Ausgabe 
8.9.1923
 
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ein

ihr sie

Zehn Dollar." ,

Soviel hab ich auch bekommen. Qta, er war eigentlich ehrlicher Zahler. Aber die Frau war tüchtiger."

Tokios Geschichte im Spiegel seiner Stratzennsmen.

- Die furchtbare Katastrophe, die Japan heimgesucht, hat auch große Teile der Hauptstadt Tokio vernichtet. Diese Stadt, oer Stolz des Japaners, ist besonders dafür charakteristisch, tote IW westliche Einflüsse mit altjapanischer Aeberlieferung zur Emyetl verschmelzen. Wohl hat die Entwicklung des letzten halben Jayr hunderts Tokio in eine halb europäische Großstadt verwandet!, aber die weiten Viertel, in denen sich die langen Rechen Der Holzhäuser hinziehen, sind doch nach allen Feuersbrünsten m der alten Art wieder aufgebaut worden und werden auch lern wieder so erstehen. Auch der Verkehr ist trotz der- elektrischen Bahnen noch derselbe, wie in anderen asiatischen Städten, unv

Die Frau?"

Die junge Frau, ja. Ich habe ein kleines Geschäft mit gemacht. Es kam ihr nicht an auf ein-, zweitausend, denn wollte den Mann lvswerden. Wenn ich jetzt ein leichteres Leven anfangen kann geschiehts von ihrem Gelde."

herausragte. ,. ,

Ich sah mir auch die Dame an, sie hatte die Augen auf denselben Punkt geheftet und griff hart an ihren Sitz. Schon ist sie besorgt eines möglichen .Unglücks wegen, dachte ich: was wird sie tun, wenn sie sieht, daß es ihr eigner Mann ist, der sterben toi 5>er große Pat jedoch verlangsamte die Fahrt nicht. Ich rief ihm zu, es seien Menschen in dem Bassin keine Aenderung. Wir sahen jetzt deutlich den Kopf, es war der tolle lange Bursch, fet) tn seinem Loch stand, das Gesicht uns zugekehrt. Da setzte ich

die Pfeife an den Mund und stieß ein starres Haltsignal hinein; Pat fuhr mit gleicher Geschwindigkeit; in einer Viertelminute mußte ein Unglück geschehen. Ich schlug an die Glocke, sie läutete, und dann sprang ich-nach vorn und ergriff die Bremse. Doch es war zu spät, kreischend fuhr der Zug über das Bassin, bevor er zum Stehen kam. , . . ., , ,

Ich sprang ab; ich war verstört und besann mich nur daraus, daß ich einen Mann angreifen sollte, der Widerstand leisten würde. Aber ich bestieg gleich wieder The grip und hatte überhaupt an keinem Fleck Ruhe. Auch der Führer war wie verstört, er fragte ohne Sinn und Verstand, ob Leute in dem Bassin gewesen seren, und wie es habe kommen können, daß er nicht anhielt. Die lungg Dame rief:Fürchterlich! Fürchterlich!" Ihr Gesicht war blut­los, und krampfhaft hielt sie sich am Sitze fest. 2lber sie wurde nicht ohnmächtig, und kurz Mrtraf stieg sie ab und ging iprer CßScgc.

Es sammelten sich viele Leute an; wir fanden den Kopf des Verunglückten unter dem hintersten Wagen, fein Leib stand noch in dem Bassin; die Gabel der Maschine hatte ihn unter dem Kinn erfaßt und seinen Kopf mitgerissen. Wir schafften den Toten vom Geleise weg, es kam ein Konstabler hinzu, der ihn fvrtbrrngen sollte Der Konstabler schrieb auch viele Aamen auf, und mir konnten alle Passagiere bezeugen, daß ich geläutet und gepfiffen und zuletzt zur Bremse gegriffen hatte, Aebrigens hatten wir Straßenbahnleute selbst unferm Bureau Rapport zu erstatten. Der große Pat bat mich um mein Messer. Ich verstand ihn falsch und sagte, das Unglück sei ohnehin groß genug. Da lächelte der große Pat und zeigte mir seinen Revolver zum Zeichen, daß es ihm an einer Waffe nicht fehle, und daß er das Messer, zu keinen Dummheiten brauchen wolle, sondern zu ganz andern Dingen. Als er das Messer erhielt, sagte er mir Lebewohl: nun könne er nicht länger im Dienst bleiben; es tue ihm leid, aber ich müsse selber meinen Zug bis zur Endstation führen, da werde man mir einen an­dern Fahrer geben. And er erklärte mir, wie ichs anzufangen habe. Das Messer müsse ich ihm überlassen, sagte er, er wolle in einen ruhigen Hausflur gehen und da seine Aniformknöpfe abschneiden.

Damit ging er.

Es war nichts zu machen, ich mußte selbst zur Station fahren; es standen jetzt mehrere Züge hinter mir, die nur darauf warteten, daß ich von der Stelle komme. Hnt> da ich von früher ein bißchen Hebung mit der Maschine hatte, lief es ohne Anfall ab . . .

Eines Abends zwischen Weihnachten und Reujahr war ich dienstfrei und schlenderte durch die Stadt. Als ich an einen Bahn­hof kam, trat ich einen Augenblick ein, um mir den gewaltigen Verkehr da drinnen anzusehen. Ich ging bis ganz auf einen der Perrons hinaus und schaute mir einen Zug an. der abfahren sollte. Plötzlich ertönte mein Rame, ein lächelnder Mann steht auf einem Wagentritt und ruft mich an. Es war der große Pat. Es dauerte eine Weile, bis ich ihn erkannte, er steckte in /feinen Kleidern und hatte sich den Bart abnehmen lassen.

Mir entfuhr ein kleiner, erstaunter Schrei.

Pst, nicht so laut! Wie ist die Affäre eigentlich abgelaufen? fragte Pat. e

Wir sind vernommen worden. Man sucht dich.

Pat sagte:

Ick- reise in den Westen. Was hat man hier vom Leben? Sieben, acht Dollar in der Woche, aber davon viere zum Anter- halt. Ich- nehme mir Land, ich werde Farmer. Versteht sich, ich habe das Geld dazu. Wenn du mitkommen willst, wollen wir uns drüben bei Frisco Land suchen."

Ich kann nicht weg." ___

Eben denk ich dran: hier ist dein Messer. Schonen wank. Rein, siehst du, das Straßenbahnleben hat keine Zukunft. Ich hab drei Jahre gedient und bis jetzt nie Gelegenheit gehabt, £»e Sache an den Ragel zu hängen."

Der Zug pfiff.

Ja, Adieu," sagte Pat.Hör mal, wieviel hast du von dem Mann bekommen, der überfahren wurde?"

Darüber bekomme ich telephonische Rachricht. Ich habe Lmite, die ihre Schritte lenken. Meine Frau wird ein braunes Pelzkostum tragen, Sie können Sie leicht erkennen - ste ist sehr schon. Wenn sie rchnmächtig werden sollte, so schaffen Sie ste ut die Apotheke <m der Monroeecke."

Ich fragte: , r , o

Haben Sie auch mit meinem Führer gesprochen?

Ja '-sagte der Mann.And ich habe ihm die gleiche Summe gegeben wie Ihnen. Aber ich Null nicht, daß ihr ö^vch mitein­ander spaßen sollt über die Sache. Ihr sollt gar nicht davon reden."

Olein "

"Sie postieren sich auf The grip, wenn Sie sich der Monroe­straße nähern, und halten gut Ausguck Sehen Sie meinen Kopf ft&er dem Bassin, so geben Sie das HaltezeiHen, und der Zug kommt zum Stehen. Der Führer wird Ihnen helfen, mich zu über-- mannen und aus dem Bassin hervorzuziehen, wenn ich auch be­haupte, sterben zu wollen." _ , . ...

Ich dachte ein wenig über das Ganze nach und sagte. ,

Mir scheint, Sie hätten Ihr Geld sparen können unb keinen In Ihr Vorhaben einzuweihen brauchen. Sie hätten einfach in das Loch hinuntersteigen können."

.Du großer Gott!" rief der Mann,angenommen, der Führer bemerkte mich nicht! Sie bemerkten mich nicht! Riemand!

Sie haben recht." .

Wir sprachen noch von diesem und jenem, der Mann fuhr bis zur Endstation mit, und als mein Zug umkehrte, fuhr er auch mit zurück. , r ,

An der Ecke der Monroestraße sagte er:

Da ist die 2lpotheke, in die Sie meine Frau bringen sollen, wenn sie ohnmächtig wird."

Ich war um zehn Dollar reicher; Gott sei Dank, es gab auch glückliche Tage im Leben! Den ganzen Winter über hatte ich mich über Brust und Rücken mit einer Schicht Zeitungen wattiert gegen den schneidenden Wind; bei jeder Bewegung knarrte ich in der unangenehmsten Weise, und die Kameraden hatten ihrM Spaß mit mir. Run sollte es unter anberm zu einer Pelzweste von wundersamer Dichte reichen! Wenn dann die Kameraoen das nächste Mal kämen und. sich an mich -heranmachten, um zu hm en. wie ick knarrte, so würde ich es nicht dulden . .

Ich mache zwei, ich mache drei Touren zur Stadi; nichts ge­schieht. Als ich eben zum vierten Male von der Cottagestation ab­fahren wollte, stieg eine junge Dame auf und nahm Platz in wtze grip. Sie trug ein braunes Pelzkostüm. Als ich zu ihr nach vorn kam und ihre Zahlung in Empfang nahm sah ste mich mit dem ganzen Gesicht an. Sie war sehr jung und schon, die Augen tief unschuldig und blau. Aermste, es steht Ihnen ein racher Schrecken bevor, dachte ich; aber Sie haben gewiß einen kleinen Fehltritt began­gen und nun sollen Sie Ihre Strafe haben, jedenfalls werde ich Sie mit Wonne behutsam in die Apotheke tragen.

Wir rollten der Stadt zu.

Von meiner Plattform bemerkte ich, daß der Führer plötzlich mit der Dame zu sprechen begann. Was konnte , er ihr zu jagen haben? Es war ihm außerdem nicht gestattet, sich wahrend des Dienstes mit den Passagieren zu unterhalten. Zu meiner großen Verwunderung sehe ich, daß die Dame sich sogar einen Platz naher an den Führer heransetzt, und da steht er nun an feiner Maschine und hört gespannt zu, was ste sagt. 1 .

Weiter rollen wir in die Stadt hinein, halten an und lassen Leute einsteigen, halten an und setzen Leute ab, alles geßt seinen Gang. Wir nähern uns der Monroestraße. Ich denke bet mir: der exzentrische junge Mann hat sich seine Stelle klug ausgesucht, die Monroeecke ist eine stille Ecke, wo man ihn kaum stören wird beim Hinabsteigen in das Bassin. And ich ömike weiter daß ich hie und da die Leute der Straßenbahngesellschast in diesen Bas­sins habe stehen und ausbessern sehen, was da unten in An­ordnung geraten sein mochte. Aber sollte es einmal einem Ar­beiter einfallen, in dem Loch stehen zu bleiben wenn der Zug darüber fuhr, er würde schlecht und recht um mehrere Zoll kurzer werden; die Gabel, die von The grip aus zu demKabel hinabsuhrte, würde seinen Kopf vom Halse trennen. Da Monroe die nächste Straße war, ging ich nach vorn auf The grip.

Weder der Führer noch die Dame sprachen letzt. Das letzte, was ich bemerkte, war, daß der Führer nickte, als sei er mit sich über etwas ins reine gekommen, dann starrte er geradeaus und fuhr mit voller Geschwindigkeit drauf zu. And es war doch der große Pat, der Irländer, den ich als Führer hatte. »Stack her a btt," sagte ich im Jargon zu dem Führer. Das heißt: Fahr ein bißchen sachter. Ich sah nämlich einen schwarzen Punkt mitten auf dem Geleise, es konnte ein Menschenkopf sein, der aus der Erde