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machest Dorothea. — Dorothea allem — für den Verlust des Amethysts verantwortlich?
Dorothea hatte die leere Brosche; aber das Fläschchen, das Fläschchen! Das hatte zuvor jemand aus der Brosche entnommen. Erinnerst du dich an das weiße seidene Kleid, das Herr Armstrong dieses Zimmer verlassen saW Ich kann nicht mehr reden, Walter; meine Pflicht führt mich dort Hinern!
Er wieS nach dem Palinengarten. Ich trat zurück und fragte, ob ich von neuem meine Wache ans der Diele beziehen solle.
Er schüttelte das Haupt.
Das ändert nichts; nichts ändert daran etwas. Doch wenn du nur einen Gefallen erweisen willst, so bleib hier!
Ich ließ mich daraufhin auf einem Stuhl nieder. Er schien eine gewaltige Anstren.gu.ng zu machen und näherte sich der Tür zum Palmengarten. Absichtlich blickte ich eifrig nach einer anderen Richtung; mein Herz war voll Mitleid für ihn.
Aber einen Augenblick später stand ich wieder auf den Füßen. Ich borte, wie er zwischen dem raschelnden Palmen suchte. Alsbald hörte ich ihn laut rufen:
Sie ist fort! Ich vergaß, daß eine zweite Türe da ist, die.mit der Diele in Verbindung steht!
Ich eilte in den Raum, und auf ihn zu. Er stand vor einem leeren Sessel; zerpflückte Rosen lagen auf dein Fußboden, zerstreut. Nie werde ich sein Gesicht vergessen. Die Dunkelheit des Palmengartens konnte seine tiefe, mt» sägliche Aufregung nicht verdecken. Für ihn ließ diese Flucht nur eine Auslegung zu — Schuld!
Ich unterstützte Sinclair nicht in seiner Absicht, die Angelegenheit in Dieser Nacht noch weiter zu verfolgen. Ich sah, daß er erschöpft war, und daß jede weitere Bewegung ihn mehr angreifen würde, als seine Kraft auszuhalten vermöchte. Daher trennten wir uns sofort nach Verlassen der Bibliothek, und allein zog ich mich auf mein Zimmer zurück. Es mag vielleicht kein gutes Licht auf mich werfen, aber ich muß gestehen, daß ich sehr bald hernach einschlief und erst beim hellen Tageslicht an einem Pochen an meiner Türe aufwachte. Als ich sie öffnete, stand Sinclair vor nur. Er sah übernächtig und ungekämmt aus. Bei seinem Eintritt hörte ich den ersten Klang der Frühstücksglocke von der unteren Diele herauftönen.
Ich konnte nicht schlafen, begann er. Ich bin die ganze Nacht über auf der Diele auf- und abgegangen, labe immer wieder an ihrer Tür gelauscht und mir die Sache wegen der Armstrongs überlegt. Gott verzeihe mir, aber ich habe keinem Menschen anvertraut, was es war, das diese Angelegenheit für mich in eine schreckliche Tragödie verwandelt hat! Findest du, daß ich unrecht handelte? Ich habe gewartet, um Drothea eine Gelegenheit zu geben, sich zu rechtfertigen. Warum sollte ich nicht auch Gilbertine gegenüber nachsichtig sein?
Ganz richtig, erwiderte ich. —• Aber unsere Blicke begegneten sich nicht, und in unseren Stimmen war nicht der leiseste Ton einer Hoffnung zu vernehmen.
Ich werde mich beim Frühstück nicht sehen lassen, erklärte er nunmehr. Ich habe dieses Billett für Gilbertine geschrieben. Willst du es ihr zukonimen lassen?
Als Antwort streckte ich die Hand aus. Er übergab mir das Briefchen: ich wurde ganz gerührt, als ich 'bemerkte, daß es nicht verschlossen war.
Wenn du es ihr übergibst, so versichere dich, daß sie die Gelegenheit findet, es allein, ohne Zeugen, zu lesen. Ich werde um Ueberlassung eines der kleinen Empfaugs- salone für heute morgen bitten. Laß sie dorthin kommen, wenn sie den Wunsch darnach äußert. Sie wird in nur nicht nur einen Richter, sondern auch einen Freund finden.
„ Ich gab mir alle Mühe, ihm meine Teilnahme auszudrücken, ihn zur Geduld_ zu mahnen und auf weniger trostlose Gedanken zu bringen. 'Mer trotzdem sich der arme Junge Mühe gab, mich anzuhören, merkte ich, daß er mir seine Aufmerksamkeit nicht zu schenken vermochte. Daher gab ich diesen Versuch auf, und sogleich verließ er das Zimmer. Sofort suchte ich mich so salonfähig zu Machen, als es diese Nacht voll unerhörter Aufregungen tznlleß und eilte nach unten, um ihm wenigstens die Dienste zu leasten, wie sie mir glücklicher Zufall und die äußeren Nm-i nauüe ermöglichen würden.
Auf der unteren Diele fand ich die Gäste des Hauses und ein paar Fremde in neugieriger Stimmung versammelt. Nachrichten von dem traurigen Ereignis gingen in der Straße von Hans zu Haus, und verschiedene nächste Nachbarn der Familie Armstrong hatten ihren. Frühstvcks- tisch verlassen, um ihr Interesse zu bekunden und Einzel- Heiken zu erfahren. Mitten unter ihnen stand die Dame des Hauses ; aber Herr Armstrong ließ sich nirgends blicken. Man wartete noch auf ihn mit dem Frühstück. Da ich mich nicht auf die konventionellen Besprechungen einlassen wollte, blieb ich in der Nähe der Treppe stehen, um zu warten, ob nicht jemand herabkommen würde, der mir Nachrichten über Fräulein Murrays Befinden geben könnte. Ich hatte nämlich wenig Hoffnung, daß sie diesen Fremden unter die Augen gehen würde, und zweifelte selbst daran, ob sich Dorothea am Frühstückstisch sehen lassen würde. Aber das kleine Fräulein Lane, so klein sie war, besaß einen gewaltigen Appetit. Sicherlich würde sie schon vor den: letzten Glockenzeichen erscheinen, und da wir gute Freunde waren, würde sie meine Fragen beantworten und mir die Auskunft geben, deren ich zur Ausführung von Sinclairs Wunsch bedurfte. Aber ehe ich ihren leichten Schritt aus der Treppe vernahm, wurde ich in meiner Absicht durch eine unerwartete Reihe von Ereignissen, gestört. Drei Herren kamen hintereinander die Treppe herunter, gefolgt von Herril Armstrong, der ernster 'und gewichtiger aussah, als gewöhnlich. Zwei davon waren die Aerzte, die während der Nacht gerufen worden, und die ich selbst etwa um drei Uhr hatte das Haus verlassen sehen. Den dritten kannte ich nicht, aber er sah gleichfalls wie ein Arzt aus. Warum waren sie schon wieder so früh im Haus? War irgend etwas Neues ans Licht gekommen?
Diese Frage'schienen sich die anderen so gut wie ich vorzulegen. Als Herr Armstrong die Herren über die Diele und zur Haustüre begleitete, verfolgte sie mancher neugierige Blick, und nur schwierig entzog sich! der höfliche Wirt bei feiner Rückkehr den Fragen, und ausgestreckten Händen der wißbegierigsten seiner Gäste. Ein gefälliges Wort, ein liebenswürdiges Lächeln hatte er für jeden in Bereitschaft; aber als ich ihn das kleine Zimmer betreten sah, das ihm zum Privatgebrauch diente, war ich höllisch dervvn überzeugt, daß er ihnen nichts verraten hatte, was in irgend einer Weise ihre Neugier befriedigen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
MM'8 Winter wird...
' Humoreske von Henri) Dnvernois.
Autorisierte Hebet feij.it ng von M. Doering.
Wie war es nur möglich geivesen, daß er, Saturin Ligugeard, der geniale Vagabund, das Leben in dieser nüchternen Kleinstadt Montignoles bisher ertragen hatte! Er hasste bis zur abgrundtiefen Verachtung diesen nach dem Glockenschlag der alten Turmuhr geregelten Geschäftsbetrieb der philiströsen Einwohner, die ihm mit großmütiger oder mitleidiger Miene ihre Almosen darboten.
Saturin beschloß, eine gründliche Verbesserung seiner Da- seinsbedingungen durchzudrücken. Er hatte eine glänzende Idee, die er unverzüglich zu verwirklichen begann.
Zunächst rempelte er seinen speziellen Gegner, den Gendarmen Gougiere, an, der es gewagt hatte, ihm den nächtlichen Schlafs in den Stadtanlagen .zu verbieten.
„Schmarotzer! Alter, träger Schmarotzer!" höhnte Saturin den Gendarmen, indem er dem Wächter der öffentlichen Ordnung, der ihn aus dem Schlummer aufgescheucht, einen leichten Rippenstoß versetzte.
„Hetze!" schmunzelte Gougiere, „auf dem Bein gehe ich nicht! Wenn du alter Faulpelz denkst, ich würde dich so einfach arretieren, damit du dich auf Staatskosten sattfuttern könntest, so irrst du dich! Geh, mach, daß du weiterkommst."
Schnell entschlossen wechselte Saturin sein System.
„Hören Sie, Herr Gougiere. Das war eben nur eine Art Verzweiflungsakt von mir. Ich kämpfe hier vergebens gegen Hunger und Not. Als mein seliger Vater noch lebte, waren hier bessere Zeiten für einen ehrlichen Bettler. Damals könnte man noch fürs Alter sparen. Also kurz und gut: ich brauche nur vier Franks, um nach Chauvigny überzusiedeln; dort habe ich Gelegenheit, mir eine gesicherte Existenz zu gründen. . Wenn Sie mir also vier Franks verschaffen, so sind Sie mich ein für aklenral los."
„Können Sie das beschwören?"
Mit frominer Miene schloß Saturin die Augen und erhob die Rechte mit den ausgestreckten SchwnrfingerN. Wenige Augenblicke 'zog er, eine lustige Melodie pfeifend, und mit den vier FranV-


