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bet Stimme Hub nun Herr von Hollen an:Ich habe die hohe Auszeichnung, von Ew. Hoheit allerhöchstselbem Herrn Vater, Sr. Hoheit, dem regierenden Herzog und gnädigen Herrn, zu Ew. Hoheit diensttuendem Adjutanten ernannt worden zu sein. Meine Aufgabe und strengste Pflicht wird nun darin bestehen, Ew. Hoheit steter Begleiter und in Hof- angelegenheiten erster Ratgeber zu sein. Vor allem habe ich auch die erste Verantwortung für Ew. Hoheit höchst­persönliche Sicherheit zu übernehmen und bitte ich deshalb Ew. Hoheit gehorsamst und untertänigst, mich in dieser nicht leichten Aufgabe besonders dadurch ganz gnädigst unter­stützen zu wollen, daß Ew. Hoheit allergnädigst geruhen möchten, ohne meine Gegenwart und Anhörung meines bescheidenen Rates keine Audienzen entgegenzunehmen oder Besprechungen mit anderen Hofbeamten zu entrieren."

(Fortsetzung folgt.)

Der anonyme Brief.

Skizze von F. King.

Vor dem Hause von Laferriöre, eines der größten Schneider- Ateliers in London, wartete ein Automobil. Eine Menge Gassen- fungen hatte sich angesammelt und betrachtete mit sichtlichem Interesse und heiliger Scheu das rotlackierte prustende Ungeheuer, dessen Chausfeur mit gekreuzten Armen in majestätischer Ruhe dasaß. Er hatte die Würde und das Aussehen eines Ministers und sah über den ganzen M ob hinweg, als wenn er Luft wäre. Das Warten langweilte ihn.

Endlich trat Lady Trelancy aus dem Hause und stieg ein. Knatternd und stampfend setzt sich das Auto in Bewegung.

Lady Trelancy war sehr schlechter Laune. Erstens war die neue Toilette, die sie morgen bei der Herzogin von Wincester tragen sollte, nicht fertig, dann hatte die Schneiderin unglaub­licherweise statt Brüsseler Points, venetianische Spitze genommen und aus dem Wege zur Anprobe hatte das Automobil einen Huird überfahren, dessen Besitzer mit der Strafanzeige drohte. Das war unangenehm genug, aber schlimmer als alles war der anonyme Brief, den sic heute bekommen und der ihr von einem kleinen Mädchen erzählte, dem Lord Trelancy eine kleine reizende Wohnung eingerichtet habe.

Lady Trelancy war nicht eifersüchtig, Gott bewahre, aber der kleine Zwischenfall war ihr entschieden lästig und sie hätte viel darum gegeben, wenn der unbekannteFreund" ihr die Kenntnis dieses Seitensprunges ihres Gatten erspart Mte, denn nun mußte sie ihn zur Rede stellen und er würde sicher lügen, und das Ganze war langweilig und geschmacklos.

Lady Trelancy war eine schöne Frau. "Groß, schlank, blond und hochmütig. Ihre Kleider waren Wunderwerke der Schneider­kunst, ihr Haushalt korrekt wie sie selbst. Bei dieser Korrektheit war es selbstverständlich, daß sie ihrem Gatten nach einjähriger Ehe den ersehnten Erben schenkte. Damit hatte sie ihre Pflichten für erledigt gehalten und sich ihr Leben ganz nach ihrem Geschmack eingerichtet, ohne Rücksicht auf den Gatten, der seine eigenen Wege ging. Sie mack;te ein ärgerliches Gesicht, während sie in rasen­dem Tempo durch die Straßen fuhr. Nun war der ganze schöne Frieden durch diese dumme schmutzige Denunziation gestört. Merk­würdig, sie hätte es'ihrem ernsten steifen Gatten nicht zu getraut und im Grunde war es doch gar nicht verwunderlich. Das Gefühl, das sie zusammengeführt hatte, war nicht gerade sehr stürmisch ge­wesen, der große Name hatte sich mit der großen Erbschaft zu- sammcngetan und beide waren nicht sentimental veranlagt.

Daß er aber eine Kerne Choristin afsichierte, war doch stark Und je mehr Lady Trelancy daran dachte, desto ärgerlicher wurde sie und plötzlich ertappte sie sich bei ein paar Tränchen, die sie hastig mit ihrem dänischen Handschuh wegwischte. Tas Automobil raste weiter.

Lady Trelancy sah plötzlich! ihren Gatten vor sich, wie er bei ihren offiziellen Empfängen die Honneurs machte. Alle ihre Freundinnen umschwärmten ihn imi> suchten ihm zu gefallen, seine kühle Art zog sie an, wie das Licht die Motten. Sie sah ihn, wie er sie selbst mit vollendeter Höflichkeit behandelte, ohne ein warmes Wort, ohne eine Liebkosung und vergaß ganz, daß sie selbst es ihm unmöglich gemacht hatte, ihr anders zu begegnen. Und dieser Mann hatte ein Verhältnis mit einem kleinen Mädchen vom Theater!

Die Tränen wären versiegt, eine zornige Röte stieg in ihr Gesicht.

Ein Ruck, der Wagen stand vor einem hellerleuchteten Hause. Sie stieg aus, gab dem Chauffeur ein paar Befehle und schritt die Treppe empor in ihre Gemächer. Dort ließ sie sich von ihrenr Kammermädchen entkleiden, warf ein Hauslleid aus duftiger Spitze über und setzte sich an den Kamin. Sie nahm ein Buch Vir Hand, aber sie konnte nicht lesen. Ihre Gedanken kehrten tmmer wieder zu dein Keinen Mädchen und der kleinen Wohnung Mrück, in der Lord Trelancy sein heimliches Glück beherbergte.

Draußen erklangen Schritte. Ihr Gatte trat ein. Er war tm Frack und trug eine Gardenie im Knopfloch. Höfliche küßte er ihr die Hand

Du gehst beute abend äus, George?" sagte sie mit er­zwungener Ruhe.

Ja, meine Liebe," erwiderte er.Und was beabsichtigst ich zu tun?"

Sie sah ihn an und sagte spöttisch:

Ich will einmal meine Einsamkeit genießen. Man wird dieser ewigen albernen Gesellschaften müde."

Er lächelte.

Soll das Vielleicht ein Wink sein, daß du allein zu sein wünscht?"

Rechnest du dich zur Gesellschaft? Wir sind ja zufällig miteinander verheiratet." Ihre Stimme fing an zu zittern.

Weißt du das wirklich noch Sibyl? Ich dachte, ich hättest es längst vergessen."

Das war yu viel für sie.

Wie darfst du es wagen, mir so etwas zU sagen! Du . s Das ist schamlos!"

Und sie riß den Brief aus ihrem Kleide und warf ihn ihm vor die Füße.

Er hob nun das Blatt auf, las es durch und sagte ruhigt Nun, und was weiter?"

Sie starrte ihn mit weit geöffneten Augen an.

Das ist alles, was du darauf zu erwidern hast?"

Er setzte sich ihr gegenüber.

Laß uns einmal ruhig über die Sache reden. 'Du bist scheine bar sehr entrüstet, weil ich ein Verhältnis habe wie dieser Brief behauptet. Die Tatsache leugne ich nicht, aber ich glaube trotz­dem nicht, daß mich ein Vorwurf trifft."

Sie sprach nicht, regungslos lag sie in ihrem Sessel mit zu- sammengepreßten Lippen.

Er fuhr fort.

Ich bin 34 Jahre alt. Wir sind feit 5 Jahren verheiratet. Nach einem Jahre kam der Knabe und von dieser Zeit an löstest du dich gänzlich von mir los. Nach außen präsentieren wir uns als glückliches Ehepaar, aber im Innern sind wir uns fremd ge­worden und gehen nebeneinander,her, korrekt und gelangweilt! einen Tag um den anderen. Ich beklagte mich nie, aber ich litt darunter, denn ich bin eine gesunde Natur. Ein Platoniker ist immer ein Unding für mich gewesen. Es genügt mir nicht, eine schöne junge Frau neben mir zu wissen und dann allabend­lich in meinem Zimmer einsam yu träumen. Monatelang, jahre­lang dauerte dieser Zustand. Du wußtest nichts davon. Ich machte verschiedene Versuche, dich wiederzugewinnen. Tu wiesest sie nicht zurück. Gott bewahre, du merktest sie nicht einmal. Da lief mir vor kurzem ein junges Mädel in den Weg, das sich in mich verliebte. Nun, ich spielte nicht den Josef, das ist alles l Wer könnte mir das verdenken?"

Sie hatte ihn mit keinem Worte unterbrochen, sie war auch nicht zornig geworden, nur erschreckend blaß. Sie öffnete ein paarmal die Lippen, um zu sprechen und konnte nicht. Endlich sagte sie heiser:

Bitte, geh!"

Er stand achselzuckend auf. Sie machte eine Bewegung, tote um ihn zurückzuhalten, er tat, als sehe er es nicht und verließ das Zimmer. Als die Portiere hinter ihm zusammenfiel, lvar es mit ihrer Selbstbeherrschung vorbei! Sie glitt auf den Boden, blieb mit dem Gesicht auf dem Stuhle liegen und wei ite laut und jammervoll.tote ein Kind.

Sibyl!"

Sie schrak empor. Was war das für eine Sttmme, für ein Ton? Träumte sie? Neben ihr kniete ihr Gatte und hc tte den Arm um sie geschlungen und preßte sie so eng an sich,'daß sie fein Herz klopfen hörte. Sie wollte sich lvsringen, ihm ihre ganze Empörung ins Gesicht schleudern, aber der zärtliche Blick seiner Augen erstickte die Worte auf ihren Lippen. Und doch, nein * Sie wollte nicht mit der kleinen Choristin teilen!

Laß mich los," sagte sie heiser,ich verachte dich!"

Sibyl, geliebte süße Sibyl, du bist ja eifersüchtig, du liehst mich iwch!"

Sie sah ihn verständnislos an.

Es ist ja kein Wort wahr von der ganzen Geschichte ! Ist wollte dich wiederhaben, ich konnte dieses Leben nicht länger er» tragen und da log ich das' Blaue vom Himmel herunter."

Llber der Brief der Brief!" murmelte sie.

Ten habe ich selber geschrieben, weil ich wissen wollte ob ich dir ganz gleichgültig geworden war."

Sie sagte nichts mehr, sie atmete tief auf itnb lag ganz still an seinem Herzen, er küßte und streichelte sie und sie mertten es nicht, wie die Zeit verging.

Endlich sagte Lady Sibyl:

Und wenn ich mich nun nicht Verraten hätte!"

Er lächelte.

Dann, ja dann weiß ich wirklich nicht, was geschehen wäreft Dann hättest du dir wirklich ein kleines Mädel gesucht?" Er schüttelte mit komischem Entsetzen den Kopf.

Ich fürchte, ich hätte es auch dann nicht getan, ich bin eßen hoffnungslos monogam!"

Sie lachte leise.

Aber so ist es besser!"

Er Äffte sie.