leitung Von 400 mm Duvchm. ausgefüHrt, öle in der ersten Hälfte des Monats Auaust 1914 in Betrieb genommen werden konnte. Dachst dem Hochdrnckbehälter wurde eine Hmfühningsleitung und eine besondere Zubringerleitung hergestellt die gestatten, daß die sehr hoch- gelegenen Gebäude der Stadt (Lupusheim, Hautklinik u. a.) direkt Wasser aus der 400-Millimeter-Zubringer- leitung erhalten; es wurde hierbei die 1894 ausgeführte Ber» bindungsleitung zwischen Hoch- und Diederdruckbehälter nut zur Hilfe genommen. Geplant war ferner der Bau eines noch hoher liegenden und größeren Wasserbehälters und die Herstellung einer Zubringerleitung zwischen diesem Bshülter und dem Vtadt- rvdrneh Dieses Borhaben wurde durch den Krieg emstwerlim zu Fall gebracht. - Die im Jahre 1913/14 gebaute Parallel- leitung hat 348 000 9M. gekostet, heute wurden hrerzu mindestens 48 Millionen Mark erforderlich sein

Gelegentlich der Feldbereinigung im Dorfe Qusckborn konnten die nach und nach gekauften Grundstücke vertauscht und 1919 mit dem Quellgebiet vereinigt werden, das letzt einen Flacheninya.t von 22 940 Quadratmeter hat.

Bon 1919 ab begann für das Wasserwerk eine schwere Zeit. Infolge der geringen Diederschläge in den letzten Jahren ist der Grundwasserspiegel allgemein gesunken wodurch die unteriwis yrn Wasserzuflüsse stark beeinträchtigt wurden. Heberall war Wasser- mangel und auch in Gießen setzte im Sommer 1920 und verstärkt im Jähre 1921 Wassermangel ein. Dur durch kräftiges Mls- saugen der unterirdischen Wasserbecken gelang es, die Wasser­abgabe einigermaßen erträglich zu machen. Lange Wochen haben die Pumpmaschinen eine Saushöhe von 8 Meter und mehr über­winden müssen, aber Dank der Dichtheit der Saugleitung und der Pumpen ritz der Wasserfaden nicht ab und der Devülkermig konnte leidlich Wasser, wenn auch nicht immer in ausreichender Menge und mit genügendem Druck, zugMhrt werden-

Durch das allgemeine Sinken des Gvundwasserstandes ver- anlatzt wurde im Frühsommer 1921 mit dem Bau von Filter­brunnen in Queckborn begonnen und im August konnte 1 Brunnen, der etwa 500 Tages-Kubikmeter liefert, in Betrieb genommen werden und die Wasserkalamität etwas mildern. Da auf dem Queckborner Quellengebiet Tiefbvhrungen nie vorg.^ nvmmen waren und über die Hntergrundvethältnisse vollständig .Unklarheit herrschte, beschloß die Stadtverwaltung nach An­hörung von Sachverständigen, vor Herstellung des zweiten Futer- brunnens eine Tiefbohrung niederzubringen. Bei einer Tiefe von 25 1 Meter, nachdem etwa 8,5 Meter Letten, 5 Meter fester blauer Basalt 25 Meter Basaltlava und 10 Meter zerklüfteter Basalt durchfahren war, sprudelte das Wasser so stark hervor, daß das Dohren, das mittelst Freifall geschah, Schwierigkeiten machte und eingestellt werden mußte. Aber alsbald kam das Anvorhergesehene: Die Schachtbrunnen lieferten nur noch wenig Wasser. Der Beweis war nunmehr erbracht, daß die Brunnen untereinander in Verbindung stehen, was von vielen, die das Queckborner Quellengebiet kennen wollten, bestritten wurde. Der neu erbvhrte tiefe Filterbrunnen wurde, um die Wafserver» sorguna der Stadt Gießen nicht zu gefährden, schnell durch eine Rohrleitung mit dem Schachtbrunnen provisorisch verbunden. Der Masst Zuwachs durch den 2. Filterbrunnen wurde mit 1800 Tages-Kubikmeter festgestellt.

Dunmehr wurde auch in einer der Stadt Gietzen gehörenden, ganz in der Dähe des tvestlichen Teiles des Quellengebietes liegenden Wiese eine weitere Bohrung niedergebracht, die bei 50 2 Meter Tiefe kein Ergebnis brachte und deshalb aufgegeben würde. Der Basalt wurde hier erst bei 34 Meter Tiefe an- g et rossen und war mit verhärtetem Ton durchsetzt. Bei 40 Meter Giese brach der etwa 25 Zentner schwere Bohrer ab, er wurde aber nach 3 Wochen mühseliger Arbeit gefangen und an das Tageslicht befördert. Das vierte Bohrloch wurde un südlichen Teil des Quellengeländes angesetzt und 40,4 Meter tief gebracht; auch hier wurde der Basalt, der Toneinlagen aufwies, erst in einer Tiefe von 31,6 Meter angetroffen. Dieses Bohrloch ist kürzlich ausgebaut und liefert täglich 700 bis 800 Kubikmeter Wasser. Sämtliche Filterbrunnen find bzw. werden durch Heber­leitungen mit den vorhandenen Schachtbrunnen verbunden. Die Tiefböhrungen haben über den südwestlichen Teil des Qurllen- geländes Aufschluß gebracht und erwiesen, daß eine Störung in der Lagerung der Schichten in dem Quellengebiet vorhanden ist. Durch weitere noch vorzunehmende Bohrungen soll der übrige Geländeteil weiter erforscht werden, eine Maßnahme, die nach dem Erwerb des Quellengebietes im Jahre 1893 leider versäumt

worden ist.

Die Militärverwaltung baute anfangs .der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, gelegentlich der Kafernenbauten an der Grünberger Straße eine eigene Wasserleitung und besitzt dieselbe heute noch. Die Quellen dieser Leitung befinden sich in den Anneröder Wiesen längs der Grünberger Straße. Die Qurllen- anlage ist später erweitert worden. Die Hauptquelle befindet sich jetzt 1 Kilometer oberhalb des Hochdruckbehälters, etwa 250 Meter rechts von der Grünberger Straße, entfernt. Die Brunnen­stube dieser Anlage dient gleichzeitig als Bvrratsbehälter. Auch die Hniversitätskliniken besitzen eine eigene Wasserleitung. Die Quellen dieser Wasserleitung bestnden sich an den Abhängen

deS Anneberges in der Dähe des Schiffenberges und Bringen 5080 Tages-Kubikmeter Wasser. Der Wasserbehälter der Kli­nikswasserleitung liegt unweit der Schönen Aussicht.

Das Wasser der Gietzener Quellwasserleitung wird regelmäßig monatlich von dem Direktor des hygienischen Instituts 6er Uni­versität und von dem chemischen Hniersuchungsamt der Provinz Obesthessen, sowohl bakteriologisch als auch chemisch untersucht. Es war immer vollkommen einwandftei und von vorzüglichster Beschaffenheit.

Zum Schlüsse einige Zahlen über die Zunahme des Wasser­verbrauches. Es wurden insgesamt gewonnen im Jahre

1890 ...... 210 000 Kubikmeter

1900 . 730000 Kubikmeter

1910 ...... 1 480 000 Kubikmeter

1920 ...... 2 630 000 Kubikmeter Wasser.

Die Höchstleistung fand im Jahre 1918 mit 3 150 000 Kubikmeter statt, als das Gefangenenlager noch in Betrieb war.

Interessant ist der Wasserverbrauch je Kopf und Tag der 5 hessischen größeren Städte. Dach der Statistik 1916 verbraucht Offenbach.........81 Liter

Mainz......... . 89 Liter

Darmstadt...... 168 Liter

Gietzen .........178 Liter und

Worms .........199 Liter.

Das gesamte Dohrneh der Gießener Wasserleitung hat eins Länge von rund 99 Kilometer, es ist somit länger als die Bahn­strecke GießenDarmstadt. Hebet 2500 Haus- und Garten­anschlüsse sind mit dem Rohrnetz verbunden und 450 Hydranten stehen Mr Löschung eines Brandes gur Verfügung.

Die Gesamtbaukvsten des Gietzener Wasserwerkes betrugen BH Ende 1921 rund 2800000 Mark.

An Schulden waren am 1. April 1922 noch 1270000 Mk. vorhanden.

Literatur: 1.Aus Gießens Vergangenheit!" von Prof. Buchner. 2.Das Journal für Wasserversorgung." 3. »Da« Gemeindeblatt für die evang. Kirchengemeinde Gießen und 4. »®te Akten der Stadt Gietzen und des Wasserwerks".

Der Siebenschläfer.

Von Präzeptor Js. Lucius.

Kaum ist dem Volk eine Wetterregel so bekannt und geläufig alS die vom Siebenschläfer: Regnets am Siebenschläfer, so tritt eine siebenwöchentliche Regenzeit ein. Und diese Wetterregel ist vollständig richtig, nur mutz man den Siebenschläfertag nicht, wie es im Kalender steht, auf den 27. Juni, sondern nach dem alten Kalender auf den 9. Juli verlegen. 2llle alten Wetterbüch­lein, wie sie dem in Marburg verstorbenen Literarhistorikr Aug. Vilmar Vorlagen und nach denen er mit der ihm eigenen Akribie über 40 Jahre lang das Wetter beobachtete, stellen ihre Regeln nach dem alten Kalender auf, der mit dem neuen um 14 Tag» Srrtert; sie stammen aus dem Ende des 15. Jahrhunderts und bis Ende des 17. Jahrhunderts gar oft gedruckt worden, Im 17. Jahrhundert wurde der sog. Hundertjährige Kalender geschrieben, der neben wichtigen Regeln eine Menge der selt­samsten und stmilvsesten Dinge, namentlich Wetterprophezeiungen auf alle einzelnen Tage, brachte. Gerade letzteres wollten die alten Wetterbüchlein nicht, sondern sie gaben gewisse Werdetage Be8 Wetters an, an denen unter bestimmten Voraussetzungen diese oder jene Witterung eintritt, ja zuverlässig eintreten wird. So gibt eS ganz bestimmte Voraussetzungen für die Frühjahrs-, Sommer- und Winterwitterung, und wer sich die Mühe gibt und Sinn dafür Hat, diese Voraussetzungen richtig zu beobachten, bet wird auch den rechten Gewimi davon haben.

Also der Siebenschläfertag! Hm den 8. Juli dieses Jahr stimmte es genau mit dem Siebenschläfer des alten Kalenders, dem 9. Juli pflegt eine Deiünderung der Witterung einMtretsn. Ist der Juni veränderlich nach Maßgabe der kritischen Tage, so endigen in dem Falle, daß die Periode des Juni ungünstig ausfiel und in diesem Jahre war sie ebenso ungünstig wie die Märzperiode die schönen Tage entschieden mit dem 8. Juli für den ganzen Sommer, wenigstens bis Mm 19. August. Der 19. August ist in sehr regnichten Sommern in diesem Jahre rechne ich bis jetzt 25 Regentage mit 13001400 Millimeter Die­derschlag ein entscheidender Tag; man kann mit Bestimmtet darauf rechnen, daß an diesem Tage eine oft durch ganz besonder« schönes Wetter ausgezeichnete Pause im Regnen eintritt; selten dauert jedoch diese Pause länger als 810 Tage.

Ich möchte diese Beobachtungen, die ich nun schon über 30 Jahre gemacht und richtig befunden habe, den Lesern mitteilen, die sonst Hoffnungslos dem jetzigen betrübten Wetter zuschaueu. Schaden hat der schwere Regen wohl schon genug getan an der gemähten Frucht, die draußen liegt; hoffentlich leiden die Kar­toffeln nicht, die eine so herrliche Ernte versprochen haben! HebrigenS wird wahrscheinlich die Mitt» des September sehr niedrige Temperatur bringen. Es wird zu wenig die 4. Bitte des hl. Vaterunsers gebetet, in der auch dasgute Wetter" miteinbegriffen ist!

Schristleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gietzen.