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DK Arbeitgeber würben sich etn Verdienst um die Volks- SSstmdheit erwerben, wenn sie, wo eS irgend angängig — in zahlreichen Bureaus ist dies der Fall — ihren Angestellten, auch den werblichen die Möglichkeit gewährten, am Sportleben teil- pmehmen. Erhöhte Arbeitsfrische und weniger Krandneldüngen würden das Ergebnis sin. -
Auch die im Haushalt tätigen Mädchen und Frauen müssen ein« oder zweimal in der Wochen sich die Zeit nehmen, Leibes» utmngen zu treiben. Es geht — wenn man nur ernstlich will und die Mitgliedschaft in einem Verein, die Teilnahme an einem Kur- ms einen leichten Zwang zu richtiger Zeiteinteilung ausübt sowie Bequemlichkeit und sonstige Hemmungen überwinden hilft. Man » c?t I® wtch, die Zeit, in Warenhäusern herumzutrödeln, ins orasfeehaus zu gehen und zu anderen weniger zuträglichen Vergnügungen.
..., wären die gestellten Fragen in großen Umrissen beanb- einzelnen ließe sich noch manches sagen.
Aufgabe der Leserin ist es nun, sich eine Frage vvrzulegen, »Welchen Sport treibe ich ins diesem Sommer??
Welcher Sport es auch sein möge, er wird der Mittler sein SU reiner, herzerfrischender Freude, er wird Körper und Seele »eue Sparsamkeit verleihen, er wird Sinne und Willen stärken, schlank, geschmeidig, widerstandsfähig machen.
Frauenwahlrecht.
Humoreske von Max Dürr.
Am 12. Januar 1919 fand, wie überall durch Anschlag bekannt gemacht wurde, die Landesversammlungswahl statt und es traten an diesem Tage zum ersten Male unsere Frauen und Mädchen zur Wahlurne.
Also wurde auch in Friedlingen am 12. Januar 1919 gewählt. Friedlingen ist ein kleines Dorf im Schwabenland und die meisten Leute wissen nicht, wo es liegt, aber manche kennen es doch.
ist ein nettes und freundliches Stückchen Erde, nur ein bißchen sehr weltabgelegen. Wer durch Zufall vielleicht einmal hinkommt, wird sich darüber freuen, aber Menschen, denen im Chaos des Weltgetümmels der Sinn für süße Heimat und eigenen Äsid abhanden kam, äußern sich wohl naserümpfend über die Rückständigkeit des lieben, traulichen Dorfes, dessen Bewohner doch liebe, einfache und ehrenwerte Leute sind, selbst wenn sie zuweilen den klugen und weltgewandten Stadtbewohnern wie große Kinder erscheinen mögen.
Aber so tief versteckt Friedlingen im Sommer zwischen feinen sanften, stillen und waldbedeckten Hügeln liegt und so sehr es verborgen bleiben w.ll hinter seinen Kornfeldern und Baumgütern — nur das alte K.rchturmdach ragt dann roch über den grünen Wipfel vor — so fand doch in diesem Winter achtzehn auf neunzehn, alte, uralte Schicksalstragödie und neueste, allerneueste Errungenschaft der Zeit den einsamen, verschwiegenen Pfad, der nach Friedlingen führt, nämlich Liebeskummer und das besagte Frauenwahlrecht.
Hans Georg liebte Anna Maria, denn Anna Maria war ein gutes, braves Mädchen, fleißig und wohlanständig, dabei hatte sie runde, gesunde Wangen und ein Paar tiefe, dunkle Augen, die Hans Georg völlig aus dem Gleichgewicht brachten, obgleich er sonst ein ruhiger, besonnener, nüchterner und tätiger junger Mann war.
Hans Georg hatte nur den alleinigen Fehler, daß er der einzige Sohn des Schultheißen Bertele war, und Anna Maria sah, obgleich sie von schlichtem einfältigen Verstand war, doch von selbst ein, ohne daß sie von ihren Freundinnen darauf aufmerksam gemacht wurde, daß es für sie beide und ihr Wünschen besser gewesen wäre, wäre Hans Georg nicht des Schultheißen Bertele, sondern eines armen und rechtschaffenen Kleinbauers Sohn, in Anbetracht dessen, daß sie selbst die Tochter der armen Witwe Bitter- wols war. Auch Hans Georgs Tröstungen vermochten sie nicht über diesen Kummer hinwegzuhelfen, woraus man ersehen kann, daß Anna Maria, wenn sie auch schlicht und einfältig war, doch genügend Verstand hatte, um das Leben und seine Verhältnisse zu I kennen.
Hans Georg ging den Fußweg über die winterliche Wiese, den \ nur Einheimische kannten, zwischen den Apfelbäumen, die ihre kahlen Aeste zu dem grauen, regnerischen Himmel streckten. Der Boden war von Mäusen durchwühlt und eine kleine braune Maus sprang nicht allzurasch vor seinen Füßen vorüber.
Aber Hans achtete nicht auf das Tierchen, sondern seine Gedanken weilten bei Anna Maria und er sah scharf über die Echleh- dvrnhecke nach dem Waldrand hinüber, ob Anna Maria schon dort wäre, und er entdeckte sie auch sogleich, weil sie heute, am Sonntag, eine weihe, weithin schimmernde Schürze trug.
Anna Maria wartete ungeduldig, aber sie war betrübt, denn sie fand es unziemlich und auf die Dauer unerträglich, daß sieZtets Rur verstohlenerweise und heimlich zusammenkommen sollten, und sie wußte auch genau, daß Hans Georg nicht gewagt hätte, am Hellen Tag hierherzukommen, wenn nicht heute die Wahl zur Landesversammlung stattgefunden und den alten Herrn Bertele, Bauer und Schultheiß in Friedlingen, den ganzen Tag über an der Wahlurne festgehalten hätte.
Hans Georg begrühie Anna Maria und sie erwiderte seine Drühe ohne über quellen t>e Zärtlichkeit und laute Fröhlichkeit, denn sie wußten, daß sie sich liebten und es sich nicht erst zu Zagem
il- keinen Grund hatten zur Fröhlichkeit, weil
die Aussichten für sie schlecht standen.
__,5)acltmJa^n sie sich nur an der Hand und gingen schweigend Waldes unter den Tannen über das dunkle, winter- feuchte Moos und hingen ihre Gedanken nach.
Jie aber zu der großen Tanne kamen, in deren Rinde Hans Georg, als er vor zwei Jahren auf Urlaub nach Hause kam, 1 & %*8en eingeschnitten hatte mitsamt den Buch-
staben H. G. und A. M., eine Liebeserklärung, wie sie nach nnnnr«r schöner und ausdrucksvoller zu machen war
blieb Anna Maria stehen und wandte sich, nachdem sie zuerst das o -ZV11/. ?e.r ö?ei Jahre beträchtlich aufgequollene Herz längere Zeit besichtigt hatte, sah ihn mit ihren tiefen, dunklen Augen, die ihn seinerzeit so sehr aus dem Gleichgewicht gebracht hatten, an und sagte: „Hans Georg, hast du mit deinem Vater gesprochen?"
Hans Georg seufzte schwer und sagte erst nichts, aber Anna Maria verstand diese Antwort ganz gut und seufzte gleichfalls, und sie dachte, daß Hans Georg, wie tapfer er sich auch draußen im Feindesland gehalten hatte, zu Hause doch ein schwacher, furchtsamer Mensch wäre.
»Wenn ich mit dem Vater rede, so wird er alles verbieten, wir werden nicht mehr zufammenkommen können und vollends unglücklich sein, erwiderte dann Hans Georg.
Darauf faßte Anna Maria plötzlich einen Entschluß. „Hans Georg, so werde ich tapfer sein!" sagte sie.
, Auch in Friedlingen war die Beteiligung an der Wahl lebhaft und besonders die Frauen zeigten viel Würde, die Unverheirateten aber, die Mädchen, lächelten schüchtern und verlegen und waren bange. Wenn sie jedoch gewählt harten, brüsteten sie sich und machten Worte, gerade als ob die Politik ihr altgewohntes Fahrwasser wäre.
Das kleine saubere, weißgetünchte Rathaus mit den gras- nrün gestrichenen Fensterläden und dem kleinen eichenen Aus- hangkastchen neben der Haustüre, dem Zeichen seiner Würde, sah feit seines Bestehens nicht so viel Besucher, als gerade an diesem Tage dem 12. Januar 1919, und der alte Schultheiß Bertele unö seine Wahlbeisitzer zeigten den Eintretenden freundliche und herablassende Mienen.
Aber gegen Abend wurde es still auf der Dorfgasse und vor dem Rathaus war kein Mensch zu sehen, dagegen war der Gasthof zum Hirschen mit seinem etwas vorgeneigten und schiefen Giebel hell erleuchtet, weil alle Männer im Wirtshause saßen und ihren Wahlschoppen tranken und ein brummendes Geräusch der vielen durcheinandersprechenden erregten Stimmen drang trotz der geschlossenen Fenster bis auf die Gasse. x.
Auch in der Wohnung des Schultheißen Bertele war Licht, aoer es war sehr still, weil die ganze Familie nur aus zwei Personen bestand, dem Schultheißen und seinem Sohne Hans Georg. Nachdem die Stimmen jetzt gezählt waren, saß der Schultheiß zu Hause mit feinem Sohne zum Abendbrot nieder. Gesprochen wurde von beiden nicht viel, weil es auf dem Lande, nicht Sitte ist, unter dem Essen zu sprechen. Entweder ißt man oder spricht man.
Als das einfache Abendbrot verzehrt war, sagte der alte Schultheiß Bertele mit gleichgültiger Stimme, während er jedoch feinen Sohn bedeutsam ansah: „Du hast auch eine Stimme erhalten, Hans Georg!"
Darüber wurde Hans Georg verwirrt, weil er sich nicht denken konnte, was das heißen sollte, aber der Vater wies ihm den Wahlzettel vor. Er lautete: »
„Ich für meinen Teil wähle Hans Georg Bertele.
Anna Maria Bitterwolf."
„Ich nehme die Wahl an,“ sagte plötzlich Hans Georg ernsthaft.
„Und ich erkläre die Wahl, für ungültig." sagte Schultheiß Bertele.
Darüber gab es eine starke und nachdrückliche Auseinandersetzung, denn Hans Georg erinnerte sich mit einem Male, daß er im Kriege auch seinen Mann gestellt hatte, und er wollte doch nicht nachlassen. ,
Da aber der sonderbare Wahlzettel der ganzen Wahlkommission Vorgelegen hatte, dachte Schultheiß Bertele, es wäre vielleicht besser, gute Miene zum bösen Spiel gu machen und die Lacher auf seine Seite zu ziehen.
Somit trug Hans Georg Bertele jun. den Wahlsieg davon.
Aachher ging Schultheiß Bertele auch in den Hirschen. „Es ist nichts mit dem Frauenwahlrecht. Ich habe es mir gleich gedacht," sagte er kopfschüttelnd, während er sich auf den Weg machte.
Wie Kant beinahe geheiratet hatte.
Novelle von August Schricker.
(Fortsetzung.)
„Was hat Herr Kant nicht alles von feinen Reisen nach Hause gebracht! Wie genau wußte er nicht die Westminsterbrücke zu schildern; es war, wie wenn er dieselbe erst gestern mit deck Augen des Architekten betrachtet hätte," warf Sophie hier ein.
„Er ist nie über Pillau hinausgekommen." erwiderte die Gräfin Keyserlingk.
„Wie merkwürdig!" rief Sopbie und fuhr fort: „Einige Male mußte ich an Voltaire denken und Vergleiche zwischen den beide»


