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Dis Gräfin strahlte vor Glückseligkeit über ihren Scharf­blick Alexa freute sich wie ein Kind auf den bevorstchen-- den Besuch von Claire, die einzuladen sofort beschlossen wurde. Und der Graf ging tut Zimmer auf und ab, indem er beständig vor sich hin sprach:DieserBaron, nun seh' einmal einer an ja, ja, stille Wasser sind tief. hätte das gedacht trau, schau, wem! Alles hatte ich für möglich gehalten, aber daß der Baron ।ich itocij mal verloben würde, darauf war ich uicht gefaßt."

Mer warum sollte sich der Baron denn nicht ver­loben?" fragte Dagmar, die einzige, die durch die Ver­lobung des Barons mehr als überrascht worden war und ihr Befremden uiid ihre Enttäuschung trotz alledem! um keinen Preis verraten wollte--Das ist doch sein

gutes Recht. Und wenn er eine findet, die ihn liebt, mein Geschmack wäre er ja zwar nicht. Aber für diese Claire ist er wohl gut genug--.

Oho!" fuhr der Graf auf.Erstens ist Fräulein Claire: Fräulein Claire und nichtdiese" Claire. , Das merke dir, bitte, ein für allemal. Und außerdem ist der Baron ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Wenn du ihn aus irgend einem Grunde nicht übertrieben gern magst, so ist das dein Recht. Aber ich muß es dir auf das entschiedenste verbieten, daß du in dieser verletzenden Weise über den Gast meines Hauses sprichst."

Mit solcher Energie hatte der Graf seit langer Zeit nicht geredet. Und nicht nur Dagmar, sondern auch seine Frau und Alexa sahen ihn ganz groß an.

Aber während er unter anderen Umständen durch diese allgemeine stumme Verwunderung leicht verlegen geworden wäre, blieb er dieses Mal standhaft:Ich wiederhole, Dagmar, ich verbitte mir, daß du so über den Baron sprichst. Er ist ein Ehrenmann, wie ich es bin, wie dein Bruder Hans und jeder andere unserer Bekanntschaft. Ich mag gar nicht an den Tag denken, an dem er uns verläßt, und wenn ich eine Möglichkeit sähe, ihn hier länger festzu­halten, dann würde ich sie mit Freuden ergreifen."

Bravo, Papa !" rief Alexa, und auch die Gräfin stimmte ihm zu. Ganz so begeistert von dem Baron, wie der Graf, war sie nicht mehr gewesen, seitdem er plötzlich auf die Idee verfallen war, den Bürgerstand mit dem Adel 511 ver­gleichen. Von der Stunde au war eine kleine, wenn auch kaum bemerkbare Entfremdung zwischen ihnen eingetreten. Aber daß er sich nun verlobte, daß er ihr damit einen neuen Beweis ihrer untriiglichen Menschenkenntnis gegeben hatte, das söhnte sie wieder mit ihm aus.

So sagte sie denn jetzt:Du wirst dich erinnern, Dagmar, daß ich dich schon wiederholt gefragt habe, was mit dir und dem Baron ist? Du schlägst zuweilen einen Ton gegen ihn an, der fast beleidigend ist, und deine Eltern können es wie dein Vater soeben sehr richtig bemerkte nicht dulden, daß du über ihren Gast mit solcher Mißachtung sprichst. Du hast alle Ursache, ihm sehr dankbar zu sein. Du bist unter seiner Leitung eine perfekte Reiterin ge­worden."

Dafür wird er ja bezahlt, Mama. Und soweit sch Papas Gutmütigkeit kenne, gewiß sehr anständig," klang es trotzig von Dagmars Lippen.

Hans wird dafür, daß er seinen Rekruten das Reiten beibringt, auch bezahlt!" fuhr der Graf auf.Und glaubst du, daß ich früher umsonst in der Reitbahn herumgestanden hätte? Wenn der Erste des Monats kam, habe ich mit dem größten Vergnügen mein Gehalt in die Tasche gesteckt

Der Graf glaubte in diesem Augenblick selbst, was er sagte. Und doch hatte er während seiner ganzen Leut­nantszeit nie einen Groschen Gehalt zu sehen bekommen, sondern regelmäßig infolge seiner hohen Kasinorechnung noch ein paar hundert Mark draufzahlen müssen. Aber das schien er jetzt ganz vergessen zu haben. Und wenn auch, das änderte doch nichts an der Tatsache, daß er für seine Dienste bezahlt Oorden war.

Dagmar sand nicht gleich eine Erwiderung aus die Worte ihres Vaters; auch fürchtete sie, ihn weiter zu reizen. Sie konnte sich kaum entsinnen, ihn jemals so ener­gisch gesehen zu haben. So sagte sie denn nur:Ich weiß gar nicht, was ihr eigentlich wollt? Ihr tut wirk­lich, als ob es auf der ganzen Welt keinen zweiten Men­schen gäbe, der dem Baron gliche. Ich ich denke da­rüber anders r- und das habt ihr mir ja vorhin selbst erlaubt."

Gewiß," stiminte der Gras ihr bei,denken kannst du ,was du willst, wenngleich es mich betrübt, daß du! nicht unsere Ansichten über ihn teilst. Aber sei mit deinen Aeußerungen in Zukunft vorsichtig, du könntest mich sonst leicht ernstlich erzürnen."

Dagmar wandte sich ab. Und unter einem Vorwand verließ sie bald das Zimmer, um mit sich und ihren Ge-, danken allein zu sein.

Von dem Augenblick an, da der NameClaire" genannt wurde, hatte auch sie die unklare Empfindung gehabt,^ als ob der Baron sich mit ihr verloben werde sie hatte! sich absichtlich mit keinem Wort an der Unterhaltung be­teiligt, uni ihn nicht dadurch zu einer vielleicht nicht ganz ernsthaft gemeinten Aeußerung zu verleiten; sie hatte sich darauf beschränkt, eine sehr aufmerksame Zuhörerin! zu sein. ,

Aber nun stand sie doch dieser Tatsache gegenüber, ohne sie zu begreifen. (

Ihr erstes Gefühl war das des befriedigten Stolzes gewesen. Er hatte das Nutzlose seiner Bewerbungen, seines Bemühungen um sie eingesehen, er war zu der Erkennt-' uis gekommen, daß eine Komtesse Dagmar für ihn nicht zu haben war, und hatte sich nun seine Braut in jenen Kreisen gesucht, auf die derHerr Ba<.m" Eindruck machte.

Aber sie belog sich selbst, wenn sie sich cinredete, über diesen Ausgang des Kampfes glücklich zu sein. Wohl hatte sie sich den Sieg gewünscht, und wenn sie auch in der letzten Zeit manchmal daran gezweifelt hatte, daß sie Sie­gerin bleiben würde, so hatte sie sich den Triumph über ihn doch anders gedacht! Daß er den Kampf aufgab und sich einfach mit einer Anderen verlobte, das ließ sie doch eigentlich mehr als Besiegte, denn als Siegerin dastehen.

Was konnte ihn veranlaßt haben, so schnell seine Ge­danken und seine Pläne zu ändern? Sie kannte ja dis Hartnäckigkeit, mit der er sein Ziel verfolgte, sie hörte sein:Doch, Komtesse!" noch in den Ohren, das er ihr damals bei dem Diner zurief, als sie sich in Gedanken immer wiederNie niemals!" gesagt hatte. Sie wußte ja auch, daß er kürzlich bei dem Landrat den Kampf mit dem störrischen Pferd nur deshalb ausgenommen und rück­sichtslos durchgeführt hatte, um ihr zu beweisen:Was ich mir vornehme, das setze ich auch durch!"

Damals hatte sie vor' ihm gezittert, ihre Angst vor ihm nicht verbergen können. Sie hatte in ihm den Mann gesehen, der allein durch die Macht seiner Persönlichkeit bcr ©tüvEcrc i]t.

Und nun? Wankelmütig hatte er seinen Entschluß geändert! Ein paar schöne, lustige Augen vielleicht nur die Nähe eines jungen Mädchens, das er seit vielen! Jahren nicht gesehen, mit der er jetzt flüchtig zusammen- traf, das hatte genügt, seinen sogenannteneisernen Willen", die Energie, die er neulich noch an sich hatte bewundern lassen, zu brechen, ihn zu einem willenlosen Werkzeug einer vielleicht schlau und berechnend Vorgehen-, den Kokette zu machen!

(Fortsetzung folgt.)

Die Reformation und Gegenreformation in Herbstein und den ehemals landgrüflichen und ritterschaftlichen

Grien der östlichen und südöstlichen Vogelsbergs.

Bon Pfarrer Zinn in Herbstein.

(Fortsetzung.)

Ein neuer Helfer entstand den Protestanten in König! Christian IV. von Dänemark, den Religionseifer und Hoffnung auf Landerwerb zum Kriege trieben. England und Holland hatten ihm Unterstützung versprochen, und Frankreich, das aus die 'wachsende Macht Habsburgs eifersüchtig war, sandte Hilfsgelder. Tie unermüdlichen Heerführer Ernst von Mansfeld und Christian von Braunschweig konnten mit englischem und nieder­ländischem Gelbe wieder Truppen werben, um mit König Christian gemeinsame Sache zu machen. Auch die Herzöge von Braun- schweig-Wolfenbüttel, Sachsen-Weimar, Mecklenburg und der pro­testantische Administrator von Magdeburg (ein brandenburgpchw Prinz) schlossen sich an, während KUrbrandenburg immer noch neutral blieb. ... - «r*

Tie Gefahr erkennend und zugleich seine allzu große sto- hängigkeit von der Liga und dein Bayernherzog MaxmnUan fürchtend, warb der Kaiser ein eignes Heer durch den rnegs- erprobten und durch die Jesiiiten zum katholischen Glauben w