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kehrten Edelmann Albrecht von Wallenstein und schickte es nach Niedersachsen. Zwei so genialen und wolgerüsteten Gegnern, wie Tilly und Wallenstein es waren, konnten die nordischen Verbündeten aus die Tauer nicht widerstehen. Während Tilly, an der Weser gegen Christian von Dänemark glückliche operierte, besetzte Wallenstein die bisher vom König noch unberührten Gegenden an der Elbe und besiegte Mansfeld ander Dessauer (Elb-) Brücke im April 1626. Bald darauf (am 27. August 1626) schlug auch Tilly seinen Gegner Christian von Dänemark bei Lutter am Barenberge int Braunschweigischen so entscheidend, daß er sich in sein Land zurückzog und ganz Norddeutschland in den Händen Tillys und Wallen- st e i n s ließ. Nur Stralsund leistete noch Widerstand, obgleich Wallenstein geschworen hatte, und wenn es mit Ketten an den Himmel gebunden wäre, so wolle er’8 herunter holen. Ganz N o r d d e u t s ch l a n d w u r d e k i r ch l i ch u n d p o l i t i s ch u m - g e st a l t e t. Der Kaiser belohnte seine Generale, indem er Wallenstein das' Land der vertriebenen und geächteten Herzöge von Mecklenburg schenkte und Tilly und Pappenheim mit braunschweigischen Gebietsteilen belehnte. Tie Bistümer Hildes- Heintz Halber st a d t Bremen, Magdeburg lvurden wieder in katholische Hände gebracht, wobei die drei letzten unter Söhne des Kaisers kamen. In Schwaben, Franken, W e st f a l e n und Niedersachsen wurde das Restitutions- edikt von 1629 durchgeführt, d. h. alles wieder auf den Stand von 1552 (Passauer Vertrag) gebracht. Die Jesuiten hatten wieder Gelegenheit, Wunder der Bekehrung zu vollbringen, und nun war auch für das Stift Fulda, wo inzwischen Johann Beruh ardvonSchweinsberg Für stabtge- worden war, die Stunde gekommen, da man mit den letztett Re st en des Protestantismus fertig zu werden gedachte.
9. Die Gegenreformation des Fürstabts Johann Bernhard Schenk von Schweinsberg in Freiensteinau und die Mission der Tillyschen Dragoner in Eisenbach.
Tie Jesuiten in Fulda hätten nicht vergessen, daß im Jahre 1605 ihre Absicht, Freiensteinau zu rekatholisieren, nur durch das unerschrockene Auftreten der Riedesel und durch die Dazwischenkunft des Pfalzgrafen von Heidelberg, vereitelt worden war. Nun hatten sie die Genugtuung, die kurpfälzische Dynastie vernichtet und die evangelische Union gesprengt zu sehen. Es stand zu erwarten, daß die Jünger Loyolas ihren alten Lieblingsgedanken, auch die ritterschastlichen Orte der Abtei zu rekatholisieren, alsbald wieder aufuchdten würden. In dem neuen Fürstabt Johann Bernhard Schenk von S ch w e i n s b e r g (1623—1632) hatten sie inzwischen einen gelehrigen Schüler und ein gefügiges Werkzeug ihrer Plane gefunden. Wie Kaiser Ferdinand und die Generale Wallenstein und Tilly, so ist auch dieser Johann Bernhard ein Musterbeispiel jesuitischer Erztehungskltnst. Wer den jungen Edelmann gekannt, hätte sichs nicht träumen lassen, daß er noch einmal katholischer Kirchenfürst werden und als solcher sich den Namen eines zweiten Restaurators des Katholizismus im Stift Fulda erwerben würde. So felsenfest schien seine protestantische Gesinnung begründet zu sein. Noch im Jahre 1613 erklärte er in Fulda in Gegenwart von Katholiken und Protestanten, als die Rede auf die Liga der katholischen Fürsten kam, er wolle lieber mit seinen lutherischen oder evangelischen Religionsllerwandten ins Verderben als mit den Papstischen in den Himmel gehen?) Wie man ihm einmal vom Heiraten sprach, da äußerte er in seiner urwüchsigen Derbheit, er wolle keine Katholische heiraten und wenn sie ihm ins Bett käme?) Später umgarnten ihn die Jesuiten in Fulda. Er wurde Novize, tat Profeß, trat ins Kapitel, wurde Priester, übernahm die Sinekure des in eine Probstet um- gewandelten, von den Nonnen verlassenen Klosters Blankenau, hielt zweimal in einem Jahre die geistlichen Exerzitien im Jesuitenkolleg zu Fulda und — der zweite Restaurator des Katholizismus im Hochstift war fertig. Schon zu Anfang des Jahres 1625 scheint er die Absicht gehabt zu haben, das vielumstrittene Freiensteinau zur Abwechslung wieder einmal Mit einem katholischen Pfarrer zu beglücken; denn der damalige Riedeselsche Schult- h'eiß Werner Junker schreibt ctnt 15. Februar dieses Jahres an den Riedeselschen Syndikus Dr. Heinrich Bernhard zu Lauterbach?) man habe von verschiedenen Seiten gehört, daß am bevorstehenden Tag Petri die Fuldischen kommen und einen Pfaffen von Ulmbach bringen wollten. Man vermute, daß sie die an diesem Tage mit der Neuwahl des Schulmeisters und Glöckners verbundene altherkömmliche Uebergabe des Kirchenschlüssels an den fuldischen Schultheißen von Weidenau benutzen würden, um auf diese bequeme Weife von der Kirche für den neuen Pfarrer Besitz zu ergreifen. Ter Schreiber bittet, für den Fall, daß die Fuldischen wirklich kommen, dem Pfaffen „wie wahr geschehen" ins Pfarrhaus führen und den evangelischen Pfarrherrn ausbieten sollten, wolle der Herr Syndikus mit der wohlehrwürdigen.
*) Vgl. Dr. Komp, Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg, der ztoeite Restaurator des Katholizismus im Hochstift Fulda. Fulda 1878, S. 17.
2) Riedeselsches Archiv XXXII. 81. Nr. 1.
gestrengen und großgebietenden Obrigkeit sich ins Einvernehmen setzen und guten Rat erteilen, wie man sich verhalten iolle, damit man nichts präjudizierlich vergreifen möge. Die Riedesel waren, wie es scheint, daraufhin auf der Hut, und die Fuldischen ließen noch einmal ihren Priester in Ulmbach. Doch aufgeschoben war nicht aufgehoben. Tie politische Lage verschärfte sich immer mehr zu Ungunsten der Evangelischen int ganzen Reiche. Beängstigende Gerüchte über die katholischen Restitutionsplätte durchschwirrten die Lust. Man hörte, daß der Fürstabt schon hie und da in ritterschastlichen Pfarreien unter dem Schutz Tilly- scher Dragoner evangelische Pfarrer verjagt und katholische Priester eingesetzt habe, ungeachtet der den Rittern zustehenden, unbeschränkten Kollaturrechte. Man hörte auch, daß man Evangelische, die nicht zur Beichte und Messe kommen wollten, dazu nötigte und mit unerschwinglichen Geldstrafen8) und Einquartierungen mürb zu machen suche. Warum sollten die Evangelischen zu Freiensteinau es besser haben als die von Buchenau, Mansfeld und Völkershausen? Kurz, im Februar 1628 erschien unter Bedeckung eines Kommandos Tillyscher Soldaten in Freiensteinau eine Kommission des Abtes Johann Bernhard, bestehend aus einigen Pröbsten, Jesuiten, Pfarrern und Räten?) Sie erklärten: „Ta fürstliche Gnaden, der Abt, von päpstlicher Heiligkeit Urban dem Achten brevi manu erinnert worden sei, diejemgen, welche von dem uralten katholischen Glauben eine Zeitlang exuliert und in Irrtum geführt worden wären, wieder zur katholischen Religion, darin ihre Vorfahren viele hundert Jähre gelebt und ohne Zweifel S gestorben wären, zurückzuführen, so seien sie auch jefct zu
m Zweck in Freiensteinau erschienen ufto."5) Sie zogen ins Pfarrhaus und geboten dem evangelischen Pfarrer Heinrich C o l e r u s, binnen 8 Tagen das Haus zu räumen und dem mitgebrachten neuen katholischen Pfarrer Platz zu machen. Alsdann wurde die Kirche mit Feuer und Wein gereinigt und Messe gelesen. Ter fuldische Schultheiß von Weidenau ließ die sämtlichen Riedeselschen Gerichtsschöffen, welche dem evangelischen Bekenntnis treu bleiben wollten, gefangen setzen?) Ter Statthalter in Marburg, an den sich die Gefangenen wandten, schenkte ihnen einen Taler, den sie hinwiederum der Kirche gaben. Der Riedeselsche Schultheiß lehnte sich mit feinen Untergebenen gegen diese Maßnahmen auf und verbot ihnen, die Messe zu hören. Mit 200 Talern Strafe hatte er seine Glaubeustreue zu büßen?) Weiterer Widerstand schien Wahnwitz, Ter vertriebene Pfarrer Köhler wandte sich Hilfe suchend an die Freiherrn Riedesel. Ste erwiesen sich itt des Wortes schönster Bedeutung als Patrone der Kirche, intern sie für die verlorene Pfarrei Freiensteinau eine! neue Pfarrei in H opfmannsfeld begründeten und die Stelle tem Exulanten Köhler als erstem Pfarrer übertrugen. Eine massive Kirche war bereits 1616 dort erbaut und 1619 vergrößert worden. Tas Pfarrhaus scheint man alsbald nach Errichtung der Pfarrei erbaut zu haben. Damals wird wohl auch der schöne Kirchenwald durch die Hand der Riedesel au die Kirche Hopfmannsfeld gekommen sein.
Ter Erfolg,teS Fürstabts in Freiensteinau konnte ihn nur zu weiterem Vorgehen im Riedeselschen Gebiete ermuntern. Tatsächlich erschienen denn auch an einem Märztage desselben Jahres 1528, von Homberg (bei Kassel) kommend, Ti lly sche Reiter auf Schloß Eisenbart) und überreichten dem Erb marsch all Georg Riedesel zu Eisenbach ein Schreiben des Generalwachtmeisters der Kavallerie Thymann von Lindlo des Inhalts: Ter Abt wolle die „Reformation" in seinen Gebieten durchführen und hoffe in keinerlei Weise von Seiten seiner Lehensträger Widerstand zu erfahren, sonst müsse er, der Generalwachtmeister, auf Befehl des Grafen Tilly mit viel oder wenig Fußvolk und Reitern das L a n d z w i n g e n. Er warnte die Herrn vor Halsstarrigkeit; sie möchten ja nicht opponieren, sondern die «Untertanen ermahnen, daß sie sich in die Untertänigkeit des Abts, als des Landes- Herrn, Bequemen8) sollten. Lindlos Reiter warteten auf schriftliche Antwort, ob die Herren Riedesel sich in Fürstlicher Gnaden Willen stellen oder opponieren wollten. Georg der jüngere!
-"Nach Büsf ä. a. O. erinnerte 1632 der Oberschultheiß von Hammelburg seine Mitbürger: ob sie denn nicht mehr der früheren Zeit gedächten, wo der ehemalige Amtskeller die Bürger habe hinten lassen, die den katholischen Gottesdienst versäumt ge- chabt, und einst der Amtmann, der die Bürgerschaft mcht in der Kirche getroffen, sie habe zu sich bescheiden und nicht eher toteben von dannen gehen lassen, bis sie 50 Gulden Straf gezahlt hatten.
t) Vgl. Hotz in Beiträge z. Hess. Kirchengesch. III. Bd. 1. H., S 46
s)'Diese Formel gebrauchte die Kommission in demselben Jahre zu Völkershausen. Sie ist zweifellos auch in Freiensteinau gebraucht worden. . , ., _ ,
6) Damit der Tragik dieses Ereignisses auch die Komtk nicht fehle, berichtet uns nach einer freundlichen Mitteilung, des Herrn Pfarrer Dr. Becker in Alsfeld eine Notiz in der Freienstetnauer Kirchenrechnung von 1629, daß einer der Gefangenen, namens Hans Nau, seine Weidenauer Wächter betrunken machte und dann „bald zur Stube hinaus gewutscht" sei.
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8) Nach Hotz in Beiträge z. H. K. G., Bd. III, H. 1, S. 46 s


