Gehöriges da fein, sonst gMs nichts. Mich sprechen Sie das Sch fMecht aus. Es kann nichts daraus werden, jedenfalls möchte feine Verantwortung dafür übernehmen." Damit war ich entloffen und stand einen Augenblick später wieder vor der Tur, die Doggen knurrten abermals drohend, und niedergeschlagen wie ein FeÜcherr nach einer verlorenem! Schlacht, schliche ich die Treppe hinab warf noch einen wehmütigen Blick nach dem Giebelgemalde deS Hoftheaters, pumpte mir bei einem entfernten Onkel, der in München wohnte, das Geld zur Heimreise und kehrte zu meinen Studien zurück. Der Theatertraum war verrauscht und nach an paar Jahren wurde ich Zeitungsschreiber. An dieser Wendung metneS Geschickes hat Pofsart ein unbestreitbares Verdienst.
Zchn Jahre nach meinem Besuch in München traf ich, zum zweitenmal mit ihm zusammen. Pofsart hatte inzwischen einen Weltoühm erlangt, während ich noch ein ganz unbekannter kleiner Redakteur war, denn ich hatte nach sieben mageren Jahren im hessischen und preußischen Schuldienst gerade erst den Herrsck^rsitz auf der Schriftleitung der Krefelder Zeitung bestiegen. A^r diesmal stattete der berühmte Mime m i r einen Besuch ab. Ec sollte nämlich ein Gastspiel am Krefelder Stadtcheater antreten, welches damals unter der Direktion des trefflichen Anton Otto sich, als eine würdige Pflegestätte des Schauspiels zu entwickeln begann. Auch der größte Künstler pflegt ein Gastspiel damit zu eröffne^ baß er der Presse seine Aufwartung macht, denn er wünscht doch recht preislich in der Zeitung besprochen zu werd«!, selbst wenn dieselbe nur auf dem Rang des Pvsemuckeler Kreisblättchens steht Ich glaubte selbstverständlich, einen höheren Rang im deutschen Blätterwald zu vertreten, und fühlte mich durchaus als Großmacht, als an einem Rovembermorgen 1887 Possart mein ReLaMonszimmer am Reumarkt in Krefeld betrat. Ich empfing ihn aber sehr freundlich denn ich hatte keinen Grund, ihm etwas nachzutragen, nicht einmal die Schmähung meiner Rase, denn meiner jungen Frau gefiel diese Rase ganz gut und das war einstweilen für mich die Hauptsache. Rach den ersten einführenden Redensarten rückte ich sofort mit der Enthüllung, heraus, daß «nr alte Bekannte seien, und erinnerte den Gast an die durch ihn 18 erfolgte Vernichtung meiner Theaterträume. Etwas betroffen gedachte nun auch Pofsart des Ereignisses un& fiel ein: „O, da muß ich mich ja Heute noch bei Ihnen entschuldigen, denn ich entsinne mich, daß ich lohnen damals in der Eile allerlei unüberlegtes Zeug gesagt habe." Ich ergänzte lachend: „Ja, Sie b^ Haupteten, ich hätte keine Rase." „So? Das war es, ich weiß selbst nicht genau mehr, was ich in der Verlegenheit dahergeredet habe Ich weiß nur, daß vor Ihnen schon ein Telegramm Ihres Vaters angekommen war, welches mich dringend bat, Sie von der Bühnenlaufbahn abzuhalten. So blieb mir nichts anders übrig, als Irgend etwas, was mir gerade einfiel, zu Ihrer Mschreckung vorzubringen" Als er dann die Hoffnung aussprach daß ichmit der Wendung meines Geschickes unter seiner verantwortlichen Mi^ Wirkung nicht unzufrieden sei, konnte.ich, es freudig bestätigen und htnMfügen, daß ich glücklich sei, durch meinen jetzigen Beruf rn nähere persönliche Berührung mit ihm zu kommen und shm vielleicht einen kleinen Dienst zu leisten. An diesen Antrittsbesuch Possart« knüpfte sich in den folgenden Tagen ein lebhafter und freundschaftlicher Verkehr, der gelegentlich eines zweiten Gastspiels In Krefeld 1888 seine Fortsetzung fand.
Ich sah Len Künstler damals in mehreren seiner Glanzrollen und habe meiner Verehrung für seine hohe Begabung, besonders auf dün Gebiet des Vortrags, in meiner Zeitung gerne vollen Ausdruck verliehen. Possart war wie die Mehrzahl seiner Berufs- aenossen für eine gute Kritik tn der Presse sehr empfänglich Und zeigte sich mir für die seinem Gastspiel gewidmeten Despre- chunoen ebenso dankbar, wie ich ihn für die gebotenen künst- lerischen Genüsse war. Ich sah ihn u. a. als ^fstock Rathan her Weise, Tartuffe, Rarziß, König Lear, Friedrich der Gcoße in Des Königs Befehl", Rabbi Sichel in „Freund Fritz und Ehrhkale in Molieres „Gelehrte Frauen". Entgegenkommeiw und zugänglich, wie er war, gestattete er mir, ihn in seiner Garderobe während der Pausen ober, während er sich für seine Rolle 6er- richtete, was er stets mit peinlicher Sorgfalt vornahm, zu besuchen, und die Unterhaltungen, die wir da führten, haben Mir manche wertvolle Belehrung für meine Bühiienkenntnis und Ur« teilsfähigkeit über dramatische Kunst geboten. Ich habe auch bie Freude gehabt, ihn als Gast an meinem Tisch zu sehen. Gr saß neben einer meiner Schwägerinnen, deren Rase ihm besser gefiel als die meinige,, denn er machte ihr das Kompliment, sie sei wie geboren für die Rolle der Marie Antoinette wegen ihres feinen Profils Als bleibendes Andenken an sein Krefelder Gastspiel schenkte mir Possart ein großes Album mit Darstellungen seiner Hauptrollen und der scherzhaften Widmung „Seinem lieben F«und Fritz" Zwischen Len beiden Krefelder Gastspielen machte er seine große' und erfolgreiche Reise durch die Vereinigten Staaten und wir verfolgten tn der Presse mit lebhafter Teilnahme seinen mit Lorbeeren und Dollars reich gesegneten Triumphzug burcb das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dieses hat sich gerade bei diesem Anlaß wieder als solches bewährt, indem au feinem Boden zwei eifersüchtige Nebenbuhler um die Gunst des Theaterpublikurns sich zu gemeinsamer Arbeit zusammenfanden. Um wenige Wochen später trat nämlich auch Ludwig Barnah seine amerikanische Gastspielreise an, hatte aber das Mißgeschick, daß er wohl infolge ungeschickter Anordnungen seines Impresario
Hinter Possart herreiste und geringe Erfolge erzielte, nachdem Böf Vorgänger den Oberschaum des Interesses fast überall schon obgeschöpft hatte. Diese bittere Erfahrung bewog dann Darnay, ür den Rest seiner Reise sich mit dem Rebenbuhler zu vereinigen, sie traten von da an zusammen auf, machten volle Häuser und volle Taschen. Gelegentlich seines zweiten Besuchs in Krefeld Hat Possart uns sehr heiter und nicht ohne Selbstzufriedenheit! erzählt, wie er den Kollegen Barnay auf der Reise durch das Land der Hankees ins Schlepptau genommen Habe.
Etwa ein Jahrzehnt später erlebte ich in Rom ein seltsames Rachspiel davon. Ich war inzwischen auf der journalistischen Stufenleiter aufwärts geklettert und saß als Vertreter der Kölnischen Zeitung in der Ewigen Stadt. Bernhard von Bülow, der damals deutscher Botschafter beim italienischen Hof war, lud mich manchmal abends zu Tisch, ein, und einmal traf ich im Palazzo Caffarelli mit Ludwig Bariiah zusammen, der auf einer Jtalienreise begriffen war. Es waren nur wenige Personen an der Tafelrunde, und die lebhafte Unterhaltung beschäftigte sich hauptsächlich mit Theater und Kunst überhaupt. Barnah sprach mit hoher Anerkennung von den künstlerischen Neigungen und Fähigkeiten Kaiser Wilhelms II. und pries besonders dessen Anordnungen zu den Festlichkeiten anläßlich des letzten Besuchs des italienischen Königspaares in Berlin. Rach angeregtem Gespräch gingen wir gegen Mitternacht auseinander. Am Portal des Botschaftspalastes schaute Barnatz zu dem Vollmond, der an dem klaren Sommerchimmel glänzte, und sprach den Wunsch aus, das Kolosseum bei Mvndbeleuchtung zu sehen. Ich begleitete ihn im Wagen dorthin und unterwegs erzählt ich ihm von meiner jugendlichen Schwärmerei für die Bühne und wie ich. durch meinen Besuch in München bei Possart veranlaßt worden war, der Theaterlaufbahn zu entsagen. Ich gab scherzend einige Einzelheiten an, die Einwände gegen meine Rase und gegen das Sch Die Wirkung meiner Erzählung war so unerwartet wie drastisch. Barnah faßte auf einmal meinen Arm, daß mir fast die Knochen krachten, und rief, indem er die andere Faust drohend gegen den Mond erhob, mit Stentorstimme aus: „Ha! daran erkenne ich feine schwarze Seele!" Betroffen fragte ich ihn: „Wie meinen Sie das?" „Haben Sie denn nicht gemerkt," fuhr Barnah fort, „warum Possart Sie los sein wollte und Ihnen einen solchen Quatsch Vorrede te? Er hat den künftigen Rebenbühler in Ihnen gefürchtet." Ich konnte mich, nicht enthalten, au lachen, aber mein Begleiter blieb dabei: „Glauben Sie mir, so ist es, ich kenne den Mann durch und durch." Ich habe ihm allerdings nicht geglaubt, fuhr mit ihm ins Kolosseum, und das milde Mondlicht, welches über dem flavischen Amphitheater so ruhig und versöhnend glänzte, 'hat bald auch Barnahs Feuerzorn gelöscht, der wohl ausschließliche amerikanischen Ursprungs war.
Zum letztenmal 'habe ich Ernst Possart gesehen, als ich mich 1918 in München niederließ. Ich suchte ihn in seiner schönen Villa in den Dogenhausener Jsaranlagen auf und wurde sehr freundlich ausgenommen. Er war mittlerweile in den Ruhestand getreten, geadelt und mit Ehren überhäuft, aber körperlich war er nur noch eine Ruine mit der Last seiner 77 Jahre und einer ruhelosen aufreibenden Tätigkeit. Doch das Auge glänzte noch feurig und feine Stimme klang immer noch wie eine Glocke. Gr ist in jenen Tagen ausnahmsweise bei irgend einer Münchener Dühnenjübelfeier noch einmal aufgetreten, es war seine letzte Künstlerleistung. Wenige Monate danach siedelte er in seine Vaterstadt Derlln über und ist dort bald verschieden, ©ein Nebenbühler Darnah hat ihn überdauert und konnte in diesem Jahre den 80. Geburtstag begehen.
Die Wasserversorgung der Stadt Gießen.
Von Direktor S t e d i n g, Gießen.
(Schluß.) '
Wenn nun auch das Pumpwerk Queckborn in den ersten Jahren pur stundenweise in Betrieb war, so änderte sich das Bild als im Jahre 1896 die Eisenbahn dazu überging, ihr sämtliches Trinkwasser und das Betriebswasser zur Speisung der Lokomotiven von dem Wasserwerk Gießen zu beziehen. 3m Jahre 1900 hatte sich der Wasserverbrcmch schon so gehoben, - daß eine Maschine Tag und Nacht durchlaufen mußte und bereits 1904 wurde eine dritte. Dampfpumpe von 2880 Kubikmeter Tagesleistung eingebaut, bei welcher Gelegenheit das Maschinenhaus in Queckborn vergrößert werden mußte. Zu gleicher Zeit wurde die Quellfassungsanlage auf dem Quckborner Gelände erweitert, indem 2 weitere Schachtbrunnen erbaut und für den 4. Brunnen die Vorarbeiten borgenommen wurden.
Nachdem die Kliniksbauten und die Heil- und Pflegeanstalt ferttggeftcITt und in Betrieb genommen waren, mußten sämtliche Pumpen fast täglich in Betrieb genommen werden. Um nun die erforderliche Krise!- und Maschinenreserve zu 'haben, wurde im Jahre 1910 ein Zweiflamrnrvhrkessel von 65 Quadratmeter Heiz» Näche und 10 Atmosphären Ueberdruck und eine moderne Heitz- dampfmaschine mit direkt gekuppelter Pumpe von 7800 Tages- Kubikmeter eingebaut.
Die von dem Pumpwerk nach dem Hochbehälter führende Zubringerleitung von 275 Millimeter l. W. genügte bald nicht mehr. Es wurde deshalb in den Jahren 1913/14 eine Parallel-


