dem ärmlichen Stübchen verbrachten. Angeregt o-benein von dem feurigen Wein, schloffen sie sich immer rückhaltsloser voreinander auf, und als sie das Mahl aufhoben, da war es ihnen, ols ob sie schon jahrelang gute Freunde wären.
In ihrer fröhlichen Laune hatten sie gar nicht auf das Wetter draußen geachtet. Nun aber sahen sie, beim Hinaustreten zu den Pferden, daß die Nebel von den Berghängen her sich dicht zusammengebraut hatten unb tiefer ins Tal hineintrieben.
,FD — das ist bös!" bedauerte Amthor, Umschau haltend. „Nun wird der Regen auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir müssen umkehren."
„Ach nein!" bat sie. Sie wollte sich diesen herrlichen Tag nicht verkürzen lassen, wo sie einmal, frei von allem gesellschaftlichen Zwang, hinweggehoben über alles Elend des Lebens, ohne die stete Scheu vor einem Mißverstanden- werden und geheimen Nachstellungen, mit einem sympathischen Menschen zusammen sein durfte, dem sie vollstes Vertrauen entgegenbrachte. „Wir werden uns doch vor dem bißchen Regen nicht fürchten?"
Wieder mit jenem kindlichen Ausdruck in den Augen blickte sie ihn an. Auch er hätte ja so gern diese schönen Stunden unverkürzt ausgerostet; aber dennoch erwiderte er:
„Nicht vor dem Regen, aber vor dem Nebel! Sie kennen seine Gefahren hier nicht." '
„Ach, es wird ja nicht gleich so schlimm werden!" beschwichtigte sie ihn. „Wenn wir uns auch ein bißchen verirren sollten — bitte, bitte! Lassen Sie uns noch Zweiter reiten — ein bißchen wenigstens!" bettelte sie.
Da gab er nach.
„dtun gut! Sehen wir, wie weit wir kommen!"
„O, wie lieb von Ihnen!" dankte sie ihm in Heller' Freude und eilte zu ihrem Pferde. Sie versuchte, sich allein in den Sattel zu schwingen; aber da stand er schon bei ihr und hielt ihr seine gefalteten Hände zum Aufsteigen hin:
„Bitte!"
Leicht setzte sie den Fuß hinein und, sich flüchtig auf seine Schulter stützend, hob sie sich in den Sattel. Es war nur eine sekundenlange Berührung, aber doch durchströmte es ihn so eigen, wie er den zierlichen Fuß in seinen Händen und ihre weichen Finger auf seiner Schulter spürte. Ein Gefühl, gemischt von einem süßen, heimlichen Zauber und einer ehrerbietigen Verehrung ihrer Frauenschaft zugleich.
Dann saß er auch auf, und langsam ritten sie vom Hose.
Fast eine Stunde waren sie wieder unterwegs, aus dem tiefeingeschnittenen 'Tal abgeschwenkt in eine seitliche flache Bodenversenkung, da der immer dichter werdende Nebel ein Vorwärtsdringen zu dem Talschluß mit seinen Schneegruben hin heut doch verbot. Mer auch hier wurde der kalte, nässende Nebel immer lästiger. Sie hatten sich zwar schon eine ganze Weile in ihre Wettermäntel gehüllt;
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Der König von Thule
Roman von Paul Grabein.
(Nachdruck tierboten.)’
(Fortsetzung.)
Die kahle Tischplatte war mit Streublumen belegt, Fleisch, Fisch, Brot, Butter und Käse lagen auf großen grünen Blättern aus den Tellern, und einer der Töpfe war zur Blumenvase gemacht worden, aus der mit nickenden Köpfen Krokusse, leuchtende Ranunkel und Vergißmeinnicht niederhingen. Der vorhin so ungemütlich ausschauende Frühstücksitsch war so mit einemmal ganz einladend geworden.
Bewundernd schaute er, herzutretend, auf ihre schlanken, weißen Finger, die eben noch eine Schüssel zierlicher anordneten.
„Was Sie für Feenhände haben! Sie können die Schönheit aus dem Nichts zaubern."
Sein bewundernder Blick rief einen rosigen Hauch auf ihrem Gesicht hervor. Sie sah unendlich liebreizend aus, wie sie ihn so mit glücklich strahlenden Augen anschaute.
„Ja? Gefällt es Ihnen ein bißchen? — Aber nun zeigen Sie! Was bringen Sie denn da noch alles für Herrlichkeiten?"
Sie nahm ihm seine Schätze ab: Wurst, Cornedbeef, Mixedpicklcs, Lachs in Gelee, Rcbhuhnpain, Tafelschokolade und eine Flasche Portwein.
„O, Sie Verschwender!" schalt sie. „Sie haben ja wohl ganz Reykjavik ausgeläuft? Großartig! Wir werden ein wahres Schlemmermahl halten. — Aber kommen Sie schnell t— ich hab einen wahren Wolfshunger vom Reiten!"
Er ließ sich ihr gegenüber auf der Bank nieder und schaute ihr schweigend, in stillem Behagen zu, wie sie mit ihren zierlichen Händen ihm die Brötchen zurecht machte.
„Was haben Sie denn? Sie sagen ja gar nichts!" von ihrer Arbeit aufblickend, sah sie zu ihm hinüber.
„Ich könnte Ihnen immerfort so zusehen," gestand er offen. „Sie verbreiten eine solche Sphäre von Ruhe und Unmut um sich."
Wieder flog eine leise Verwirrung über ihre Züge, so daß sie sich schnell über eine Büchse beugte, ihm uoch davon vorzulegen.
„Danke, danke ■— um Gottes willen!" wehrte er mit komischem Entsetzen ab. In ihrer aufsteigenden Verlegenheit hatte sie ihm allerdings den ganzen Teller voll Mixed- Pickles gelegt. „Ich bin doch kein Engländer! Das ist ja für einen gewöhnlichen Sterblichen eine nahezu tödliche Dosis."
AuH sie stimmte herzhaft in sein Lachen mit ein, so schnell die Befangenheit wieder verlierend. Wie ein paar gute Kameraden schmausten und scherzten sie dann zusammen. Es war eine wundervolle Stunde, die sie so in


