128

bas Gewehr unb die Patronen, die anderenStangen" brachte er in der Owerlaab, der Dachkammer, unter altem Gerümpel unter, nur seinebesten" bereiteten ihm Kummer, von ihnen wollte er sich nicht trennen und wenn alle Stricke rissen. Sie waren ihm lieber als die beste Kuh im Stalle.

Sv nahte der dritte Tag, der Lerminstag. Hannes ging die zwei Stunden »Wegs zum Amte zu Fuß, er wollte auf der Eis«r- bahn nicht gesehen werden. Quer ging er durch seinen "eben Wald. Unter Herzklopfen betrat er die Räume der heiligen Hermandad. Der Amtsgehilfe, der so tat, als ob \er allein hier etwas zu sagen habe, ging an ihm vorbei, lieh ihn zappeln und warten. Das ist bei Gericht halt so.

Endlich wurde Hannes vorgerufen.

Der Amtsrichter fast vor seinem großen Schreibtische und blies aus seiner langen Pfeife blaue Rauchwolken in die Luft.

Guten Morgen, Hannes," sagte er.

Gude Morge, Herr Oberamtsrichter.".

So sahen sich die beiden einen Augenblick an und dann fielen die anscheinend begütigenden Worte des Richters:

Hannes, sagen Sie einmal, wir kennen uns schon lange. Es steht fest und zu leugnen gibt es da nichts mehr, dah Sie vor kurzem in Drauerschwend vor einer größeren hiesigen Gesellschaft ein ganz kapitales Rehgehörn vvrgezeigt haben." Hannes streckte lauschend den Kopf vor.Dieses Gehörn haben Die nicht ge­kauft, Die haben es auch nicht geschenkt bekommen. Machen Sie keine Amstände, die Sache ist für jeden klar, daß Sie den Dock ge­knappt haben. Ich sag' es Ihnen auf den Kopf zu! Wenn Sie letzt leugnen, so machen Sie Ihre Sache nur schlimmer. Es tut mir leid, dah ich Ihnen das sagen muh. Wenn Sie den Besitz der Stangen, die Sie ja glatt überführen werden, etwa bestreiten soll­ten, so hat in einer Viertelstunde die Gendarmerie den Auftrag, bei Ihnen eine Haussuchung abzuhalten, und wie die ausgehen wird, dah können Sie sich selbst sagen. Sieselbstaberblei- b e n H i e r! Also geben Sie die Sache nur ruhig zu glauben Sie mir. es ist das beste!"

Herr Oberamtsrichter, Herr Oberamtsrichter, wäi Die nur glauwe könne," Hannes bemühte sich bestes Hochdeutsch zu spre­chen,Latz ich das Geweihche uffe ürecht Art gekriegt hält. Ha, ja, ja ich Hab's, 8a dva is nix zu leugne un werd ni$ geleugnet, awwer ich will net gesund vor dem Herrn Oberamts­richter steh', wenn ich was unrechtes geduhn hab."

Was, Sie wollen das Gehörn rechtmäßig erworben haben? Harmes, machen Sie doch solche Ausflüchte nicht, das glaubt ja doch niemand, feien Sie vernünftig."

Herr Oberamtsrichter, bei meiner Seligkeit, es is wahr, was ich Ihne erzähl'."

Schießen Sie doch los."

Es sinn vielleicht dreiviertel Hahr her, La ging ich von Drauerschwend nach Rainrvd durch de Wald es war Mitte Mai so um die Strich Aff amol krieg ich en Geruch in die Ras', en Gestank, dah es net zum Aushalde war. Ich denk' net anners, als do liegt en Doter. Ich hatt uff amol en ganz ge- waldige Schrecke in mer, unn bog langsam nebe am Fußpfad die Zweig ausenanner.Gott sei Dank," dacht' ich, mm sagt' ich, als da nur en Rehbock lag, der schon ganz kriminalisch gestunke hott, vor Ihne Ihrer Ehr zu sage, Herr Oberamtsrichter, ginn e Paar Stange hott der Dock gehatt, wie ich se meiner Lebdag noch net g^ehe hab'.Da hast ja en scheene Fund gedoh," dacht' ich, holt mer dcchäm e Sägelche und sägt em damit de Kopp ab. Ich hab en schee ausgekocht! Zu sage braucht' ich's ja niemand, um, so hab ich en uffgehowe bisher."

Sv, aufgehoben haben Sie ihn?" Lange betrachtete der Amtsrichter den Schlaukopf Hannes. In dem Kerl steckte ja ein Advokat. Seine Verteidigung war die einzige Art, auf die , er sich aus der Schlinge ziehen konnte. Er als Richter wußte es Wohl, dah ein Stück Wild» dem Häger erst dann gehört, wenn er von ihm Besitz ergriffen Hat, daß aber ein verludertes Wild nicht mehr Gegenstand der Hagd ist. Sv fuhr er denn recht nieder*

geschlagen fort:

Hannes glaubten Sie denn nicht, daß Sie das Gehörn we- nigstens äbliefern mutzten?"

Ei gewiß, hab ich's geglaubt, awwer ich bin doch net dazu, gekomme."

Ach, Hannes, dazu hätten Sie doch reichlich Zeit gehabt.

O naa," meinte Hannes,das Geweih sollt unser Gruhherzog selwer kriege! Ich hab' ihm schon emal e paar Stange persönlich in Romrod grad vor sei'm Schloß iwwerreicht. Do hott er sich bedankt unn hott gelacht unn hott sei'm Adjedant gesagt, er soll mer drei Mark gewwe unn die hab ich mer.dann znm A'dente uffgehowe, unn ich hab' se heute noch, unn ich kann se Ihne zeige!" Dem Amtsrichter schwammen die Felle fort.Ha nun Sie hätten die Stangen denn doch dem Grvtzherzog viel­leicht schicken können oder die Stangen bei mir abliefern..," lachte der Amtsrichter, denn Hannes machte so ein verschmitztes Gesicht, als ob er selbst an die Wahrheit seiner Erzählung glaubte. Hannes verstand aber nicht die Rechtslage. Er dachte nur darüber nach, wie er den Aufenthalt vor dem Kadi so ^rasch wie möglich

beenden könne. And nun kam für den Amtsrichter eine Heber* raschung! Ruhig und tote ein Biedermann richtete Hannes die Frage an seinen Quälgeist:Sage Se, Herr Oberamtsrichter, bähte Sie vielleicht so gut sei' unn unserem Herr Grußherzog die Stangs schicke? Es wär mer viel darah' gelege, Latz se nach richtig an ihn käme!!"Ach, das würde ich schon tun," entgegnete der Kadi. In diesem Augenblick knöpfte Hannes die oberen Knöpfe seines grünen Lodenmantels auf, unter dessen linker Seite plötzlich ein eingewickelter Gegenstand zum Vorschein kam. Hannes faltete ein Paket auseinander und entnahm ihm ein so gutes Gehörn, daß der Amtsrichter Augen machte so groß tote Wagenräder. Das hatte er denn doch nicht ertoartet. Hannes drückte ihm.rasch dis Stangen in die Hand und rief, schon ztoischen Tür und Angel:Be­sorge se 's gut, ich hab' die allergrößt' Eil' sonst krieg ich dq Zug nach ham net mehr. Der Grußherzog braucht ja nix dafov zu bezahle!" ,

' Am selben Rachmittage kam auf rasche Bestellung der Ober­förster zu seinem Freunde. Hatte kurz vorher dieser Augen ge­macht tote Wagenräder, so machte der Oberförster beim Anblick dieses Gehörns solche tote Mühlräder.

Kreuz Himmeldonnerwetter," rief er,das ist ja ganz ohne Zweifel mein Dock vom Steinkippel, dem ich vier Hahre lang zu Gefallen gegangen bin. Ich erkenne die Stangen genau wieder zweimal hab ich ihn gefehlt. Es sind die besten Stangen^ die ich im Leben gesehen habe. Den Hannes soll der Teufel holen. Acht Hahre müßte der Kerl nach Rockenberg, der Wilddieb."

So schalt er. Erst nach langem Fluchen ging er ans Fragen und hörte dann zu seinem Leidwesen, daß sich Hannes so schlau verteidigte, daß ihm ohne weitere Beweise keiner an den Kragen könne, So ging Hannes durch üte Lappen.

Ob er das Wildern gelassen hat?

Das Gehörn aber hat der Oberförster ohne Gewissensbedenken mit in die Oberförsterei genommen. Dort hängt es noch heute in der Amtsstube des Grünrocks mutterseelenallein, abseits von allen selbsterbeuteten Trophäen.

Sv kam der Oberförster zuseinem" besten Dock.

Räächde Deutsche').

Von Wilhelm Philipps - Friedberg.

Rvr selben komm ich in so Kreise, Wo sich o(n)m Stammdisch dischbediern, An die nooch aanzig räächder Weise Die Welt un Menschheit reformiem.

Mit rode Kepp un dicke Aage Gewehnlich so um Middern ocht, Do werd sest uff de Disch gehaage An dichdig Dolidik gemocht.

Dv duhn-se nooch som Dutzend Schoppe An wieviel Schnaps gehn zwische dvrch Die schwersde Sprich sesammekloppe, Die Allesbefserwisserbvrsch.

Emvl bin ich dezu gervde

An haal mit aus bis in die Frih;

Hatt wte's Gewidder schepp geloade:

Weiß Gott, de Haamwääk mecht-mr Mihi

An tote ich so o(n)m nechsöe Mvrje Mein Brummkopp zur Erholung trog, Dv Locht ich itotoer all die Dorje 3n aller Ruh un kloarer nooch.

E jeder will 's Gescheiö'sde schwäzze, An doch schtoäzzt ihr so schläächt, ihr Leutcher: Goar mancher is im Schopp epezze An ach! nor do e räächder Deutscher.

) Aus der neuesten Sammlung vberhessische Mundartgedichte des durch seine Dialektdichtungen "bekannten Friedberger Seniinar- vberlehrers Wilhelm Philipps. Die neue, im Verlag C. Dindev- nagel- Friedberg unter dem TitelSchiddel-Aeppel" heraus- gegebene Sammlung heiterer Gedichte zeigt die Vorzüge des Ver­fassers im hellsten Lichte: Frischer, kerniger Humor, Vertoachsen- sein mit dein Leben und Denken des Volkes, und gesunde Welt­anschauung. Was Philipps in seinen anspruchslosen, aber durch ihre treffsichere Satire wirksamen Versen fpendet, ist nicht nur die gut herausgearbeitete witzigePointe", sondern Lachen und Freude, Volksphilvfophie und Erziehung durch Humor. Die Pflege der Mundartdichtung, die Ausnutzung der sprachlichen und gedank­lichen Möglichkeiten des heimischen und heimatlichen Dialek^ dünkt uns eine besonders unterstütz ungswerte Aufgabe. Denn di« Pflege der Mundart bedeutet ein Wegsuchen zu dem Arquell deut­scher Kultur. And Wilhelm Philipps reiht sich als ein solcher Wegfucher würdig anderen Mundartdichtern, wie dem Rassauev RrSvlf D i e tz. an. ~z-

Schriftleitung: 3. V.: Heinz Gorrenz. Druck und Verlag der Drühl'fchen Aniv--Duch- und Steindruckerei, R. Lange, Dietzen.