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versteckte Testamente.
Kürzlich ivurde einem schottischen Gericht ein Testament vorgelegt, das 16 Jahre erfolglos gesucht wurde Durch einen Zufall ward es jetzt entdeckt: in einem alten, zersetzten Notizbuch des laugst Dahingegangenen. Niemand hatte daran gedacht, hier ein Testament zu suchen, das über das Schicksal eines stattlichen Vermögens entscheiden sost. Und da der Verstorbene dieses Notizbuch schon lauge vor seinem Tode nie mehr benutzte und zwischen wertlosen Papieren in irgend einer Schublade verivahrt hatte, herrscht kaum ein Zweifel, daß er in diesem unscheinbaren Helt sein Testament nicht „aufbewahrt', sondern vorsichtig „versteckt" hatte.
Tie Gerichte, die sich mit Erbschastsangelegenheiten beschäftigen, sind mit dieier Neigung, Testamente zu verbergen und zu verstecken, nur allzu vertraut; es bleibt ein psychologisches Rätsel, warum so viele Menschen die Auszeichnungen ihres letzten Willens regelrecht verstecken; vielleicht ist vielen von ihnen der Gedanke an den Tod unwillkommen; vielleicht motten sie durch ein Versteck das Testament besonders gut verwahren und vor Diebstahl schützen: die Fälle, in denen letzte Willen, oft erst viele Jahre später, an den merkwürdigsten Orten gesunden rourben, sind jedenfalls erstaulich zahlreich und viel häufiger, als der Laie glaubt. Erfahrene Praktiker, Juristen und Richter haben sogar schon Listen der Stellen, an denen man zuerst nach einem Testamente suchen muß; viele Leute verstecken ihren letzten Willen mit besonderer Vorliebe im Futter eines alten Hutes, oder unter einem aufgeuagelten Teppich, auch das Innere von Wanduhren ist beliebt, ebenso wie alte Gemälde, hinter denen sich ein zusammengefaltetes Blatt Papier leicht verstecken läßt. Erst kürzlich fand mnn in England das Testament einer verstorbenen Fran, das zu Gimsteu des Gatten lautete, in einer Wanduhr. Man hatte nach ihrem Tode das ganze Haus durchsucht, und das Gericht war bereits entschlossen, mangels eines letzten Wittens gesetzliche Bestimmungen für solche Jätte auzuwcndeu, als zum Glück die Wanduhr stehen blieb. Als das Gehäuse geöffnet wurde, lag hier das Testament, das völlig ordnungsmäßig abgesatzt war und dessen Gültigkeit anerkannt wurde. Einen noch merkwürdigeren Aufbewahrung,splatz für ihren letztenWilleu halte sich eine Irländerin erwählt, die vor einigen Jahren starb. Sie verwahrte sowohl ihr Testament wie auch eine ganze Reihe von Aktien und Wertpapieren in einem Kehrichteimer, der mit Schutt und Asche gefüllt war und natürlich nie geleert ivurde.
Merkwürdiger ist die Geschichte eine?- Testamentes, daS vor etwa 5 Jahren in England durch einen Zwaks ausgefunden wurde. Hier hatte der Testator sich nicht damit begnügt, seinen letzten Willen in das Futter eines alten, Filzhutes einzunähen, nein, er war noch jo vorsichtig gewesen, diesen Filzhut einem ärmeren Bekannten zu schenken, so daß die Wahrscheinlichkeit eines Wiederaiisstndeus dieses Testaments in der Tat sehr gering war. Andere Testatoren wiederum legen ihre letztwillige Verfügung ganz unauffällig zwischen
mit Pappelic bepflanzten Chaussee dahin. Eine Weile hörte ich noch Pferdehufe hinter mir, aber der Lärm wurde schwächer und schwächer, bis ich ihn endlich nicht mehr vom Pochen meines eigenen Herzens unterscheiden konnte. Nun hielt ich an, um -u lauschen, aber nichts regte sich; sie hatten meine Verfolgung abgegeben. ,
Nun hatte ich nichts Eiligeres zu hm, als abzustetgen und mein braves Roß in ein kleines Gehölz zu führen, durch welches ein Wässerchen floß. Ta tränkte ich es, rieb es ab und reichte ihm zwei Stückchen Zucker, die ich zuvor in etwas Kognak aus meiner Feldflasche getaucht hatte. Natürlich war das arme Tier von dem scharfen Ritt ganz erschöpft, aber ttach einer halben. Stunde Rast hatte es sich wunderbar erholt, und ich sagte mir, daß es jedenfalls nicht an meinem Pferd liegen würde, wemt ich Paris nicht glücklich erreichte.
.Ich mußte jetzt rings von Feinden umgeben feilt, denn ans einem1 Hause am Wege erscholl der laute Gesang eines deutschen Trinkliedes, und um unbemerkt zu bleiben, mußte ich quer über das Feld reiten. Kannr war ich diesen Leuten entronnen, jsa traten plötzlich zwei Männer aus dem Gebüsch heraus in das.helle Moudliud und riefen mir etwas auf Deutsch zu; aber ich galoppierte dahin, ohne auf sie zu achten, und da ihre .Husaren dieselbe Uniform trugen, wie wir, wagten sie auch nicht, auf mich zu schießen.
Es war eine liebliche Nacht; der Mond stand voll am .Himmel und erleuchtete die Landschaft fast tageshell. Tiefer Friede lag über der Gegend, aber nach Norden zu wütete irgendwo ein großes Feuer und erfüllte mich unwillkürlich mit ernsten Gedanken. Drohten mir doch Gefahren von allen Seiten, iuar ich doch keine Minute meines Lebens sicher! , Mer ich bin von Natur fein Kopfhänger und hatte schon so .mancherlei gesehen, so daß ich bald wieder Mut faßte. Ja, ich summte ein Liedchen vor mich hin und dachte an die kleine niedliche Lisette, die ich in Paris aussuchen wollte. Meine Gedanken eilten.voraus nach Paris, als ich plötzlich bei einer Biegung.mich einem halben Dutzend deutscher Dragoner gegenüber fand, welche sich um ein Neuer geschart hatten.
(Fortsetzung folgt.)
zwei benutzte alte Löschblätter in irgend eine Briefmappe, und ost verstreichen Monate, ehe man hier, meist durch einen Zufall, das Dokument findet. In entern seiner Romane erzählt Thackecay von einem Testamente, das in der Polsterung einer alten Kutsckre gefunden wird; der Dichter ist hier von der Wirklichkeit kopiert worden: vor einigen siebzig Jahren wurde in Frankreich wirklich ein wertvolles Testament in einer Droichke gefunden.
Alle diese Bemühungen, eigene Tesiamente zu verstecken und den Hinterbliebenen schwer zugänglich zu machen, sind in ihren Ursachen nur schwer verständlich und bilden in threr Gesamtheit einen interessanten Beitrag zur Psychologie des an seinen Tod denkenden Alenschen.
vermrsehtes.
* Romantisches vorn Haarmarkt. Frauenhaar ist eine kostbare Ware, aber wohl selten wird für den natürlichen Kopfschmuck eines Mädchens ein ganzes Vermögen bezahlt, wie dies vor kurzem in Sizilien geschah. Eine junge Sizilianerin hatte die Natur in einer freigebigen Laune das schönste Haar verliehen, das man weit und 'breit auf der ganzen Insel antreff en formte. Es fiel nicht nur durch seine ungewöhnliche Fülle auf, noch mehr rühmten nicht nur die Bewunderer, sondern selbst die Genossinnen des schöuhaarigen Mädchens die vollkommene Schwärze und die weiche wellige Feinheit ihres Kopfschmuckes. Herren bewarben sich darum, mit ihr auszugehen, weil sich alle Blicke sogleich bewundernd nach ihr wandten; aber da die sizilianische Etikette streng ist, so ward die Signorina unter der getreuere Obhut ihrer Eltern in einem kleinen Dorfe nahe bei Palermo, gehalten und lebte hier unter den Orangen- und Zitronenhaiueu, nur vor der Sonne die Herrlichkeiten ihrer einzigartigen Ziep ausbreiteiid. Da kam eines Tages ein gut gekleideter Fremder, den man an der Sprache schon als Neapolitaner erkannte. Erst sprach er von Orangen und Zitrotien, aber als man wärmer geworden war, ging er geradezu auf fein Ziel los. „Wollen Sie wir Ihr Haar verkaufen?" fragte er das Mädchen, und die Schöne antwortete rasch im Scherz: „Ja, aber nur für 1 00 000 Lire." Ans dem Scherz wurde Ernst: der Händler erklärte sich bereit, diese Summe zu zählen. Und nun geriet das ganze Haus, ja das ganze Dorf in Aufregung. Die Eltern zögerten noch; alle Freunde und Verwandten, auch der Pfarrer wurden befragt: aber schließlich entschied man doch, daß Geld besser sei als Haare. Die wundervollen langen schwarzen Wellen fielen unter der gefräßigen. Schere, und der Vater verbarg glücklich die große Summe an entern sicheren Ort, beruhigt über die Zukunft seiner Tochter, der ■eSaud) mit spärlichem Haar einer solchen Mitgift an Freiern nicht fehlen kann. . . Diese Geschichte ist bezeichnend für den hohen Ruf, den das sizilianische Haar auf dem Haarmarkt genießt und der immer mehr alle anderen Qualitäten in den Schatten stellt. Es ist etwas ganz Alltägliches, daß Bäuerinnen ihre schönen Flechten in die Stadt tragen, wo sie dafür wenn auch nicht solche Riesensiimmen, aber doch ihre 100 bis 120 Mark erhalten. Auf allen Straßen und Märkten Siziliens streifen jetzt die Haar- faufer 'herum und suchen die Mädchen und Frauen 51t der Opferung ihres Kopfschmuckes zu überreden. „Zwei und drei Lire das Rotolo!" rufen sie. Ein, Rokoko ist 800 Gramm. Selten verläßt ein Schiss Palermo, ohne Frauenhaar int Werte von 4000 bis 20 000 Mark nach New Norf mitzuuehmen, wo der dem schnöden Mammon geopferte Schmuck der Sizilianerin bei den reichen Amerikanerinnen helles Entzücken hervorruft.
8!aL-Aufgabe.
Vorhand tourniert, da Mittel- und Hinterhand passen, mit folgenden Karten:
41 + +
•8- +
4 ♦
$ 0
Sie wendet Treff-Bube und sagt nun Grand an. Durch das zweite, noch gefundene Blatt gestaltet sich das Spiel derart günstig, daß die Gegner Schneider werden. — Welches Blatt war dies, was drückte Vorhand, wie saßen die übrigen Karten und wie ver» iei das Spiel?
t Auflösung in nächster Nummer,
Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger 91 u mutet t K Fee Hobel
Rebhuhn P r u t h Ohm n
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Gießet


