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LyerbrüM von einem riesenhaft fürchterlichen Laut. Wühlend fuhr es fn den Douaumont und verbreitete tief in seinem Bauch einen aufbrüllenden Donnerfchkäg, der Menschengeschrei und Entsetzen brutal verschlang. Sch-wefelgestank und Feuerschein zog umher. 5)er erste Schutz einer bisher ungekannten schweren Artillerie. Es dauerte Minuten, bis man erkannte, was er angerichtet. Er war mitten ins Lazarett gegangen. Der eingestürzte mrd lichterloh brennende Daum konnte nicht mehr betreten werden.' Wohl ein halbes Hundert Verwundeter hat dort zusammen mit dem Sanitatsperfonat einen raschen Tod gefunden. Wie gelähmt wartete alles, was -.eben hatte im Fort, zählte die Minuten. Eins . . - zwei. . drei . . . vier. In furchtbarer Langsamkeit schlichen die Stunden. Der Lärm von draußen quoll vielmals, gesteigert durch das gähnende, rauchende Loch, das dre Granate sich gewühlt ... '
Ehe zehn Minuten vorüber, brüllte der, zweite Schlag Wieder das hoch aushvlende Geheul,. . . in, gier^er» Heiserkeit und Glut säst senkrecht Irabstürzend. Dann ein Klatschen ..-i ein dumpfer Knall dann . . . den Bruchteil einer Stunde spater derselbe furchtbare Donnerschlag, der allein^ durch seine eigene Wucht die Gänge zersprengen will. Kern Mensch weih, wo es getroffen hat. Die in der Kasematte 8 gelegen haben, erzählen nichts davon, wie es geschehen ist. Die ganze Kasematte isfezu- geschüttet ... In Abständen von zehn Minuten bis zu einer Mertelstunde fällt Schutz auf Schutz mit unheimlicher Genauigkeit Die durch die dauernde Beschießung zermürbte und durch das völlige Abgeschnittensein von nutzen moralisch stark erschütterte Ve- satzung hälit Stand. Wohl regt hier und da die Panik „ihr furchtbares Haupt. Aber die Besonnenheit ist stärker. Die Führung behält das Heft fest in der Hand. Alles.steht so unter dem,Eindruck 5er Deschietzung, datz selbst der. unmittelbar zu erwartende Angriff nicht mehr schreckt. 3m Gegenteil . . . käme er nur! Doch find alle Mannschaften auf ihren Gefechtsständen, soweit diese durch das Feuer nicht aüsgeschaltet sind ...
Doch ist wenigstens der verwundbarste Punkt des üorts nicht getroffen: der-Wunitionsraum . . . Ein gellender Donnerschlag, der vierte oder fünfte Schuh, zerschmettert die Deck des Hauptgefechtsganges vor der Kasematte 10. Die obere Durchfahrt ist unbrauchbar. Die dort zusammengedrängten Leute werden verschüttet. Polternd begräbt sie das Gewölbe. Zwei weitere Einschläge zerstören Kasematte 11 und 17. Der Aufenthalt, im oberen Stockwerk des Forts wird unmöglich . . . Der Fvrtkommandant, Major Rosendahl, der Regimentskommandeur vom Dienst (Res.-Jnst-Regt. 90), der Fortisikationsvffizier.und der Artillerie- offeter vom Platz kommen überein, den oberen Gefechtsgang zu räumen. Der ganze Rest der Besatzung drängt sich im unteren Gang zusammen . . . Fürchterlich sind die nächsten Dwrtelstun- den . Der sechste Schuh endlich trifft tödlich . . . Durch dfe vffengelegte Decke des Hauptgefechtsganges wühlt sich die Granate durch und explodiert mit ungeheuerlichem Getöse tief unten im Hauptpionierdepot. Etwa fünfzig.Pioniere, die eben damit beschäftigt sind, das Depot in einen Lazarettraum umzuwandeln, werden unter Flammen und Steinen begraben. Keiner von ihnen ist entronnen. Sofort breiten die Flämmen sich aus und lecken gierig durch die nahen Gänge. Einzelne Leute werden erreicht ... Limen sich nicht retten . . . fallen der rasenden-. Glut zum Opfer. Im Pionierdepot lagern ungeheure Mengen vgn Maschinengewehrmunition und der gesamte Vorrat an Leuchtgeschossen. Mit ohrenbetäubendem 'Knallen' und Knattern fängt dies alles an zu brennen und zu explodieren. Die Gase der Explosion kriechen von @kmg zu (Sang . . . . . ,
Im Rebenraum des Pivnierdepots, durch eine einzelne Wand nur getrennt, lagern 7000 Handgranaten un&' eine. Fülle alter französischer Artilleriemunition. Wenn dort der erste Funke überspringt, ist alles verloren. Die Sprenggase dieser Explosion, die keinen Kanal nach außen finden, müssen das ganze Fort von unten auf umstülpen. Die Flammen züngeln am Herzen des, Douaumvnt. Vielleicht Sekunden nur ... vielleicht noch Minuten . . . Entschlüsse müssen gefaßt werden. Schnell. Hede Sekunde entscheidet über Hunderte von Menschenleben. Was draußen vergeht, weih keiner. Die ganze Besatzung drängt sich im unteren^Gefechtsgang zusammen.- Richts von Panik mehr. AÜes wartet auf Befehle. Der Fvrtkommandant berät, mit dem Regi-' mentskvmmandeur. Draußen lärmt die ArtillerieschlaiHt . . . drinnen rasseln die Kettenexplosionen der Maschinengewehrmunition . . . heulen und sausen die Stammen. Wit ungeheurem Zischen explodieren stapelweise die Leuchtkugeln . . . bengalische Feuer» refle^e. üinb ein bitter fliefiger Qu<ilni . . . <xu8 -allen Seien unb, @nben biingenb . . . bie Gängen nnfüllenb . . . bie Gingen»bei^enb . . jede Sicht versperrend. Zwei Ausgänge soll das Fort noch hoben . . . sagt man. Vielleicht jetzt schon keinen mehr. Sind das nicht Handgranaten, die da unten im Fort explodieren: Herrgott . . . vielleicht jetzt ...
Der Franzose hält alle Ausgange, noch bestehende und gänzlich zerstörte, unter Gasbeschuß. Vom Keblblockhauo im Süden her zieht ein Schwaden nach dem andern ins Innere. Die Besatzung dort ist längst außer Gefecht gesetzt. Von ihrem Schick-» sal weiß niemand etwas. Zu ihr hin gelangen ist unmöglich. .. . Die Befehle werden bekannt. Das Fort soll von allen irgendwie entbehrlichen Leuten geräumt werden. Rue ein schwaches Kommando soll bleiben und versuchen, den Brand im Pivnierdepot zu löschen. Es ist kein leichter Gang, jetzt hinaus über das Rord-
glacis des Douaumvnt durch Gas und Sperrfeuer hindurch. Aber es ist vielleicht noch einmal ein Umfeeg um den Tod. Hier aber auf ö.etn Fort...
7 Uhr ist es . . . Dichte Dunkelheit liegt überall. Die Beschießung mit den ganz schweren Granaten hat nachgelassen. Aber der ganze Orkan der übrigen Kaliber bis zu den 22-cm-Granaten liegt nach wie vor auf dem Fort. Drinnen schwelt und fnattert! der Brand. Man hat ihm noch nicht» beikommen können. Es ist kein Wasser, da.- Auch das Selterswasser für die Verwundeten ist schon- zum Löschen verbraucht. Durch die furchtbare Hitze kann man nicht mehr-bis zum Brandherd Vordringen . . . Mit äußerster Kraftanstrengung wird der Rordwesteingang freigelegt. Man bringt dort ein Maschinengewehr in Stellung. Das unausgesetzte französische Gasschießen macht eine Bedienung nach der andern kampfunsäbig. Born ist nichts zu beobachten. Auch feine Leuchtkugeln steigen auf. Beiderseitiges Artillerieseuer wirbelt fünfen» strebend, und lärmrasselnd.dor Fleury und Thiaumont und im Cha- pitrewald. Rückwärts flammen an allen Ecken und Enden die haushohen Einschlagsäulen der französischen Flachbahngeschutze. - Keinerlei Rachricht von vorwärts und rückwärts,' und auch feine Verbindung mehr mit dem' Steilhang.
Stunde aus Stunde verrinnt. Die Gaserkrankungen nehmen zu. Man kann mit mathematischer Sicherheit den Augenblick errechnen, wo niemand mehr in der Lage sein wird, die Kranken abzuschleppen. Roch immer keine Rachricht vvp rückwärts. Ob das Feuer den Anmarsch der Meldegänger verhindert . . . ob die Meldungen aus dem Fori nicht nach rückwärts gelangt sind ... ob vielleicht längst der Franzose rechts und links vor- gedrungen ist und das Fort abgeschnitten hat? Es besteht feine Aussicht mehr, das Feuer im Depot zu löschen ... So wird denn der, Douaumvnt bersten müssen . . . Munition ist nicht mehr da. Die.fetzten Lebensmittel sind verbrannt. Das Wasser ist bei Den Löschversuchen restlos aufgebraucht ...
3m Morgengrauen des 24. Oktober, um 7.30 .Uhr, bewegt sich ein seltsamer Zug aus dem Rordwesteingang des Douaumvnt auf das Rordalacis hinaus. Immer zwei Gestalten tragen zwischen sich eine Bahre. Stolpern . . . setzen ab ver- schnausen *. . erbrechen sich . . . fassen wieder zu und Wanken weiter Die Maschinengewehre haben sie nicht mitnehmen tonnen Alle Hände sind nötig zum Tragen der Verwundeten Wan hat die Gewehre unzerstört im Fort''gelassen. Dennoch hosft man, daß das Fort wieder von den Deutschen besetzt werden wird.. Bestimmt rechnet man mit dem Eintreffen deutscher Verstärkungen noch im Lause dieses Tages. Und- diese Hoffnung erleichtert den schweren. Gang etwas . . . Unten im zerbrochenen Douaumont brennt knatternd das Pivnierdepot. Qualm'Und Gas ziehen dicht - geballt durch die Gänge. In den"eingestürzten Kasematten schwelen kleine Flämmchen. Weißer Rauch steigt aus allen-frnschen Wunden, die der Douaumont an diesem Tage erlitten. Aoer den sieht man nicht. Der dichte Rebel des 24. Oktober frißt ihn auf . .
Äeb'er dem Werk der Zerstörung erwacht aus unruhiger-Racht der Artilleriekampf. Und schwillt an und braust und tobt und klirrt ünd rast in Rebel-und Dlindheit über dem gestürzten Giganten . . . Die Beschichten der alten Haushälterin.
Von Selma Lagerlöf.
(Schluß.!
D-amit- war der Traum zu Ende; aber von Stund an wußte Gifa Maja wer ihr Gatte werden würde, denn den, der einem im Traume Wasser zu trinken anbiefet; wenn man vorher einen Traumpfannkuchen gegessen hat, den wird man heiraten.
Mamsell Lisa Maja wunderte sich sehr, wie das zu gehn sollte, denn damals kannte sie niemand, der Lagerlos hieß, aber siehe, alei'ch nach Reujahr kam eimSchlitten auf den Hof. gefahren. Lisa Uaja stand-eben am 'Fenster, und als sie den erblickte, der im Schlitten saß, hatte sie einen lauten Sch«! ausgestoßen und die Haushälterin' in den Arm gekniffen.
„Da kommt,der, den ich im Traume gesehen habe, sagte sie. Du'wirst sehen, er heißt Lagerlöf"
" sinb fotrar es auch. Der da-in dem Schlitten angefahren kam, hieß Daniel Lagerlöf. Er war der Verwalter des Hüttenwerkes auf Kymsberg und'ausgefahren, Heu zu kaufen.
Zuerst erschrak Lisa Maja, als sie ihn sah Er war nicht, gerade schöii und er sah sehr schwermütig und duster aud; Jie konnte . s^- gar nicht vorstellen, daß sie diesen Mann je heb gewinnen ^''otber er war über Rächt in Marbacka geblieben, und am nädiften Morgen hatte der Knecht eine gar merfevurdige Kunde gebracht.. Zwei Wölfe und ein Fuchs waren in die Wolfsgrube aefallen. Und da von dem Hofgesinde niemand gewußt hatte, tote man die Gefangenen aus der Grube herausbringen. könnte, tear Der Verwalter von Kymsberg ohne irgendeine andre Waffe als einen Knotenstock in die Grube hinuntergesprungen. hatte die Wolfe mit einem Hieb über den Schädel betäubt und ihnen dann eine Schlinge um den-Hals gelegt, damit man sie hinaufzfehen konnte.
Aber Mamsell Lisa Maja war vollständig überwältigt« von dieser Tapferkeit, und nun wendet sich ihr Herz dem VerwaltM zu. Jetzt war sie ganz mit sich im reinen, bajß sie diesen und keinen andern zum Manne haben wolle.
Er seinerseits verliebte sich' Wohl, bei dieser ersten tB^gegnunfl


