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Donnerstag, den U. Juli
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Dir von Gründingen.
Roman von Freiherr von Schlicht,
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Tie Gräfin hielt es auch nicht für ganz schicklich, Daß er vor ihr und ihren Töchtern so offen davon sprach. Ä.aj; es sich natürlich um leine Sitzung in einem chambre separo handelte, war ja klar, aber trotzdem —- es gefiel ihr nicht.
„Aber Frau Gräfin — oie andere Dame ist natürlich Claires Mutter, Und der andere Herr Claires Vater. Die find doch bei dem Wiedersehen die Hauptsache. Die Tochter ist gewissermaßen nur eine angenehme Zugabe."
„Ach so, ja, richtig, Pardon, ich hätte vorhin nicht ganz genau verstanden."
Die Gräfin war wirklich etwas verlegen. Ihre Worte waren wenig taktvoll gewesen, aber der Baron ging schnell darüber hinweg.
„Sie müßten meinen Freund, den geheimen Regie« rungsrat, kennen lernen, Herr Graf," wandte er sich an diesen. „Ich glaube, der spielt noch leidenschaftlicher Ecarts als Sie."
„Und das sagen Sie mir erst jetzt," fuhr der Graf auf. „Den Mann muß ich kennen lernen. Und wohnte er vben in Spitzbergen und ich auf dem Südpol. Den müssen Sie mir herbringen, tot oder lebendig, und wenn er nicht will, dann schicker: Sie mir ein Telegramm, dann komme ich hin und spiele ein paar Abende mit ihm."
„Aber Eduard, wie kann man riur so dem Spiel huldigen!"
„Ach was! Ein jeder Mensch hat seine Marotte — ich die meine —"
„— und du die deine," wollte er sagen, aber er schwieg.
„Wissen Sie was, Herr Graf?" rief der Baron schnell.
>,Begleiter: Sie mich doch auf meiner Reise! Ihr Herr Sohn wird sich sicher sehr freuen, Sie ein paar Tage bei sich zu sehen."
„Ja, fahr' doch mit, Papa," riet auch Alexa. „Es wird dir gut tun, dich ein paar Tage zu zerstreuen."
„Ich werd' mich hüten," rieff der Graf. Aber |Me Blicke, die der Baron und Alexa ihn: zuwarfen, hielten ihn Noch rechtzeitig vor: weiteren Erklärungen zurück. Sie verstanden ihr: auch so; er hatte nicht den Mut, gleich mitzureisen, von Anfang an seine Hände bei der Scheür- verlobung im Spiel zu haben und dann seiner Frai: ge- wissermaßen als Falschspieler gegenüberzutreten. Die Tatsache selbst wollte er später vertreten und durchsetzen m aber die Vorbereitungen dazu mochte her Baron allein übernehmen.
Die Gräfin warf ihrn einen dankerfüllten Blick zu. Sie hatte wirklich gefürchtet, daß er dem Vorschlag des Barons beistimmen würde. Jetzt war sie glücklich, daß
sein „besseres Ich" im letzten Augenblick doch den Sieg über seine Spielleidenschaft davontrug. Und deshalb bot sie ihm, als sie sich schlafen legten, mit einer ihr sonst ganz fremden Herzlichkeit die Stirn zum Kuß: „Ich bin stolz auf dich gewesen, Eduard —, sich selbst bezwingen, ist der schönste Sieg! Was hätte der Geheimrat auch von dir denken sollen, wenn du zu ihm, dem ganz Fremden, gekommen wärest, lediglich, um mit ihm zu spielen! Ich sah — leicht wurde es dir nicht, zu widerstehen."
„Nein, leicht wurde es mir nicht."
„Ich weiß. Aber die Belohnung soll dir auch nicht ausbleiben. Du mit deinem Kindergemüt hast das natürlich .nicht erfaßt. Aber mir ist es im Laufe des Abends immer klarer geworden: irgend etwas stimmt da nicht —."
„Erlaube mal," nahm er seine zukünftige Schwiegertochter in Schutz. „Fräulein Claire ist ein durchaus vor- nehmes, über jeden Zweifel erhabenes junges Mädchen."
„Das ist doch ganz selbstverständlich, Eduard, denn sonst würde der Baron es doch nie gewagt haben, in unserer Gegenwart von ihr zu sprechen. Aber ich meine es auch ganz anders. Du hast mich einmal wieder falsch verstanden. Wenn ich sagte: da stimmt irgend etwas nicht, so sollte das heißen: Paß auf — der Baron wird sich mit ihr verloben!"
„Aber Konstanze!"
Er war kein Meister in der Verstellung. Jedoch dieses Mal gelang es ihm ausgezeichnet.
Die Gräfin freute sich, daß sie einmal wieder klüger war als ihr Mann. Und so sagte sie denn zärtlich: „Du hast dir ein beneidenswert kindliches Gemüt bewahrt, Eduard! Aber das trübt deinen Blick. Ich sehe schärfer. Paß auf — ich irre mich nicht. Und wenn der Baron sich verlobt '— und er verlobt sich sicher! — dann will ich dir für deine Standhaftigkeit, die du heute abend bewiesen, eine Freude machen. Dann laden wir nicht nur Claire, sondern auch deren Eltern zu uns, — das sind wir ja schließlich dem Baron schuldig. Wir haben ihn doch alle sehr lieb gewonnen — da müssen wir auch seine Braut mit offenen Armen bei uns aufnehmen."
„Ja, tu' das, Koustanze," bat er. „Versprich mir, daß du recht, recht zärtlich mit ihr sein willst —."
„Na, siehst du nun ein, daß ich recht hatte? Diese plötzliche Reise — dieses „zufällige Zusammentreffen mit den alten Freunden" — die Lobeshymnen ,die er auf Claire anftimmte,--ja, ja, ich kenne euch Männer!"
„Das scheint mir beinahe auch so," stimmte er ihr bei.
Und dieses Lob freute sie so, daß sie ihm zum zweitens mal einen Kuß auf die Stirn erlaubte.
Zwei Tage später ging der Baron auf Reisen. Und es geschah, wie die Gräfin vorausgcsagt hatte: Nach kaum drei Tagen kam ein Telegramm: „Habe mich mit Claire, der Tochter meiner alten, lieben Freunde, verlobt!"
Natürlich rief diese Depesche eine gewaltige Aufregung hervor.


