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MM Mr Men Man gefunden zu Mn. Praktische' Kenntnisse stehen mit nicht zur Beringung, auf dem Gymnasium, das ich vemchte, gab es noch keinen englischen Unterricht, nicht einmal sakultativp und auch sonst täuschte sich die Redaktion in meiner Person nicht, was schon daraus hervorgcht, daß ich „Grünhorns
JoId£u Plan einging. Der Verlag der „Gartenlaube" drückte mir also den Ausweis für ein Billett zur Fahrt nach -Myvrk tut Zwischendeck m die Hand, außerdem 25 Dollar (gleich 100 Mark), ohne die Amerika keinen Auswanderer an Land Ä' und schließlich noch 20 Mark. Davon hatte ich die Fahrt vierter Klasse von Berlin,nach Bremen zu bestreiten, den Aufenthalt dort, denn die Zwischendecker müssen schon zwei Tage vor Abgang ihres Schiffes in Bremen sein, also einmal dort übernachten Was von den 20 Mark übrig blieb, davon konnte ich tnir auf dem Schiff ab und zu ein Glas Bier kaufen oder derlei, « k ich konnte mir den Rest auch für Amerika sparen, denn die Beköstigung während der Fahrt ist bekanntlich in dem Billett- preis einbegriffen. Tas Billett kostete 180 Mark Rechnen wir dazu noch die 25 Dollar (100 Mark) und die 20 Mark, so betrug das Gesamtkapital gerade 300 Mark. In dem Augenblick Aber, da ich von Amerika um Geld schrieb oder kabelte, mochte "es nun nach acht Tagen oder acht Wochen sein, roar meine Expedition M Ende. Auch durfte ich mir in Amerika keine geistige Arbeit, sondern nur Handarbeit suchen, wovon ich bis dahin gar nichts verstand. Unter diesen Voraussetzungen fuhr ich dann im vorigen Sommer ab und will nun hier erzählen, was ich als gebildeter, aber mittelloser Amerikafahrer ohne praktischen Beruf erlebt habe: Me Zwischendecker, die über Berlin nach Bremen fahren, nehmen meist den Nachtzug, der 11 Uhr 46 Minuten von: Lehrter Bahnhof in Berlin abfährt. Er besteht in der Hauptsache aus Wagen vierter Klasse, und man kömmt erst am hellen Tag in Bremen an, spart also ein Nachtquartier. Ich fuhr ebenfalls mit diesem Zug. Mit mir in der Hauptsache Polen, Slowaken und galizische Juden, die es sich auf den «Bänken und auf dem Boden möglichst bequem machten, rauchten, spuckten, schnapsten und penetrant nach Knoblauch und Zwiebeln rochen. Säuglinge schrien, kleine Kinder lärmten und juckten sich oder wurden von älteren Verwandten nach den Urhebern des Juckens durchsucht, bis alles endlich in einen bleiernen Schlaf verfiel, aus dem man immer wieder schnatternd auffuhr, denn die Nacht war bitter kalt.
3n Bremen harrten Bahnhofspolizei, Auswandereragenten Kind Angestellte des Lloyds der Scharen und trieben sie rudelweis in die Auswanderer hallen und Auswanderer gasthöfe.
Am Mittag tauschte ich meinen Ausweis gegen Has Billett imr und hätte mich um drei Uhr mit dem Billett und einer „Doktor- kartc" zur Gepäckhalle des) Lloyd zur ärztlichen Untersuchung zu begeben. Hier warteten schon ganze Scharen Männer, Weiber Und Kinder: Südslawen und Polen, die Weiber in bunten Kopftüchern und roten Röcken, Ungarn, Russen in langen Röcken und schweren Mützen, galizische Inden in verschabten Kaftanen und auch etwa ein Dutzend Deutsche. Zu zwei und zivei wurden wir vor die Aerzte getrieben, die in weißem Kittel und weißer Schürze etwas schlächtermäßig ausfahen, mußten den linken Arm entblößen, um. geimpft zu werden, und bekamen die Äugen kräftig auseinandergerissen, daß sie tränten. Amerika läßt niemand an Land, der nicht geimpft oder der augentrank ist. Darauf würben die Herden wieder in ihre Quarantäne getrieben.
Am nächsten Morgen halb sieben Uhr hatten wir wieder an der Gepäckhalle zu sein und wurden in einem Sonderzug nach Bremerhaven verladen. Zuerst wurden die östlichen Völker verladen, zuletzt die Deutschen, die man nach Möglichkeit absonderte.
Nach etwa einer Stunde hielten wir direkt vor unserem Riesendampfer. Die Schiffskapelle spielte fröhliche Weisen, was zu meiner Stimmung jedenfalls nicht paßte, und im Nu bedeckten die östlichen Völker, außer den Juden, die sich wie die Deutschen zurückhielten, mit Sack und Pack das ganze „Zwischendeck", das niedrig gelegene Deck zwischen der erhöhten Back, der Spitze des Schiffes, und dem erhöhten Deck der ersten Kajüte in der Mitte des Schiffes. Ein wirres Durcheinander von 400 Männern, Weibern und Kindern, in das' Agenten und Matrosen erst nach längerer Zeit einige Ordnung brachten. Wieder rourben die östlichen Völker zuerst untergebracht, dann die Juden und schließlich die Deutschen. Zu den „Deutschen" zählten auch die Oesterreicher Und Ungarn, soweit sie ein wenig Deutsch radebrechen konnten, sowie einige Kroaten, die sich des gleichen Radebrechens befleißigten.
Unter ber Back in der Spitze des Schiffes, befanden sich' zwei schmale, wenig helle Gänge. An dem einen lagen der Waschraum und die Toiletten für die Frauen. An dem anderen die gleichen Räumlichkeiten für die Männer. Zwischen diesen beiden Gängen die Küche für die Zwischendecker und einige quadratische Löcher, von eisernen Ketten umzäunt, daß man nicht ins Bodenlose stürzte. Durch diese Löcher gelangte man auf entsprechenden Treppen einen Stock tiefer zu den Schlafräumen: „Abteilung Mr ledige Männer", „Abteilung für Familien". In gleicher Ebene, aber unter der ersten Kajüte, lagen die Abteilungen x,für ledige Frauen" und noch eine für Familien. Noch einen Stock tiefer, also zwei Stock unter der Back, noch einmal ähnlich« Räume, die aber diesmal nur von einigen Passagieren zum Essen benutzt wurden. Wir waren nur 420 Zwischenbecker, während das Schiff
800 aufnehmen konnte. Wir hatten also beträchtlich mehr Platz als die Zwischendecker, die zum Beispiel im Frühjahr fahren« wo bie meisten auswandern.
Ich kletterte mit den anderen Deutschen zu unserem Raum Mr ledige Männer, belegte schleunigst ein oberes Bett direkt am Aufgang und machte, daß ich wieder ins Freie kam, denn die Luft dort unten benahm mir den Atem. Im Freien, auf dem mgentlichen „Zwischendeck", hatten es sich derweil die östlichen Volker schon mit Kind und Kegel bequem gemacht, laut und lustig tot<- die Spatzen. Ich Hetterte auf einer der beiden Hühnerleitern ans die Back, wo zwischen Ankerketten, Seilen und dergleichen noch einiger Platz war. *
,Kahren Sie zum erstenmal nach Amerika?" fragte ein älterer, untersetzter Mann mit Brille. Ich bejahte und erfuhr bald von^ihm, einem Schlesier, daß et mir zu Besuch bei seiner Tochter ru Aeutichland gewesen. Von Hans aus Tischler, fetzte er seit 20 Vahren m einer Fabrik in Albany, N. Y., kleinere Maschinen-
wr Automobile zusammen. Zu uns gesellte sich bann ein krustiger Westpreuße, bet einer Erbschaft weg en nach „draußen" gefahren war. Er lebte seit zwölf Jahren als Vorarbeiter in einer ?a^LrtJ,fn, -Äilwaukee, Wis. In ber Nähe stund ein rothaariger, starr schielenber Munn, ein Pfälzer Landwirt, ber zum zweitenmal fein Gluck in Amerika suchen ging unb es bei einem Freund in einer Fabrik im Staat Nenyork zu finden hoffte. Rechne ich dazu noch einen Gerbergesellen aus Thorn, ber schon amerikanischer Burger war unb in einer Gerberei in Wisconsin arbeitete, so stabe ich alle beisammen, die wie ich bereits die dreißiger Jahre hinter sich hatten, aber int Unterschieb von mir alle Ärnerika schon kannten unb eine bestimmte „Profession" hatten. Tie anderen „Deutschen" iuuren lauter junge Leute, bie sich zum Teil auf jttwt stabte vom Militärdienst hatten zurückstellen lassen. Aber nicht einet wat unter ihnen, der wie ich ins Blaue über den großen Teich ging. Jeder hatte seine bestimmte Profession, et war Barbier, Koch, Landwirt, Fabrikarbeiter oder dergleichen. Und jeder besaß Freunde ober Berwanbte drüben, die ihn aufnahmen und ihm ivefterhalfen.^ Auch hatte jeder mehr Geld bei sich als ich. Nach mir der nächste Aetmste war ein Bäckergeselle uns der Steiermark. Er besaß 30 Dollar und ein Billett bis Chicago, wo er ebenfalls erwartet wurde.
Als sich das Schiff in Bewegung setzen sollte, wurden wir Zwischenbecker durch eine Art Kuhglocke zum Essen unter Deck gerufen. In unserem Schlusraum, wo wir zu 32 waren, ftanben an der einen Längs- und der einen Querwand in zwei Reihen übereinander die Betten, schmale Eisengestelle, durch einen Strohsack ausgefüllt, der aut Kopfende etwas dicker war und so einKopf- kissen markierte. Auf, dem Strohsack lag eine wollene Tecke.. Zwischen jedem Kopfkissen und bett Eifenstangen warm ein Gefäß nach Art einer Milchkanne, ein Blechlöffel unb eine Gabel uns Blech verstaut. Darunter eine Schwimmweste für alle Fälle. An ber anderen Längswand, der äußeren Schiffswand, ein langer, schmaler Holztisch wie ein Bügelbrett. In der Mitte des Zimmers ein zweiter solcher Tisch. Aus den Tischen viele Blechteller und! zwischen ihnen riesige Blechgefäße. Tas eine war mit Suppe ungestillt, ein anderes mit Kartoffeln, das dritte mit Brot, das vierte mit Fleisch. Ich holte mir wie bie anderen unter dem Ko pfiff fett Löffel und Gabel hervor. Tie Speisen waren gut und kräftig, aber an diesem ersten Mittag aß ich nicht viel, fonbend beeilte mich, wieder auf Deck zu kommen. Das viele Blech, der Geruch ber Speisen unb Menschen -— man gewöhnt sich erst mit ber Zeit daran.
Wieder stand ich auf ber Back, sah aber nicht viel von beut; waS ringsum vorging. Mir graute vor ber elften Nacht in beut Schlaf- und Eßranin dort unten.
Um 2 Uhr gab es Kaffee, für meinen Gaumen nicht genießbar« mit Brot unb Butter. Meinen ©tubcnfameraben schmeckte er. Um fünf Uhr Abenbesscn: Tee, an bett ich mich nicht gewöhnen' konnte, eine Fleischbrühe, Kartoffeln unb Brot. Zum Frühstück morgens sieben Uhr: Kaffee unb Hafersuppe, woran ich mich hielt, sowie Brot uttb Pflaumenmus, das vortrefflich muubete. Das' Essen war stets kräftig und sauber, ausgesprochen norbdeutschev Art, was mit Grund nur den Süddeutsch en uttb Oesterreicherti nicht immer schmecken konnte.
Derweil machte ich neue Bekanntschaften: einen achtzehnjährigen Babener, ber Kochen gelernt hatte, einen Wiener Friseur- gehilfen, ber auf papageigrünen Pantoffeln guter Tinge war, bis ihn bie Seekrankheit dahinraffte, eilten schweigsamen Jüngling ans Hannover, der als Landwirt zu einem Freund auf eine Fann nach Nebraska ging, und einen zudringlichen Kroaten, der ein wunderliches Deutsch sprach. Er machte für eine Fabrik Leber- taschen, wie er sagte, und hatte schon nach wenigen Stunden mit einem Wiener Mädel angebändelt, das sich mit den Eltern überworfen hatte unb nun zu einer Freundin nach Chicago wollte. Man wußte bald umeinander Bescheid. Nur meine Person verursachte einiges Kopfzerbrechen. Ich hatte mich nämlich nicht als Arbeiter oder dergleichen verkleidet, denn das hätte mir ans die Dauer doch niemand geglaubt. Ich toar vielmehr von Berlin abgefahren, wie ich ging unb stand. Nur nicht gerade im besten Anzug. Ich merkte sehr bald, baß man mich für einen Schulmeister nahm, ber etwas ausgefresfen hatte, weil er von sich selbst fo wenig sprach unb deshalb nach Amerika mußte. Mir war es recht so, da man mit meine „Verfehlungen" nicht weiter übelnahm.


