632

getroffen. Er hob in tödlichem Entsetzen die Hand, dann ließ er sie schlaff herunterfallen. Sein Gesicht war ganz weiß.

Eine Stille trat ein. Dann sagte er tonlos, ohne aufzusehen: Ich habe das Geld gestohlen melden Sie es nur dem Baurat. Es ist ja nun doch alles egal." , , >

Ein Zittern überlief Klara. Wie unheimlich dies verzweifelte, hoffnungslose junge Gesicht jenem andern ähnlich sah--

Tief atmete sie auf. ...

Ich werde nichts melden, Herr Voelz. Ich will sie Nicht unglücklich machen. Sie mußten vielleicht Schulden bezahlen von dem Gelde ich weiß ja nicht aber Sie müssen mir versprechen, daß Sie nie, nie wieder so etwas Schreckliches tun wollen! Sie sind jung und es tut mir so leid

Bernhard Boelz starrte sie an, verwirrt, ungläubig Und dann stürzte er auf sie zu, lag zu ihren Füßen, wie zerbrochen, und schluchzte krampfhaft. .

Fraulein Wolters, das das verdien' ich ia nicht! Ge­rade Sie ich schäme mich so Herrgott, ich schäme mich so! Nie wieder nie, nie wieder!" Er hob die gefaltetün Hände zu ihr auf.Ich bin ja iricht schlecht nur da ist so vieles, was einen herunterzieht Sie können das nicht so wissen und ich habe ja hier keinen Menschen, mit dem ich mal vernünftig reden könnte was bleibt einem da übrig, als sich zu amüsieren--und dann wird auch ge­

spielt ach Gott, daß Sie mich nicht anzeigen wollen Sie sind gut, Sie sind ein Engel---"

Sie entzog ihm die Hände, die er küssen wollte,stehen Sie aus schnell und gehen Sie rasch, rasch, ehe Herr Maaß zurückkommt!"

Die Zrau das stärkere Geschlecht.

Eine Reihe interessaiiter Tatsachen, die gegen den Glauben au die geringere körperliche Ausdauer und Leistiuigsiähigkeit der Frau im Gegensatz z>nn Manne sprechen, iverdeu von einer englischen Zeitschrist zusamniengestellt. Den, Statistiker und Versicherungs- mathematiker ist es eine bewiesene Tatsache, daß die Fran eine viel stärkere Lebenszähigkeit hat als der Mann, imb die Standes- regisier beweisen iins auch, daß die Frauen durchschnittlich mch weniger als 5 Jahre länger leben als die Männer. Von den Ge­lehrten und den Aerzten sind manche Theorien ausgestellt worden, die diese größere Lebensdauer der Frau erklären, und die sorgsam gesammelten Vergleiche und Beobachtungen haben jedenfalls er­wiesen, daß die Frau int Ertragen und Ueberwinden von Krank­heiten deut Manne bei weitem überlegen ist. , Sie kaitn natürlich in Bezug auf Körperkräite beit Vergleich mit dein anderen Ge­schlechte nicht aufnehmen; aber bei der Beurteilung einer Kraft kann nicht nur die Stärke des Augenblicks beiracbtet werden, man muß auch fragen, wie lange diese Krait ausdauert. Und wenn man die Summe der Kräste mathematisch berechnen könnte, ivürde die Stellung der Frau wesentlich anders sein. Tenn der Mann neigt viel früher zur Erschöpfung seiner Kräste als die Frau. Seiner Natur nach hat das sogenannte zarte Geschlecht ein viel feineres Empfinden für die Forderungen seines Körpers, und es vermeidet viel eher die gefährliche Ueberspannung der Leistungs­fähigkeit, der der Mann mit seinem stärkeren Willen so ost erliegt. Die Folge davoit ist, baß die Frau in ihrem Körper Energien aufspeichert und nur sparsam abgibt, während der Mann mehr Energie und Krait ausgivt, als er sammelt. Das wird auch be­stätigt durch die größere Widerstandsfähigkeit der Frau gegenüber den Angriffen gefährlicher Krankheiten. Nur der Keuchhusten und die Diphtherie scheinen der Frau im allgemeinen gefährlicher zu sein als dem Manne, was manche Aerzte mit dem kleineren Um­fang des weiblichen Kehlkopfes zu erklären gewußt haben. Bei den sogenannten Kinderkrankheiten mag die Sterblichkeit beider Geschlechter ungefähr gleich sein, aber das Bild ändert sich mit dent zunehmenden Alter. Tte Statistik zeigt, daß erwachsene Frauen zwar leichter von Pocken und Influenza befallen werden, als gewöhnlich die Männer, aber dafür überstehen sie die Krank­heit auch leichter, die Zahl der Todes'älle ist beim männlichen Geschlecht weitaus größer. Besonders interessant wird die Frage von der Lebenszähigkeit der Frau, wenn man das Gebiet der geistigen Erkrankungen betritt. Hier zeigt sich, daß die Frauen den neurotischen Gemütskrankhei'en ihrem Temperamente nach zu­gänglicher sind als der Mann: daiür aber sind sie auchleichter zu heilen. Der Mann dagegen wird öster von schweren Gehirnstörungen und Paralysen befallen, also von Krankheiten, bei denen die Aussicht auk Heilung ungleich geringer ist. Es scheint fast, als ob die größere Empfänglichkeit der Frauen für die leichteren Formen der Gemütskrankheiten eine Art Schutzwehr gegen die schweren Geistes­störungen ist.

Die Tatsache, daß in vielen europäischen Ländern die Zahl der weiblichen Einwohner größer ist als die der männlichen, leitet den Laien unwillkürlich zu dem Schluffe, daß auch die Geburts­zahl weiblicher Kinder ungleich größer sein muß als die der männ­lichen. Eine Durchsicht der Eeburtsziffern der wichtigsten eurcpäi- chen Länder ergibt aber, was kchon lange bekannt ist, daß auf 100 weibliche Neugeborene im Durchschnitt 105 Knaben geboren werden; das Ueberwiegen des weiblichen Elements in der er­

wachsenen Bevölkerung erklärt sich durch die größere Lebenszähig feit. Ein englischer Statistiker hat festgestellt, daß von zwei am gleichen Tage geborenen Kindern der Knabe nur 17 gegen 11 Chancen hat, das erste Jahr zu überleben, während bei dem Mädchen die Chancen 23 zu 11 betragen. Pont dritten Jahre ab ist die Sterb­lichkeit bei beiden Geschlecluern bis zum 15. Jahre ungefähr gleich. Von 1519 aber, der kritischen Periode der weiblichen Jugend, hat das Mädchen 277 Lebenschancen, während der gleichaltrige Knabe nur 269 hat. Und dies Verhältnis--steigert sich noch im reiferen Alter; vom 30. oder 35. Jahre aff wird die Sterblichkeit der Frau viel geringer als die des Mannes und bleibt günstiger bis zum 70. Jahre. Zwischen 70 und 85 nähern die beiden Zahlen sich wieder einander, um dann aber, im höchsten Greisenalter, wiederum die größere Lebenszähigkeit der Frau zu beweisen.

Vermachtes. .

* Heckenzäune, aus Weiß- oder Schwarzdorn, Flieder, Hartriegel, Hainbuche gebildet, waren früher bei ländlichen Grund­stücken als undurchdringliche Umfriedungen beliebt und speziell bei Gärten gebräuchlich, dienten auch allerlei Kleinvögeln als Niststätten. Wie die Hohlbäume, Feld-, Wald-, Wiesen- und Weg- Hecken wurden sie beseitigt und nach amerikanischer Manier durch Stacheldraht, mit dem die Farmer die Weideplätze ihrer Pferde­herden umspannen, ersetzt. Nur vereinzelt bestehen sie noch^ihres praktischen Nutzens wegen um Gemüsegärten, weil sie im Früh- und Spütjahr die Wirkung der kalten Luftströmungen mindern. Durch das gegen früher häufige Beschneiden haben die Hecken aber die Bedeutung als Brut- und Zufluchtsstätten für Vögel verloren, als welche selbst die Bocksdornhecken der Dörfer verschwinden. Ss bleibt also zu wünschen, daß die Heckenzäune da, wo sie noch be­stehen, weniger oft und dann auch nur zu einer Zeit unter dig Schere genommen werden, in der das Vogelleben darin nicht ge­stört wird, was bei gutem Willen gewiß möglich ist.

ff. Robespierre als Rätsel. Auf sonderbare Weise erfuhr Josephine von Beauharnais den Tod Robespierres und damit ihre Befreiung. Sie war im Gefängnis zu Cannes ein­gekerkert und harrte des Augenblickes, wo sie vonc Revolutivns- tribunal abgeurteilt werden sollte. Als sie durch das kleine Fensterchen ihrer Zelle auf die Straße blickte, bemerkte sie plötz­lich auf der anderen Seite eine Frau, die sich alle erdenkliche Mühe gab, sich durch Zeichen mit, ihr zu verständigen. Sie lenkte Josephincns Aufmerksamkeit auf ihr Kleid.Kleid?", fragte Josephine zurück, ebenfalls in der Zeichensprache.Ja", erhielt sie zur Antwort. Dann nahm die Frau einen Stein und zeigte ihn der Gefangenen. Wiederum derselbe Austausch von Frage und Antwort. Und zu guterletzt zeigte sie Stein und Kleid zu­sammen, und machte dabei die Bewegung des Halsabschneidens. Dann begann sie freudig zu tanzen und in.die Hände zu klatschen. Kleid (rohe) und Stein (Pierre) gaben zusammen Robespierre,- und Robespierre war der Hals abgeschnitten ivorden.

Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

* pro die. In der Empfehlung eines bekannten Heilmitlels, die doch für die armen Laien, die es einnehmen müssen, verstänbiich fein sollte, kommen folgende sprachlichen Schönheiten vor: 2 bis 3 Kaffeelöffel "pro die, Originalkonzentration, Per Inhalationen! (!!), applizieren und dialysieren, Kataplasmen und Tampons, Bougier und subkutane Injektionen, Agglutinieiende imb präzipiiierende Sera, Polyvalentes (!) Slreptokokkensermn, Gelatina steril! ata pro in- jectione 10% usw. Anscheinend kann man das alles auf deutsch gar nicht ausdrücken; ober sollte nicht bochtäglich" vcrstänblicher sein als pro die,Zum Einatmen,, alsPer Inhalationen!,zur Einspritzung" alspro injeetione usw. usw. ? Wenn Aerzte, Apo­theker imb Heilmittelerfinber und -breiter u n t e r sich solches Kauder­welsch verzapfen wollen, mag es ihnen unbenommen bleiben, die Laien aber, zu denen sie sprechen, sollten sie wirklich damit ver­schonen. _____________

Ureuzratsel.

In die Felber nebenstehender -- Figur sind die Buchstaben

____ aaaaeeeeeefffiiik .kkklllnnoooopppp .......... ............." rrrrrrssssss ---------derart einzutragen, daß di«

senkrechten und wagerechten Reihen gleichlaiitend folgendes --------------- ergeben:

1. Einen Titel.

2. Süße Fracht.

--- 3. Mustergültigen Schrift- - . stcller.

ÄuNouiug in nächster Nummer.

Auflösung des GleichklängEels in voriger Nummer," Der Regen.

Redaktion: K. N e n r a t h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.