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Die Dame im Pelz.

.Roman von G. W. Appleton.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ich habe diese Worte nie vergessen können. Jeder Widerspruch würde vergeblich gewesen sein; rch mußte ge­horchen, so erniedrigend mir diese Zumutungen auch er­schienen. Dann kam das Frühstück eine Sache, die meine Neugierde mehr reizte als meinen Appetit. Nach langen Stunden der Einsamkeit folgte die Aufforderung, mich mit Gebet- und Gesangbuch zu versehen und «um Gottesdienst zu kommen. Im Korridor,traf ich meine MU- aefauaenen, und dann ging es gemeinschaftlich zur Ka­pelle. Die tröstende Rede des Geistlichen belebte meine Hoffnung wenigstens etwas.

Als ich noch nicht lange wieder in meinet Zelle saß nitb über mein grausames Schicksal nachgrübelte, schloß ein Wärter meine Tür auf und sagte in barschem Tone:

Stecken Sie Ihre Nummer an und kommen Sie mit. iEs ivill Sie jemand sprechen.

Ich nahm hastig meine Marke Nr. B. 107 und ging klopfenden Herzens hinter ihm her. Wer mochte der Be­sucher sein, und was mochte er bringen? Aber meine Erregung war bald geschwunden. Als wir eine Treppe tiefer in ein kleines gewölbtes Zimmer traten, sprang mir Mortimer entgegen und ergriff mit beiden Händen meine Hand. . n

Lieber alter Junge, sagte er, wie geht'v drr denn?

Wie du sichst, erwiderte ich, auf das Tafelchen in meinem Knopfloch deutend, bin ich nnr noch 'ne Nummer. Doch das ist das geringste. Was macht Marbella?

Er zögerte einen Moment, was mich beunruhigte.

Du scheinst mir schlimme Nachricht zu bringen, fragte ich ungeduldig weiter.

Das gerade nicht, erwiderte er nun zaudernd, aber sie hat sich's etwas zu sehr zu Herzen genommen. Es war eine schreckliche Szene. Sie klagte sich an, an all deinem Unglück schuld zu sein. Sie war untrostl ich, selbst Helen vermochte sie nicht zu beruhigen. Sie blieb dabei, daß sie vom ersten Augenblick, wo sie deine Schwelle über­schritten habe, ein Fluch für dich gewesen sei. Helen und Lucy mußten die ganze Nacht bei ihr Wache halten, weil man nicht wissen konnte, was sie in ihrer Verzweiflung tun würde.

Arme Marcella, stammelte ich, armes Kind!

Heute ist sie ruhiger, fuhr Mortimer fort, bedeutend ruhiger. Wir haben sie endlich überzeugt, dag foe sich deinetwegen solchem Kummer nicht länger ergeben dürfe; daß du für sie kämpfst und es deshalb ihre Pflicht sei, dich zu ermutigen und zu unterstützen. Luch hat uns redlich

geholfen und wahre Wunder bei ihr gclvirkk. Sie ist ein prächtiges Mädchen.

Es bauerte ein paar Sekunden, ehe ich sprechen konnte; dann sagte ich:

Ein klein wenig haben mich deine Erklärungen zwar beruhigt, aber meine Befürchtungen sind noch lange nicht verscheucht. Ich bitte dich um alles in der Welt, Paß gut auf Marcella auf. Unsere Feinde werden jetzt vor nichts mehr zurückschrecken.

In dieser Beziehung kannst du. ohne Sorge sein, ant­wortete Mortimer. Es ist keine Vorsichtsmaßregel außer Acht gelassen. Ich habe zwei Privatdetektivs engagiert, die Tag und Nacht die Wohnung bewachen. Am meisten bin ich jetzt deiner selbst wegen beunruhigt. Die Verdachts­momente gegen dich haben sich stark vermehrt. Die merk-- würdigsten Umstände treffen zusammen. Selbst Gregory hat einen schweren Fehler begangen. Der arme Kerl ist ganz außer sich darüber. Er kann sich diese Dummheit nie verzeihen.

Ich schaute meinen Freund erstaunt an.

Ich verstehe dich nicht, Mortimer. Inwiefern könnte Gregory ungünstig gegen mich aussagen, selbst wenn er mir übel gesonnen warn? .

Nun, die Sache ist die: Während meiner Abwesew heit gestern, und ehe er noch von deiner Verhaftung wußte, hat ihn ein Kriminalbeamter ausgesucht und über dein Tun am Abend vorher ausgefragt. Und ohne zu wissen, was er damit anrichtete, hatte der biedere, ehrliche Gregory ansgeplandert, daß du vor dem Weggehen wegen des Aco­nits mit ihm gesprochen und dich sogar nach der tödlichen Doiis dieses Giftes erkundigt hättest.

' Was soll denn dabei sein? fragte ich harmlos. Diese Unterhaltung war doch ganz unschuldig, wahrhaftig!

In deinen Augen, ja; aber was soll ein Gerichtshof davon halten? Du bittest deinen Assistenten, das Aconit­fläschchen zu füllen, du fragst ihn, wieviel nötig ist, einen Menschen zu töten. Dann gehst du weg. Das verhängnis­volle Glas wird am selben.Abend in der Wohnung deiner Tante gefunden. Es ist leer, und deine Tante, die dich ihre Arzneiflasche in der Hand gehabt zu haben beschuldigt, stirbt au Aconitvergiftung. Was wird ein hoher britischer Gerichtshof dazu sagen? Und wie willst du diese gra­vierenden Umstände, die durch Gregorys Torheit nun be­kannt sind, erklären und entkräften?

Ferner hat sich unter den Sachen, die dir gestern im Polizeigewährsam abgenommen worden sind, ein Brief von Barton gefunden, ivorin er dir mittellt, daß deine Tante das dich enterbende Testament noch nicht unter­zeichnet habe, also für dich die Gelegenheit günstig sei, und du ein großer Tor sein würdest, wenn du sie nicht sofort benutztest. Ich brauche dir wohl nicht auseinanderzusetzen, wie dieser Brief, den du gerade am Tage der Ermordung bekommen haben mußt, ausgelegt worden ist. Barton ist furchtbar aufgeregt deshalb, weil er ihn als MitschnlSigen