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an dem Verbrechen erscheinen lassen würde, falls es ge­lingen sollte, es auf dich zu bringen. Natürlich hat er den Glauben an dich! keineswegs verloren, und ich habe ihm, die Augen über vieles geöffnet, was ihm bislang un­bekannt war. Aber er ist angesichts des gravierenden Materials, das sich von allen Seiten gegen dich auftürmt, trotzdem sehr besorgt. Alles in allem genommen, ist es eine höchst unerquickliche und ernste Sache-, und es wird viel Mühe kosten, -dich aus der Affäre herauszuziehen.

Nun, ich habe dir die Geschichte -absichtlich -etwas düster geschildert, damit du sie nicht zu leicht nimmst. Wir wer­den selbstverständlich mit allen Mitteln für deine Frer- heit kämpfen, und in dem festen Glauben au die Gerechtig­keit der Vorsehung, die uns bisher geholfen hat, zweifle ich nicht im geringsten, daß wir schließlich doch den Sieg davontragen -werden. Freilich wird es eine schwere Prü­fung für -dich sein, aber du darfst den Mut nicht sinken lassen und mußt alles mannhaft ertragen.

Mortimer hatte so auffallend- ernst gesprochen, daß ich die außerordentliche Schwierigkeit meiner Lage wohl einsah und merkte, daß ich all meine Energie zusammen- uehmen mußte. Seine Worte machten nach verschiedenen Richtungen hin einen tiefen Eindruck auf mich.

Mortimer, sagte ich gerührt, die Vorsehung ist gütig -gegen mich, daß sie mir einen solchen Freund gesandt -hat, wie man unter Tausend-en kaum einen trifft. Du bringst mir neues Leben, neuen Mut, neue Hoffnung. Ich fühle mich wieder stark. Mein Blick ist klarer, freier. Ich weiß jetzt, daß die- Gerechtigkeit doch siegen wird. Sage Marcella, sie solle um meinetwillen vertrauensvoll in die Zukunft blicken und sich nicht länger Selbstvorwürfe machen. Das würde mich nur bekümmern. Es ist wahr, daß ich diesen Kampf ihretwegen führe, aber kein Miß­geschick kann meine Liebe aus meinem Herzen heraus­reißen. Sage ihr, die Vorsehung schaue günstig auf eine Liebe wie die unsrige, sie solle Geduld haben und nicht verzweifeln. Mortimer, alter Freund, ich weiß kaum, was ich rede, aber du hast wieder einen Mann aus mir gemacht. Doch nun zum geschäftlichen Teil. Was fürne Rolle spielt Pennyfeather bei iber Sache?

Eine sehr -aktive, mein Lieber. Ich wollte gerade selbst darauf zu sprechen kommen, erwiderte er. Er war es, der die Anzeige erstattet hat, ob aus beruflichem Eifer, oder hier hielt er inne.

Oder was?

Ich hätte mich beinahe verplappert. Ihr Schüler des Aeskulap seid natürlich, wie die Gemahlin Cäsars, über allen Verdacht erhaben. Es war nur 'n flüchtiger Gedanke. Der würdige Pennyfeather wird selbstverständlich von den ehrlichsten Absichten getrieben. Er denunzierte dich, als deine Tante kaum tot war. Er war -auffallend rasch ent­schlossen. Er hatte sofort erkannt, daß -es sich um eine Aconitvergiftung handele. Ziemlich! merkwürdig, nicht wahr? Muß ein 'kolossal gescheiter Mann sein. Und wie gesagt, den Verhaftungsbefehl hatte er bereits erwirkt, ehe der Richter Zeit -hatte, sein Frühstück zu verdauen. Er scheint es sehr eilig zu haben, dich an den Galgen tzu bringen, und ich glaube, du wirst dich demnächst vor dem Schwurgericht zu verantworten -haben.

Das wird wenigstens nach den jüngsten Erfahrungen eine kleine Abwechselung bringen, versetzte ich bitter.

Ganz recht. Die Eintönigkeit wird dadurch unter­brochen werden; es wird aber auch noch einen anderen Vorteil haben: sie- werden Farbe bekennen müssen, und wir werden dann wissen, was wir zu tun h!aben.

Ach möchte wissen, sagte ich, ob Wohl Inspektor Beale schon von -der Sache gehört hat.

Gehört? antwortete Mortimer. Er weiß alles. Ich bin heute früh eine ganze Stunde mit ihm zusammen gewesen, und -er wird gleich- selbst Herkommen und dich sprechen.

In demselben -Augenblick erschien auch bereits der Wärter.

Es lut mir leid-, Herr, sagte ier, Jhlre Zeit ist um, und es hat sich ein anderer Besucher -gemeldet, Inspektor Beale von Scotland Darb.

Da ist er also schon, sagte Mortimer. Nun, leb' wohl, alter Junge! Ich werde jetzt nach Richmond zurückfahven Und Marcella deine Botschaft überbringen.

Er drückte! mir die Hand und verschwand: Das M

wohnlich heitere Gesicht d-es Inspektors war diesmal sehr ernst.

Das' ist 'ne üble Sache, Doktor, sagte er; wahrhaftig! Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Die Geschichte! -geht denn doch -etwas zu weit, und wir müssen ihr energisch Einhalt tun. Es ist höchste Zeit, daß wir von der Polizei uns geregt haben. Nun erzählen Sie mir mal den ganz-en Verlauf, aber in aller Ruhe. Lassen Sie mich alles -genau wissen, was in der Mordnacht vorgefallen ist, auch -die kleinste Kleinigkeit.

Er hörte aufmerksam zu und machte sich häufig No­tizen. Als ich -auf den Zwischenfall zu sprechen kam, der mich am stärksten -erregt hatte, das Gesicht im Spiegel,- spitzte -er -die Ohren und rief:

Das war die Baronin! Zehn gegen -eins! Was machte sie dort?

Bedarf -es darauf- einer Antwort?

Nein, ganz -gewiß nicht. Die war -entschieden ohne Wissen Ihrer Tante dort, darauf -geh ich jede Wette ein.

Ganz bestimmt.

Sicherlich. Sie und dieses Frauenzimmer. Heph5 H-eph wie heißt das verflixte Wort?

Hephzibah, sagte ich.

Ist dasn Wort. Einem Weib mit solchem Namen ist alles zuzutraueu. Die- und- die Baronin haben die Sache miteinander -gemacht. Das ist zweifellos, aber es wird n schweres Stück Arbeit kosten, es nachzuw-eisen. Dieser Assistent von Ihnen hat uns auchne schöne Suppe eingebrockt.

Gregory? fragte ich.

Jawohl, so- heißt der Dummkopf. Warum baten Sie ihn, Ihnen ein Fläschchen Aconit zurecht zu machen?

Aus weiter gar keinem Grunde, als weil -es leer war. Es gehört zu seinen Obliegenheiten, diesen Kasten immer im Stand zu halten. Er tat also nur seine Pflicht.

Aber dieser verfluchte Speech über die tödliche Dosis! Der wird uns in der Verhandlung auch wieder vorge­halten werden, denn von d-em, was -er dem Detektiv erklärt hat, kann er nun nicht wieder loskommen. Was haben Sie -darauf zu erwidern?

Das war nurne ganz zufällige Bemerkung meiner­seits, die -gar keiner -Erklärung bedarf, gab ich zur Ant- wort. Ebenso wie Man sagt: Ein schöner Dag heute, oder: Glauben Sie-, daß w-ir heute noch Re-gen b-ekomukeu? Was soll da weiter dabei sein? Wenn ich die- Absicht -gehabt hätte, meine Tante zu vergiften, meinen Sie, daß ich dann ein solcher Narr gewesen toäre, zu Gregory! zu gehen und mich bei ihm nach -der erforderlichen Dosis zu erkundigen? Verrückt!

Sehr richtig, fuhr der Inspektor fort. Darin bin ich ganz Ihrer Ansicht, aber, verrückt oder nicht, mit solchen Erwägungen kommen Sie vor Gericht nicht durch. Das klammert sich an Tatsachen, und Gregorys Zeugnis wird dabei schwer ins Gewicht fallen. Er hätte Sie nicht schlim­mer belasten können, wenn er Ihr bitterster Feind gewesen toäre. Einen Mann im Hause zu hüben, der so g-ew-issen- -haft ist, daß -er bis auf den letzten Deut die Wahrheit sagen zu müssen glaubt, und- sollte er seinen eigenen Vater dadurch an den Galgen bringen, ist eine fatale Sache!

(Fortsetzung folgt.)

Großen Lindener voNIeben vor 250 Jahren.

Von Pfarrer Schulte,- Großen-Linden.

Den Stoff zu der nachfolgenden Arbeit, die, selbst ein Aus^ zug aus. einer noch unvollendeten größeren, in Anbetracht der Zeit nur gewisse Hauptpunkte berücksichtigen kann, hat in der Hauptsache das ungedruckte Archiv der Kirche Hierselbst geliefert.; Ich nenne hier vor allem das Protocollum des Pfarrers PHUipp Weigel, das mit großen Lücken über die Jahre 1652-1682 sich erstreckt. Es ist, wie wir heute sagen würden, ein Kirchenbuch, also Tauf-, Kopülations- und Beerdigungsregister,- nur -ohne strenge Scheidung der -einzelnen Materien. Aber es ist zugleich auch em Tagebuch, an dem Tag nach Tag verzeichnet ist, was vorkam. Und nicht nur Amtliches, Dorfneuigkeiten, Urteile, Anekdoten, Ge­rüchte, Mitteilungen aus Zeitungen sind in reicher Zahl hmem verwoben. Wenn -ein Superintendent von heute den damaligen Pfarrer und sein Kirchenbuch zu visitieren gehabt hätte, ich glaube, Pfarrer Weigel hätte einen Rüffel davongetragen, Witz man ihn kaum größer sich vorstellen könnte.; Die Herren Pyr^ tatoren von 'damals scheinen anders, gedacht M hab-en^ Zu IW