tiMtffBFJW L 8S.Ä iTÄMI HSS Äff 9 HM ZLsÄSg- & §&8 st ff Ba^SBllV LSS?
Nr. 34
1922
Samstag, 26. August
LL8.
C/
ISi
Blumenschmuck im Hause.
Don Dagobert Winter.
I.
Wenn man behauptet, die Freude an den Blumen, an deren Duft und Farbe, sei eine angeborene, allen Menschen eingepflanzte, so ist das nur in dem Maste wahr, wie auch anderq gute Eigenschaften, die Liebe zur Wahrheit zum Schönen E-uten angeboren erscheinen, aber erst durch Erziehung ausgebildet und gereift werden müssen, wenn sie nicht verborgen bleiben sollen. Erziehung und Gewohnheit sind in dieser Beziehung gar mächtige Faktoren: dazu kommen noch die Eindrücke der Kindheit, die einen Lurchs ganze Leben begleiten.
Die ErzieHung zum Schönen gründet sich auf die natürlichen, allgemein menschlichen Anlagen, aber sie wird beeinflußt von Mode und Borurteil und bleibt daher ebenso vielen Modalitäten und Veränderungen unterworfen, wie die Erziehung überhaupt. Eine nüchterne, auf das reine Äützlichreitsprinzip sich stützende Richtung betrachtet Las Schöne nur vom Standpunkt des Geldes — oder praktischen Genußwertes aus: eine in sich harmonisch abgeschlossene Kultur pflegt das Schöne um seiner selbst willen vom ideal menschlichen Standpunkt aus, und in dieser Beziehung sind zufriedene, von dem Verkehr abgeschlossene Landleute oft den gebildeten Kreisen in Städten überlegen.
Eine außerordentliche Blumenfreudigkeit mußte im alten Aeghpten herrschen. Die Abbildungen in Tempeln und Palästen führen uns vorzugsweise Blumen vor, und namentlich ist es die 'heilige Lotosblume, der wir in Verbindung mit dem Papyrus fast überall begegnen. DieseB ume sand die vielseitigsteDer.vendung. Man verkaufte sie, 'wie H. Klein schreibt, auf Straßen und Märkten, pflegte sie in Kübeln Und Töpfen, stellte sie als Zimmerschmuck in zierlichen Alabaster-- und Tvnvasen auf und erfreute sich an ihren lichten Farben und am zarten, zimtartigen Geruch der Blüte. Lotosblumen waren das bevorzugte Geschenk der Liebenden : man trug sie als Amulet aus Holz und gebranntem Ton. Es galt als ein Zeichen feiner Sitte, nicht nur bei großen öffentlichen Festen, sondern auch in Privatkreisen und Gesellschaften, mit einer Lotosblume in den Händen zu erscheinen. Den Gästen wurde oft ein Blumenkragen um den Hals gelegt, ihr Haupt gesalbt und mit Kränzen geziert, aus denen eine Lotosknospe über die Stirn Herabhing. Auf Bildern von Festmahlen tragen die Gäste Lotosblumen in der Hand, die von den Dienern und Dienerinnen immer durch frische ergänzt werden.
Wie in Aeghpten war es auch in Griechenland mit der Vorliebe für Blumen bestellt. Die griechißchs Ornamentik ist eine ins Detail ausgebildete Dlumensprache. Krönende und abschließende Glieder, Derbindungs- und Kvnfliktsshmbole, wie wir solche an den Vasen und Tempelmalereien, an den Marmor- und Bronzearbeiten sehen, sind fast ausschließlich dem Pflanzenreiche entnommen. Der Lotos und das Palmenblatt, Efeu- und Lorbeer» kränze und vor allem der plastische Akanthus finden eine weitgehende Anwendung. Eine solche allgemeine Verwendung der Blumen für Dekoration kann nicht auf eine gewisse Laune der Besitzenden zurückgähen, sondern kann nur aus dem breiten Boden einer ganzen Volksseele erwachsen. Tatsächlich finden wir selbst von einigen Schriftstellern dieses bestätigt. „In Griechenland," schreibt einer, „war es allgemein Sitte, Blumen und Sträucher in Gefäßen zu ziehen, und zur Zeit des Perikles gab es bereits in Athen Dachgärten und mit Topfpflanzen beschattete Dächer. Reiche pflegten Blumen in silbernen und korbartigen Gefäßen
und Vasen, Minderbegüterte in Weidenkörben und Holzgefäßen. Diele neue Blumen wurden eingeführt, und der Rosenkultus gewann größere Ausdehnung. Als Dionysos aus Asien nach Griechenland zurückkshrte, wurde er von Aphrodite mit einem Rosenkranz statt des Efeus geschmückt."
Der Verbrauch an Blumen beim Tempeldienst und bei Festlichkeiten, sogar bei jedem großen Gastmähl war ein viel größerer als bei uns, und durch Gebrauch waren gewisse Blumen zu bestimmten Zwecken vvrgeschrieben. Die Dlumenverkäuferinnen und K ra uz winde rinnen bildeten eine Art Kunstzunft, und mehrere sind seinerzeit berühmt getvvrden, wie die Glycera, welche Pausias in einem Bilde verewigt hat. Dieses Blumengeschäft der Griechinnen hat sich bis in die Römerzeit erhalten, allerdings auch die nach unseren Begriffen etwas freie Auffassung des Lebensgenusses derselben.
Da die Blumen bei den Griechen eine bestimmte Bedeutung hatten, viese besonderen Göttern geweiht waren, so mußten die Blumenkünstlerinnen mit der Mythologie genau bekannt fein. 2lber die meisten Ansprüche an die Dlumenwelt machte schon damals wie 'heute noch Eros, der Bezwinger der Herzen, und ein griechischer Dichter legt deshalb einem Blumenmädchen folgende Worte in den Wtlüd:
Zarten Rarzissus will ich mit duftender Myrt'hr umwinden. Lächelnde Lilien auch bind' ich mit Veilchen zum Kranz: Lieblichen Krokus dazu und die zarte Blum' Hyakinthus, Rosen auch flecht ich darein, Liebender schmückende Zier, Daß sie umschlingen das Haupt, das umduftete, Heliodoras!
Selbst die individuelle Vorliebe für einzelne Blumen finden wir schon 'hoch entwickelt, und das duftende Veilchen war die Rativnalblume der Athener. In den Städten gab es regelmäßige Blumenmärkte, deren Besuch an Festtagen ein außerordentlich großer war.
Der Mittelteil des römischen Hauses, das Cavaedium, unseren unbedeckten Höfen vergleichbar, mit einem Wasserbasin in der Mitte, 'hatte um dasselbe einen Rasenplatz, auf dem Lorbeer, Myrten, Rosen, oft auch geschnittene Zwergbäume standen. 3n kleineren Häusern werden solche und ähnliche Bäume in irdenen oder steinernen Gefäßen aufgestellt. In Pompeji sand man fortlaufend aufgestellte steinerne Tröge, worin Pflanzen, wahrscheinlich Schlingpflanzen, gezogen wurden. Auch zwischen den Säulen des Periflhls standen Vasen mit Blumen und grünen Pflanzen ab- wechselnd mit den Erzeugnissen des Erzgusses und der Marmorplastik. — Je mehr die Bauplätze beschränkt wurden, desto mehr wurde auch der Raum für das Peristhl and den daran schließenden Hausgarten eingeengt, und man kam deshalb auf den Ge- danken, auf den Dächern Gärten anzulegen, welche schließlich so häufig wurden, daß in den Rechtsbüchern besondere Bestimmungen erlassen wurden. Auf dem sorgfältig vorbereiteten Boden dieser Gärten standen die Pflanzen in tiefen, viereckigen Kästen, in Gefäßen von Ton und Blei. Wer keinen Dachgarten 'hatte, begnügte sich mit einem weinumrankten Portikus am Hause. Auch die Fenstergärtnerei, welche in Kästen Blumen, aber auch Schnittlauch, Petersilie und dergleichen zog, war bereits im alten Rom bekannt.
Wie in Griechenland und bei den alten Völkern überhaupt, war auch bei den Römern die Rose die Blume der Blumen, die Königin, welche überall angepflanzt wurde. 3d> will die fabelhaften Angaben über- die Verschwendung der Rvsenblätter bei Festen und Mahlzeiten nicht wiederholen, nicht erwähnen, daß der Fußboden oft tief mit Rosenblätiern bedeckt war. daß nach


