das geflammte Schwert, indes der linke Arm den Klewang, den aus bunt bemaltem Leder angefertigten Schild hält. Im Hintergrund aber, hinter vielfarbigen Perlschnüren, sitzt der Sultan auf reichgeschmücktem Thron. Welch seltsame Atmosphäre in diesem von gedämpftem Licht erfüllten Raum. Märchenland Indien!
Ich hatte das Glück gehabt, gerade zu einem Zeitpunkt in den Palast zu kommen, da der Radscha eine Versammlung seiner Anter- fürsten einberufen hatte. Der Anblick dieses wundervollen Schauspiels nötigte mir ein Lächeln ab, denn ungeachtet all des Ernstes der Versainmelten wußte ich nur zu gut, daß diese Fürstenherrlichkeit nahezu nichts denn eine theatralische Draperie ist, weil eben die niederländische Regierung alle Gewalt in Händen hat und den Eingeborenen das altgewohnte Schauspiel der würdevollen Versammlungen, den Pomp des orientalischen Hofes gern gewährt, um dadurch unter den Eingeborenen ihrer Besitzungen eine größere Ruhe zu erreichen.
Rahezu eine Stunde harrte ich auf das Ende der Zeremonie, während welcher bald dieser bald jener Basall seine Aeuherungen in murmelndem Tone machte.
Dann eine Bewegung in der'Menge. Die Aussprache ist beendet. Ich trete an den Thron heran und übergebe dem mir Zu- nächststehenden mein Schreiben. Der Sultan liest es. Die Perlenschnüre werden zur Seite geschlagen und ich blicke in ein festes, stark gepudertes und geschminktes Gesicht. Die Augenbrauen dieses Mannes von etwa 50 Jahren sind ungewöhnlich stark mit Tusche bestrichen. Eine Kruste liegt darauf. Der Sultan fragt mich in malaiischer, weil mir geläufiger Sprache, nach meiner Heimat, uM er spricht mit Bewunderung von dem tapferen Volke fern imAberwr lande. Rur kurze, doch freundliche Worte spricht der orientalische Fürst. Ein Lichtstrahl der Rachmittagssvnne fällt durch das bunte Fenster auf seine etwas schwammigen Züge. Die Audienz ist beendet, nachdem mir der Sultan eine glückliche Weiterreise gewünscht und mich bittet, die ferne Heimat zu grüßen, wenn ich eines Tages in der Zeitung berichten würde.
Auf weit schnellerem Wege als ich hineingelangt in dieses Labyrinth, kam ich, geleitet von einem Diener, ins Freie. >
Karrel und sein Freund.
Don CharlotteRiese.
(Fortsetzung.)
Er wußte, daß sein Chef mit solchen Dingen nicht belästigt werden wollte, wenn er große Anternehmungen im Kopfe hatte. Lieber würde er ihm einen neuen Anzug geben, als von einem gestohlenen hören.
Man war großartig bei Schmidt & Wolf geworden, ein Anzug Mehr od-er weniger spielte keine Rolle.
Also blieb Karrel vorläufig nichts andres übrig, als in dem feinen schwarzen Anzug nach Hause zu gehen und- sich eine -Unter* suchung des Diebstahls für morgen aufzusparen.


