Donnerstag, den \Z. Oktober
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Die Dame im Pelz.
.Roman von ®. W. App le ton. , (Nachdruck verboten.) (Fortsebung.)
Wenil's Charley nicht geschrieben hätte, sagte Helen, würde ich's einfach für Unsinn erklären. Aber so — und sie schüttelte traurig den Kopf.
Dann glaubst du also wirklich, daß es Marcella war? fragte ich.
Was soll ich denken? Es scheint ja unglaublich, daß mich alle meine weiblichen Instinkte betrogen haben sollten, und doch — und doch —
Aber, drang ich in meiner höchsten Verzweiflung in sie, Charleh hat seinen Glauben an Marcella auch noch nicht verloren. Wenn du Wischen den Zeilen liesest, wirst du das selbst merken. Warum willst du also die Hoffnung aufgeben, Helen?
Ich tue 's ja auch nicht, Ted — ich tu 's ja auch nicht. Mer diese Sache macht mich ganz krank. Die Unruhe und Aufregung ist schrecklich. Wir haben früher nie Feinde gehabt — warum sollten wir jetzt welche haben? Wie soll das alles nur noch enden?
Das mag der Himmel wissen, antwortete ich. Wir können weiter nichts! tun, als das beste hoffen. Aber mein Glaube an Marcella steht noch felsenfest. Darin stimme ich mit Mortimer überein: solange ich nicht von ihren eigenen Lippen gehört habe, daß sie uns diesen grausamen Streich gespielt hat, glaube ich noch kein Wort."
Ich glaube auch noch an sie, sagte Helen, aber ich habe eine furchtbare Angst — eine entsetzliche Angst. Ich habe das Gefühl, als ob etwas Schreckliches passieren müßte, und ich kann dieses Gefühl nicht loswerden — wenn ich selbst auch so gerne glücklich sein möchte.
Das klingt wie ein Vorwurf, erwiderte ich.
Nein, liebster Bruder, nein. So mein ich's absolut nicht wie könnte ich denn? Ich habe unendliches Mitleid mit dir. Du liebst Marcella, und ich kann mir nur zu gut vorstellen, welchen Seelenschmerz du bei einer solchen Nachricht von ihr empfinden mußt, wenn sie auch falsch sein mag. Augenblicklich muß ich dich leider für kurze Zeit allein lassen, denn die Essenszeit rückt heran.
Unser Mahl nahm einen sehr traurigen Verlauf. Wir aßen schweigend und dachten beide darüber nach, wie noch alles enden würde. Am Schluß klingelte Helen wie gewöhnlich nach dem Mädchen, aber es kam keine Antwort.
Das ist ja sehr merkwürdig, sagte sie, indem sie ein tzweitesmal klingelte.
Es ließ sich wieder niemand hören noch sehen.
Das kann ich-aber nicht verstehen.
Da dämmerte plötzlich die Wahrheit in mir auf.
Die ist. ausgerückt, sagte ich; darauf gehe.ach jede Wette -
ein. Eine kurze Durchsuchung des Hauses bewies die Richtigkeit meiner Ahnung. ।
Gut! sagte ich. Beates Mann wird sie schon kriegen, sie wird ihm sicher nicht entgehen.
Immerhin war ich neugierig. Ich trat an die Haustür und schaute auf die Straße. Nicht weit ab unter einer Gaslaterne sah ich den Polizisten stehen.
Das ist ja merkwürdig, dachte ich bei mir selbst. Ich setzte meinen Hut auf, ging hinunter an die Gartentüre und winkte ihm zu. Als er gleich, auf mich, zukam, sagte ich zu ihm:
Ich bin überrascht, Sie hier zu finden. Ich dachte, es sei Ihre Pflicht, dem Mädchen zu folgen.
Welchem Mädchen? antwortete er, allem Anschein nach über meine Frage ganz erstaunt.
Nun, unserem Dienstmädchen natürlich. Sie ist eben aus gerückt.
Unmöglich! erwiderte er. Ich kann beschwören, daß, solange ich hier bin, kein Mädchen Ihre Wohnung verlassen^ hat. Ich habe vor zwei Stunden meinen Kollegen abgelöft und während der ganzen Zeit kein Auge von Ihrer Tür verwandt.
Aber ich sage Ihnen, sie ist eben verschwunden H während wir gegessen haben.
Das ist undenkbar, mein Herr, sonst hätte ich sie sehen müssen. Ein Mann ist vor einer Weile 'rausgekommen, aber kein Weib.
Ein Mann! rief ich überrascht. Wie fahl er denn aus?
Nun, das kann ich nicht gerade sagen. Im Gesicht hab! ich ihn nicht gesehen. Er war mittelgroß, und trug ein Jackett und einen Filzhut mit breiter Krämpe, die er über den Kopf 'runtergezogen hatte. Er hatte keinen Ueberzieher an mtb ging oben nach der Brücke zu.
Im Nu schoß, mir ein Gedanke durch den Kops.
Sie sind angeführt! rief ich. Seitdem vor einer Stunde mein Assistent weggegangen ist, hat kein männliches Wesen meine Wohnung verlassen. Kommen Sie mit 'rein — rasch!
Im Hausflur sah ich auf den ersten Blick, daß mein alter Filzhut, den ich an Regentagen "zu tragen Pflegte, von seinem gewohnten Haken verschwunden war. In mei- nem Schlafzimmer stand der Kleiderschrank weit offen, und ich entdeckte sofort, daß ein Rock und eine Hose fehlten. Damit war ja alles erklärt.
Ihr Mann, sagte ich zu idem Polizisten, war ein Mädchen in meinen Kleidern. Die war etDas zu schlau für Sie, mein Lieber.
Was? versetzte er. Ein Weib soll mich überlistet haben? Das ist doch, 'n bißchen zu toll. Mit diesen Worten sauste er, jedesmal drei Stufen auf einmal nehi- mend, die Treppe hinunter und zur Tür hinaus.
Helen war ganz paff.
Was mag unserer nun harren? sagte sie dann. Diese


