Ausgabe 
25.5.1912
 
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, Kausen Sie Maien!" rief Mieze im Lanbesdialekt.Kaufen Sie lieber Herr, schöne Dame! Nur eine halbe Mark dieser flt0 r£Ä besonders als die Militärmusik

drübm einsetzte mid lusttge'Gruppen von langen Herren und ^^Mötzlich verkrÄ sich Mamsell völlig hinter die grünen Aeste.

dTeidieti mng tiotboi/ miiftate fefyt fdjurf btc Mbsche Vettäustrin und blickte dann neugierig zurück, wo mehrere ^^7,All7g7tekGZ?^!"' murmelte plötzlich Mieze her Mamsell 4' 'Mmusellchen ergriff da? Hasenpanier und ließ Wagen und Fräulein schmählich im Stich- Grete Teicherts Augen aber glitzerten boshaft: daß der alte Ferlau solche Komodienstreiche Nicht gut hieb, wußte sie, und sie war begierig, ob es wohl Mieze gelingen werde, sich dem väterlichen Strafgericht zu entziehen.

Shevr Ferlau hätte keinen Blick auf die schmucke Maien- Händlerin geworfen, doch als er an den Wagen herankam, wurden seine Augen groß und rund. Tas waren ja ferne beiden.Gaule, ^^Mieze faht^sich ein Herz, und mit ihrem bezaubewrdsten Lächc'lir hielt sie dem Vater einen Birkenzwei entgegen.Kaufen StC ,^Teern'!" stammÄte^Herr^Ferlau, kirschrot anlaufench ,,was ist das für eine verrückte Theaterei? Wie kommst du hierher?

,Mstohlen stdsprach Mieze lieblich.Aus der Mrkenschonung abernahte" der ^Retter, der das väterliche Unwetter ab- toenb5rv Schmiedeler, soeben Grete Teichert begrüßend, hörte von dieser di« spöttischen Worte:

Haben Sie Fräulein Ferlau schon guten Tag gesagt? Eben ist ihr Vater hinter diesen Streich gekommen, und es amüsiert mich, baß endlich mal die, gute Mieze emen Denkzettel bekom­men wird ! Sie ist ordentlich blaß vor Angst.

Karl Schmiedeler blickte hin und begriff blitzschnell, daß sich seiner kleinensüßen Krabbe" ein Malheur nahte.

Ta stand er auch schon vor dem Lmterwagen. begMßte Herrn Ferlau sehr Höflich und wandte sich dann an die Verkäuferin:

, Bitte geben Sie mir diesen Zweig nem, den, welchen Sie in der Hand haben. Kostet? Hier, bitte.

Bekomme ich eine vernünftige Antwort? fuhr Herr.Ferlau dazwischen.Was bedeutet das Ganze? Blamierst du Mich hier vor der ganzen Stadt?" , r ,... ,___

, Herr Ferlau," raunte ihm Schmiedeler zu,-ich bitte Sie! Tie Blamage würde doch erst entstehen, wenn man merkte, daß Bie schelten! Mache Sie gute Miene zum bösen Spiel fern lensch merkt -etwas, wenn wir nicht wollen!

Bei diesen Worten hatte er seinen Arm unter den des alten Herrn geschoben und Halb zog er ihn, halb sank er hm schlenderte mit ihm weiter, der Musik zu.

Mieze zählte kaltblütig ihre Gelder; es war reichlich ge- nung, die übrigen Zweige konnte man ta auch zu Hause noch verwerten. Sie kletterte Hinauf zwischen die Birken und herrschte

Nach^ Haust', ganz fix! Tie Mamsell mag »usthen, wie sie heim kommt, ich warte nicht länger auf sie. Das Grünzeug 'nehmen wir mit na, vorwärts doch!'

Ta der alte Mann ihr nicht schnell genug war, ergriff sie selbst die Zügel und fuhr von dann; dabei benützte sie einen' Feldweg, um nicht auf der Chaussee vielleicht von dem zürnenden Vatting eingeholt zu werden. ' ,, ,

Ach was!" dachte sie.Ich habe nichts Unrechtes getan! Wie 'reizend war das aber von Schmiedeler! Wirklich famoS ohne ihn hätte es einen Krach vor versammeltem Kriegsvolk

Sie versuchte die beiden alten Braunen in einen Trab zu versetzen, der sich lohnte; darüber wunderten sich fedoch die guten Ticken sehr, sie schüttelten mit den Ohren und blieben bei ihrem Zuckeln. , .

Als sie in das Hoftor einbog, da o Gott stand be­reits Herr Ferlau oben an der Treppe und hatte die Arme eingestemmt, was unheilverkündend genug aussah.

Was aber Mieze die ganze Zeit nicht gesehen hatte, daH sah Ferlau von der Treppe aus; hinter dem Leiterwagen ritt ein Reitersmann, und der war dem alten Herrn so willkommen, daß er plötzlich wie milder Vollmondschein lächelte und ausrief

Sieh da, Herr Schmiedeler! Tas ist nett, daß Sie kommen Bitte' näher zu treten."

Mieze wurde dunkelrot, sprang vom Wagen Uttb rannte zu dem soeben abgestiegenen Reiter hin.

Sie sind mitgeritteü? Warum haben Sie sich Nicht ge­meldet?" ,, .

Ich wollte nicht zudringlich sein, doch schien es mir richtig, einem so reizenden Laudmädchen einen Begleiter mitzugeben; deshalb erlaubte ich mir. . . ."

Herr Schmiedeler, Sie brauchen nichts Schlimmes von mir »n denken Es war nicht Abenteuerlust ober dergleichen, was mich zu diesem Streiche veranlaßte Ich ich wollte mir nur das Geld verschaffen, um ein Kalb für meine Armen zu kaufen Weil nämlich mein Vater so furchtbar knickerig geworden ist . . " Jh, du verflixter Frechdachs!" rief Herr Ferlau von der T^Aber°Miest hörte nicht auf ihn, sie hörte überhaupt nichts/ denn plötzlich brach sie in tin gänzlich unerwartetes Schluchzen! aU%nrI Schmiedeler schlang seinen Arm um ihre Schulter, ohne daß sie sich wehrte. Und da letzt Mieze auf den Garten zuließ

Eate^Ferlau^stand auf der Treppe wie eine Salzsäule.

Ta es geraume Zeit bauerte, bis die beiden wiederkamen, so begab er sich endlich ahnungsvoll in den Keller, wo. er ge- visst kostbare Flaschen herausgab und auf Eis stellen ließ.

Endlich tauchte das Liebespaar wieder auf, Und Schmiedeler rie^ ^Jch ^Lbe"ihr"vers'procheii, jedes Jahr zu Pfingsten einen richttgen Ochsen schlachten zu lassen, den sie ihren, das heißt unseren Armen schenken kann. Darum allem bat fte etngettnlligt/ mich zu heiraten. Sie haben doch hoffentlich nichts dagegen/ ^^NeiM^er^ hatte nichts dagegen, und Mieze lachte: erü stehle ich dir Maien, und bann verhökere ich sie öffentuH, und zuletzt' verlobe ich mich! Das alles hast bu angerWet deinem Verbot! Wirst bu es auch me wieder tun?

Nein," sagte Herr Ferlau bescheiden.

Vermischtes.

kf Geaenseitige Hilfe bei den Schwalb en. Aus welche' Weist Schwalben ihren verunglückten Artgenosten zu> Hilfe kommen schildert ein französisches Blatt nach dem Berichte des alten Nationalökonomen Dupoiit von Nemours. Dupont von Nemours beobachtete in Paris einmal, wie sich an der Dachrinne des College des Ouatres-Nations eine Schwalbe fing. Beim ge­nauen ilufehen bemerkte er, daß sie mit dem Fuße in eine laufende Schlinae eines Bindfadenendes geraten war, die dort herabhmg.

Voael erschöpfte seine Kräfte in vergeblichen Fluchtversuchen lind hing danir ermattet an dem Fadenende herab. Alle Schwalben des großen Gebietes zwischen dem Pont des Luileries und dem vielleicht auch noch Schwalben aus der weiteren Um- ^ebuna vereinigten sich allmÄlich um die verunglückte Gefahrt.n hüteten eine förmliche Wolke, die nach Duponts Schatzung aus vielen Tausenden bestand. Sie vollsührten em gewaltige« Gekreisch, und nachdem sie anscheinendgezögert. und sich lebhaft beraten batten, kam eine darauf, wie der Gemyrtln zu yenen Dieses muß sie den anderen irgendwie mtfgetedt haben, denn als­bald begann die Ausführung des Rettungsplanes. Alle flogen eine nach der anderen an der ausgehängten schwalbe vorbei und verlebten dem Faden einen Schnabelhieb. Nach einer halben Stunde J. ?PT c>aben durch die zahllosen Schnabelhiebe durchgeschnitten und die Schwalbe war wieder frei. Die Schwalbenansammlung blieb ober doch noch an der Unglücksstätte versammelt-

* SHnberntunb. Klein-Aennchen möchte zum ersten Mast aanz Mein telMonieren, unb zwar an ihre kleme FrenndM Emmy- Tie Mama hat es erlaubt, boch

Zeit erscheint Aennchen wieder.Nun, schon erledigt-- fr gr Mama. -Ach Mutti, es sitzt schon jemanb drauf! ist dip betrübte Antwort.

Letterrätsel.

Die Buchstaben a acdeeeef figS h h 1 i 1 i 1 1 n n ö p r r s t t fittb __ in die Felder nebenstehender Leiterfigur der­art einzutragen, daß die Sproßen derselben, von oben angefangen, folgendes bedeuten.

1. Türkisches Militär.

2. Stadt in Westfalen.

8. Kleines Raubtier.

4. Ein Musikinstrument.

Die beiden Seitenbalken der Leiter sollen, von oben nach unten gelesen, einen Festgruß ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Wechselrätsels in voriger Nummer. Brandenburg; Bein, Bern, - Reden, Regen, - «mJJ Ampel - Nadel, Nagel - Dante, Tanke - edel, Estl - neun, nein Besen, beten Ulm, Ulk Staab, Raub Grab, grau.

Eon: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lang«, ®^eiu