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häktnisse von Grund auf geändert haben, und nicht überall zuj ihrem Vorteil. Den« die große deutsche Äot hat ein Neues auch für den Mittelstand gebracht: die notwendige Mitarbeit der Frau, um die Lebenskosten zu decken. And da Freiheit süh ist, selbst in ihren Zerrbildern, so hat auch die Haustochter sich an den eigenen Verdienst, an die Ansprüche, die er befriedigt, viel zu rasch gewöhnt. Es kommt vor, daß die Tochter das Elternhaus verläßt, weil ihre Forderungen sich nicht in den Familienrahmen fügen, in eine Pension zieht oder mit einer Freundin zusammen- wvhnt. Die Fragen ratloser Mütter, die durch die Zeitungen gehen, was sie tun sollen, um ihre Töchter an das Haus zu fesseln, gewähren Einblick in diese Zustände. Daneben steht die Tochter, die trotz der Aussichtslosigkeit des Augenblicks auf der, Ausbildung ihrer Begabungen besteht und mit kleinerer oder größerer Hilfe des Vaters versucht sich durchzusehen, steht jene andere, die mit ihrem Verdienst den Eltern hilft, überall ein- springt, verzichtet. Rührende Tragödien und Komödien spielen sich heutzutage in Familien ab, in denen die Liebe herrscht. Die Haustochter aber mit ihren einstigen Aufgaben ist ein Beruf, für sich geworden. Immer öfter werden in den Familien junge Dame» als „meine Haustochter" vorgestellt, man sucht sie durch Anzeigen, man bildet sie aus, sie finden ihre „ Lebensmöglichkeiten nicht mehr im elterlichen Heim sondern bei Fremden. Ihre Befugnisse umfaßt ihr Name: sie gehen der Hausfrau, die meistens noch kleine oder schon verheiratete Töchter hat, zur Hand wie eine erwachsene Tochter. Sie schmücken den Tische bereiten den Kaffee oder Tee, bringen die Kinder zu Bett, sorgen für Behagen. Es scheint, daß das Leden immer den Tisch für seine Kinder deckt, in verworrenen Zeiten die Dinge zurechtrückt. Hier ist ein altes Ideal zum Beruf geworden. Dagegen ist nichts einzuwenden. 3m Gegenteil, auch hier rückt die Zeit mit freundlicher Hand viel Jugend auf ihren richtigen Platz, Jugend, die ihren eigensten Anlagen nach'sich betätigen kann und im Grunde viel gMcklicher ist als die unzähligen Sekretärinnen. Denn diese Haus- Ächter gehören wirklich zur Familie, teilen die spärlichen Freuden der Zeit und werden gut gehalten, wenn sie tüchtig sind.
Ja, vielleicht gewährt man so einer fremden Haustochter viel, was der zugeborenen so oft verweigert wurde. Es ist nicht schön, aber sehr menschlich, daß die meisten Menschen ihrem Temperament in der Familie am wenigsten Zügel anlegen. Es macht das den Höherstehenden nicht viel Ehre — denn wo sollten wir in den Stürmen der Zeit eine ganz sichere Ruhstatt finden, wenn nicht im eigenen Heim? . Hier ist Windschutz, Asyl im alten, schönen Sinne. Als der Haustochter im Elternhaufe so oft ihr Menschenrecht nicht gegeben wurde, waren wir ein gesundes, blühendes Volk. Heute sind wir zermürbt, nervös, oft ohne Zukunft. Der Begriff „Heim" ist für viele fast eine Sage geworden. ■ Wo solch eine Stätte noch besteht, im alten Sinne, da mußte der Ersah der ganzen sittlichen Kraft gebraucht werden, um ihren Aamen zu verdienen. Gerade heute kann die Haustochter 3deal und Wirklichkeit verbinden. Das Gespenst des Alterns schreckt ja die Frau nicht mehr, die es lange gelernt hat, daß der Borst! der Arbeit quillt, aus dem das Gefühl der Aützlichkeit strömt, das ein junges Herz macht. Haustochter sein ist heute wieder ein Ehrentitel.
Der Sport und die Frau.
Von Emma S t r v p p.
Sollen Frauen Sport treiben? Diese Frage findet, so unwahrscheinlich es manche!» klingen mag, noch immer keine einstimmige Bmntwortung. Vor allem ist es die bürgerliche Mittelschicht unseres Volkes, die sich von überalterten Vorurteilen nicht zu lösen vermag. Adel, Offizierskreise und Finanzaristvkraten waren, alter Aeberliefernng getreu, oder den Gepslogenheiten der führenden Schichten folgend, von jeher Anhänger und Ausübende des Sports, allerdings in erster Linie jener Zweige, des Reit-, Fahr-, Segel- und Tennissportes, die auch heute noch, ebenso wie der Automobilsport, breiteren Volksschichten aus naheliegenden Gründen unzugänglich sind.
Aus früherer Zeit stammt daher auch die Auffassung, daß die Beteiligung der Frau am Sportleben eine Luxusbeschäftigung, ein Zeitvertreib müßiger Stunden, und der angenehme Vorwand sei, die winterliche Geselligkeit — einschließlich 'Flirt — auf dem Pserderücken, unter dem Segel oder vor dem Retz fortzusehen. Sie hatte, vom Standpunkt des Bürgertums und der selbstverdienenden Frauenschast betrachtet, ihre Berechtigung.
Inzwischen aber tvandelte sich die Zeit. Jahre schwerster Entbehrungen, angespanntester Arbeit, auch der Mädchen und Frauen, aufreibendster Berufs- und Haushaltssorgen liegen hinter uns. Sie find nicht spurlos an der heutigen Frauengeneration! und an der Heranwachsenden weiblichen Jugend vorübergegangen. Weder körperlich noch seelisch. Auch heute noch trägt, besonders der Mittelstand, eine schwere Last. Eine Erneuerung des inneren! und äußeren Menschen, eine Entspannung nach den täglichen Ar- beitsmühen, ein, wenn auch nur vorübergehendes Abwerfen zermürbender Sorgen beim Turnen, in Sport und Spiel sollte da- !>er Wunsch! und Begehr aller, nicht zum wenigsten der Frauen, ein.
Aber gerade das gute, liebe Bürgertum sträubt sich dagegen. Besonders gegen den Frauenspvrt. „Ex ist ungesund," erklärt Kau
Schulze, „ich habe es selbst erfahren. Durch zu langes Radfahren zog ich mir einen gründlichen Knax zu." Meine Tochter lernt „künstlerisch tanzen . Auch gut. es ist wenigstens etwas. — „ Frauensport ist unweiblich, ich lasse meine Tochter nicht in Buchsen Herumlaufen," äußerte sich! Herr Müller, ahnungslos, daß Schön-Ella auf Maskenbällen „Hosenrollen" bevorzugt und die Röcke des neuen Kostüms nicht eng genug bekommen kann.
„Frauenspvrt," sprechen die geistig und körperlich Trägen, „mag gut und schön sein für die — anderen. Mfit irgendeinem Schlagzeug hinter einem Balle herrennen, im Schweiße meines Angesichts rudern — ich danke! Das verdirbt den .Teint' und die teure .Ondulation^."
„Frauensport," sagen aber auch mit sehnsüchtigem Verlangen viele Tausende von Mädchen und Frauen, „wie gern möchten wir ihn treiben, aber es fehlt die Zeit." äleber diesen wichtigsten; Einwand wird noch! ein Wort zu sagen sein. Diese Aeußerungenj sind nicht übertrieben, man kann sie oft genug hören, denn in seinem überwiegenden Teile steht das Bürgertum der Anteilnahme der Frauen am Sportwesen noch mit allerlei Bedenken, im günstigsten Falle gleichgültig-wohlwollend gegenüber. In den breiteren Volksschichten setzte sie sich dagegen bereits voll durch. Das Mädchen auS dem Volke, nicht so verzärtelt wie die „höhere" Tochter, fand von jeher mehr Freude an Leibesübungen. Sie „drückte" sich nicht vom Turnen, wurde nicht von einem gefälligen Hausarzt davon „dispensiert", „weil bas Kind doch; so zart ist." Das Mädchen aus dem Volke war daher früher auf dem grünen Rasen und auf dem Wasser als die gleichaltrigen Mädchen des Mittelstandes, in welchem die Pflege von Leibesübungen, dank der Bemühungen von Schulen und Berufsorganisationen, erst in den letzten Jahren vermehrte Teilnahme findet.
Was jedoch auch von ihnen in dieser kurzen Zeitspanne an sportlicher Ausbildung und körperlicher Ertüchtigung geleistet wurde, ist in höchstem Grade bewunderungswert. Die Weister- leistungen zahlreicher Frauen im Turnen, Schwimmen, Leichtathletik u. a. beweisen es. Schon heute dürfen wir stolz fein auf den Aufschwung, den das Frauenturnen und das Frauenturnwefen genommen. Roch; aber sind wir weit davon entfernt, daß jede Frau es als selbstverständlich empfindet, zu tarnen und einen, ihrer körperlichen Veranlagung und ihren Lebensumständen entsprechenden Sport zu treiben.
Dahin aber müssen wir kommen, wenn der volkswirtschaftlich unentbehrlichen Frauenberufsarbeit und den jetzt unendlich vervielfältigten Mühen im Haushalt mit ihren schädigenden Einwirkungen auf Gesundheit, seelischer Widerstandsfähigkeit und Körpergestaltung (Ächtung, meine Damen!) ein Gegengewicht gegeben werden soll. Erhöhung der Lebensfreude und des Lebensmutes des einzelnen, wie der Volksgesamtheit würde als Ergebnis zu buchen und einem kräftigen, leistungsfähigen Nachwuchs hie biologischen und ethischen Voraussetzungen gegeben fein.
Die Frage: Sollen Frauen Sport treiben? muß daher voll und ganz bejaht werden. Welchen Sport sollen sie treiben? Jeden, vorausgesetzt, daß er mit Maßen geübt wird, Heber an« strengung vermieden und auf etwaige körperliche Schwächen bei der Wahl der Sportart Rücksicht genommen wird.
Ausgenommen sind selbstverständlich Fußballspiel und Boxen, nicht weil sie an sich gesundheitsschädlich sind, ästhetische Rücksichten schalten sie als Frauenspvrt aus. 3n diesem Sinne sprach sich auch die bekannte Frauen- und Kinderärztin Dr. Laura Turnau der Verfasserin gegenüber aus, ihre Ausführungen dahin ergänzend, daß Sportarten, die eine erhöhte Blutzufuhr In die älnterleibsvrgäne, wie das Radfahren z. B.,, Hervorrufen, mit einer gewissen Vorsicht zu üben sind. Durch sie können bei äleberanstrengung, allerdings nur in diesem Falle. Gesundheitsstörungen austreten. Diese zu vermeiden, ist eine Frage der Selbstzucht und der Kenntnis der eigenen Leistungsfähigkeit.
In den älebungskursen der Sportvereine wird übrigens auf das Strengste darauf geachtet, daß eine Aeüerspairnung des Willens und damit der körperlichen Anstrengung vermieden wird, e&enfo ist in den Vorschriften für Wettkämpfe die erforderliche Rücksicht auf die Leistungsmoglichkeit des weiblichen Körpers ge- nvmmeu.
Selbstverständlich bedarf jede Sportausübung einer Lehr- und Vorbereitungszeit. Sie wird am besten durch den Eintritt in einen Sportverein gewonnen, nachdem von ärztlicher Seite festgestellt ist, daß gegen die Aufnahme des gewählten Sportes keine körperlichen Bedenken bestehen, vor allem Herz und Lunge den zu erwartenden Anstrengungen gewachsen find.
Die älebungsstunden sind meist auf den Spätnachmittag oder in die Abendstunden gelegt, so daß auch Berufstätige sich daran beteiligen können, vorausgesetzt, daß sie eine normale Arbeitszeit besitzen. And damit komme ich zu dem eingangs erwähnten triftigsten Einwand gegen den Frauensport: Wir haben keine Zeit. Sie muß sich sinden, muß geschaffen werden. Der „Wiederaufbau in Ehren — es heißt aber, ihm zuwiderhandeln, wenn in zahlreichen Geschäftsbetrieben neuerdings die Bureauzeit an fünf Wochentagen (ausgenommen ist der Sonnabend) aus zehn Stunden, elnschl. einer Stunde Mittagspause, ausgedehnt wird. Den -Angestellten wird auf diese Weise kostbarste Zelt entzogen. Für Sport ist es nach Bureauschluß zu spät —, es bleibt das Kino, die Tanzdiele, um den natürlichen Erholungstrieb zu befriedigen.


